Wodka Zitrone Kaffee Zucker: Rezept, Wirkung und Geschichte des Russisch Koks (Nikolaschka)

Das Getränk "Russisch Koks" - auch bekannt als Nikolaschka oder Damengedeck - ist ein einzigartiges alkoholisches Geschmackserlebnis, das auf kontrastreiche Zutaten und eine ungewöhnliche Darreichungsform setzt. Es verbindet Wodka, Zitrone, Kaffee und Zucker zu einer faszinierenden Kombination, die sowohl geschmacklich als auch in ihrer Wirkung überrascht. Die Tradition reicht bis zur russischen Banja-Zeremonie und hat sich besonders in studentischen Kreisen der DDR als origineller Kurzer mit fast rituellem Charakter verbreitet.

Wodka Zitrone Kaffee Zucker als Nikolaschka: Zutaten und klassische Präsentation

Rezept: Wie wird Russisch Koks (Nikolaschka) zubereitet?

Die Zubereitung von Russisch Koks ist denkbar einfach und dennoch raffiniert. Hier einmal kurz zum Mitschreiben, für Barleute, Gastgeberinnen, Fans von Seancen: Je einen halben Teelöffel Kaffeepulver und Zucker vermischen und möglichst vorsichtig auf einer halbierten Zitronenscheibe platzieren. Wodka in ein Schnapsglas gießen, alles zusammen servieren, am besten gestapelt, am liebsten tablettweise. Den kleinen Zitronenkuchen möglichst unvorsichtig zu sich nehmen, gut kauen, den süßen Sand im Getriebe mit dem Wodka runterspülen, wichtig hierbei: Es muss ein Stück Mond in der Nähe sein, eine Sichel reicht.

Die Zutaten sind in nahezu jedem Haushalt zu finden: Zitronen aus der HO, Zucker aus der Rationierung, Kaffee aus dem Westpaket oder heimischer Produktion - und Schnaps aus der Kaufhalle oder selbstgebrannt. So wird er getrunken: zuerst die Zitronenscheibe in den Mund, dann ganz schnell den Schnaps hinterher. Zum Schluss den Schnappus nachkippen, schlucken und jetzt das Zitronen-Kaffee-Zucker-Gemisch kauen und runterschlucken (aber auf die Schale aufpassen). Hört sich kompliziert an, aber mit nem bisken Übung klappt das schließlich ganz gut.

ZutatMengeBemerkung
Zitrone1 ScheibeHalbieren, als Basis für Zucker und Kaffee
Zucker½ TLAuf der Zitronenscheibe platzieren
Kaffeepulver½ TLAuf der Zitronenscheibe gemeinsam mit dem Zucker
Wodka4 clIm Schnapsglas, hinterher trinken
Zubereitung und Trinkritual Russisch Koks - Schritt-für-Schritt

Die Wirkung: Koffein und Alkohol - Aufputschende Kurzzeit-Exstase

Wer viel davon in sich reinballert, bekommt Gedächtnislücken. Das liegt an der Kombi Kaffee und Alkohol. Einige Menschen berichten, dass sie danach Lücken im Kurzzeitgedächtnis hatten. Dieser Erinnerungsausfall liegt an der Zusammensetzung des Getränks, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck. Zucker und Zitrone sind nicht so ausschlaggebend, aber die Kombination von Koffein und Alkohol.

Koffein verändert die Wirkung von Alkohol im Gehirn. Es dämpft die einschläfernde oder beruhigende Wirkung von Alkohol. Deshalb wirkt beides zusammen aufputschend, sagt Henning Beck. "Wenn ich das gleichzeitig nehme, sorgt das Koffein dafür, dass der Alkohol einfach intensiver in diesem Moment wirken kann. Man hat quasi nur die positive Seite des Alkohols, dieses Aufputschende und Lustigmachende. Die Nebeneffekte vom Alkohol verschwinden für diese kurze Zeit." Aber für diesen Rausch zahlen wir ein Preis: Wir können nach ein paar Glas Russisch Koks uns nur schwer erinnern.

