Ursachen bleierne Müdigkeit nach Zuckerkonsum

Bestimmt haben Sie schon einmal vom Fress-, Suppen- oder Schnitzelkoma gehört? Und es als Berufstätige oder Berufstätiger vermutlich am eigenen Leib erfahren. Und so lecker das auch war, kurze Zeit später sitzen Sie wieder am Schreibtisch und kämpfen dagegen an, dass Ihnen die Augen zufallen.

Was passiert im Körper, wenn wir Zucker essen?

Schon in kleinen Mengen führt die Aufnahme von Zucker dazu, dass die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin ausschüttet. Insulin sorgt dafür, dass der Zucker bzw. die Glukose das Blut schnell wieder verlässt und in die Zellen eingelagert wird. Denn dort wird er von den Zellen als Energielieferant benötigt.

Wenn wir kohlenhydratreiche Mahlzeiten aufnehmen, kommt es zu einem Anstieg von Glukose (Traubenzucker) im Blut und zu einer verstärkten Ausschüttung des Hormons Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Das Insulin fördert den Einstrom des Zuckers in die Körperzellen, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder sinkt.

Bei manchen Menschen kann die Insulinsekretion nach dem Essen so stark ansteigen, dass es dadurch zu einem rapiden Abfall des Blutzuckers, zur so genannten "reaktiven Unterzuckerung" kommt. Da unser Gehirn aber auf den Blutzucker als Energiequelle angewiesen ist, kann seine Leistungsfähigkeit für eine gewisse Zeit eingeschränkt sein. Die Folge: Müdigkeit.

Warum führt Zuckerkonsum oft zu einem schnellen Hoch und anschließendem Tief?

Durch das Essen von Süßigkeiten und einfachen Kohlenhydraten wird der Blutzucker zwar schnell erhöht und der Körper bekommt einen Energieschub, allerdings fällt der Blutzuckerspiegel danach rasant ab. Durch diesen Abfall des Blutzuckers fühlt man sich erstmal müde und erschöpft.

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Wird dem Körper jedoch viel freier Zucker zugeführt, landet dieser sehr schnell auf einmal im Blutkreislauf. Die Folge ist, dass der Körper die Glukose nicht mehr richtig aufnehmen kann. Der Transport in die Zellen ist gestört und die vorhandene Energie kommt nicht an wo sie gebraucht wird. Die Folge: Du fühlst dich müde und weniger leistungsfähig.

Weitere körperliche Mechanismen hinter postprandialer Müdigkeit

Sobald die Nahrung in unsere Verdauungsorgane, also in Magen und Darm, gelangt, veranlasst das unseren Körper, Blut aus anderen Geweben und Organen in den Bauchraum umzuleiten. Denn dort wird das Blut gebraucht, beispielsweise für die Aufnahme und den Abtransport von Nährstoffen. Während dieser Zeit ist in anderen Bereichen die Blutmenge und damit auch die Menge an gelöstem Sauerstoff geringer. Den Sauerstoffverlust spüren wir besonders im Gehirn. Wir werden müde.

Je größer die verspeiste Mahlzeit war, desto länger dauert es, bis das Verdauungssystem alle Nährstoffe aufgenommen hat. Zusätzlich steigt der Blutzuckerspiegel an. Das kann zu einem Energieverlust führen, wenn er kurz danach wieder abfällt.

Tryptophan, Serotonin und Schläfrigkeit

Lebensmittel, die viele Kohlenhydrate enthalten (zum Beispiel: Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gebäck, Weißbrot), helfen dabei, den Tryptophananteil im Blut zu erhöhen. Aus der Aminosäure Tryptophan kann der Körper das Hormon Serotonin bilden. Dieses wirkt schlaffördernd.

Wenn die Aminosäure Tryptophan aus der Nahrung freigesetzt ist, gelangt sie über ein spezielles Transportsystem über das Blut ins Gehirn. Dort wird sie zu Serotonin umgewandelt. Serotonin wirkt harmonisierend auf das Zentralnervensystem, macht gute Laune, weniger schmerzempfindlich und ängstlich, aber auch ein wenig schläfrig.

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Der Anstieg des Insulinspiegels nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten führt nicht nur zum Einstrom von Zucker in die Zellen. Auch die Bausteine der Eiweiße, die Aminosäuren, werden unter dem Einfluss von Insulin aus dem Blut in die Zellen aufgenommen. Und zwar genau jene Aminosäuren, die mit Tryptophan um die Aufnahme ins Gehirn konkurrieren. Da die Konkurrenz im Blut nun fehlt, gelangt Tryptophan bevorzugt ins Gehirn und steht dort vermehrt für die Serotoninherstellung zur Verfügung.

Wann deutet Müdigkeit nach dem Essen auf ein ernstes Problem hin?

Wer häufig nach dem Essen schlapp ist, sollte aufmerksam werden. Ein Mittagstief kennen viele. Nach einer üppigen Mahlzeit sinkt die Konzentration, die Augen werden schwer. In den meisten Fällen ist das harmlos. Wer jedoch regelmäßig nach dem Essen müde, schlapp oder unkonzentriert ist, sollte aufmerksam werden - besonders bei bestehendem Typ-2-Diabetes.

Steigt der Blutzucker nach einer Mahlzeit stark an, bleibt das oft unbemerkt. Viele Betroffene messen ihre Werte zu selten - vor allem nach dem Essen. Das Problem: Auch der Langzeitwert (HbA1c), den der Hausarzt kontrolliert, zeigt solche kurzfristigen Blutzuckerspitzen nicht zuverlässig.

Bleiben diese Werte dauerhaft erhöht, kann das ernsthafte Folgen haben: Verschlechterung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schäden an den Blutgefäßen, etwa im Auge, und Beeinträchtigung von Gedächtnis und Wahrnehmung, besonders im Alter.

„Um den Blutzuckerspiegel auch zwischen den Arztbesuchen im Blick zu behalten, sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes regelmäßig selbst ihre Blutzuckerwerte nach dem Essen messen“, empfiehlt Diabetesberaterin Johanna Sandner. Ein sinnvoller Zeitpunkt ist laut der Expertin etwa zwei Stunden nach der Mahlzeit.

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Weitere Folgen und Warnzeichen von dauerhaft hohem Zuckerkonsum

Die Anzeichen für zu viel Zucker sind vielfältig und eine Zuckerüberforderung bzw. sogar eine Zuckersucht kann sich bei jedem anders äußern. Die Symptome für zu viel Zuckerkonsum reichen von Hautunreinheiten und Müdigkeit bis hin zu Kopfschmerzen und Heißhungerattacken.

Wer häufig Heißhunger auf Süßes hat, hat ständig Lust auf noch mehr Süßes und regelmäßig mit Heißhungerattacken zu kämpfen. Werden ständig zuckerhaltige Lebensmittel oder Süßigkeiten gegessen, sind der Insulin- und Blutzuckerspiegel konstant zu hoch. Ein hoher Insulinspiegel führt zu verstärktem Hunger und kann daher auch Heißhunger begünstigen.

Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum kann eine Insulinresistenz zur Folge haben, die dafür sorgt, dass der Zucker bzw. die Glukose nicht mehr in die Zellen gelangt, wo die Energie eigentlich benötigt wird. Die Zellen werden also - obwohl genug Zucker im Blut ist - nicht richtig versorgt und signalisieren dem Gehirn weiterhin Hunger.

Häufige Infekte wie Erkältungen können auch ein Anzeichen dafür sein, dass man zu viel Zucker isst. Denn die ständige Aufnahme von Zucker in zu großer Menge kann auch das Immunsystem schwächen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Zucker sich auf die Immunantwort der Zellen auswirken kann. Dazu kommt, dass eine zuckerreiche Ernährung häufig einhergeht mit einer nährstoffarmen Ernährungsweise.

Ein hoher Zuckerkonsum kann nicht nur das Immunsystem schwächen, sondern auch die Darmflora stören. Mit Zucker werden vor allem schlechte Darmbakterien gefüttert, die natürlicherweise ebenfalls im Organismus vorkommen. Das kann zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora führen.

Die meisten Bakterien fühlen sich in einem zuckerreichen Umfeld besonders wohl und können sich dort auch besonders schnell vermehren. Wer viel Zucker isst, hat daher auch häufiger Probleme mit Pilzinfektionen. Ein hoher Zuckerkonsum kann z. B. Darmpilze begünstigen. Diese können nicht nur zu Verdauungsproblemen, sondern auch zu Scheidenpilzinfektionen führen.

Zu viel Zucker im Körper kann sich auch durch Symptome auf der Haut äußern. Als Folge davon bindet der Zucker sich im Blut an die Proteine Kollagen und Elastin. Diese sorgen dafür, dass die Haut straff und gesund ist. Essen wir zu viele Süßigkeiten, kann der Körper den Zucker nicht mehr richtig verarbeiten. Der Zucker bindet sich dann an eben diese Proteine, welche ihre Aufgabe nicht mehr richtig ausführen können. Das zeigt sich in Form von Entzündungen, Hautunreinheiten, Pickeln oder Akne.

Wenn wir zu viel Zucker essen, können sich die Symptome nicht nur physisch, sondern auch psychisch bemerkbar machen. Ein hoher Zuckerkonsum geht häufig mit Stimmungsschwankungen einher und kann auch Depressionen und Angststörungen auslösen. Das liegt daran, dass unser Gehirn am besten funktioniert, wenn es in konstanter Menge mit Glukose versorgt wird. Zu viel Zucker sorgt für eine Überversorgung, mit der das Gehirn nicht gut umgehen kann und beeinflusst den Opioid- und Dopaminhaushalt negativ.

Praktische Tipps, um Müdigkeit nach dem Essen zu verhindern

Um den Effekt zu steigern, lohnt es sich, immer wieder kurze, schnelle Phasen während des Spazierengehens einzulegen und im Büro auf dem Weg zurück zum Schreibtisch die Treppe dem Aufzug vorzuziehen. Am Schreibtisch können Sie sich außerdem immer wieder recken und strecken. Idealerweise lüften Sie vorher und schließen für einige Minuten die Augen.

Doch nicht nur die körperliche Betätigung ist dafür verantwortlich, dass Sie nach dem Essen wieder munter werden. Wenn Sie draußen spazieren gehen, setzen Sie sich dem Tageslicht aus. Auch das hilft nachweislich gegen das Mittagstief und erhöht Ihre Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.

Wer die Möglichkeit hat, sich nach dem Mittagessen einen kurzen Powernap zu gönnen, kann auch damit dem Mittagstief entgegenwirken. Bis zu 30 Minuten sind ideal. Doch Vorsicht: Wer zu lange schläft, riskiert, dass sich die Müdigkeit sogar noch verstärkt.

Je schwerer verdaulich das Essen ist, desto müder fühlen wir uns. Sehr fettreiches Essen beschäftigt den Magen-Darm-Trakt besonders lange, weshalb weniger Ressourcen für andere Körpervorgänge zur Verfügung stehen. Greif lieber zu fettarmer Kost und versuche, komplexe Kohlenhydrate statt Einfachzucker zu dir zu nehmen. Diese stecken z. B. in Gemüse und Vollkornprodukten.

Um Ihr Verdauungssystem nicht zu stark zu belasten, ist es hilfreich, kleine Portionen über den Tag verteilt zu essen. Dabei können Sie sich am sogenannten Tellermodell orientieren. Gemüse, Hülsenfrüchte, Pilze und Kräuter sollten etwa die Hälfte Ihres Tellers ausmachen. Mit Getreide, Brot, Reis und Nudeln sollte etwa ein Viertel Ihres Tellers belegt sein, mit Eiweißquellen wie Fleisch, Fisch, Käse, Eier, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen ebenfalls ein Viertel bis ein Drittel Ihres Tellers.

Vermeiden Sie stark kohlenhydrat- und proteinreiche Nahrung, indem Sie den Gemüseanteil in Ihrer Mahlzeit erhöhen. Schwere, fettreiche Kost wie Schnitzel, Pizza oder Currywurst sollten Sie mittags lieber meiden. Gut zu verdauen sind zum Beispiel leichte Salate oder Suppen. Trinken Sie außerdem mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag.

Führen Sie ein Ernährungs-Tagebuch: Halten Sie schriftlich fest, was Sie essen und wie Sie sich danach fühlen. So können Sie Speisen und Nahrungsmittel ausfindig machen, die Sie besonders müde machen, und diese in Zukunft meiden.

Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten

Wenn Sie sich nicht nur mittags nach dem Essen, sondern prinzipiell dauermüde fühlen, können dahinter zahlreiche Ursachen stecken. Zum Beispiel: Bluterkrankungen wie Anämie (Blutarmut), „Long Covid“ nach einer überstandenen Coronainfektion, das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic fatigue syndrom), psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnout, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Schlafstörungen wie Schlafapnoe, Infektionen wie das Pfeiffersche Drüsenfieber oder Schilddrüsenerkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion.

Sollte Ihre Müdigkeit sich nicht durch Erholung und Schlaf vertreiben lassen und Sie in Ihrem Alltag stark einschränken, sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Infografik: Mechanismen von Zuckeraufnahme, Insulinausschüttung und Müdigkeit

Kurze Tabelle: Ursachen für Müdigkeit nach dem Essen und Gegenmaßnahme

Ursache Mechanismus Gegenmaßnahme
Reaktive Unterzuckerung Starker Insulinanstieg → rascher Blutzuckerabfall Komplexe Kohlenhydrate, kleinere Portionen
Verdauungsbedingte Umverteilung von Blut Mehr Blut in Magen/Darm → weniger Sauerstoff fürs Gehirn Leichte Kost, kurze Pause, Frischluft & Bewegung
Tryptophan/Serotonin Mehr Tryptophan im Gehirn → erhöhte Serotoninbildung Ausgewogene Mahlzeiten, Protein-Kohlenhydrat-Balance
Große oder fettreiche Mahlzeiten Längere Verdauungszeit, stärkeres Müdigkeitsgefühl Portionskontrolle, fettärmere Optionen
Video: Tipps gegen das Fresskoma - kurze Übungen und Powernap-Techniken

Hast du ausnahmsweise zu viel Zucker gegessen, verschwinden Symptome wie Übelkeit oder Kopfschmerzen meist innerhalb kürzester Zeit wieder. Bei einer langfristig zu hohen Menge an Zucker gilt das allerdings nicht. In diesem Fall hilft gegen die Symptome von zu viel Zucker nur eins: den Zuckerkonsum deutlich reduzieren.

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