Symptome, Ursachen und Diagnose der Kiwiallergie
Die Kiwiallergie ist eine nachteilige Immunantwort auf bestimmte Proteine, die in Kiwi‑Früchten enthalten sind. Diese Reaktion kann von leichten Symptomen wie Juckreiz oder Nesselsucht bis hin zu schweren und lebensbedrohlichen Symptomen wie Anaphylaxie reichen. Die Reaktionen auf Kiwis sind ernst und können tödlich sein, wenn sie unbehandelt bleiben. Diese schweren Reaktionen können Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks sein und erfordern sofortige medizinische Hilfe.
Was ist Kiwiallergie und wie häufig tritt sie auf?
Kiwi‑Früchte, auch chinesische Stachelbeeren genannt, sind nährstoffreiche Früchte, die in China heimisch sind. Trotz ihrer Beliebtheit ist die Kiwi weltweit einer der häufigsten Auslöser für Lebensmittelallergien. Die Kiwi‑Allergie gehörte früher nicht zu den allgemein bekannten Allergien, wird heute jedoch zunehmend beobachtet. Studien haben gezeigt, dass Sensibilisierungen auf Kiwi häufig sind. Die EuroPrevall‑Studie ergab, dass, gemittelt über alle involvierten Studienzentren, circa 5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung auf Kiwi sensibilisiert sind. Aus allergologischer Sicht ist das ein hoher Wert.
Allergene in der Kiwi: Welche Proteine lösen die Reaktion aus?
Das Immunsystem eines Menschen mit einer Allergie gegen Kiwifrüchte kann ein Protein in der Frucht nicht als Nahrung erkennen. Ein wichtiges Markerallergen für eine primäre Kiwisensibilisierung stellt die Cysteinprotease Actinidin dar. Act d 1, das Hauptallergen, ist eine hochaktive Protease (Actinidin: Papain‑ähnliche Cysteinprotease) und wird in reifen Früchten angereichert. Act d 1 ist in der grünen Kiwifrucht stark exprimiert; in der goldenen Kiwifrucht ist das Vorkommen und die allergene Aktivität des Actinidins deutlich reduziert.
Derzeit sind 13 Kiwi‑Allergene offiziell anerkannt (Act d 1-Act d 13). Zusätzlich zu Actinidin umfassen andere in Kiwi gefundene Allergenproteine thaumatin‑ähnliches Protein, Kiwellin und Cysteinprotease. Act d 8, ein PR‑10‑Protein (Bet v 1‑homologes Protein), ist wie das zur Profilin‑Familie gehörende Act d 9 für die Kreuzreaktivität mit Pollen verantwortlich.
Ursachen und Risikofaktoren
- Die Ursache ist eine Nahrungsmittelallergie gegen Proteine der Kiwi (Act d).
- Eine Familiengeschichte von Allergien erhöht das Risiko einer Kiwi‑Allergie.
- Die Exposition gegenüber Umweltallergenen wie Pollen, Staub und Haustier‑Dander kann ebenfalls zur Entwicklung der Kiwi‑Allergie beitragen.
- Menschen, die eine allergische Reaktion auf andere Früchte wie Bananen oder Avocados erlebt haben, können ein erhöhtes Risiko haben, eine Kiwi‑Allergie zu entwickeln.
- Kreuzreaktivitäten: Bei vorbestehender Sensibilisierung gegen Birkenpollen, Gräserpollen oder Latex kann es zu Kreuzsensibilisierungen gegen Kiwi kommen (Latex‑Fruit‑Syndrom).
Kreuzreaktionen und orale Allergiesyndrom (OAS)
Die Kiwiallergie tritt im Erwachsenenalter oftmals in Verbindung mit anderen Allergien auf, als sogenannte Kreuzallergie. Erwachsene reagieren vor allem aufgrund einer sogenannten Kreuzreaktion: Sie haben eigentlich eine Pollenallergie, häufig Birkenpollen, und weil die Allergene der Pollen ähnliche Strukturen aufweisen wie jene in Kiwis, reagiert der Körper auch auf die Frucht. Wenn Sie nach dem Verzehr von Kiwis ein Jucken im Mund oder Hals bemerken, leiden Sie möglicherweise unter dem oralen Allergiesyndrom (OAS), manchmal auch als Pollen‑assoziierte Lebensmittelallergie bezeichnet.
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Bis zu 25 Prozent der Kinder mit allergischer Rhinitis (z. B. Heuschnupfen) leiden ebenfalls unter dem OAS, wenn sie Früchte oder Gemüse verzehren. Häufige Pollenallergien, die beim Verzehr von Kiwis ein OAS auslösen können, sind Gräser und Birken.
Symptome der Kiwiallergie
Die Symptome können innerhalb von Minuten nach dem Verzehr auftreten. Welche Symptome sich genau zeigen, hängt vom Mechanismus (primäre Sensibilisierung vs. Kreuzreaktion) und dem jeweiligen Allergen ab.
Lokale und milde Symptome (häufig beim OAS)
- Juckreiz, Kribbeln oder pelziges Gefühl im Mund, an Lippen, Zunge und Rachen (orales Allergiesyndrom)
- Ausschlag um den Mund, Bläschenbildung
Haut‑ und gastrointestinale Symptome
- Nesselsucht (Urtikaria), Ekzem, Hautausschlag
- Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Respiratorische und schwere systemische Symptome
- Husten, Keuchen, Atemnot, Larynxödem
- Schwellungen (Angioödeme), insbesondere an Gesicht und Hals
- Anaphylaxie: schnelle oder schwache Pulsfrequenz, Verwirrung, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit - ein medizinischer Notfall
Eine Studie mit fast 300 Personen zeigte, dass schwere Symptome bei Kindern häufiger auftreten als bei Erwachsenen. Wenn Sie einmal eine schwere Reaktion auf Kiwi hatten, ist es wahrscheinlich, dass zukünftige Reaktionen ebenfalls schwerwiegend sein werden.
Diagnose: Wie erkennt der Arzt eine Kiwiallergie?
Die endgültige Diagnose und Entscheidung über die weitere Behandlung werden von Ihrem Arzt getroffen. Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten.
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung kann dem Gesundheitsdienstleister helfen, festzustellen, ob die Symptome mit einer Kiwi‑Allergie übereinstimmen.
- Hautstich‑ (Prick‑)Test: Ein Prick‑to‑Prick‑Test mit der Kiwi selbst oder ein Hautstich‑Allergietest mit Kiwi‑Extrakt. Ein positives Ergebnis zeigt sich durch eine erhöhte Beule.
- Blutuntersuchungen: Messung spezifischer IgE‑Antikörper gegen Kiwi‑Proteine. Erhöhte Spiegel an kiwi‑spezifischen IgE‑Antikörpern können auf eine Allergie hinweisen.
- Molekulare Komponentendiagnostik: Bestimmung von IgE gegen einzelne Allergenkomponenten (z. B. rAct d 1, rAct d 8). Das Wissen, gegen welche Proteine man sensibilisiert ist, hilft bei der Risikoeinschätzung.
- Orale Nahrungsmittelprovokation: Überwachter Verzehr kleiner, stufenweise erhöhter Mengen an Kiwi unter medizinischer Aufsicht (nur in spezialisierten Einrichtungen).
Beachten Sie: Ein positives spezifisches IgE auf MUXF3 (CCD) in Kombination mit positivem Kiwi‑IgE kann darauf hinweisen, dass die Positivität auf kreuzreaktive Kohlenhydrat‑Determinanten zurückzuführen ist und Kiwi vielleicht nicht die klinische Ursache ist. Testergebnisse sollten immer im Zusammenhang mit der klinischen Anamnese ausgewertet werden.
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Vermeidung und praktische Maßnahmen
- Das Lesen von Lebensmitteletiketten ist wichtig, um Produkte mit Kiwi zu identifizieren und zu vermeiden.
- Kiwi findet sich in verschiedenen Lebensmitteln wie Smoothies, Obstsalaten, Desserts, Joghurts, Backwaren und Konfitüren - auch in Tiefkühlprodukten und Säften.
- In Restaurants sollten Personen mit einer Kiwi‑Allergie das Personal informieren, um Kreuzkontamination zu vermeiden.
- Menschen, die bereits eine schwere Reaktion gezeigt haben, sollten ein Allergie‑Notfallset bzw. einen Adrenalin‑Autoinjektor (z. B. EpiPen) bei sich tragen.
- Die Schaffung eines unterstützenden Umfelds zu Hause und in sozialen Umgebungen kann Betroffenen helfen, sich sicherer zu fühlen.
