Alpia Schokolade: Herkunft und Geschichte einer ikonischen Marke
Die Marke Alpia Schokolade hat ihren Ursprung im traditionsreichen Unternehmen Stollwerck, das im Jahr 1839 von Franz Stollwerck in Köln gegründet wurde. Seine Bäckerei war anfangs bekannt für die „Brustbonbons“, bevor sie sich auch auf die Herstellung von Schokolade, Printen und Marzipan spezialisierte. Schon bald erlebte das Unternehmen einen rasanten Aufschwung: Nach dem Tod von Franz Stollwerck im Jahr 1876 übernahmen seine fünf Söhne die Leitung, und die Firma Gebr. Stollwerck wurde 1871 gegründet. Diese trieb die Industrialisierung der Schokoladenproduktion maßgeblich voran.
Die Entwicklung von Alpia Schokolade
Im Jahr 1906 wurde die Tafelschokolade Alpia von Stollwerck unter Leitung der Söhne kreiert und entwickelte sich rasch zur bekanntesten Marke des Unternehmens. Mitte des 20. Jahrhunderts expandierte Stollwerck weiter durch Übernahme und Integration weiterer Marken wie Staengel & Ziller (Eszett-Schnitten, 1975), Waldbaur (1976), Sprengel (1979), Schubert Marzipan (1981), Jacques Chocolaterie (1982), Thüringer Schokoladenwerk Saalfeld (1991), Sarotti (1997), Wurzener Dauerbackwaren (1997) und Gubor (1999).
Das Unternehmen Karina Schokolade eröffnete 1922 in Herford ein großes Werk und gehörte dem Industriellen Ernst Nolting, der 1926 auch die Schokoladen-Marke Weinberg führte. Die echte Karina-Vollmilch wurde bis Ende der 1960er Jahre in Herford nach Original-Rezeptur hergestellt; in Berlin war sie eine der beliebtesten Schokoladen und für unter einer Mark in jedem Geschäft zu kaufen. Später wurde die Marke von Stollwerck/Köln übernommen und mit veränderter Rezeptur als Billigprodukt verkauft.
Meilensteine der Schokoladenindustrie bei Stollwerck
Stollwerck setzte früh auf technologische Innovationen. 1887 stellte das Unternehmen erste Verkaufsautomaten auf; 1893 waren es bereits 15.000 Automaten, mit denen Schokolade verkauft wurde. In den USA gründete Stollwerck 1894 mit John Volkmann eine Fabrik für Verkaufsautomaten in New York. Allein in New Yorker Bahnhöfen standen zu Beginn der 1890er Jahre über 4000 dieser Automaten.
Mit der Umwandlung zur Aktiengesellschaft (Gebr. Stollwerck A. G.) im Jahr 1902 konnte weiteres Kapital beschafft werden, um die Expansion voranzutreiben. Das Exportgeschäft und die Gründung einer Tochterfirma in Belgien sicherten Stollwerck internationale Präsenz. Auch im Kinematographengeschäft war Stollwerck ab 1895 führend tätig.
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| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1839 | Gründung der Bäckerei durch Franz Stollwerck |
| 1871 | Gründung der Gebr. Stollwerck |
| 1902 | Umwandlung zur Aktiengesellschaft |
| 1906 | Entstehung der Alpia Tafelschokolade |
| 1922 | Karina Schokolade Werk in Herford |
| 2002 | Übernahme durch Barry Callebaut AG |
Herausforderungen und Veränderungen
Der Niedergang des Unternehmens begann mit der Aufhebung der Preisbindung für Schokolade im Jahre 1964. Krisen wie die Weltwirtschaftskrise 1930, der Zweite Weltkrieg, Enteignungen und Fehlinvestitionen brachten Stollwerck in eine schwierige Finanzsituation. Die Sanierung unter der Leitung der Deutsche Bank verlief wenig erfolgreich; die Familie Stollwerck wurde fast komplett aus dem Unternehmen gedrängt.
Nach dem Mauerfall engagierte sich Stollwerck als erster Schokoladenhersteller in den neuen Bundesländern und übernahm die Thüringer Schokoladenwerk GmbH in Saalfeld, die mit der Marke Rotstern größte Schokoladenfabrik der DDR war. In Ungarn wurde Stollwerck nach Eröffnung einer Fabrik in Székesfehérvár im Jahr 1995 zum Marktführer.
Alpia Schokolade - Produktvielfalt und Innovation
Alpia ist bekannt für eine breite Produktpalette: Alpia Veggie Love (Rote Beete+Karotte, Karotte+Mandel, Green Smoothie Spinat+Birne+Matcha), Alpia Fruchtgenuss (Birne-Joghurt, Sunny Orange Limited Edition), Kokos-Tafelschokolade, Schokolinsen, SchokoBären, Schoko-Brezeln in Vollmilchschokolade, Schoko-Cornflakes, Flakes Crisp+Mais sowie Fruties mit süßen Rosinen in Vollmilchschokolade. Die Vielfalt spiegelt die Innovationskraft der Marke wider, die mit limitierten Editionen und neuen Geschmackskombinationen experimentiert.