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Die Effekte halten aber nur zwischen einer halben, dreiviertel Stunde bis zu einer Stunde an. Danach sind sie verschwunden. Wer mehrere Portionen Russisch Koks kippt, hat von diesen Nebenwirkungen mehr und länger.

Wirkung von Alkohol im Gehirn

Alkohol wirkt im Gehirn anders als beispielsweise Heroin, Kokain oder chemische Substanzen, die direkt an einen Rezeptor andocken oder einen Botenstoff verändern. Alkohol breitet sich im Gehirn eher wie ein Instagram-Filter aus, erklärt der Neurowissenschaftler. Alles wird ein bisschen heruntergedreht. Anfangs wird zwar auch das Gedämpfte gedämpft, erklärt Henning Beck. Hemmungen werden so beispielsweise abgebaut. Das führt zu einer anfänglichen putschenden Wirkung des Alkohols.

Mit der Zeit nimmt dieser Effekt ab, sodass alles durch den Alkohol gedämpft wird, wie zum Beispiel die Zellen miteinander kommunizieren, und er verändert den Stoffwechsel im Gehirn. Das Denken, Handeln und Bewegen wird dann verlangsamt, wir werden ruhiger und müde. Aber das Zusammenspiel mit Koffein sorgt dafür, dass dieser beruhigende Effekt gemildert wird und die aufputschende Wirkung in den Vordergrund tritt.

Koffein und Alkohol: Gehirnwirkung und Gedächtnislücken

Kultureller Hintergrund und das Ritual: Von Banja bis Retro-Party

Russisch Koks ist mein schillerndstes Werkzeug in internationalen Barzusammenhängen, und ich liebe es, mit Hilfe dieses kleinen, aber spektakulären Drinks eine zärtliche Spur der Verwüstung im Kurzzeit­gedächtnis jener Menschen zu hinterlassen, die das Glück - oder das Pech - hatten, dabei gewesen zu sein. Fragen Sie ruhig nach, in »Jimmy’s Bar« in Frankfurt zum Beispiel, oder im »Lola Jeans« in Newcastle, im »Café Landru« in Nantes oder in jeder beliebigen Bar auf St. Pauli. Niemand wird sich an irgendwelche Details erinnern, aber viele sich bestimmt an den schönen Moment im Gehirn, an diese Geräusche - klick, ssswmmm, blubb -, und schon hatte sich alles, was eben noch schwer und kompliziert zu sein schien, einfach in Wodka, Zitrone, Kaffee und Zucker aufgelöst.

Was genau geht vor sich, wenn ich zu später Stunde mit der Russisch-Koks-Idee anrücke und daraufhin Gruppen von Menschen in Ekstase geraten und sich quasi ineinander auflösen? Es ist so einfach. Der Mensch besteht ja fast vollständig aus Wasser. Das muss man bereit sein zu fühlen. Was mit dem menschlichen Wasser passiert, wenn es auf den Mond trifft, ist bekannt. Es gerät in Wallung. Fügt man dieser Unruhe noch Koffein, Zucker, Vitamin C und Alkohol hinzu, und ist dieser Alkohol dann auch noch водка (Russisch für Wasser) - muss ich es wirklich erklären? Oder reicht es, wenn ich das Gefühl beschreibe? Es ist, als würde sich das Wasser in den Bahnen erheben, zu tanzen anfangen, in Verwirrung fallen, sich zu einem Bogen spannen, den anderen, der Welt, dem Mond, dem Himmel entgegen, und dann, ja, dann: ist es sehr, sehr schön, bei Tageslicht betrachtet jedoch vermutlich einigermaßen peinlich.

