Umfassender Ratgeber: Bienen mit Zucker füttern – Methoden, Vor- und Nachteile
Bienen tragen durch Bestäubung enorm zur Artenvielfalt und Ernährungssicherheit bei. Viele Hobbyimker stehen vor der Frage, wie, wann und womit sie ihre Bienenvölker optimal füttern können, um deren Überwinterung und Bestand zu sichern. Moderne landwirtschaftliche Bedingungen und intensive Honigentnahme machen eine Zufütterung über den Sommer und Herbst häufig unverzichtbar. Dieser Ratgeber beleuchtet ausführlich die verschiedenen Methoden der Zuckerfütterung - Zuckerwasser, Sirup und Futterteig, ihre Vor- und Nachteile, häufige Fehler sowie spezielle Aspekte wie Futtertröge, Räuberei und die Auswirkungen auf Gesundheit und Immunität der Bienen.
Warum ist die Zufütterung von Bienen notwendig?
Durch die heutige Umweltbedingungen, Industrielandschaften und übermäßige Honigentnahme ist es nicht immer gewährleistet, dass ein Bienenvolk genug Vorräte für den Winter sammelt. Als Hobbyimker kannst du Bienen füttern und somit die Überwinterung und den Fortbestand der Biene unterstützen. Denn rund 80 Prozent unserer Nahrungspflanzen sind von der Bestäubung abhängig. Wechselnde Trachten und Trachtlücken führen dazu, dass Bienen vor allem vor der Überwinterung ausreichend Zugang zu Pollen und Nektar brauchen - Zufütterung ist deshalb oft unerlässlich.
Die Zuckerfütterung: Methoden und ihre Eigenschaften
Zuckerwasser
Bienen mit Zuckerwasser zu füttern ist besonders zur Reizfütterung geeignet, wenn die Bienen Brut anlegen und bauen sollen. Bei einer dünnen Zuckerwasser-Mischung (1:1) brauchen die Bienen länger, um das Futter abzunehmen und ihm Wasser zu entziehen. Mit diesem Futterstrom wird den Bienen eine gute Tracht vorgetäuscht: Sie bauen Waben und legen Brut an. Reißt der Futterstrom ab, wollen die Bienen wieder Energie sparen und legen weniger Brut an.
- Zuckerspektrum: Zuckerwasser besteht aus aufgelöstem Haushaltszucker (Saccharose).
- Verderblichkeit: Zuckerwasser kann gären oder verschleimen, wenn die Bienen es zu langsam abnehmen.
- Haltbarkeit: Zuckerwasser kann schnell verderben, es bilden sich dann schleimige Fäden und Wolken. Verantwortlich dafür ist das Milchsäurebakterium Leuconostoc mesenteroides.
- Kristallisieren: Der Wassergehalt ist hoch - Kristallisation tritt nicht so schnell wie beim Futterteig auf.
Regelmäßige, kleine Mengen sollten verfüttert werden; das Futter muss stets frisch zubereitet werden und darf nicht erhitzt werden - heißes Wasser kann giftige Stoffe wie Hydroxymethylfurfural (HMF) entstehen lassen.
Zucker-Sirup
Sirup ist optimal, um mit wenig Aufwand viel zu füttern. Fertiger Zucker-Sirup, z.B. Apiinvert von Südzucker oder Ambrosia von Nordzucker, ist im Imkerfachhandel erhältlich.
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- Zuckerspektrum: Enthält, ähnlich dem Honig, eine Mischung der Zuckerarten Fruktose und Glukose.
- Bleibt flüssig: Dank des hohen Fruktose-Anteils kristallisiert der Sirup in den Waben nicht.
- Bereits invertiert: Die Bienen müssen den Zucker im Sirup nicht erst selbst aufspalten, dafür Energie aufwenden und sich abarbeiten.
- Verdirbt nicht: Sirup ist weniger verderblich, da die Zuckerkonzentration höher ist als im Zuckerwasser.
- Weniger Arbeit für den Imker: Der Sirup kann direkt gefüttert werden.
