Alec Guinness in „Eine Leiche zum Dessert“ — Hintergrund, Rolle und Bedeutung

„Eine Leiche zum Dessert“ (Originaltitel: „Murder by Death“) ist eine starbesetzte Krimikomödie und Parodie auf klassische Detektivgeschichten. Neil Simon schrieb das Drehbuch als eine beißende und zugleich liebevolle Persiflage auf die Konventionen und Absurditäten des Genres; die brillantesten Meisterdetektive der Welt werden dazu geladen, an einem Abendessen in einem abgelegenen Landsitz ein makabres Spiel zu spielen.

Handlungskern und Rahmenhandlung

Der exzentrische Millionär Lionel Twain lädt die fünf renommiertesten Privatdetektive der Welt in sein Landhaus ein, um den Besten oder die Beste unter ihnen zu küren. Die Einladung ist ebenso mysteriös wie unwiderstehlich: Begleitet von ihren Assistenten finden sich die Legenden der Kriminalistik - von feinsinnig bis schroff - in einem bizarren Anwesen voller Geheimgänge, blinder Butler und sprechender Statuen wieder. Alle kommen, und das fröhliche Mörderspiel beginnt.

Nach und nach fahren seine Gäste mit ihren Autos vor: das Paar Tess Skeffington und Sam Diamond, Dick Charleston in Begleitung seiner Frau Dora, Sidney Wang mit seinem Adoptivsohn Willie und Milo Perrier mit seinem Chauffeur Marcel sowie Jessica Marbles mit ihrer Krankenschwester. Als die neugierigen Detektive mitsamt ihren Begleitungen dort eintreffen, werden sie aber lediglich von einem blinden Butler und einer taubstummen Köchin erwartet. Von Twain fehlt zunächst jede Spur - bis er plötzlich am Esstisch auftaucht und seinen verdutzten Gästen den Grund der Einladung verrät: Um Punkt Mitternacht wird einer der Gäste, die in dem Moment am Tisch sitzen, durch 12 Messerstiche in den Rücken ermordet werden. Demjenigen, der das Verbrechen löst, winken eine Million Dollar Belohnung und der Titel "Bester Detektiv der Welt".

Das abgelegene Anwesen von Lionel Twain - stimmungsvolle Aufnahme des Schloss-Interieurs

Die Parodie: Auf wen und was sich Neil Simon bezieht

Neil Simon wollte eine Parodie auf all die bekannten Kriminalromanhelden schaffen und ihre Eigenheiten und Macken zum Motiv des Films machen. Allzu große Krimikenntnisse braucht es dann auch gar nicht, um zu sehen, wer hier Pate gestanden hat: Charlie Chan, Nick und Nora Charles aus „Der dünne Mann“, Hercule Poirot, Miss Marple sowie Sam Spade. Die Detektive, die er da versammelt, sind leicht dechiffrierbar als Charlie Chan, Dick und Dora Charleston (aus Dashiell Hammetts „Thin Man“-Reihe), Miss Marple, Sam Spade und Hercule Poirot.

Twain prophezeit: Um Punkt Mitternacht wird einer der Gäste ermordet. Was Neil Simon hier tut, ist klar: Er treibt das Spiel mit der Logik so weit, dass am Ende jeder rationale Erklärungsansatz scheitern muss. Damit macht er sich heftig über minderwertige Krimis lustig, die ihre Lösungen oft mit faulen Tricks und blödsinnigen Zufällen aus dem Hut zaubern. Der Film macht sich über die bisweilen hanebüchenen Krimiauflösungen lustig, bei denen der Zuschauer vergebens nach einem Sinn im Verlauf der Handlung sucht.

