Wird beim kleinen oder großen Blutbild der Blutzuckerwert gemessen?

Laborwerte einer Blutuntersuchung können auf verschiedene Krankheiten hinweisen. Doch was bedeuten die Blutwerte? Unser Blut ist wie ein Spiegel, der zahlreiche Vorgänge im Körper abbildet. Durch die Analyse bestimmter Blutwerte können Aussagen darüber gemacht werden, ob die Organe ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, ob das Immunsystem richtig funktioniert oder ob bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Zuckerkrankheit vorliegen.

Was untersuchen kleines und großes Blutbild?

Das Blutbild untersucht nicht den gesamten Stoffwechsel des Körpers, sondern die Blutzellen. Beim kleinen Blutbild wird die Zahl und Gestalt der Blutzellen sowie die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin bestimmt. Das kleine Blutbild ist eine der häufigsten Laboruntersuchungen. Man erhält damit einen Überblick über die Zellen im Blut: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin).

Beim großen Blutbild werden neben dem kleinen Blutbild die weißen Blutkörperchen noch einmal differenziert betrachtet (Differenzialblutbild): neutrophile Granulozyten, eosinophile Granulozyten, basophile Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten. Das große Blutbild liefert dadurch detailliertere Hinweise auf den Zustand des Immunsystems.

Wird der Blutzucker im Blutbild bestimmt?

Die Konzentration von Glukose im Blut bestimmt den Blutzuckerwert. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, ob die Energieversorgung des Körpers durch Zucker aus der Nahrung richtig funktioniert. Ein zu hoher Blutzuckerwert kann auf die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus hinweisen.

Wichtig: Das Blutzucker-Messung gehört nicht zum kleinen Blutbild und auch nicht zum großen Blutbild. Cholesterin, Blutzucker und Co. als Gesundheitsmarker sowie Leber- und Nierenwerte werden separat als Serumwerte bestimmt. Viele Menschen gehen davon aus, dass ein großes Blutbild bereits Leberwerte, Nierenwerte, Cholesterin oder Blutzucker umfasst. Das ist jedoch nicht der Fall.

Lesen Sie auch: Wie man weiße Schokolade vermeidet

Warum ist Blutzucker nicht Teil des Blutbilds?

  • Ein Blutbild untersucht die Blutzellen; Blutzucker ist dagegen eine Konzentration gelöster Glukose im Blutplasma/Serum.
  • Bei der Blutentnahme werden oft zwei Proben genommen: eine für das Blutbild (Zellen) und eine für das Serum. Blutzucker wird aus dem Serum beziehungsweise Plasma bestimmt.
  • Für die Bestimmung von Blutzucker ist häufig ein nüchterner Zustand wichtig; das kleine oder große Blutbild beeinflusst diese Anforderung nicht direkt.
Infografik: Unterschied kleines Blutbild, großes Blutbild und Serumwerte (Blutzucker)

Wie und wann wird der Blutzucker gemessen?

Der Nüchternblutzucker wird in einer morgendlichen Blutprobe nach einer Nüchternphase von mindestens acht Stunden bestimmt. Als normal gilt ein Wert von unter 100 mg/dl. Ein Prädiabetes besteht bei 100 bis 125 mg/dl. Von Diabetes sprechen Fachleute ab 126 mg/dl (regelmäßig gemessen).

Der Blutzucker kann in der Praxis auf verschiedene Weise gemessen werden:

  1. Blutzuckermessung am Finger mit Messgerät: eine Momentaufnahme des Kapillarblutzuckers.
  2. Venöse Blutzuckermessung im Labor (Plasmamessung): genauer und routinemäßig bei Blutuntersuchungen mitbestimmt.
  3. Langzeitzucker (HbA1c): Blutprobe gibt Durchschnitt der letzten 8-12 Wochen wieder und dient der Diagnose und Verlaufskontrolle.
  4. Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): bei Verdacht auf gestörten Zuckerstoffwechsel.
  5. Kontinuierliche Glukosemessung (CGM): misst Gewebezucker im Unterhautfettgewebe, zeigt Verlauf.
Schema: Messmethoden Blutzucker - Fingerprick, venöse Messung, HbA1c, CGM

Wann nüchtern erscheinen?