Zuckerteig
Zuckerteig besteht aus Saccharose und kann an Bienen verfüttert werden. Weil der Wassergehalt relativ niedrig ist, neigt der Zuckerteig dazu, schneller festzuwerden.
- Kristallisieren: Teig wird schnell fest oder hart, daher sollten regelmäßig kleine Mengen verfüttert werden.
- Verderben: Der Teig darf nicht austrocknen oder hart werden - Plastikfolie kann vor Austrocknung schützen.
Zuckerteig eignet sich für die frühzeitige Auffütterung bis etwa Mitte August und ist ideal für die Ableger-Aufzucht. Ableger, die noch Mittelwände ausbauen müssen, kann man unterstützen, indem man sie mit einer 1:1 Mischung von Zuckerwasser füttert.
| Futterart | Zuckerspektrum | Kristallisation | Haltbarkeit | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| Zuckerwasser | Saccharose | Gering | Schlecht (verdirbt schnell) | Reizfütterung, Wabenbau |
| Sirup | Glukose & Fruktose | Keine | Sehr gut | Winterfütterung, schnelle Auffütterung |
| Zuckerteig | Saccharose | Hoch | Mittlere Haltbarkeit | Ableger, Vorwinterfütterung |
Fütterungsgeräte und Methoden
Es gibt unterschiedliche Futtertröge, damit die Bienen das flüssige Futter leicht abnehmen können. Alternativ eignen sich aufgeschnittene Tetra-Packs oder Blumentopfuntersetzer - besonders für kleine Futtermengen. Damit die Bienen nicht ertrinken, müssen Schwimmer wie Korken, Stroh oder dünne Äste ins Futter gegeben werden.
- Fütterung vorzugsweise am Abend, um Räuberei zu vermeiden
- Sauberkeit am Bienenstand ist essentiell - um verschüttetes Futter sofort aufzuwischen empfiehlt sich ein Kanister mit frischem Wasser, Spritzflasche und Lappen.
- Schwache Völker können bei der Fütterung schnell ausgeräubert werden.
Zuckerkonzentrationen und Mischungsverhältnisse
Die Mischung darf nicht erhitzt werden! Lauwarmes Wasser hilft beim Auflösen des Zuckers, aber heißes Wasser führt zu chemischen Prozessen, die Giftstoffe für die Bienen entstehen lassen können.
- Winterfütterung: Typisch ist ein Verhältnis von 3:2 (Zucker:Wasser), einmalig nach der letzten Honigernte.
- Reizfütterung oder Ableger: Mischungsverhältnis meist 1:1.
- Sirupverdünnung: Für Reizfütterung kann Sirup mit einem Drittel Wasser verdünnt werden.
Beim Bienenfüttern kann man verschiedene Mischverhältnisse wählen; die richtige Futtermenge hängt von Volksstärke, Jahreszeit und Vorräten ab. Ein Bienenvolk in einer Dadantbeute benötigt etwa 20kg Winterfutter. Mit einer Kofferwaage lässt sich das Gewicht des eingelagerten Futters einschätzen.
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Vor- und Nachteile der Futterarten
Sirup
- Kristallisiert nicht
- Hoher Fruktoseanteil
- Schnelle Aufnahme durch die Bienen
- Für die Winterfütterung ideal, wenig Arbeit für den Imker
Zuckerwasser
- Gut zur Reizfütterung (Förderung Brut/Wabenbau)
- Sollte in kleinen Mengen und frisch verfüttert werden
- Kann schnell verderben
Zuckerteig
- Kann festwerden und austrocknen
- Für Ableger/Ausbau Mittelwände geeignet
- Regelmäßige kleine Mengen
Honig
- Bestes Bienenfutter - als Wintervorrat natürlich vorhanden.
- Enthält rund 30 Zuckerarten sowie Vitamine, Mineralstoffe, Polyphenole und Aminosäuren.
- Wirkt antibakteriell, enthält Milchsäurebakterien.
