Bahlsen Umbenennung: Hintergründe, Geschichte und Details der Produktänderung

In den vergangenen Jahrzehnten steht keine Marke so sehr für süßes Gebäck aus Deutschland wie Bahlsen. Besonders ein Produkt, eine Waffelrolle, war über sechs Jahrzehnte lang unter dem Namen „Afrika“ bekannt. Doch gesellschaftliche Veränderungen und eine intensive Debatte über Rassismus in Marken und Produktsprache haben Bahlsen dazu bewogen, den Namen zu ändern.

Historische Bahlsen-Produkte und -Verpackungen

Die Umbenennung der Bahlsen-Waffel: Ursachen und Ablauf

Die traditionsreiche Waffel des Keks-Riesen Bahlsen trug über 60 Jahre lang den Namen „Afrika“. Doch in letzter Zeit mehrten sich Vorwürfe wegen des Produktnamens, der von vielen offenbar als rassistisch empfunden wird. Nach einer Rassismus-Debatte in sozialen Netzwerken hat der Kekshersteller Bahlsen eine Waffel umbenannt. Im Rahmen eines Relaunches sei der Name des Produkts „Afrika“ in „Perpetum“ geändert worden, teilte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag auf Anfrage mit.

Die neuen Produkte sind demnach seit Juni im Handel. Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über die Umbenennung berichtet. In dem betroffenen Fall sei festgestellt worden, dass der eigentliche Grund für die Namensgebung vor über 60 Jahren - nämlich der Bezug zum Rohstoff Kakao, der in einigen afrikanischen Ländern angebaut wird - heute nicht mehr wahrgenommen werde, teilte das Unternehmen aus Hannover mit. Teilweise seien sehr negative Assoziationen hervorgerufen worden. "Aus diesen Gründen haben wir uns für die Umbenennung entschieden", sagte der Bahlsen-Sprecher.

Grafik: Alte und neue Produktnamen Bahlsen

Hintergrund: Das neue Produkt „Perpetum“

Der neue Waffel-Name ist nach Konzernangaben vom lateinischen Adjektiv „perpetuus“ abgeleitet, was sich mit „beständig“ ins Deutsche übersetzen lässt. Bahlsen will damit auch der Tradition gerecht werden, Produktnamen nicht nur geschmacklich, sondern auch sprachlich mit Aussagekraft zu belegen.

Die Geschichte von Bahlsen - Entwicklung eines Traditionsunternehmens

Die Bahlsen GmbH & Co. KG ist ein deutsches Familienunternehmen der Backwarenbranche mit Sitz in Hannover. 1889 wurde die Hannoversche Cakesfabrik durch Übernahme des Fabrikgeschäftes engl. Cakes und Biscuits gegründet und hatte zu dem Zeitpunkt zehn Mitarbeiter. Der berühmte Leibnizkeks wurde 1891 erfunden und 1894 auch in den USA produziert.

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Bereits 1905 fand die erste Fließbandproduktion in Europa statt. Im Jahr 1903 wurde das seit 1896 als Markenzeichen eingetragene springende Pferd durch das TET-Zeichen ersetzt, das der Grafiker Heinrich Mittag entworfen hatte. Die ägyptische Hieroglyphe ḏt (dschet, von Bahlsen „tet“ transkribiert), zusammengesetzt aus den Zeichen I10 (Kobra), X1 (Brotlaib) und N16 (Land, Erde, Ewigkeit) der Gardiner-Liste bedeutet „ewig dauernd“, ein Hinweis auf die durch Verpackung in Wachspapier noch gesteigerte Haltbarkeit des Dauergebäcks.

Die Entwicklung des Bahlsen-TET-Zeichens

1912 wurde die Firma in H. Bahlsens Keksfabrik umbenannt. In den Jahren 1916 und 1917 ließ Bahlsen Pläne für eine Retortenstadt unter der Bezeichnung TET-Stadt in Hannover entwickeln, die nicht verwirklicht wurde. Das Unternehmen produzierte 2020 ca. 130.000 Tonnen Gebäck.

Familiäre Führung und Unternehmensentwicklung

Zwischen 1996 und 1999 gehörte das Unternehmen den drei Gesellschaftern Werner Michael Bahlsen, Lorenz Alexander Bahlsen und Andrea von Nordeck zu gleichen Teilen. Von 1999 bis 2018 war Werner Michael Bahlsen alleiniger Gesellschafter und zugleich Geschäftsführer. Er ist heute Verwaltungsratsvorsitzender. Seit 2020 wurde Bahlsen unter CEO Phil Rumbol weiter modernisiert; seit 2023 führt Alexander Kühnen das Unternehmen.

Bahlsen im Wandel der Zeit: Anpassungsfähigkeit als Markenzeichen

Zwischen 2014 und 2025 veränderte Bahlsen insgesamt drei Mal den Auftritt sowie die Verpackungsdesigns der Marke Bahlsen. Auch in der Werbung, im Markenauftritt und bei der Entwicklung neuer Produkte ist Bahlsen seit jeher aktiv: Ein besonderes Element bildeten die künstlerischen Reklamemarken, die von Bahlsen in den Jahren 1912 bis 1914 herausgegeben wurden. Die Reklamemarken waren beliebte Sammelobjekte.