Die Mounties-Schokoladenstäbchen mit Milchcremefüllung von Alpia werden zwar noch gelegentlich erwähnt, ihr aktueller Status im Sortiment ist aber unklar.
Das Unternehmen heute
Stollwerck GmbH, heute mit Sitz in Norderstedt, war bis 2011 ein Tochterunternehmen der Barry Callebaut AG, dem weltweit größten Schokoladenhersteller. Der Verkauf von Stollwerck an Barry Callebaut erfolgte 2002, woraufhin das traditionsreiche Werk in Köln geschlossen wurde.
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Im Jahr 1993 wurde das Imhoff-Stollwerck-Schokoladenmuseum in Köln eröffnet, das dem historischen Vermächtnis der Schokoladenherstellung und insbesondere Stollwerck gewidmet ist.
Kakao - Urprung und Bedeutung
Bereits 1000 Jahre vor Christus verwendeten die Olmeken das Wort „kakawa“ (= Kakao). Die Maya genossen Schokoladengetränke bereits um 500 nach Christus, überwiegend als Privileg des Adels. Die Schokolade war herb und wurde mit Gewürzen wie Chilipfeffer verfeinert. Kakaobohnen dienten als Zahlungsmittel. Auch bei den Azteken war Schokolade ein Statussymbol, das Adel, Königshaus und Kriegern vorbehalten war.
Der Kakao musste importiert werden, und das Gebiet Xoconochco spielte für die Versorgung eine wichtige Rolle. Christopher Columbus begegnete den Kakaobohnen auf seiner vierten Reise im Jahr 1502, ohne die Bedeutung der Bohnen ganz zu verstehen. Hernán Cortés brachte den Kakao nach der Eroberung des Aztekenreiches nach Spanien, wo das Schokoladengetränk mit Zucker süß gemacht und mit Gewürzen verfeinert wurde. Aus dem Maya-Wort „chocol haa“ und dem aztekischen „atl“ entwickelte sich das spanische Wort „chocolatl“ und schließlich „chocolate“.
Die Schokolade in Deutschland - Von Luxusgut zur Industrieware
In Deutschland wurde Schokolade zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Medizin in Apotheken verkauft, erst später als Genussmittel. 1673 eröffnete der Niederländer Jan Jantz van Huesden in Bremen eine Kaffeestube und bot Schokolade an - ein frühes Zeichen für den Wandel zum Konsumprodukt. Die Schokolade war wegen hoher Zölle teuer und blieb lange privilegierten Kreisen vorbehalten.
Eine der ersten deutschen Schokoladenfabriken entstand 1756 in Steinhude, jedoch in Handarbeit. Leipzig wurde 1821 zum Zentrum der Schokoladenproduktion; das Café Français zog Adel und Wohlhabende an. Mit Industrialisierung und Wegfall der Binnenzölle wuchs die Branche rapide. Der Verband deutscher Schokoladefabrikanten wurde 1877 gegründet, um Qualität und Reinheit zu sichern.
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| Bedeutende deutsche Schokoladenzentren | Jahr | Schokoladenproduktion (Tonnen) |
|---|---|---|
| Dresden | 1880 | 550 |
| Deutschland gesamt | 1880 | 1700 |
Dresden wurde zentrale Drehscheibe für Schokoladenhersteller wie Petzold & Aulhorn und Riedel & Engelmann sowie Maschinenhersteller wie J.M. Lehmann. Anton Reiche, ein Pionier der Blechformenherstellung für Schokolade, baute durch seine Innovationen eine der bedeutendsten Blechwarenfabriken Deutschlands auf.
Quellen und Literatur zur Schokoladengeschichte
- Bruno Kuske: 100 Jahre Stollwerck-Geschichte: 1839-1939
- Hans-Josef Joest: Stollwerck 150 Jahre - Das Abenteuer einer Weltmarke
- Franz Rudolf Menne: Stollwerck AG
- Ingrid Haslinger: Kunde - Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten
- Martin Loiperdinger: Film & Schokolade - Stollwercks Geschäfte mit lebenden Bildern
- Tanja Bettge: Das Familienunternehmen Gebrüder Stollwerck (1839-1932)
- Sacha Widdig: Stollwerck, Schokolade aus Köln
- Tanja Junggeburth: Stollwerck 1839-1932: Unternehmerfamilie und Familienunternehmen
- Franziska Richter: Krieg in der Schokoladenpackung. Die Stollwerck-Sammelalben im Ersten Weltkrieg
- B. Eileen Schwarz: Stollwerck als Musterbetrieb im Nationalsozialismus
Die Geschichte der Alpia Schokolade ist eng mit der Entwicklung der deutschen Schokoladenindustrie und den Innovationen von Stollwerck verbunden. Mit der Übernahme durch Barry Callebaut und der Erweiterung der Produktpalette bleibt Alpia bis heute ein Teil des reichen Erbes der deutschen Schokoladentradition.
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