Wissenschaftliche Untersuchungen: Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensdauer
Lebensdauer und Gesundheit der Bienen
Mirjancic et al. (ohne Jahrgang) untersuchten die Effekte verschiedener Futterzusammensetzungen auf das Gewebe im Mitteldarm und die Lebensdauer von Bienen. Die mit Honig gefütterten Bienen lebten durchschnittlich 27 Tage lang, mit enzymatisch invertiertem Zucker 22 Tage und mit saurem Invertzucker nur 12 Tage. Alle anderen Futterkombinationen lagen zwischen den beiden Werten.
| Futterart | Lebensdauer (Tage) | Besondere Hinweise |
|---|---|---|
| Honig | 27,05 | Keine negativen Auswirkungen auf Darmgesundheit |
| Enzym-Invert-Zucker-Sirup | 23,74 | Weniger schädlich als saurer Invertzucker |
| Normaler Zuckersirup | 21,91 | Mittelmäßig verträglich |
| Saure Invert-Zuckersirup | 12,15 | Schädlich für Epithelzellen und Lebensdauer |
Honig und Genaktivität
Wheeler und Robinson (2014) untersuchten den Einfluss von Honig, HFCS (Maissirup) und Rübenzucker auf die Genexpression im Fettkörper der Bienen. Im Fettkörper von Bienen, die mit Honig gefüttert wurden, waren über 100 Gene mehr aktiviert als bei denjenigen, die nur HFCS erhielten. Im Vergleich mit Rübenzucker gefütterten waren es sogar mehr als 220 Gene. Durch die „chemisch reinen“ Sirup- oder Zuckerlösungen wurde also eine große Zahl von Genen stillgelegt. Betroffen sind unter anderem Gene, die für den Eiweißstoffwechsel und die Weiterleitung von Signalen der Nervenbahnen zuständig sind oder im Immunsystem eine wichtige Rolle spielen.
Die Autoren schließen, dass „Bienen von der Honigfütterung Nahrungskomponenten erhalten, welche in keinen anderen Fütterungsquellen, die in der Bienenhaltung in grossem Stil verabreicht werden, enthalten sind“.
Milchsäurebakterien: Immunsystem und Schutz vor Krankheiten
Vásquez et al. (2012) fanden im Honigmagen wilder Honigbienen eine Zusammensetzung von Milchsäurebakterien, darunter bisher unbekannte Arten, die Krankheitserreger wie Faulbrut bekämpfen können. Die Milchsäurebakterien wirken als Konservierungsmittel und verhindern, dass Honig von Hefepilzen oder anderen Mikroben befallen wird. Gleichzeitig vertreiben diese Substanzen Krankheitserreger aus der Bienenkolonie.
Bienen werden nach dem Schlüpfen von den Arbeiterinnen mit Milchsäurebakterien geimpft - Mikrobiota ist für die Immunabwehr der Bienen essenziell. Die Forschergruppe vermutet nun, dass den Zuchtbienen der natürliche Schutz durch die Milchsäurebakterien fehlt. Die Ursache könnten die Antibiotika-Gaben sowie die Fütterung mit synthetischem Zucker sein, die zu einer Abwehrschwäche der Honigbienen führen können.
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Pollen und Proteine: Schlüssel zur Gesundheit der Bienen
Pollen stellt die Hauptquelle von Proteinen, Aminosäuren, Fetten, Stärke, Sterolen, Vitaminen und Mineralien dar und ist von daher ein Hauptfaktor für die Langlebigkeit der einzelnen Bienen. Die Winterbienen können ebenfalls nur durch hohe Mengen an in ihnen enthaltenen Proteinen (v.a. Vitellogenin) so lange leben. Ein Mangel von Protein in der Larval- und Adultnahrung führt zur reduzierten Entwicklung der Brutfutterdrüsen und Ovarien sowie einer kürzeren Lebensdauer.
