Ab wann gibt es Lebkuchen zu kaufen? Alles zu Verkaufsstart, Hintergründen und Tradition
Schon Ende August begegnet man in Supermärkten den ersten Lebkuchen, Spekulatius und Zimtsternen: Jahr für Jahr überrascht dieser frühe Verkaufsstart zahlreiche Kundinnen und Kunden und sorgt regelmäßig für Diskussionen. Woher stammt diese Tradition, wie wird sie begründet, und wie reagieren Konsumenten? Dieser umfassende Überblick beantwortet alle Fragen rund um den Verkaufsstart von Lebkuchen und beleuchtet darüber hinaus die kulinarische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung dieses Gebäcks.
Wann startet der Lebkuchenverkauf im Handel?
Die ersten Lieferungen des sogenannten "Herbstgebäcks" wie Spritzgebäck, Lebkuchen und Spekulatius finden in der Regel Ende August statt. Im Einzelhandel entdeckt sie der Kunde dann im September. Schon im Spätsommer sind in den Supermärkten die Verkaufstische mit Lebkuchen und anderem Weihnachtsgebäck zu sehen. Tatsächlich startet immer im Spätsommer der traditionelle Verkaufsstart für das Weihnachtsgebäck.
Das Angebot wird dann Schritt für Schritt ergänzt: Während Lebkuchen und Spekulatius bereits ab Ende August erhältlich sind, folgen Baumkuchen Anfang September und weitere Artikel - etwa Marzipan, Pralinen, Weihnachtsmänner und Adventskalender - meistens erst ab Oktober.
Hat sich der Verkaufszeitpunkt verändert?
Viele Menschen wundern sich jedes Jahr, wenn im August schon Lebkuchen in den Supermarktregalen steht - doch die Nachfrage ist da. Der Zeitpunkt, zu dem die Leckereien in die Läden kommen, ändert sich nicht, sagt Philipp Hennerkes, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels: „Seit 25 Jahren hat sich dieser Zeitpunkt nicht geändert.“ Einzelhandel und Lebkuchen-Hersteller nehmen die kritischen Stimmen zum "immer früheren" Verkaufsstart der Lebkuchen vor allem in den Medien wahr.
Warum gibt es Lebkuchen so früh zu kaufen?
Der frühe Verkauf von Weihnachtsgebäck ist nicht nur Tradition, sondern hat auch wirtschaftliche Hintergründe. Für den Einzelhandel bedeutet das vorweihnachtliche Angebot wichtige saisonale Umsätze, und der frühe Verkaufsstart ermöglicht eine längere Verkaufsphase. Die Händler berichten von guten Abverkäufen bereits im September. Der Lebensmittelhändler wäre daher kein guter Kaufmann, wenn er diese Nachfrage nicht bedienen würde. Supermärkte können mit dem frühen Verkauf saisonaler Süßwaren mehr Gewinn erzielen. Je länger die verführerischen Süßigkeiten erhältlich sind, desto höhere Verkaufszahlen sind theoretisch möglich.
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Es hat aber auch logistische Gründe. Damit es in der Hochsaison nicht zu Engpässen kommt, verteilen Lieferanten und Hersteller ihre Lieferungen auf mehrere Monate. Damit werden Produktion und Lagerung entzerrt und Engpässe in der Hauptsaison vermieden.
Mehr als drei Monate vor Beginn der Adventszeit läuft die Produktion von Lebkuchen und anderen Weihnachtsspezialitäten auf Hochtouren. Bei Lebkuchen Schmidt in Nürnberg arbeiten die Backstraßen derzeit an sechs Tagen die Woche rund um die Uhr. Auch in den Werken der Aachener Lambertz-Gruppe herrscht von Juni bis August Hochbetrieb.
Wie entwickeln sich Nachfrage und Kaufverhalten?
Jedes Jahr wundern sich Kunden, wenn im August schon Lebkuchen in den Supermarktregalen steht - doch die Nachfrage ist da. Viele Kunden stören sich am aufgezwungenen Weihnachtsfeeling - greifen aber trotzdem zu. Zwar passen Lebkuchen, Zimtsterne und Co. nicht wirklich in die Saison. Da sich viele Naschkatzen nach Schoko-Lebkuchensternen zur heißen Schokolade für einen verregneten Sonntag gesehnt haben, greifen sie eben doch zu.
