Wieviel Zucker steckt in "trockenem" Sekt? Ein umfassender Leitfaden

Die Welt des Weins und Sekts kann mit ihren Fachbegriffen und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen manchmal verwirrend sein. Besonders die Angabe "trocken" führt oft zu Missverständnissen, da sie bei Wein und Sekt unterschiedliche Bedeutungen hat. Dieser Artikel soll Klarheit schaffen und einen umfassenden Überblick über den Restzuckergehalt in "trockenem" Sekt geben.

Restzucker: Was ist das überhaupt?

Der Restzucker ist der Zucker, der nach der Gärung im Wein oder Sekt verbleibt. Während der Gärung wandeln Hefen den Zucker in Alkohol und Kohlensäure um. Je nachdem, wie vollständig dieser Prozess abläuft und ob zusätzlich Zucker hinzugefügt wird (Dosage), variiert der Restzuckergehalt. Dieser Gehalt beeinflusst maßgeblich die Geschmackswahrnehmung. Es ist wichtig zu beachten, dass die sensorische Wahrnehmung von Süße subjektiv ist und von Faktoren wie Säuregehalt, Alkohol und Reife beeinflusst wird.

Geschmacksangaben bei Wein und Sekt: Ein Überblick

Für Wein und Sekt gibt es Geschmacksangaben, die den Restzuckergehalt beschreiben. Diese sind jedoch unterschiedlich geregelt, da die Kohlensäure im Sekt die Süße abschwächt.

Wein

  • Trocken: Maximal 9 g/l Restzucker (und der Säuregehalt darf höchstens 2 g/l niedriger sein). Inoffiziell spricht man bei einem Restzuckergehalt von max.
  • Halbtrocken: 9 - 18 g/l Restzucker.
  • Lieblich: 18 - 45 g/l Restzucker.
  • Süß: Mehr als 45 g/l Restzucker.

Es gibt auch weitere, nicht gesetzlich geregelte Bezeichnungen wie "mild" (über 45 g/l Restzucker, wenig Säure) oder "feinherb" (halbtrocken mit Restsüße). Edelsüße Weine haben einen noch höheren Restzuckergehalt als süße Weine und werden i.d.R. aus Trauben hergestellt, die von Edelfäule befallen sind.

Sekt

Beim Sekt sind die Geschmacksbezeichnungen anders geregelt als beim Wein, da die natürliche Kohlensäure im Sekt die Wahrnehmung der Süße abschwächt. Hier die offizielle Klassifizierung gemäß EU-Verordnung:

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  • Brut Nature: Bis 3 g/l Restzucker (oft ohne Dosage, also ohne Zuckerzusatz nach der Gärung).
  • Extra Brut: Bis 6 g/l Zucker.
  • Brut: Bis 12 g/l Zucker.
  • Extra Dry/Extra Trocken: 12 - 17 g/l Zucker.
  • Dry/Trocken: 17 - 32 g/l Zucker.
  • Demi-Sec/Halbtrocken: 32 - 50 g/l Zucker.
  • Doux/Mild: Mehr als 50 g/l Zucker.

Secco

  • Trocken: Bis 35 g/l Restzucker.
  • Halbtrocken: 33-50 g/l Restzucker.
  • Mild: Mehr als 50 g/l Restzucker.

"Trocken" ist nicht gleich "trocken": Die Unterschiede

Wie bereits erwähnt, ist die Bezeichnung "trocken" bei Wein und Sekt nicht identisch. Ein trockener Wein darf maximal 9 g/l Restzucker enthalten, während ein trockener Sekt zwischen 17 und 32 g/l Restzucker aufweisen kann. Dieser Unterschied ist auf die Kohlensäure zurückzuführen, die die Süße im Sekt überdeckt.

Wer also trockene Weine bevorzugt, sollte beim Sekt eher zu "Brut" oder "Extra Brut" greifen. Sekt-Beginner sollten allerdings beachten, dass "Extra Trocken" im Sektbereich irreführend sein kann, da diese Kategorie süßer ist als "Brut".

Die Rolle der Dosage

Die Dosage ist ein wichtiger Faktor bei der Herstellung von Sekt. Sie bezeichnet die Zugabe von Zucker nach der zweiten Gärung. Die Menge des zugesetzten Zuckers bestimmt den Süßegrad des Sekts und somit seine Geschmacksbezeichnung. Bei "Brut Nature" wird beispielsweise keine Dosage hinzugefügt, während bei "Doux" eine erhebliche Menge Zucker zugesetzt wird.

Die sensorische Wahrnehmung: Mehr als nur Zucker

Es ist wichtig zu betonen, dass der Restzuckergehalt nicht der einzige Faktor ist, der die Geschmackswahrnehmung beeinflusst. Auch der Säuregehalt spielt eine entscheidende Rolle. Weine mit einem niedrigen Säuregehalt können trotz eines niedrigen Restzuckergehalts als "süß" empfunden werden. Umgekehrt können Weine mit einem hohen Säuregehalt und einem hohen Restzuckergehalt "trocken" schmecken.

Weitere Faktoren, die die Geschmackswahrnehmung beeinflussen können, sind Alkohol, Glycerin und die Reife des Weins.

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Sekt, Secco und Prosecco: Was ist der Unterschied?

Oft werden Sekt, Secco und Prosecco in einem Atemzug genannt. Doch was unterscheidet diese Schaumweine eigentlich?

  • Sekt: Deutscher Qualitätsschaumwein, der durch Flaschengärung oder Tankgärung hergestellt werden kann.
  • Secco: Perlwein mit weniger Kohlensäuredruck als Sekt.
  • Prosecco: Italienischer Schaumwein, der meist im Tankgärverfahren hergestellt wird. Es gibt ihn als Spumante (Sekt) und Frizzante (Secco).

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