Wo kann man Blutzucker messen lassen? Möglichkeiten, Ablauf und Tipps zur Blutzuckerkontrolle

Die Messung des Blutzuckers ist eine zentrale Maßnahme zur Früherkennung und Überwachung von Diabetes mellitus und dient der Prävention schwerwiegender Folgeerkrankungen wie Nierenversagen, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Viele Menschen mit Diabetes messen eigenständig ihren Blutzucker - dies kann, je nach Krankheitsbild und Therapie, von regelmäßigen Messungen bis zu mehrmals täglich erfolgen.

Orte für Blutzuckermessung

  • Apotheken: Sie können in vielen Apotheken jederzeit Ihren Blutzuckerwert messen und protokollieren lassen. In der Apotheke stehen spezielle Blutzuckermessgeräte zur Verfügung, die eine einfache und genaue Messung ermöglichen. Die Messung erfolgt mit nur einem Tropfen Kapillarblut, meist seitlich an der Fingerkuppe. Preis pro Messung: ca. 5 bis 10 Euro, je nach Apotheke.
  • Hausarzt oder Facharzt: Im Rahmen einer Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35“) beim Hausarzt, die alle drei Jahre für gesetzlich Krankenversicherte kostenlos ist, wird unter anderem auch der Nüchternblutzucker bestimmt. Besteht der Verdacht auf Diabetes, sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert werden - mindestens einmal im Jahr.
  • Selbstkontrolle zu Hause: Patienten mit Diabetes mellitus erhalten vom Arzt ein Blutzuckermessgerät zur Selbstkontrolle. Sie können die Verordnung im Sanitätshaus oder in einer Apotheke Ihrer Wahl einlösen. Die AOK übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für ein Blutzuckermessgerät, wenn der behandelnde Arzt eine entsprechende Verordnung ausstellt.
  • Gesundheitszentren und Kliniken: Im Krankenhaus oder Gesundheitszentren wird im Rahmen routinemäßiger Blutuntersuchungen der Blutzucker mitgemessen und ggf. ein Glukosetoleranztest durchgeführt.
Blutzuckermessung in der Apotheke

Neue Methoden: Kontinuierliche Glukosemessung (CGM)

Eine zusätzliche Möglichkeit zur Kontrolle bieten Geräte wie das FreeStyle Libre, die den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe messen. Ein CGM-Gerät misst den Zuckerwert im Gewebe alle paar Minuten und gibt bei zu hohen oder zu niedrigen Werten Alarm. Sie können Ihre Werte sicher und einfach per Smartphone oder Lesegerät ablesen und mit Angehörigen teilen. CGM-Geräte sind auch in Kombination mit einer Insulinpumpe erhältlich. Die Entscheidung zur Kostenübernahme eines FreeStyle Libre Messsystems trifft die Krankenkasse im Einzelfall; bei intensivierter Insulintherapie übernehmen alle gesetzlichen Kassen die Kosten.

Funktionsweise eines CGM-Systems

Ablauf einer Blutzuckermessung

  1. Hände gründlich waschen und abtrocknen (Feuchtigkeit und Schmutz können das Messergebnis verfälschen).
  2. Teststreifen aus der Verpackung nehmen und in das Messgerät stecken.
  3. Mit einer Lanzette leicht in die Fingerkuppe stechen, vorzugsweise seitlich.
  4. Den Blutstropfen auf den Teststreifen auftragen.
  5. Werte ablesen; moderne Geräte speichern Werte, die auf Computer oder Smartphone übertragen werden können.

Vor der Abgabe eines Messgerätes sollte die Handhabung ausführlich erklärt werden, um Fehler zu vermeiden. Kleinere Abweichungen von bis zu 15% liegen in den erlaubten Toleranzgrenzen.

Schema Blutzuckermessung

Spezielle Hinweise für Messung in der Apotheke

Die Blutzuckermessung beginnt mit der Desinfektion der Fingerkuppe, gefolgt von der Bluttropfenentnahme. Die Messung wird von pharmazeutischem Personal durchgeführt, das entsprechend geschult ist und Arbeitsschutzbestimmungen beachtet. Die Durchführung sollte in einem abgetrennten Beratungsraum erfolgen, um Privatsphäre zu gewährleisten. Vor der Messung werden alle Utensilien bereitgelegt und der Messplatz gereinigt.

  • Blutzuckermessgerät (mit Qualitätskontrollkarte und Gebrauchsanweisung)
  • Teststreifen oder Testkassetten (überprüfen auf Verfall und Lagerbedingungen!)
  • Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Stechhilfe mit Lanzetten, Tupfer, Pflaster, Entsorgungsbehälter

Nach der Messung wird das Messergebnis auf einem Informationsbogen eingetragen. Die Auswertung folgt den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG):

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Blutzuckerwert (nüchtern) Empfehlung
<125 mg/dl (7 mmol/l) unauffällig
125-140 mg/dl (7-7,8 mmol/l) nach 14 Tagen erneut kontrollieren
>140 mg/dl (7,8 mmol/l) Arztbesuch empfehlenswert

Wann sollte eine Blutzuckermessung erfolgen?

