Drehorte des Films „Honig im Kopf“ – Von Hamburg über Südtirol bis Venedig
„Honig im Kopf“ erzählt die bewegende Reise eines an Alzheimer erkrankten Großvaters und seiner Enkelin und verknüpft diese Geschichte mit einer Reise durch markante Schauplätze in Deutschland, Italien und Südtirol. Die Filmlocations spiegeln die emotionale Bandbreite des Films: städtische Nähe und familiäre Enge in Hamburg, alpine Weite und Nostalgie in Südtirol sowie die melancholische Romantik Venedigs.
Übersicht der wichtigsten Drehregionen
- Hamburg und Umgebung - städtische Familienwelt, Büro- und Kliniksequenzen, Elbufer und Hafenstimmungen
- Brandenburg (Potsdam, Lenzerwische) - Amandus’ ehemaliges Haus und die inszenierte Dorfbestattung
- Schleswig-Holstein (Gut Altfresenburg bei Bad Oldesloe) - Herrensitz als Wohnhaus der Familie Rosenbach
- Südtirol (Bozen, Toblach, Villnöss, Hochpustertal, Drei Zinnen, Dolomiten) - Bahnstrecke, Seen, Kloster und alpine Landschaften
- Venedig - Lagune, Canal Grande und Luxus-Hotel nahe Markusplatz als Ziel der Reise
Hamburg: Heimat des Familienlebens und urbaner Drehorte
Der Alltag von Niko, Sarah und Tilda spielt in und um Hamburg: Nikos Büro befindet sich in den Tanzenden Türmen am östlichen Ende der Reeperbahn. Weitere Hamburger Drehorte sind die Alsterarkaden, die Binnenalster am Ufer der Lombardsbrücke, die Elbchaussee, das Hotel Atlantic und der Elbstrand (Wittenbergener Strand). Auf dem Staatsdampfer „Schaarhörn“ findet eine Szene statt, in der Tilda Amandus etwas fragt. Die halsbrecherische Autofahrt der beiden endet am St. Annenplatz nahe des neuen Spiegel-Komplexes zwischen Hauptbahnhof und Elbe; im Hintergrund sind Fleetschlösschen und alte Speicherstadt-Architektur zu sehen. Am Hauptbahnhof kaufen sie später eine Fahrkarte nach Venedig.
Gut Altfresenburg (Schleswig-Holstein): Das Wohnhaus der Familie Rosenbach
Als Hauptdrehort für das Gut Rosenbach diente ein Herrenhaus auf dem Gut Altfresenburg bei Bad Oldesloe nördlich von Hamburg. Da es leer stand, konnte das Filmteam das Innere des Hauses ganz nach Szenenanforderungen gestalten; Veranda und Scheune wurden vom Filmteam hinzugefügt. Außenaufnahmen wie die missglückte Gartenparty entstanden hier. Weil in der Nähe keine ausreichenden Hotelkapazitäten existierten, war tägliches Pendeln nach Hamburg erforderlich; die Kinder wurden auf einem nahegelegenen Ponyhof untergebracht.
Potsdam (Heiliger See) und Brandenburg: Amandus’ früheres Zuhause und Friedhofsszene
Das Haus, in dem Amandus einst lebte und seine Tierarztpraxis hatte, befindet sich in Potsdam am Heiligen See. Für den Film wurde das Backsteinhaus komplett mit einer Holzfassade verkleidet. Die Beerdigungsszenen am Ende des Films entstanden in Lenzerwische in Brandenburg; den Friedhof gab es in dieser Form nicht vor Ort - er wurde von den Setdesignern auf einer Wiese nahe der St. Johanniskirche errichtet.
Südtirol: Herzstück der Roadmovie-Strecke
Til Schweiger, der seit seiner Kindheit viel Zeit in Südtirol verbracht hat, wählte die Region bewusst als Etappe der Reise. Die Dreharbeiten in Südtirol betonen die landschaftliche Schönheit und nostalgische Atmosphäre, die für Tildas Rettungsplan wichtig sind.