Medikamentöse Behandlung akuter Reaktionen
- Antihistaminika können milde Allergiesymptome wie Juckreiz oder Nesselsucht lindern.
- Glukokortikoide werden in bestimmten Fällen eingesetzt.
- Bei Anaphylaxie ist Adrenalin (Epinephrin) das lebensrettende Notfallmedikament.
Therapieansätze und Forschung
- Die frühzeitige Einführung bestimmter Allergene im Säuglingsalter kann laut aktuellen Empfehlungen das Risiko für Lebensmittelallergien verringern.
- Allergen‑Immuntherapie, die eine kontrollierte, schrittweise Exposition gegenüber Allergenen beinhaltet, hat bei einigen Lebensmittelallergien vielversprechende Ergebnisse gezeigt; für Kiwi wird die Forschung fortgesetzt.
- Die laufende Forschung zu Lebensmittelallergien, einschließlich Kiwi‑Allergie, zielt darauf ab, das Verständnis der Ursachen zu verbessern und neue Präventions‑ und Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Spezielle Hinweise
Eine Kiwi besteht aus verschiedenen Arten von Proteinen, die alle unterschiedliche Merkmale aufweisen und mit unterschiedlichen Risiken verbunden sein können, schwere allergische Reaktionen auszulösen. Einige Personen mit einer Kiwiallergie können Kiwis essen, wenn sie stark erhitzt (gekocht) werden, da hohe Temperaturen die ursächlichen Proteine zerstören. Andere Patienten müssen Kiwis wiederum vollständig meiden, da der Verzehr möglicherweise zu einer schwerwiegenden Reaktion führen könnte. Ihr spezifisches Risikoprofil hängt davon ab, gegen welche Proteine Sie allergisch sind.
Kiwis können die Haut und Schleimhaut auch lokal reizen, ohne dass eine Allergie vorliegt, weil sie Säuren und Calciumoxalatnadeln enthalten. Kinder sind aufgrund der sensiblen Haut besonders gefährdet; solche Reizungen unterscheiden sich von einer echten IgE‑vermittelten Allergie.
Welche Lebensmittel können zusätzlich betroffen sein?
Zu den häufigsten Kreuzreaktionen bei Kiwi gehören Latex und pflanzliche Lebensmittel wie Äpfel, Pfirsiche, Kirschen, Haselnüsse, Erdnüsse, Bananen und Karotten. In der Tat wurden bei 30 bis 70 Prozent der Menschen mit einer Latexallergie entsprechende assoziierte Lebensmittelallergien gegenüber Früchten wie der Kiwi beobachtet.
Diagnosecodes und fachliche Einordnung
Kiwiallergie wird in ICD‑Klassifikationen mit Codes wie L27.-, L27.2, L23.6, T78.0, T78.3 geführt; Synonyme und Allergenbezeichnungen umfassen Act d 1; Act d 11; Act d 2; Act d 5; Act d 8; Act d 9.
| Aspekt | Wesentliche Informationen |
|---|---|
| Hauptallergen | Act d 1 (Actinidin) - Marker für primäre Sensibilisierung |
| Kreuzreaktivität | Birkenpollen (Act d 8), Latex, andere Früchte |
| Häufige Symptome | OAS, Urtikaria, gastrointestinale Beschwerden, Atemnot, Anaphylaxie |
| Diagnostik | Anamnese, Prick‑Test, spezifisches IgE, Komponentendiagnostik, Provokationstest |
| Therapie akut | Antihistaminika, Glukokortikoide, Adrenalin bei Anaphylaxie |
| Prävention | Meiden der Kiwi, Etiketten lesen, Epinephrin bei Risiko |
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
- Bei erstem Auftreten von Kribbeln oder Juckreiz im Mund nach Kiwi‑Verzehr.
- Bei Hautreaktionen, Atembeschwerden, Schwindel, Ohnmachtsgefühlen oder Anzeichen einer systemischen Reaktion.
- Wenn bereits eine schwere Reaktion (Anaphylaxie) aufgetreten ist: sofortiger Notruf.
- Zur Abklärung und Diagnostik, vor allem wenn mehrere Lebensmittelreaktionen oder bekannte Pollen‑/Latexsensibilisierungen bestehen.
Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die endgültige Diagnose und Entscheidung über die weitere Behandlung werden von Ihrem Arzt getroffen.
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