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Die Nikolaschka passte nicht in das übliche Schema klassischer Mischgetränke. Sie war nichts für den schnellen Durst oder den Massenausschank, sondern ein bewusst gesetzter Höhepunkt - meist zu später Stunde. Sie forderte die Sinne heraus, überraschte durch die Kombination gegensätzlicher Aromen und hatte beinahe rituellen Charakter. Gerade das Zusammenspiel von herbem Kaffeearoma mit der spritzigen Säure der Zitrone, gepaart mit Zucker und hochprozentigem Schnaps, machte sie so besonders. Daraus wurde ein Erlebnis gezaubert, das bis heute in Erinnerungen weiterlebt und nicht selten auf Retro-Partys wiederbelebt wird.

Nikolaschka und Russisch Koks: Kultdrink auf Retro-Partys

Besonderheiten und Bräuche rund um Wodka Zitrone Kaffee Zucker

Grundsätzlich sollte man sich während einem Saunaaufenthaltes vom Alkohol distanzieren. Doch gibt es alte Bräuche, welche bei der russischen Banja Zeremonie nicht fehlen sollten. Ein sogenannten „Vodka Nikolaschka“ (Wodka mit Zitrone) sollte auf jeden Fall vor oder bei Beginn der Zeremonie serviert werden. Als alternative erhält der Saunagast ein Glas warmes Wasser mit Zitrone. Dabei wünscht man sich gegenseitig „S ljöchkim parom“ was nichts anderes als „mit leichtem Dampf“ bedeutet.

Wer in der DDR nach einem außergewöhnlichen Trinkerlebnis suchte, stieß früher oder später auf die „Nikolaschka“. Dieser besondere Kurze war kein Cocktail im klassischen Sinn, sondern ein aromatisches Geschmacksspiel, bei dem Alkohol, Zitrus, Süße und herbe Noten direkt aufeinandertreffen - und das ohne Umrühren oder Mischen. Der Name „Nikolaschka“ klingt nicht zufällig russisch. Er geht vermutlich auf eine althergebrachte Trinksitte zurück, die aus dem Zarenreich oder später aus sowjetischen Kreisen überliefert wurde. In der DDR verbreitete sich die Nikolaschka vor allem unter Kennern und in studentischen Kreisen, wurde aber auch auf privaten Feiern als origineller Kurzer gereicht.

Es gibt Menschen, denen ich Jahre danach wieder begegne und die meinen Namen nicht mehr wissen, aber von Weitem mit dem Finger auf mich zeigen und rufen: »Oh nein! Russisch Koks!«

Meistens fängt es so an, dass alle müde sind, nicht so recht wissen, ob jetzt weitermachen mit diesem ganz netten Abend oder lieber nicht, weil morgen früh klingelt ja der Wecker, und puh, was dann alles zu erledigen ist. Das sind die Momente, in denen ich den Kellner bitte, mir mal eben tief in die Augen zu schauen und gut zuzuhören, während ich meine Bestellung aufgebe. Russisch Koks zündet für genau eine Stunde alles an. Danach kann man ins Bett gehen und beglückt schlafen. Was aber niemand tut. Weil alle noch eine brennende Stunde im Mondlicht wollen. Und dann noch zwei, drei, vier, fünf.

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Russisch Koks in Bars und Partys: Ein sozialer Höhepunkt

Russisch Koks: Inspirationen und Anekdoten

  • Erstens will ich mir unbedingt Arturo Vidal auf den Hals tätowieren lassen.
  • Zweitens möchte ich Kneipenwirtin werden.
  • Eine Mondscheinbar eröffnen. Es gäbe nur einen einzigen Drink auf der Karte, und Wasser, Wasser, Wasser.

Die Kombination aus Wodka, Zitrone, Kaffee und Zucker bleibt auch heute ein Erlebnis, das sowohl kulinarisch als auch in seiner Wirkung fasziniert und für besondere Momente sorgt.

Wodka Zitrone Kaffee Zucker Rezept: Schritt für Schritt

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