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Bozen
In Bozen landen Tilda und Amandus ungeplant; hier werden das städtische Flair und das Zusammenspiel deutscher und italienischer Kultur sichtbar. Die Außenaufnahmen des Franziskanerklosters stammen von einem Weingut (Kreithof in Eppan). Bozen fungiert als Drehort für Szenen am Bahnhof und die Suche nach Amandus, der versehentlich aus dem Zug ausgestiegen war.
Toblach, Villnöss und Dolomiten (Geislergruppe)
Die Filmroute führt durch das Dolomitental Villnöss mit den markanten Geisler-Felstürmen; Szenen wurden in Orten wie St. Magdalena realisiert. Der Toblacher See im Höhlensteintal ist ebenfalls Drehort. Die Dreharbeiten nutzen den landschaftlichen Reichtum - weite Wiesen, Almen und Bergpanoramen dienen als Kulisse für Flucht- und Verschnaufpausen der Protagonisten.
Hochpustertal, Drei Zinnen und Misurina
Das Hochpustertal und die Drei Zinnen im Osten Südtirols tauchen als imposante Kulisse auf. Fahrten über Passstraßen wie jene bis zur Auronzohütte oder zur Dreizinnenhütte bieten filmisch eindrucksvolle Bergblicke; der Parkplatz zwischen Nigerpass und Karerpass nahe Albergo Jolanda wurde als Standort einer Szene genutzt.
Eisenbahnsequenzen und nostalgischer Zug
Für die Bahnsequenzen stellten die Filmemacher historische Zugwagen zusammen, um einen märchenhaften Charakter zu erzeugen; moderne Waggons wurden abgelehnt. Vier Monate Vorbereitung waren nötig, bis der nostalgische Zug bereitstand; problematisch waren die begrenzten Zeitfenster im regulären Fahrplan, die das Team nutzen durfte.
Venedig: Finale der Reise
Als Ziel der Flucht wählten die Filmemacher Venedig. Tilda und Amandus checken im Hotel Bauer nahe Markusplatz ein; die Restaurantterrasse, die im Film zu sehen ist, gehört dem nahe gelegenen Hotel Regina. Für die Hotelzimmeraufnahmen filmte man im Schlosshotel Berlin-Grunewald. Drohnenaufnahmen über dem Canal Grande lieferten spektakuläre Perspektiven.
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Weitere spezielle Drehorte und Setentscheidungen
- Praxisräume von Dr. Holst: in der Sternwarte Hamburg
- Innenhof der Psychiatrie: ein Verwaltungsgebäude der Justizbehörde
- Nikos Büro: Tanzende Türme (Reeperbahn)
- Herrenhausfassade in Potsdam: Backsteinhaus mit aufgesetzter Holzfassade
- Hotelinterieurs (Venedig-Suite): Schlosshotel Berlin-Grunewald
- Bahnhofsszenen: historische Zugwagen und Bahnhofstoilette (Südtirol/Bozen)
- Schaftransporter-Sequenz und Polizeikontrolle: Bergstraßen nahe Dreizinnenhütte
Produktion, Drehzeitraum und technische Umsetzung
Die Dreharbeiten fanden zwischen April und Juli 2014 statt (konkreter: 27. April bis Anfang Juli 2014). Die Produktion lag bei Barefoot Films in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Für die Kamera war Martin Schlecht verantwortlich; der Schnitt erfolgte durch Constantin von Seld. Die Filmmusik komponierten Dirk Reichardt, Martin Todsharow und David Jürgens. In Hamburg setzte das Team Drohnen für spektakuläre Flugaufnahmen ein.
