Bienenwirtschaft, Honigqualität und Testberichte: Analyse, Kritik und Verbraucherstimmen

Die Honigauswahl in unseren Supermärkten ist riesig. Neben verschiedenen deutschen Sorten- und Mischhonigen stehen Honigmischungen aus der ganzen Welt in den Regalen. Testmagazine wie ÖKO-TEST, Konsument und natürlich die Stiftung Warentest überprüfen regelmäßig Brotaufstriche wie Nuss‑Nougat‑Creme, Marmelade sowie auch Honig. Die Produkte erzielen dabei meist gute Bewertungen. In Tests wird überwiegend Honig aus dem Supermarkt begutachtet, der industriell produziert wird. Gesundheitsexperten raten jedoch vor allem zu naturbelassenem Honig von regionalen Imkern.

Supermarktregal mit verschiedenen Honiggläsern

Ergebnisse großer Tests: Was zeigte die Stiftung Warentest?

Obwohl der Honig vom Testsieger Breitsamer aus Deutschland und Dänemark kommt, haben deutsche Honige insgesamt durchwachsen abgeschnitten. Von den 24 getesteten Blütenhonigen schnitt kein Honig mit der Note „sehr gut“ ab. 14 Honige bewertete Stiftung Warentest mit „gut“ (1,8‑2,5). Davon kommt der überwiegende Teil aus dem Ausland - lediglich fünf deutsche Honige erhielten eine „gute“ Bewertung. Drei Honige bekamen die Note „befriedigend“, sechs die Note „ausreichend“.

Bei den Laboruntersuchungen zu Honigverfälschungen fand Stiftung Warentest keine Hinweise auf gepanschten Honig. Zum Einsatz kamen hierbei die branchenüblichen Testmethoden wie NMR, IRMS und LC‑HRMS. Die neuartige DNA‑Analyse aus Estland, die im vergangenen Jahr für großes Aufsehen auf dem Honigmarkt gesorgt hatte, sei noch nicht ausgereift, habe aber Potenzial. Julia Schwietering, Projektleiterin des Honigtests, befürchtet, dass die Zahl der Referenzproben zu klein und zu stark auf Estland ausgerichtet sei.

Sensorik und Pollenanalyse im Test

Neben den chemischen Eigenschaften untersuchte Stiftung Warentest auch die sensorischen Merkmale der Blütenhonige. Dazu bewerteten geschulte Prüfer Geruch, Geschmack, Konsistenz und Mundgefühl. Auch hierbei erhielt einer der D.I.B.‑Honige eine schlechte Note wegen kohlartigem Geschmack. Der sei untypisch für Blütenhonig und würde eher zu einem Rapshonig passen. Die Pollenanalyse zeigte außerdem, dass es sich bei dem Blütenhonig um einen Rapshonig handelte. Gleichzeitig hatte eine leichte Rauchnote oder Rauchgeruch bei mehreren ausländischen Honigmischungen nicht zu Abzügen geführt. Dies sei laut Stiftung Warentest für Honige aus Lateinamerika typisch. Rauchnoten zählen in der internationalen Honigsensorik jedoch zu den sogenannten „off‑flavours“ und sind honiguntypisch.

Pollenanalyse unter dem Mikroskop

Kritik von Imkerverbänden: Neutralität, Methoden und Deklaration

Stiftung Warentest erntet Kritik von deutschen Imkerverbänden. In einer gemeinsamen Stellungnahme des Deutschen Berufs‑ und Erwerbsimkerbundes (DBIB) und des Landesverbandes Rheinland‑Pfalz (LVRP) warfen die beiden Imkerverbände Stiftung Warentest fehlende Neutralität vor und bezeichneten den Honigtest als politisch motivierten Gefallen. Sie bemängelten vor allem den Verzicht auf die DNA‑Methode, die bereits bewährt und gelistet im Handbuch für Untersuchungsmethoden des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sei. Auf Nachfrage von bienen&natur konnte das BVL das nicht bestätigen. Bei der vom DBIB und LVRP erwähnten Methode aus dem Untersuchungshandbuch handele es sich vielmehr um ein Verfahren aus dem Jahr 2012, das lediglich der Extraktion von DNA aus Honig dient.