  • Bei erhöhtem Risiko oder Prädiabetes: jährliche Kontrolle
  • Im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung „Check-up 35“ (alle drei Jahre kostenlos)
  • Bei typischen Symptomen wie ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Missempfindungen oder schlecht heilenden Wunden
  • Bei bestehendem Diabetes: individuelle Absprache mit dem Arzt, abhängig von der Therapie (z. B. Insulin-Spritzen)
  • Bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas oder genetischer Vorbelastung
Warnsignale Diabetes

Blutzuckerkontrolle zu Hause

Für Diabetiker ist die Selbstkontrolle des Blutzuckers wichtig. Die Selbstmessung zeigt, wie sich körperliche Bewegung und Essen auf den Blutzucker auswirken. Akute Abweichungen wie Über- oder Unterzuckerung können schnell erkannt und ihnen gegengesteuert werden. Ein Blutzuckermessgerät zählt zu den Hilfsmitteln - Versicherte ab 18 Jahren übernehmen eine gesetzliche Zuzahlung von mindestens 5, maximal 10 Euro. Real-Time-Messgeräte (rtCGM) sind für bestimmte Patientengruppen ebenfalls erstattungsfähig.

Messung von Blutzucker im Urin

Ein anderer Test, der selbst durchgeführt werden kann, ist die Messung der Zuckermenge im Urin. Wenn sich Zucker im Urin nachweisen lässt, ist der Blutzuckerspiegel meist stark erhöht. Für die Zucker-Messung im Urin benötigt man einen Auffangbecher und einen Urin-Teststreifen. Der Test eignet sich aber nicht dazu, den Verlauf einer Behandlung mit Diabetes-Medikamenten zu kontrollieren, denn er kann keinen genauen Blutzuckerwert angeben.

Urin-Teststreifen zur Glukosemessung

Tipps für eine zuverlässige Blutzuckermessung

  • Hände vor der Messung waschen, abtrocknen, Finger massieren
  • Direkte Desinfektion der Einstichstelle; Schutzhandschuhe tragen
  • Messung idealerweise nüchtern, vor dem Essen
  • Auf gute Durchblutung achten, Finger warm halten
  • Blutzuckermessgeräte an die individuellen Bedürfnisse anpassen (Größe, Handhabung, Komfortfunktionen)
  • Messgeräte regelmäßig kontrollieren, insbesondere in der Apotheke (Systemkontrolle, Blut-Ringversuch)
  • Messungen an unterschiedlichen Fingern durchführen, um die Einstichstelle zu schonen
  • Ergebnisse dokumentieren: in App, Tagebuch oder Datei
Blutzuckermessgeräte und Zubehör

Beratung und Unterstützung

Apotheken und Ärzte bieten umfassende Beratung zum Thema Diabetes, inklusive Tipps zu gesunder Lebensweise, Ernährung und körperlicher Aktivität. Die kontinuierliche Betreuung bei Diabetes trägt dazu bei, Komplikationen zu verhindern, die Lebensqualität zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Bei auffälligen Werten oder Verdacht auf Diabetes sollte immer ein ärztlicher Test mit Laborbestätigung erfolgen.

  • Regelmäßige Überwachung: Ermöglicht kontinuierliche Kontrolle des Blutzuckerspiegels, wichtig für das Diabetes-Management.
  • Sofortige Ergebnisse: Schnelle Verfügbarkeit der Messwerte und Möglichkeit, sofort Maßnahmen zu ergreifen.
  • Beratung und Unterstützung: Diabetes-Beratung, gesunde Lebensweise, ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität.
  • Kostenerstattung: Die AOK und andere Krankenkassen übernehmen unter gewissen Voraussetzungen die Kosten für Blutzuckermessgeräte und CGM-Systeme.
Diabetes-Beratung in der Apotheke

Normbereiche und Interpretation der Werte

Messzeitpunkt Normalwert Diabetes-Verdacht
Nüchtern 65-100 mg/dl (3,5-5,5 mmol/l) über 100 mg/dl (7,0 mmol/l)
Nüchtern, an zwei Tagen 70-99 mg/dl (3,9-5,5 mmol/l) >=126 mg/dl (>=7,0 mmol/l)
Gelegenheitswert mit Symptomen < 200 mg/dl >= 200 mg/dl
2 Std. nach Glukosetoleranztest <200 mg/dl >=200 mg/dl
HbA1c-Wert < 6,5 % >= 6,5 %

Bei Diabetikern kann es zu Unterzuckerung kommen (Werte unter 70 mg/dl). Werte über 180 mg/dl nach dem Essen sind nicht optimal und bedürfen einer Anpassung der Therapie.

Lebensstil: Einfluss auf das Diabetesrisiko

Das eigene Diabetes-Risiko kann man selbst prüfen: Übergewicht, Fehlernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und hoher Konsum kalorienreicher Speisen oder Getränke begünstigen die Stoffwechselkrankheit. Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend und verursacht oft keine Beschwerden, wird daher häufig zu spät entdeckt. Wer seine überzähligen Kilos abbaut und die Ernährungsgewohnheiten ändert, kann den Typ-2-Diabetes sogar wieder verschwinden lassen. Empfohlene Maßnahmen sind mehr Bewegung, gesunde Ernährung, Gewicht reduzieren, wenig Alkohol und Verzicht auf Nikotin.

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Ernährung und Bewegung bei Diabetes

Fazit: Viele Wege zur Blutzuckermessung

Blutzuckermessungen sind in Apotheken, Arztpraxen, Gesundheitszentren und zuhause möglich. Die Messung ist unkompliziert und sollte regelmäßig erfolgen. Moderne Technologien wie CGM-Systeme erleichtern die Kontrolle und verbessern das Diabetes-Management. Beratung, Prävention und rechtzeitige Anpassung des Lebensstils können Komplikationen verhindern und die Lebensqualität deutlich steigern.

Vergleich klassische und moderne Blutzuckermessung

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