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Tonfall, Inszenierung und Stilmittel

Visuell gibt der Film nicht viel her; maximal gehört „Murder by Death“ auf eine Bühne. Die grotesk überdrehte Handlung, umgeben von bizarren Gags und begleitet von einigen spitz geschliffenen Dialogen, hat das Zeug zum langen Abend. Jeder Versuch, dem Fall im Kinosessel auf die Schliche zu kommen, ist auf fröhliche Weise zum Scheitern verurteilt: Im Haushalt führen ein blinder Butler und eine taubstumme Köchin das Regiment, die folgerichtig konsequent aneinander vorbei arbeiten. Räume mit Menschen darin sind, zählt man hinter deren verschlossener Tür bis zehn, leer - und dann wieder mit Menschen gefüllt.

Getreu der verulkten Vorbilder ist das Anwesen bis an die Decke mit oft kuriosen Details gefüllt. Die Ausstattung ist nicht minder luxuriös. Zwar findet das Geschehen fast ausschließlich innerhalb des abgelegenen Anwesens statt, doch gerade diese Beschränkung erlaubt Simon, seine Einfälle dicht an dicht zu setzen. Die Wetterkapriolen, die absurden Fallen in den Zimmern der Gäste und sich permanent ändernde Raumkonstellationen bieten fortlaufend Stoff für launige Gags.

Skizze des Labyrinth-artigen Innenraums mit Geheimgängen und verschlossenen Türen

Alec Guinness als blinder Butler Jamesir Bensonmum

Alec Guinness spielt den blinden Butler. Sein Butler, den Alec Guinness mit beklatschenswerter Gelassenheit als blinden Tölpel spielt, heißt Jamesir Bensonmum. Mit dieser Figur gelingt eine der komischsten und subtilsten Parodien des Films: Ein Wortspiel-Dialog etwa, in dem Dora Charleston nach seinem Namen fragt und er antwortet „Bensonmum“, was wie „Benson, Man!“ klingt, führt zu wiederholten Missverständnissen. Dasselbe Spiel mit dem Vornamen - „Jamesir …“ „Also James?“ „Nein, Sir. Jamesir, Sir.“ - ist ein typischer Gag, mit dem Neil Simon und die durch die Bank hochkarätigen Schauspieler wertvolle Filmminuten füllen.

Die Darstellung durch Guinness ist britisch trocken, unprätentiös und einmalig; er verkörpert den Butler als undurchsichtige, aber komische Figur, die das Korrelat zur absurden Haushaltsführung liefert. Alec Guinness’ Präsenz trug wesentlich dazu bei, dass „Eine Leiche zum Dessert“ zum Kultfilm avancierte, teils wegen der Starbesetzung mit Alec Guinness, Peter Falk, Peter Sellers, David Niven und Maggie Smith, aber auch wegen des skurrilen Humors.

Das Ensemble: Rollen und Parodien

  • Peter Sellers als Sidney Wang - eine Karikatur des chinesischen Ermittlers (Anlehnung an Charlie Chan), mit Verkleidungslust und sprachlichen Eigenheiten.
  • David Niven als Dick Charleston - eine Persiflage auf Nick Charles aus „The Thin Man“.
  • James Coco als Milo Perrier - ein belgischer Detektiv in der Tradition von Hercule Poirot.
  • Elsa Lanchester als Jessica Marbles - eine schelmische Anspielung auf Miss Marple.
  • Peter Falk als Sam Diamond - ein rauer, an Sam Spade erinnernder Detektiv.

Die Lust, mit der das Ensemble seine Charaktere auseinandersägt, ist jederzeit spürbar. Die Schauspielerriege nimmt sich selbst nicht ernst - genau so wenig wie der Film sich selbst. In der deutschen Fassung jedoch kann die Synchronisation den Humor teilweise schmälern; so muss Harald Juhnke den harten Sam Diamond mit einem knödelnden US-Akzent sprechen, was den Spaß an der Komödiensause erheblich eintrübt.