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Grundsätzlich halten wir es für positiv, dass Stiftung Warentest auch Honig unter die Lupe nimmt. Allerdings setzt Stiftung Warentest leider einige Maßstäbe für seine Bewertung an, die den rechtlichen Rahmen nicht berücksichtigen beziehungsweise die Honigqualität nicht richtig darstellen. Im Test wurden unter anderem zwei Honige untersucht, die von Abfüllern unter der Marke ECHTER DEUTSCHER HONIG abgefüllt wurden. Die Abwertung der Honige unter der Marke ECHTER DEUTSCHER HONIG war vor allem darin begründet, dass Stiftung Warentest den Etikettenaufdruck „Spitzenqualität“ als besondere „Premium“-Auslobung angesehen hat. Die Abwertung ist nicht gerechtfertigt, da bislang kaum eine staatliche Lebensmittelkontrollstelle den Aufdruck „Spitzenqualität“ mit „Premium“ gleichgesetzt hat.

D.I.B.‑Glas und Reaktionen

Die zwei getesteten Honige im D.I.B.‑Glas lagen mit der Gesamtnote „ausreichend“ (4,0) abgeschlagen auf Platz 18 und 20. Grund für die schlechte Bewertung waren unter anderem der HMF‑Gehalt und die Invertase‑Aktivität. Die waren zwar nicht unbedingt schlechter als bei den Discounter‑Honigen - Stiftung Warentest hatte aber höhere Ansprüche an den D‑I.B.‑Honig gestellt. Durch die Bezeichnung „Spitzenqualität vom Imker“ sei der Honig für Kunden als Premium‑Honig deklariert und müsse höhere Qualitätsansprüche erfüllen. Dementsprechend erhielten beide Honige bei dem Testkriterium „Deklaration“ die Note „ausreichend“. Der D.I.B. kritisierte diese Einordnung, denn bei staatlichen Lebensmittelkontrollen sei der Etikettaufdruck „Spitzenqualität“ bisher nie mit „Premium“ gleichgesetzt gewesen. Trotzdem hat der Imkerbund bereits letztes Jahr auf ähnliche Beanstandungen reagiert und bietet seitdem auch Etiketten ohne den strittigen Aufdruck an.

Die drei DIB‑Honige im Test sind alle von größeren Abfüllern und alle mit "Befriedigend" bewertet (2,9; 3,5; 2,7). Negativ angemerkt wurde bei denen, dass der Honig nicht von Säuglinge unter einem Jahr verzehrt werden soll. Von professionellen Testern hätte man erwartet, dass sie diese Zusatzangabe (die freiwillig ist) auf dem Etikett richtig bewerten können. Leider wird da der Test falsch interpretiert.

D.I.B. Glas mit Honig und Etikett

Chemische Kennzahlen: Invertase, Diastase, HMF

Invertase ist ein hitzeempfindliches Enzym, das einen Gradmesser für eine schonende Behandlung und die Naturbelassenheit des Honigs darstellt. Die Einhaltung einer bestimmten Invertase‑Aktivität ist Pflicht für Honig unter der Marke ECHTER DEUTSCHER HONIG. Bei Importhonigen wird hingegen die Invertase‑Aktivität nicht gemessen. Die große Mehrheit würde hier die Anforderungen nicht erfüllen. Importhonige halten meist nur die niedrigen gesetzlichen Diastase‑Werte ein. Das wenig empfindliche Enzym Diastase übersteht beispielsweise problemlos die Pasteurisierung der Importhonige. Auch die gesetzlichen HMF‑Werte, die ebenfalls einen Hitzeschaden anzeigen sollen, sind recht hoch angesetzt. Damit ein heimischer Honig auch nur in die Nähe des kritischen Bereichs der gesetzlichen Diastase‑ und HMF‑Werte kommt, muss er schon stark geschädigt sein. Mit Honigen, die nur die gesetzlichen Vorgaben erfüllen müssen, kann bereits allerhand geschehen sein. Leider war das Stiftung Warentest offenbar nicht ganz bewusst.