Warum die Auswahl der Drehorte die Erzählung stärkt
Die Wahl der Locations ist dramaturgisch begründet: Hamburg bildet die vertraute, aber zunehmend belastete Alltagswelt; das Herrenhaus auf Gut Altfresenburg visualisiert bürgerlichen Wohlstand und familiäre Brüche; Potsdam erinnert an Amandus’ Vergangenheit; Südtirol steht für Erinnerung, Natur und Gelassenheit; Venedig symbolisiert Sehnsucht, Vergangenheitsbindung und das große Ziel der Reise. Die Landschaften unterstützen die emotionale Dramaturgie: Weite Berge und stille Seen kontrastieren städtische Enge und betonen die Roadmovie-Komponente der Geschichte.
Praktische Hinweise für Fans, die Drehorte besuchen möchten
- Gut Altfresenburg (Bad Oldesloe): Außenbesichtigung möglich, da privates Gut; Innenräume wurden filmisch verändert.
- Potsdam, Heiligensee: Haus am Heiliger See ist erkennbar, Fassadenänderungen wurden für den Film vorgenommen.
- Bozen: Waltherplatz, Lauben und Franziskanerkloster (Außenaufnahmen) sind öffentlich zugänglich.
- Dolomiten & Villnöss: St. Magdalena und Aussichtspunkte zur Geislergruppe bieten bekannte Fotomotive.
- Toblacher See & Höhlensteintal: Naturparkhaus im Grand Hotel Toblach bietet Informationen zu Region und Wanderungen.
- Venedig: Hotel Bauer (Außenaufnahmen der Rezeption) und Canal Grande sind öffentlich zugänglich; Hotelzimmer-Sets stammen aus Berlin.
Tabelle: Zuordnung wichtiger Szenen zu Drehorten
| Filmszene | Drehort |
|---|---|
| Familienhaus Rosenbach (Innen/Außen) | Gut Altfresenburg (Bad Oldesloe), Innen teilweise gestaltet |
| Amandus’ ehemaliges Haus / Tierarztpraxis | Potsdam, Haus am Heiligen See (mit Holzfassade) |
| Bahnhofsszenen / Notbremse / Bahnhofstoilette | Bozen / Südtirol (Eisenbahnsequenzen mit historischen Wagen) |
| Klosteraufenthalt und Nonne-Transport | Südtirol (Außenaufnahmen Kloster: Weingut Kreithof in Eppan) |
| Alpenpanoramen, Dolomiten, Dreizinnen | Villnöss, Hochpustertal, Drei Zinnen, Toblach |
| Venedig: Suite, Canal Grande, Markusplatz | Venedig (Hotel Bauer, Canal Grande Außenaufnahmen; Hotelzimmer in Berlin) |
| Beerdigungsszene | Lenzerwische (Brandenburg), künstlich angelegter Friedhof |
Trivia zur Entstehung und Besetzung
Til Schweiger führte Regie, spielte eine Hauptrolle und schrieb das Drehbuch zusammen mit Hilly Martinek. Dieter Hallervorden übernahm die Rolle des Amandus; Emma Schweiger spielt die Enkelin Tilda. Ursprünglich war geplant, die Hauptrolle mit Michael Caine zu besetzen, später wurde in einem US-Remake Nick Nolte gecastet. Historische Zugwagen, Drohnen-Aufnahmen und das Aufbringen externer Fassaden zählen zu den markanten technischen und gestalterischen Entscheidungen der Produktion.
Kurz zur Rezeption
„Honig im Kopf“ spaltete Kritiker, wurde aber ein Publikumserfolg: in Deutschland erreichte der Film 7,19 Millionen Kinobesucher und erzielte ein internationales Einspielergebnis von über 60 Mio. Euro. Kritiker lobten vor allem Dieter Hallervordens Leistung; andere bemängelten eine sentimentale Überzeichnung und diskutierten die Darstellung von Alzheimer. Unabhängig davon trug die starke Ortswahl dazu bei, dass die Reise als filmische Erfahrung emotional nachvollziehbar wird.
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