Ein weiteres Beispiel für Innovationskraft ist die Einführung der ersten thermoplastischen Packung 1956, mit der die LEIBNIZ-Kekse „ofenfrisch“ und trocken blieben. Die Wahl einer unverwechselbaren gelben Verpackung der Butterkekse ab 1971 ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal im Supermarktregal.

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Historisches und modernes Verpackungsdesign Bahlsen

Im Mai 2026 warb der Firmenchef Alexander Kühnen für vermehrtes Engagement von Unternehmen für die Demokratie. Dabei betonte er ausdrücklich, dass parteipolitische Positionen wie etwa die Forderung nach „Remigration“ für seine Firma inakzeptabel seien. Für eine funktionierende Wirtschaft seien Fachkräfte, offener Handel in Europa und stabile Rahmenbedingungen wesentliche Voraussetzung.

Kritik und Umbenennung: Reaktionen der Öffentlichkeit und des Unternehmens

Der Wechsel vom Produktnamen „Afrika“ zu „Perpetum“ kam nach massiver Kritik in sozialen Netzwerken. Zahlreiche Nutzer betrachteten den Namen als nicht mehr zeitgemäß und teilweise rassistisch aufgeladen. Bahlsen reagierte auf die öffentliche Debatte und entschloss sich, auch im Rahmen eines umfassenden Marken- und Verpackungsrelaunchs, die Produktpalette sensibler und zukunftsfähiger zu gestalten.

Umbenennung und Relaunch bei Bahlsen: Pressestimmen und Reaktionen

Der Fall der Umbenennung steht exemplarisch für das wachsende Bewusstsein großer Unternehmen im Umgang mit gesellschaftlichem Druck und sich wandelnden Werten. Das Unternehmen selbst betont, dass der ursprüngliche Bezug zum afrikanischen Kakaoanbau heute weitgehend verloren gegangen sei. Gleichzeitig räumt Bahlsen ein, dass der Begriff heute stark negativ konnotiert sein kann und Assoziationen hervorruft, die nicht zum Produkt passen und der Marke Schaden könnten.

Internationalisierung und Expansion

Bahlsen expandierte stets: 1967 wurden Bahlsen of North America sowie Vertriebsgesellschaften für Luxemburg und die Niederlande gegründet, 1969 folgte Belgien. 1980 wurde die Austin Quality Foods Company in North Carolina übernommen, und damit die Produktion in den USA aufgenommen.

Tabellarische Übersicht: Bahlsen - Wichtige Meilensteine

Jahr Ereignis
1889 Gründung der Hannoverschen Cakesfabrik
1891 Erfindung des Leibnizkeks
1905 Erste Fließbandproduktion Europas für Kekse
1956 Einführung thermoplastischer Verpackung für Kekse
1963 Übernahme Feurich-Keks, Einstieg in das Nussgeschäft
1967 Gründung Bahlsen North America und Internationalisierung
2023 Alexander Kühnen wird CEO
2024 Studie zur NS-Vergangenheit des Unternehmens veröffentlicht
2026 Umbenennung der Waffel „Afrika“ in „Perpetum“

Bahlsen und gesellschaftliche Verantwortung

In den letzten Jahren ist Bahlsen zunehmend auch mit seiner historischen Verantwortung sichtbar geworden. Im Jahr 2019 wurde Kritik an Unternehmenserbin und Anteilseignerin Verena Bahlsen laut, nachdem sie sich in der Bild-Zeitung zu den Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg geäußert hatte: „Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.“ Recherchen ergaben, dass Zwangsarbeiterinnen deutlich schlechter gestellt wurden.

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Nach Bekanntgabe neuer Forschungsergebnisse räumte die Fabrikantenfamilie Bahlsen Versäumnisse im Umgang mit der NS-Zeit ein. Sie erklärte ihr Bedauern über die mangelnde Aufarbeitung und kündigte Engagement zur Erinnerungskultur an, darunter eine Gedenktafel und eine Ausstellung mit Dokumenten aus der NS-Zeit in der Firmenzentrale.

Gedenktafel für Zwangsarbeiterinnen bei Bahlsen

Für Bahlsen steht heute eine werteorientierte, offene und inklusive Unternehmensführung im Mittelpunkt. Auch die Umbenennung der bekannten Waffel unterstreicht die Bereitschaft der Firma, sich gesellschaftlichen Wandlungsprozessen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen.

Fazit zur Umbenennung „Afrika“ zu „Perpetum“

Die Umbenennung einer traditionsreichen Waffel von „Afrika“ in „Perpetum“ bei Bahlsen ist Ausdruck einer neuen Sensibilität für gesellschaftliche und ethische Fragestellungen, für die Geschichte der Marke - und für die Anforderungen der Gegenwart. Mit diesem Schritt positioniert sich Bahlsen als nachhaltiges, anpassungsfähiges Unternehmen, dass Wert auf Tradition, Qualität und gesellschaftliche Verantwortung legt.

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