Zeithorizont und Frische: Importhonig vs. Regional

Bis ein Honig aus Südamerika oder Asien im Glas im Supermarkt landet, vergehen lange Zeiträume. Das hat mit „frischem Honig“ nichts mehr zu tun. Leider wurde einigen wichtigen Aspekten im Test keine Aufmerksamkeit gewidmet: Heimische Honige weisen durch kürzere Transportwege und geringere Bearbeitung sicherlich einen viel geringeren ökologischen Fußabdruck auf als Importhonige. Es mag inzwischen abgedroschen klingen, aber es gilt immer noch: Bestäubungsleistung lässt sich nicht importieren.

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Transportweg und CO2-Fußabdruck Grafik

Deklaration, Herkunftsangaben und Verbraucherinformation

Die Tatsache, dass Stiftung Warentest die völlig unklare Ursprungsangabe „Honig aus EU‑ und Nicht‑EU‑Ländern“ unter dem Punkt „Deklaration“ nicht abgewertet hat, ist angesichts der übrigen Entscheidungen unverständlich. Die schwammige Angabe ist zwar erlaubt, hat aber nichts mit Verbraucherinformation zu tun. Die Imkerverbände zeigten sich enttäuscht bei der Bewertung der Herkunftsangaben von ausländischen Mischhonigen. Die schwammige Bezeichnung „Honig aus EU‑ und Nicht‑EU‑Ländern“ habe nichts mit Verbraucherinformationen zu tun. Da dies eine eigene größere Diskussion darstellt, werden wir uns dazu in Kürze getrennt äußern.

Falschdeklaration und Folgen in der Bewertung

Ein Honig wurde abgestuft, da es sich um Rapshonig handelte, der als Blütenhonig ausgewiesen war. Die Beanstandung der Sensorik‑Ergebnisse widerspricht den Vorgaben der Honigverordnung. Eine allgemeinere Sortenbezeichnung ist bei Honig immer rechtens. Zudem haben Blütenhonige keinen einheitlichen Geschmack, der sich standardmäßig vergleichen lässt. So kann Blütenhonig einen Einschlag bestimmter Nektar‑ oder Honigtauquellen mit starkem Eigengeschmack aufweisen. Man kann bei den Honigen im Test nur bewerten, ob der Geschmack honigtypisch ist. Ist dies der Fall, hat der Honig bestanden. Andernfalls ist er nicht verkehrsfähig.

Der teuerste Honig schneidet nur deswegen so schlecht ab, weil er falsch deklariert war (zu viel Götterbaum in der Linde). Dabei hat er eine hervorragende Note bei den Rückständen, was einem Biohonig auch gut ansteht. Der Honig kann also an sich Spitzenqualität gehabt haben. Das Problem bei der Bewertung: Ein falsch deklarierter Honig schneidet gleich bei vier Merkmalen schlecht ab: bei "Sensorik", bei "Pollenspektrum und mikroskopischen Auffälligkeiten", bei "Grundmerkmale" und bei "Deklaration".

Pollenprofil-Tabelle

Regionaler Imkerhonig vs. Industriehonig: Vor‑ und Nachteile

Ist Honig vom regionalen Imker die beste Wahl? Expertinnen und Experten sind sich einig: Den hochwertigsten Honig finden Sie regional. Honig vom Imker vor Ort ist naturbelassen und deshalb reich an wichtigen Nährstoffen und Enzymen. Für Bio‑Honig geht man am besten zum lokalen Imker. Nur hundertprozentig in Deutschland erzeugter und naturbelassener Honig darf das Zeichen „Echter Deutscher Honig“ tragen. Wer beim Honig auf das Label Echter Deutscher Honig achtet, kann sich auf regionalen, naturbelassenen Bio‑Honig verlassen.