Laut einer Studie von YouGov mit 2.000 repräsentativ befragten Verbrauchern stehen rund zwei Drittel der Deutschen dem frühen Verkauf kritisch gegenüber. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey empfinden 62 Prozent der Deutschen es als störend, wenn bereits im September Lebkuchen in den Supermarktregalen liegen. Doch die Nachfrage bleibt: Der Bundeverband der Deutschen Süßwarenindustrie gibt an, dass die Deutschen im Schnitt 1 Kilo Lebkuchen pro Jahr naschen.
Tatsächlich greifen laut eigenen Angaben nur 3 Prozent der Befragten bereits im August zu Weihnachtsgebäck, im September geben weitere 6 Prozent an, zuzuschlagen. Auch im Oktober bleiben die Zahlen mit 14 Prozent, die angeben, bereits in diesem Monat Weihnachtsgebäck zu kaufen, eher niedrig. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da sie auf Selbstaussagen beruhen. Rewe-Sprecher Andreas Krämer erklärte gegenüber "BR 24", dass der tatsächliche Verkauf davon abweiche - gerade bei „verregneten Tagen“ steige die Nachfrage deutlich.
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Tabelle: Umfrage zum Kaufzeitpunkt von Lebkuchen
| Monat | Prozent der Käuferinnen und Käufer |
|---|---|
| August | 3 % |
| September | 6 % |
| Oktober | 14 % |
Ob Verbraucherinnen und Verbraucher bereits viele Wochen vor Weihnachten großen Appetit auf die traditionellen Leckereien haben, hänge stark vom Wetter ab, sagt der Konsumentenforscher Carsten Leo Demming von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg: Weihnachtsgebäck verkaufe sich besser bei grauem Himmel, sagt er.
Mit dem Ende der Urlaubszeit wachse die Vorfreude auf die ruhigere Winterzeit. Erfahrungen zeigen, dass im September und Oktober ähnlich viel verkauft wird wie im November und Dezember.
Wer kauft Lebkuchen das ganze Jahr?
Der Start der Lebkuchensaison war jedoch nicht immer im September. Denn blickt man auf den Ursprung der Lebkuchenherstellung, fand dieser nicht nur zur Weihnachtszeit statt: "Der Lebkuchen war ursprünglich überhaupt kein Weihnachtsgebäck, sondern wurde ganzjährig zu besonderen Anlässen gebacken", erklärt Hock.
In Ländern wie Osteuropa, den USA oder Asien bleibt die Nachfrage beinahe das gesamte Jahr über gleich hoch. Eine wichtige Rolle spiele dabei Osteuropa, wo das ganze Jahr über Lebkuchen gegessen werde, erläutert Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker. Gut ein Viertel der Weihnachtsspezialitäten geht nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie in den Export. Der wichtigste Absatzmarkt seien aber nach wie vor Deutschland und die europäischen Nachbarländer, wo Lebkuchen, Stollen, Printen und Co. hauptsächlich im November und Dezember gekauft werden.
Deutsche Lebkuchen werden aber auch in Brasilien oder in den USA gegessen. Es kann also durchaus vorkommen, dass wir im Juli ein Lebkuchenpaket nach Hawaii schicken.
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Produktion und Mengen: Wie viel Lebkuchen wird gebacken?
Im vergangenen Jahr wurden 86.800 Tonnen Lebkuchen in Deutschland produziert, vor allem zwischen Juli und September. Gut 81.000 Tonnen Lebkuchen, Honigkuchen und ähnliche Gebäcke haben die 75 deutschen Hersteller laut dem Statistischen Bundesamt im vergangenen Jahr produziert, 2023 waren es noch 86.800 Tonnen.
Ein gutes Viertel wird ins Ausland verkauft. Etwa die Hälfte dieser Exporte geht nach Österreich, Polen oder Frankreich.
Tabelle: Lebkuchenproduktion (in Tonnen)
| Jahr | Produktion |
|---|---|
| 2023 | 86.800 |
| 2024 | 81.000 |
Wie reagieren die Hersteller und der Handel?
Händler beobachten das Kaufverhalten und die Resonanz ihrer Kunden sehr genau und steuern das Angebot entsprechend nach. „Wir haben die Bestellung schon im letzten Jahr für dieses Jahr Weihnachten getätigt und haben jetzt aktuell im September schon für nächstes Jahr Ostern bestellt.“ Bei Kaufland wird die Bestellmenge aller Artikel, so auch von Schokoladen-Weihnachtsmännern, sehr genau im Voraus mit verschiedenen Prognosetools geplant. Auf Basis der Erfahrungen aus den Vorjahren, aber auch der Nachfrage der Kunden in den einzelnen Filialen, lässt sich gut berechnen, wie viel Bedarf eine Filiale hat.