Für die meisten Blutuntersuchungen muss man morgens nüchtern ins Labor kommen. Im Zweifelsfall sollte man bei der Terminvergabe genauer nachfragen, weil das auch von der Art der Untersuchung abhängt. In der Regel heißt nüchtern, dass man mindestens acht Stunden vorher nichts gegessen haben sollte. Trinken ist erlaubt - am besten Wasser; Säfte, Milch oder Kaffee mit Zucker sind tabu. Auch das Rauchen sollte man vor der Blutabnahme unterlassen.

Welche Blutzuckerwerte gelten als normal?

Blutzuckerwerte bei Personen ohne Diabetes:

  • Im nüchternen Zustand: unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l).
  • Prädiabetes: 100-125 mg/dl.
  • Diabetes: Nüchternblutzucker 126 mg/dl oder höher (bei wiederholter Messung).
  • Nach einer Mahlzeit sollte der Wert spätestens 2 Stunden nach dem Essen wieder unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) liegen.

Der HbA1c-Wert (Langzeitzucker) gibt Auskunft über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 8-12 Wochen: bis 5,7 % ist normal; 5,7-6,4 % = Prädiabetes; ab 6,5 % = Diabetes.

Lesen Sie auch: Tipps zur Marmeladenherstellung: Fest werden!

Wann wird Blutzucker im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen bestimmt?

Den Gesundheits-Check-up können alle Erwachsene ab einem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre durchführen lassen. Zur Blutuntersuchung beim Gesundheits-Check-up gehören die Cholesterin-, Blutfett- und Blutzuckerwerte, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes einzuschätzen. Dabei handelt es sich um Serumwerte und sind nicht Bestandteil des Blutbildes.

Was bedeutet ein einmal erhöhter Blutzuckerwert?

Sobald Blutwerte außerhalb des Normalbereichs liegen, ist das zunächst nur ein Hinweis auf eine Erkrankung. Liegt ein einzelner Wert außerhalb des Normbereichs, kann das auf eine Erkrankung hinweisen. Abweichungen von der Norm müssen aber immer im Gesamtzusammenhang gesehen werden: Der Arzt oder die Ärztin wird die Laborwerte immer in Kombination mit der Krankengeschichte und den Beschwerden sehen. Bei einem Verdacht auf Diabetes werden wiederholte Messungen, gegebenenfalls HbA1c oder ein oGTT zur sicheren Diagnose herangezogen.

Kurzvideo: Warum Blutzucker nicht im Blutbild enthalten ist

Praktische Hinweise für Patientinnen und Patienten

  • Wenn Ihr Arzt nur das kleine oder große Blutbild anordnet, wird der Blutzucker normalerweise nicht mitbestimmt. Fragen Sie bei der Terminvergabe nach, ob Serumwerte (z. B. Blutzucker, Cholesterin) zusätzlich benötigt werden.
  • Wenn Blutzucker bestimmt werden soll, erscheinen Sie nüchtern (8-12 Stunden) zum Termin, sofern nicht anders angegeben.
  • Bei Unsicherheit: Bitten Sie die Ärztin oder den Arzt, im Laborbericht die untersuchten Parameter zu notieren oder das Labor direkt aufzuspalten (Blutzellen vs. Serum).
  • Bei auffälligen Blutzuckerwerten folgen meist weitere Tests (HbA1c, oGTT, Wiederholungsmessungen) zur Abklärung.

Wichtige Laborwerte im Überblick (Auswahl)

In Laborberichten finden sich viele Abkürzungen und Referenzbereiche. Normbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Hier eine knappe Auswahl relevanter Werte im Kontext Blutzucker und Blutbild:

ParameterNormbereich (Orientierung)
Nüchternblutzucker (Glukose)65-100 mg/dl
HbA1cbis 5,7 %
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)4,0-5,6 Mio./µl (je nach Geschlecht)
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)3.800-10.500 /µl
Blutplättchen (Thrombozyten)140.000-345.000 /µl

Zusammenfassung (kurz)

Das kleine und große Blutbild analysieren die Blutzellen; der Blutzucker (Glukose) gehört nicht dazu. Blutzucker wird als Serum-/Plasmamessung oder mittels HbA1c separat bestimmt. Wenn Sie eine Blutzuckerbestimmung benötigen, klären Sie vor der Blutentnahme, ob Serumwerte angefordert wurden und erscheinen Sie ggf. nüchtern.

Lesen Sie auch: Marmelade selber kochen: Schritt-für-Schritt

tags: #wird #beim #kleinen #oder #großen #blutbild

Populäre Artikel: