Bären und ihre Vorliebe für Honig: Eine umfassende Betrachtung
Im Reich der Wildtiere kommt es immer wieder vor, dass Bienenstöcke geplündert werden, wobei Bienen und ihre Produkte als Nahrungsquelle für andere Tiere dienen. Obwohl solche Schäden für einzelne Imker erheblich sein können, spielen die verantwortlichen Tiere insgesamt nur eine geringe Rolle als "Bienenschädlinge" für die gesamte Imkerei.
Die Rückkehr großer Beutegreifer und ihre Auswirkungen
Große Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Bär breiten sich in Europa wieder aus. Auch Waschbären sind in Bayern weit verbreitet. In Einzelfällen wurden Bienenstöcke aufgebrochen und Honigwaben herausgerissen. Diese Entwicklung stellt Imker vor neue Herausforderungen, insbesondere in Regionen, in denen diese Tierepopulationen wachsen.
Weitere "Bienenschädlinge" und ihre spezifischen Schäden
Neben den großen Beutegreifern gibt es noch andere Tiere, die Bienenvölkern Schaden zufügen können:
- Spitzmäuse: Diese Insektenfresser hinterlassen im Gemüll viele Bienenköpfe und Hinterleibe, während die Bruststücke fehlen.
- Asiatische Hornisse: Ihre Jagdstrategie und ihr Vermehrungspotenzial können zu Problemen und Schäden bei Bienenvölkern führen.
- Ameisen: Insbesondere Waldameisen halten sich oft in der Nähe von Bienenvölkern auf, um nach Nahrung zu suchen.
- Spechte: In waldreichen Regionen können Spechte Löcher in die Bienenstöcke klopfen, um an die Bienen zu gelangen.
Der Braunbär: Ein Allesfresser mit einer Schwäche für Honig
Braunbären sind Allesfresser, deren Ernährung zu fast 80 Prozent aus Baumrinde, Blättern, Wurzeln, Pilzen, Nüssen, Früchten und Beeren besteht. Honig ist für sie ein seltener, aber besonders beliebter Leckerbissen. Er dient unter anderem der Stärkung des Immunsystems.
Fakten über das Fressverhalten des Braunbären
- Ein Gebiss für alle Fälle: Das Gebiss des Bären ist an das breite Nahrungsspektrum angepasst. Er hat die für Raubtiere typischen Fangzähne.
- Wanderlust: Auf der Suche nach Nahrung durchstreifen Bären weitläufige Gebiete. Gibt es nur wenig Nahrung, ist das Gebiet umso größer. Ihre Gangart ist eher gemütlich und langsam, allerdings können sie es bei Bedarf für kurze Zeit auch auf 50 Kilometer pro Stunde bringen.
- Überall zu finden: Durch die wenig spezialisierte Ernährung konnten sich Braunbären an verschiedene Lebensräume anpassen.
- Gefundenes Fressen: Müll ist eine ergiebige Nahrungsquelle für fett- und kohlehydratreiches Futter.
Bären und Honig: Eine unwiderstehliche Anziehungskraft
Bienen haben nicht nur mit einem Rückgang von blühenden Pflanzen zu kämpfen, sondern auch mit tierischen Feinden wie Braunbären. Obwohl Begegnungen mit Bären in vielen Regionen noch selten sind, gibt es sie auch im deutschsprachigen Raum wieder. Der WWF wilderte 1989 den ersten Braunbären aus, die Bärin „Mira“. Sie tat sich mit dem aus Slowenien eingewanderten „Ötscherbären“ zusammen. Das Pärchen sorgte bald für Nachwuchs: 1991 wurden drei kleine Bären gesichtet. Der WWF siedelte in den folgenden Jahren weitere Braunbären in Österreich an. Seitdem wurden über 30 Bärenjunge geboren.
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Der WWF weist darauf hin, dass Bären Honig und noch mehr die Bienenlarven lieben. Vor allem im Frühjahr nach dem Winterschlaf sind sie eine gute Eiweißquelle für das Tier. Bienenstände in einsamen Alpenregionen müssen darum vor den Bären geschützt werden.
Schutzmaßnahmen für Bienenstöcke in Bärengebieten
Imker in Regionen mit Bärenvorkommen setzen verschiedene Schutzmaßnahmen ein, um ihre Bienenstöcke zu schützen. Im italienischen Trentino gibt es beispielsweise ausgeklügelte und bärensichere Elektrozaunsysteme. Elektrozäune wurden mittlerweile auch in Graubünden aufgestellt. Im Val Müstair und im Unterengadin sollen es etwa 50 geschützte Bienenstände sein.
Zudem gibt es Informationsmaterialien wie die Broschüren „Was tun bei einer Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär? - Informationen für Nutztierhalter und Behörden in Bayern“ und den Flyer „Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär - Was tun als Nutztierhalter?“, die Ratschläge geben, was Imker konkret tun können, um Bienenstöcke vor Braunbären zu schützen.
Der Fall des "Verrückten Honigs" und seine Folgen
Ein kurioser Fall aus der Türkei zeigt, wie sehr Bären von Honig angezogen werden und welche ungewöhnlichen Konsequenzen dies haben kann. In der nordwesttürkischen Provinz Duzce wurde ein Braunbär von Park Rangern gerettet, nachdem er desorientiert und geschwächt im Wald gefunden wurde. Es stellte sich heraus, dass der Bär zu viel "Verrückten Honig" (Deli Bal) genascht hatte.
Dieser Honig ist eine Spezialität der Kaçkar-Bergen am Schwarzen Meer, wo eine spezielle Rhododendronart wächst, die ein starkes Nervengift (Grayanotoxin) produziert. Den Bienen tut der Stoff nichts, aber er reichert sich in ihrem Honig an. Dieser Honig schmeckt bitter und hat einen scharfen Geruch und wird auch nicht als Süß- sondern als Rauschmittel hergestellt. Bei den Bären kann die Substanz Euphoriegefühle, Halluzinationen und Benommenheit hervorrufen.
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Ein Imker und sein "Big Boy"-Problem
Ein Imker aus dem Nordosten der Türkei, Ibrahim Sedef, hatte mit einem Bären namens "Big Boy" zu kämpfen, der regelmäßig seinen Honig stahl. Um den Bären zu überlisten, stellte Sedef eines Nachts Schalen mit verschiedenen Honigsorten (Anzer-Honig, Kastanienhonig, Blütenhonig) und Kirschmarmelade auf einen Tisch und filmte das Ganze mit einer Nachtsichtkamera. Der Bär probierte alle Angebote, stürzte sich aber begeistert auf den Anzer-Honig, was für den Imker ein Beweis für die Qualität seines Honigs war.
Die vielfältige Ernährung der Bären
Bären sind sogar so versessen auf Honig, dass sie dafür viele Bienenstiche in Kauf nehmen. Ihre Ernährungsgewohnheiten sind jedoch vielfältig und regional verschieden. Mancherorts sind Braunbären fast reine Vegetarier, die Beeren, Pilze, Eicheln, Bucheckern, Nüsse und Früchte fressen und - wenn man sie lässt - auch Mais, Kartoffeln, Rüben und Weintrauben. Als Fleischbeilagen reichen ihnen Insekten, Schnecken, Frösche und Kleinsäuger. In manchen Regionen reißen sie hingegen Wild oder Vieh oder mästen sich an flussaufwärts wandernden Lachsen.
Bären auf Honigdiebstahl im englischen Tierpark
Auch in einem englischen Tierpark sorgten Bären für Aufregung, als sie aus ihrem Gehege ausbrachen und die Honig-Vorräte des Zoos plünderten. Die Bären Mish und Lucy drangen in den Lagerraum für ihr Futter ein und verputzten unter anderem den Honig-Vorrat für eine ganze Woche.
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