Wie gut schlagen sich Supermarkt‑Honige? Laut Fachleuten stammen etwa 80 Prozent der industriell hergestellten Honige nicht vollständig oder nur teilweise aus Deutschland. Diese Produkte tragen oft den Hinweis „Mischung aus Honig aus EU‑ und Nicht‑EU‑Ländern“. Dabei handelt es sich üblicherweise um verschiedene Honigsorten, die unter Wärmeeinwirkung zusammengerührt werden. Der Vorteil dabei ist die geschmeidige Textur, wodurch sich der Honig einfach auf dem Frühstücksbrötchen verteilen lässt. Beim industriellen Herstellungsprozess gehen jedoch Frische und wertvolle Inhaltsstoffe verloren, die in naturbelassenem Honig noch enthalten sind.

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Regionaler Imker beim Schleudern von Honig

Ernährungsaspekte und gesundheitliche Hinweise

Ist Honig wirklich gesund? Honig enthält Saccharose, einen Zuckerstoff, der sich auch in herkömmlichem Zucker findet. Deshalb wirkt sich übermäßiger Honigkonsum negativ auf Zähne und Gewicht aus. Zudem können in industriell hergestelltem Honig immer wieder unerwünschte Stoffe auftauchen, wie Rückstände von genmanipulierten Pflanzen oder Pestizide, die von den Bienen über behandelte Pflanzen aufgenommen werden und dadurch die Qualität mindern können.

Insbesondere naturbelassener Honig vereint eine hohe Qualität und besitzt tatsächlich heilende und gesundheitsfördernde Wirkungen. Neben Vitamin B und Vitamin C enthält Honig auch schnell verfügbare Energie in Form von Traubenzucker. Mineralien wie Kalium und Magnesium fördern den Stoffwechsel. Unbehandelter Honig kann auch Pollen enthalten, die nicht nur den Geschmack bereichern, sondern auch die Verdauung unterstützen. Honig kann sogar bei der Wundheilung helfen - beispielsweise auf kleineren, oberflächlichen Wunden oder Hautirritationen aufgetragen. Für Säuglinge ist eine Honiggabe jedoch nicht empfehlenswert.

Allergene, Gluten und Unverträglichkeiten

Die Einschätzung beruht auf der Analyse der Verpackungsangaben, die entweder aus Produktdatenbanken stammen und zum Teil von Nutzer:innen erfasst wurden. Verwenden die Verpackungsangaben keine üblichen Formulierungen zum Glutengehalt oder sind die Angaben unvollständig oder nicht korrekt erfasst worden oder veraltet, so kann die Einschätzung falsch sein. Relevant sind nur die Angaben auf der Etikette des Produktes.

Praktische Empfehlungen für Verbraucher

  • Achten Sie beim Kauf auf die Herkunftskennzeichnung: „Echter Deutscher Honig“ garantiert inländische Produktion.
  • Bevorzugen Sie regionalen, naturbelassenen Honig, wenn Ihnen Frische, Enzymgehalt und geringer ökologischer Fußabdruck wichtig sind.
  • Lesen Sie Etiketten aufmerksam: Begriffe wie „Spitzenqualität“ sind nicht rechtlich als „Premium“ definiert, können aber Erwartungen wecken.
  • Wegen möglicher Rückstände und Verarbeitungsschäden (HMF, Diastase, Invertase) lohnt sich bei hochwertigen Erwartungen ein Blick auf Laborprüfungen oder Prüfzeichen.
  • Für Babys unter einem Jahr ist Honig nicht geeignet.
Interview mit Imker über Unterschiede: regionaler Imkerhonig vs. Industriehonig

Kurzstatistik aus Testberichten (Auswahl)

Testbereich Ergebnis / Befund
Anzahl getesteter Blütenhonige 24
Note „sehr gut“ 0
Note „gut“ 14 (davon nur 5 deutsche Honige)
Note „befriedigend“ 3
Note „ausreichend“ 6 (darunter D.I.B.‑Honige)
Hinweise auf Verfälschungen (Labor) keine nachgewiesen

Guten Gewissens kann gesagt werden, dass Verbraucherschutzprüfungen wichtig sind, allerdings sollten Testkriterien, Deklarationsbewertungen und eingesetzte Analyseverfahren transparent und rechtlich fundiert sein. Die Diskussion um Testmethoden, Deklaration und Herkunft wird weitergehen - bis dahin bleibt der regionale Imker eine verlässliche Quelle für naturbelassenen Honig.

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