Blutzucker messen in der Apotheke: Ablauf, Vorbereitung und Kosten
Diabetes Typ 2 zählt in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen. Gemeinsames Zeichen aller Diabetes-Formen ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Daher sollte man seine Blutzuckerwerte einmal im Jahr kontrollieren lassen. Eine Blutzuckermessung kann entscheidend dazu beitragen, Diabetes frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Warum Blutzucker messen?
Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerwert beeinträchtigt langfristig die Gesundheit - oft, ohne dass man es bemerkt. Um Anzeichen und das Risiko für einen gestörten Zuckerstoffwechsel frühzeitig zu erkennen, ist es sinnvoll, den Langzeitzucker (HbA1c-Wert) regelmäßig zu überprüfen. Die Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist ein wichtiger Aspekt der Gesundheitsvorsorge und wird insbesondere für Personen mit Diabetes oder Prädiabetes empfohlen. Bei Vorhandensein von Risikofaktoren oder Symptomen ist es ratsam, regelmäßige Blutzuckermessungen durchzuführen.
Wer sollte die Messung in Anspruch nehmen?
Wenn Sie Risikofaktoren für Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes haben, kann eine Blutzuckermessung sinnvoll sein. Dazu gehören Übergewicht, Bewegungsmangel, höheres Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und eine familiäre Veranlagung für Diabetes. Bei diesen Beschwerden kann eine Blutglucosemessung in der Apotheke sinnvoll sein. Auch für Personen, die kein Diabetes haben, kann es sinnvoll sein, den Blutzuckerspiegel zu kennen.
Normwerte und Interpretation
Bevor wir uns mit dem Prozess der Blutzuckermessung befassen, ist es hilfreich, zu verstehen, was als normaler Blutzuckerspiegel gilt. Der Blutzuckerwert kann in mg/dl (Milligramm pro Deziliter) oder in mmol/l (Millimol pro Liter) angegeben werden. Normale Blutzuckerwerte liegen bei einer Messung auf nüchternen Magen zwischen 65 bis 100 mg/dl bzw. 3,5 bis 5,5 mmol/l. Im Allgemeinen liegt ein normaler Nüchtern-Blutzuckerspiegel (gemessen vor dem Essen) bei weniger als 100 mg/dL. Zwei Stunden nach dem Essen sollte der Blutzuckerspiegel unter 140 mg/dL liegen.
Für die Beurteilung des Messergebnisses können die Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) herangezogen werden. Für Nicht-Diabetiker, bei denen der Wert nüchtern bestimmt wurde, können Werte unter 125 mg/dl (7 mmol/l) als unauffällig bewertet werden. Messwerte zwischen 125 mg/dl (7 mmol/l) und 140 mg/dl (7,8 mmol/l) sollten nach 14 Tagen nochmals kontrolliert werden. Ist der Wert trotz vollständiger Nüchternheit wiederholt erhöht, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei einem bestehenden Diabetes deutet ein Wert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) auf eine Unterzuckerung hin. Bei Nüchtern-Werten über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) sollte genau wie Nicht-Diabetikern ein Arztbesuch empfohlen werden. Werden die Blutzuckerwerte bei Diabetikern im Laufe des Tages und nicht nüchtern bestimmt, so sind Werte bis 180 mg/dl (10 mmol/l) tolerabel, Messergebnisse darüber sind allerdings ein Hinweis auf eine nicht optimale medikamentöse Einstellung.
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Ablauf der Blutzuckermessung in der Apotheke
Blutzuckermessungen können in Apotheken durchgeführt werden. Kunden profitieren vor allem von der schnellen Durchführung und einer kurzfristigen Terminvergabe. Pieksen, einen Tropfen Blut aufnehmen und fertig - so wird der Blutzucker bestimmt. Doch wie erfolgt die genaue Messung in der Apotheke und worauf gilt es dabei zu achten?
Die Messung des Blutzuckerspiegels erfolgt in der Regel durch einen kleinen Pikser in die Fingerbeere, von dem ein Tropfen Blut entnommen wird. Dieses Verfahren ist weitgehend schmerzfrei und liefert in Sekundenschnelle Ergebnisse. Zunächst entnehmen wir einen kleinen Blutstropfen seitlich an der Fingerkuppe. Dieser wird auf einen Teststreifen aufgetragen, der im Blutzuckermessgerät eingelegt wird. Die Blutzuckermessung beginnt in der Regel mit der Desinfektion der Fingerkuppe, gefolgt von der Entnahme eines kleinen Bluttropfens mit einer Lanzette. Dieser Tropfen wird dann auf einen Teststreifen aufgetragen, der in das Messgerät eingesetzt wird.
Schritt-für-Schritt-Prozess
- Hände des Kunden waschen und desinfizieren.