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Filmposter mit den Hauptdarstellern - Starensemble vor dem viktorianischen Anwesen

Humor, Parodie und Wirkung auf Zuschauer

„Eine Leiche zum Dessert“ ist kein Film mit einer logisch durchdachten Story wie man sie von klassischen Krimis erwarten könnte. Vielmehr ist er eine kondensierte, höchst unterhaltsame Zusammenfassung aller Filme des Detektiv-Genres: gleichermassen mit tiefem Respekt und verspielter Respektlosigkeit. Wer den Film verstehen will, sitzt im falschen Boot - er ist eher eine Einladung zum Vergnügen als zur Deduktion. Die brillantesten Momente entstehen dort, wo Simon die Genre-Klischees sprachspielerisch und situationskomisch verknüpft.

Vieles im Film ist reichlich albern - etwa der blinde Butler, der mit einer taubstummen Haushälterin diskutiert - anspruchsvoll wird die Komödie trotz einiger cleverer Wortspiele nie. Dennoch besitzt der Film hohen Wiederschauwert: Die Ideen, die er während der Sichtung in den Kopf pflanzt, blühen beim anschließenden Absacker in der Kneipe auf und entfalten ihren eigenen Humor. In Teilen ist die deutsche Übersetzung sogar besser gelungen als das englische Original - und viele Zuschauer lachen sich regelmäßig kaputt bei der Sichtung.

Kritische Einordnung und Rezeption

„Eine Leiche zum Dessert“ avancierte zum Kultfilm, teils wegen der Starbesetzung, teils wegen des skurrilen Humors. Neil Simon treibt das Spiel mit der Logik so weit, dass am Ende jeder rationale Erklärungsansatz scheitern muss. Als Parodie bietet der Film dem Kenner eine ganze Menge Seitenhiebe auf die klassische Krimi-Literatur. Nicht wenige Rezipienten sehen in dem Film die bis heute gültige Quintessenz des Detektivgenres: eine verspielt-respektlose, höchst unterhaltsame Dekonstruktion der erzählerischen Mechanismen.

Der Film ist nicht nur eine wunderbare Krimikomödie voller Wortspiele, schrulliger Figuren und zahlreicher Anspielungen, sondern zeigt auch, wie man eine Genreparodie richtig macht. Zwar ist er kein filmisches Meisterwerk im Sinne komplizierter Bildsprache oder tiefgreifender Psychologie, doch sein komödiantischer Erfindungsreichtum und die hohe Qualität der Darsteller sichern ihm einen festen Platz im Kanon der Kultkomödien.

Ein Ausschnitt aus „Murder by Death“ - die Vorstellung der Detektive und der Butler-Auftritt von Alec Guinness

Besondere Motive und Themen

  • Persiflage auf konstruierte Krimi-Plots und „Deus ex machina“-Auflösungen.
  • Überhöhte Egos von Meisterdetektiven als Ziel der Satire.
  • Die Ironie, dass ein Mord angekündigt wird, der erst noch stattfinden soll - und das Spiel mit Erwartung und Enttäuschung.
  • Das Vexierbild von Logik versus Absurdität: „Antwort einfach. Aber Frage sehr hart.“

Kurze Szenendaten (Tabellarische Übersicht)

Element Beschreibung
Originaltitel Murder by Death
Deutscher Titel Eine Leiche zum Dessert
Drehbuch Neil Simon
Hauptdarsteller Alec Guinness, Peter Sellers, Peter Falk, David Niven, James Coco, Maggie Smith, Elsa Lanchester
Genre Krimikomödie / Parodie
Besondere Rolle Alec Guinness als blinder Butler Jamesir Bensonmum

„Eine Leiche zum Dessert“ bleibt eine gelegentlich irrwitzige, stets unterhaltsame Persiflage auf das Genre, in der Alec Guinness’ Butler-Figur zu den bleibenden komischen Momenten zählt. Für Fans klassischer Krimis wie auch für Liebhaber intelligenter Parodien ist der Film nach wie vor sehenswert.

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