Sollte kurz vor Heiligabend noch etwas übrig sein, dann werden die Süßigkeiten zu einem reduzierten Preis angeboten und anschließend auch an karitative Einrichtungen wie die Tafel gespendet. „Die Schokolade schmeckt ja auch nach Weihnachten noch“, sagt Markus Geiger. „Bei uns landen Weihnachtsmänner daher natürlich nicht in der Tonne, nur weil sie nicht mehr der Jahreszeit entsprechen.“
Lebkuchen: Ursprung, Tradition und regionale Vielfalt
Pfefferkuchen, Honigkuchen oder doch lieber Printen? Die Auswahl an Lebkuchen ist groß. Es gibt viele verschiedene Arten, die sich durch ihre regionalen Unterschiede auszeichnen. Ursprung der Lebkuchenherstellung ist der Honigkuchen der alten Ägypter. Erste schriftliche Hinweise auf Lebkuchen finden sich um 350 vor Christus.
Im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Lebküchnerei dann zu einem eigenen Gewerbe. In Aachen, Braunschweig, Pulsnitz/Oberlausitz und Nürnberg entstanden richtige Lebkuchen-Zentren. Besonders Nürnberg tat sich hervor. Den guten Ruf in aller Welt verdanken die Nürnberger Lebkuchen einem Nürnberger Unternehmen: Schmidt, dem weltweit ältesten Versender für Lebkuchen und Gebäckspezialitäten.
Klassische Sorten und Zutaten
- Brauner Lebkuchen enthält eine kräftige Gewürzmischung, teils Mandeln als Verzierung.
- Printen sind knusprig-harte oder saftig-weiche Lebkuchen, oft mit brauner Kandiszuckerkruste.
- Honig-Lebkuchen (anstatt Zucker viel Honig oder Invertzucker).
- Der Elisen-Lebkuchen gilt als Königin der Oblaten-Lebkuchen.
Allen Lebkuchen ist gemeinsam, dass statt Backpulver oder Hefe Hirschhornsalz oder Pottasche verwendet wird.
Lebkuchen - auch vegan und in Bio-Qualität
Generell gebe es eine größere Nachfrage nach Bio und nach veganen Produkten, hat Lebkuchen-Schmidt-Betriebsleiter Dirk Kuen festgestellt. Die meisten Lebkuchen, die im Supermarkt oder beim Bäcker erhältlich sind, enthalten tierische Zutaten wie Honig, Butter oder Milch. Wer keine tierischen Produkte zu sich nimmt, muss trotzdem nicht auf Lebkuchen verzichten: Verschiedene vegane Onlineshops bieten inzwischen eine große Auswahl an Lebkuchen ohne tierische Inhaltsstoffe an.
Lagerung, Haltbarkeit und Genuss
Lebkuchen ist ein süßes, kräftig gewürztes und haltbares Gebäck, das es in vielen verschiedenen Formen und Varianten gibt. Die Haltbarkeit von Lebkuchen liegt bei gekauften Produkten bei richtiger Lagerung bei drei bis vier Monaten. Lebkuchen am besten in einer schützenden Verpackung (zum Beispiel in einer speziellen Lebkuchendose) aufbewahren und diese kühl bei etwa 16 bis 18 Grad lagern. Eine Luftfeuchtigkeit von rund 65 Prozent ist dabei ideal. Frischer Lebkuchen schmeckt saftig, ist weich und riecht lecker.
Die Haltbarkeit von Lebkuchen lässt sich mit einem einfachen Trick verlängern: Den Lebkuchen in eine luftdicht verschlossene Blechdose legen, die mit Backpapier oder Pergamentpapier ausgekleidet ist. Darauf achten, dass das Papier auch zwischen den Lebkuchenschichten liegt. Dann ein Apfelstückchen oder unbehandelte Orangen- oder Zitronenschale in die Dose legen.
Fazit: Lebkuchen im August - ein Angebot mit Tradition, Logik und Leidenschaft
Ob im Adventskalender, als Dominostein zum Tee oder im Sommer als Exportschlager: Lebkuchen gehören zum Jahresrhythmus dazu. Der frühe Verkaufsstart ist für Händler und Kunden längst Alltag, die große Spannung bleibt für viele das erste Öffnen einer Lebkuchentüte - egal zu welcher Jahreszeit.
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