- Einstichstelle gezielt nochmals desinfizieren. Desinfektionsmittel vollständig verdunsten lassen.
- Arm des Kunden sollte locker herunterhängen oder auf dem Tisch aufliegen. Finger sollten warm sein, um eine ausreichende Durchblutung zu garantieren.
- Mit der Stechhilfe an der seitlichen Fingerbeere, z. B. an Mittel- oder Ringfinger, ansetzen.
- Stechhilfe auslösen und ersten Blutstropfen wegwischen. Zweiter Blutstropfen muss ausreichend groß sein.
- Tropfen auf Messfeld des Teststreifens auftragen bzw. aufsaugen lassen. Einstichstelle mit Tupfer drücken und Pflaster aufkleben.
- Messergebnis abwarten und auf Informationsbogen eintragen. Liegen die Werte außerhalb des Normbereichs, können Sie Ihrem Arzt die Ergebnisse zur weiteren Analyse vorlegen.
- Stechhilfe, Teststreifen, Tupfer und Schutzhandschuhe in Entsorgungsbehälter legen.
Vorbereitung vor dem Besuch
Bei Nicht-Diabetikern empfiehlt sich allerdings eine Messung im nüchternen Zustand, um das Messergebnis richtig einschätzen zu können. Optimalerweise wird der Blutzucker direkt am Morgen bestimmt, wenn der Kunde noch nichts gegessen und getrunken hat. Sie sollten dazu nüchtern in unsere Apotheke kommen, da der Test sonst zu wenig Aussagekraft hat. Es ist wichtig, dass Sie sich die Hände gründlich waschen und danach abtrocknen. Denn Feuchtigkeit kann das Testergebnis verändern. Ebenfalls sollten Sie auf eine gute Durchblutung achten, deshalb die Hände unter warmem Wasser waschen und die Finger massieren. In der Regel messen Sie den Blutzucker vor dem Essen.
Hygiene, Qualitätssicherung und Schulung
Eine Blutglucosemessung darf vom pharmazeutischen Personal durchgeführt werden, dazu gehören auch PTA. Voraussetzung ist eine Schulung, die entweder intern mit geeigneter Literatur oder auch extern absolviert werden kann. Zusätzlich müssen bestimmte Arbeitsschutzbestimmungen eingehalten werden, da es sich um eine Untersuchung von Biostoffen handelt. Um das Infektionsrisiko bei Kontakt mit dem Blut der Testperson zu minimieren, wird empfohlen, dass Schwangere und Stillende sowie Arbeitnehmer mit bestimmten Vorerkrankungen keine Blutuntersuchung durchführen sollten. Außerdem ist eine Schutzimpfung gegen Hepatitis-B-Viren empfehlenswert.
Bietet die Apotheke Blutzuckermessungen an, sollte durch verschiedene Maßnahmen garantiert sein, dass die Messwerte zuverlässig sind. Dazu gehört etwa, regelmäßig die Genauigkeit des Messgerätes im Rahmen einer Systemkontrolle zu überprüfen. Eine Überprüfung wird einmal wöchentlich empfohlen, wenn weniger als sieben Messungen pro Woche stattfinden. Zusätzlich empfiehlt sich eine jährliche externe Überprüfung, beispielsweise im Rahmen eines Blut-Ringversuchs (ZL-Blut-Ringversuch). Außerdem sollte der Hygieneplan, die Betriebsanweisung, Hinweise zum Arbeitsschutz inklusive Gefährdungsbeurteilung sowie die Standardarbeitsanweisung (SOP) am Messplatz vorliegen, um den genauen Ablauf im Blick zu haben.
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Ausstattung des Messplatzes
Werden in der Apotheke regelmäßig Blutzuckermessungen angeboten, ist es sinnvoll, den Messplatz stets einsatzbereit zu haben. Dieser sollte abgetrennt von der Offizin, beispielsweise in einem Beratungsraum, aufgebaut werden und eine gewisse Privatsphäre ermöglichen. Mit einem Griff sollten dort folgende Utensilien zu finden sein:
- Blutzuckermessgerät inklusive Qualitätskontrollkarte und Gebrauchsanweisung
- Teststreifen oder Testkassetten (auf Verfall und Lagerbedingungen achten!)
- Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel, die für Flächen und Haut geeignet sind
- (Einmal)-Stechhilfe mit Lanzetten
- Tupfer
- Pflaster
- Entsorgungsbehälter
- Vordruck zur Dokumentation der gemessenen Werte
- ggf. Beratungsliteratur und Kundenbroschüren
Kosten der Blutzuckermessung
Gut zu wissen: Preis für Blutzuckermessung legt die Apotheke fest. Derzeit gehört die Messung des Blutzuckers noch nicht zu den anerkannten pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL), die unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bezahlt werden. Aus diesem Grund muss jede Apotheke den Preis für die Blutzuckermessung selbst festlegen. Dieser sollte in Abhängigkeit von ähnlichen Angeboten in der Umgebung, der Regelmäßigkeit und den allgemeinen Kosten der Apotheke festgesetzt werden. Häufig liegt der Preis unter 5 Euro.