Bienen mixen den frischen Pollen mit Nektar, Honig und Drüsensekreten, um haltbaren Pollen, das sogenannte Bienenbrot, herzustellen, welches im Vergleich zu frischem Pollen einen niedrigeren pH-Wert und weniger Stärke aufweist. Der Nährwert des Bienenbrotes ist höher als der des frischen Pollens; die Unterschiede in der Qualität des Bienenbrotes hängen ab von dem Set der Mikroorganismen, die mit dem jeweiligen Bienenvolk vergesellschaftet sind.
Im Frühling, wenn nur wenig Pollen von wenigen Pflanzenarten zur Verfügung steht, wird das Bienenbrot zur Brutaufzucht benötigt.
Praktische Tipps zur Fütterung
- Zuckerwasser immer frisch zubereiten (maximal 3 Tage haltbar).
- Kleine Mengen geben, sonst werden alle Zellen zugekleistert und die Königin hat keinen Platz mehr zum Legen.
- Die Mischung sollte nie erhitzt werden - lauwarmes Wasser genügt.
- Sauber arbeiten, um Gärung und Verschleimen zu vermeiden.
- Beim Winterfüttern lieber etwas zu viel als zu wenig auffüttern - überschüssige Futterwaben können im Frühjahr entnommen werden.
Wenn das Winterfutter aufgebraucht ist, bevor sich die Bienen im Frühling wieder selbst versorgen können, brauchen sie eine Notfütterung. Dabei empfiehlt sich wiederum eine flüssige Futtergabe.
Bio- und Demetermethoden
Vereinzelt gibt es Imker, die ihre Bienen über den Winter komplett auf Honig überwintern lassen, wie es über Millionen Jahre funktioniert hat - Voraussetzung ist allerdings ein Standort mit durchgehendem Nektarstrom. In der Demeter-Imkerei Fischermühle beispielsweise werden dem Futter mindestens 10 Prozent eigener Demeter-Honig sowie Kamillentee und Salz zugesetzt, um das Futter zu verbessern. Einige Kollegen produzieren „milchsaures Futter“, das vor der Einfütterung invertiert wird und den Bienen die Umarbeitung des Zuckers erspart.
Dieses „zu etwas Eigenem machen des Futters“ entspricht mehr dem Bild der Volksindividualität eines Bienenvolkes. Auch der Nektar vieler Blütenpflanzen enthält mehr oder weniger Saccharose, der von den Bienen bei ihrer Honigproduktion umgewandelt wird.
Zusammenfassung: Die richtige Strategie wählen
Zuckerwasser und Sirup haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Sirup ist besonders für die Winterauffütterung geeignet, da er flüssig bleibt, nicht kristallisiert und von den Bienen ohne großen Energieaufwand aufgenommen wird. Zuckerwasser eignet sich besser zur Reizfütterung und zum Aufbau von Ablegern, muss aber stets frisch zubereitet und in kleinen Mengen gegeben werden, da es leicht verderblich ist. Futterteig ist praktisch für Ableger, kann aber austrocknen und fest werden. Die Wahl des Futters ist abhängig von den Bedürfnissen des Volkes, dem Jahresverlauf und den Umweltbedingungen. Honig bleibt das beste und gesündeste Futter für Bienen - soweit dies möglich ist.
Weitere Hinweise und hilfreiche Tools
Beim Bienenfüttern kannst du dich zwischen unterschiedlichen Futtertrögen entscheiden. Imker-Fachhandel und Online-Shops bieten zahlreiche Lösungen - wie Blumentopfuntersetzer, Futtertaschen und Futterzargen. Für die Dokumentation und Berechnung der Fütterungsmengen gibt es Online-Tools, etwa BeeInTouch.
- Die richtige Futtermenge hängt von Volksstärke, Jahreszeit und Vorräten ab.
- Ein Bienenvolk in einer Dadantbeute benötigt ca. 20 kg Winterfutter.
- Die Wintereinfütterung beginnt unmittelbar nach der letzten Honigernte im Verhältnis 3:2.
Schlusswort
Mit hochwertigem ambrosia-Bienenfutter, Sirup oder Zuckerwasser können Imker den natürlichen Honigvorrat der Bienen ersetzen. Die Qualität des Winterfutters ist mindestens so wichtig wie die Menge.
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