Beispielsweise bieten einige Apotheken ihren einfachen Service für nur 2,50 € an, die zur Deckung der Materialkosten verwendet werden, damit Kunden ihren Blutzuckerspiegel innerhalb von Sekunden erfahren können. Für weitergehende Tests wie die Langzeitzucker-Messung (HbA1c) fallen höhere Kosten an: Der HbA1c-Test kostet in einigen Apotheken beispielsweise 19,90 Euro.
Beratung und weiterführende Schritte
Wichtig ist, dass eine Diagnose und Therapie immer in die Hände des Arztes gehört. PTA und Apotheker können aber bei der Einschätzung des Ergebnisses helfen und bestimmte Empfehlungen aussprechen. Liegen die Werte außerhalb des Normbereichs, können Sie Ihrem Arzt die Ergebnisse zur weiteren Analyse vorlegen. Bestätigt sich der Verdacht auf Diabetes, begleiten wir Sie mit einer umfangreiche Diabetes-Beratung. Vor allem Typ 2 lässt sich durch Änderung der Ernährung und des Lebensstils (vor allem Abnehmen, viel Bewegung) verbessern.
Neben der Durchführung der Blutzuckermessung kann das Apothekenpersonal auch wertvolle Informationen und Ratschläge zur Vorbeugung und Behandlung von Prädiabetes und Diabetes geben. Die MEDICON Apotheken bieten beispielsweise umfassende Beratung zum Thema Diabetes, inklusive Tipps zu gesunder Lebensweise, Ernährung und körperlicher Aktivität. Die kontinuierliche Betreuung bei Diabetes trägt dazu bei, Komplikationen zu verhindern, die Lebensqualität zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.
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Blutzuckerkontrolle zu Hause und Geräteauswahl
Als Diabetiker ist es sinnvoll, den Blutzuckerwert jederzeit selbst ermitteln zu können. Wie häufig, ist von Patient zu Patient unterschiedlich und auch von den angewendeten Medikamenten abhängig. Das sollte daher mit dem Arzt abgesprochen werden. Bei der Abgabe eines Messgerätes sollte die Handhabung ausführlich erklärt werden, um Fehler bei der Messung zu vermeiden. Das umfasst beispielsweise die Einstellung der gewünschten Messeinheit (mmol/l oder mg/dl), Erklärungen zum Einführen des Teststreifens und Erläuterungen zur Reinigung und Hygiene. Die Wahl des Blutzuckermessgerätes hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Wir beraten Sie gern zu den verschiedenen Geräten, die sich beispielsweise in Größe, Handhabung und Messdauer unterscheiden. Manche Modelle bieten Komfortfunktionen.
Kleinere Abweichungen von bis zu 15 % können dennoch auftreten und liegen in den erlaubten Toleranzgrenzen. In den Apotheken stehen spezielle Blutzuckermessgeräte zur Verfügung, die eine einfache und genaue Messung ermöglichen.
HbA1c - Langzeitzucker in der Apotheke
Die Messung des Langzeitzuckers (HbA1c) bietet eine Übersicht über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten Wochen bis Monate. Langzeitzucker messen in der Apotheke dauert nur wenige Minuten. Ihr HbA1c-Wert liegt bereits nach rund 3 Minuten vor. Zu den Vorteilen gehören eine schnelle und unkomplizierte Messung, Zuverlässigkeit durch geprüfte Testkits sowie kompetente Beratung: Wir erklären Ihnen den gemessenen HbA1c-Wert und besprechen mögliche nächste Schritte. Ist der Wert auffällig, empfehlen wir Ihnen den Wert mit ihren behandelnden Ärzt:innen zu besprechen.
Wann zum Arzt?
- Bei wiederholt erhöhten Nüchtern-Werten (über 125-140 mg/dl) sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Bei Messergebnissen über 180 mg/dl (bei nicht nüchternen Messungen) ist eine Anpassung der Therapie durch den Diabetologen möglich.
- Bei Unterzuckerungen (unter 70 mg/dl) ist ebenfalls ärztlicher Rat empfehlenswert.
Die Messung des Blutzuckerspiegels ist ein wichtiger Schritt zur Früherkennung und Prävention von Diabetes. Bei Risikofaktoren für Diabetes sollten Sie mindestens einmal im Jahr eine Blutzuckermessung vornehmen lassen. Die Apotheke bietet einen unkomplizierten, schnellen und gut zugänglichen Service mit kompetenter Beratung und kann so helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden.
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