Wie machen Bienen Honig – Schritt für Schritt erklärt

Wie entsteht Honig? Diese Frage ist nicht mit einem kurzen Satz zu beantworten. Honig wird von Honigbienen aus dem Nektar von Blüten oder aus Honigtau erzeugt. Die Bienen erzeugen Honig erst dann, wenn ausreichend Nektar oder Honigtau zusammengetragen wird. Nur wenn der laufende Bedarf für die Ernährung des Volkes und die Aufzucht der Brut gedeckt ist, wird Honig erzeugt. Der Honig ist die Nahrungsreserve der Bienen.

Warum machen die Bienen Honig?

Warum machen die Bienen Honig? Nicht für uns, das ist sicher. Honig ist ihr strategischer Wintervorrat. Ein Bienenstock braucht 10 bis 12 Kilo, um über den Winter zu kommen. Wenn es kalt ist und es keine Blüten gibt, leben die Bienen von diesem Vorrat. Sie fressen ihren eigenen Honig, um warm zu bleiben und zu überleben.

Als Imker ernte ich nur das, worauf die Bienen wirklich verzichten können - den Überschuss aus den Honigkammern im oberen Teil des Bienenstocks. Die Brutkammern unten bleiben völlig intakt. Der Respekt vor ihrem Handwerk ist die Grundlage einer guten Imkerei.

Ausgangsstoffe: Nektar und Honigtau

Pflanzen setzen ihren Siebröhrensaft zum Stofftransport ein. Die Blütenpflanzen scheiden diesen Saft als Nektar aus. Mit ihm locken sie Insekten, wie die Biene, an. Das muss sie tun, weil die Pflanze auf die Bestäubungsleitung der Insekten angewiesen ist. Und im Gegenzug brauchen die Bienen den Nektar, denn sie gewinnen aus ihm den Honig, den sie als Futtervorrat für den Winter anlegen und der das Überleben des Volkes sichert. Dieser Honig heißt Blütenhonig.

Die Bienen gewinnen aber auch aus Honigtau ihren Honig. Dabei wird der Siebröhrensaft von Laub- oder Nadelbäumen ausgeschieden und von Blattläusen, Blattflöhen oder anderen Insekten aufgenommen. Den größten Teil dieses Honigtaus scheiden die Insekten wieder aus. Die Bienen sammeln dieses Ausscheidungsprodukt ein und erzeugen daraus ihren Honig. Dieser Honig wird als Waldhonig bezeichnet und hat einen besonders hohen Gehalt an Mineralstoffen und Enzymen. Er bleibt meistens flüssig und hat eine dunkle Färbung.

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links: flüssiger Waldhonig, rechts: fester Blütenhonig (Alpenrosenhonig)

Die vier Phasen - von der Blüte bis ins Glas

Der Prozess besteht aus vier verschiedenen Phasen. Es ist ein Team-Prozess, bei dem jede Biene eine Rolle spielt. Nur das Sammeln von Nektar oder Honigtau reicht aber noch nicht aus. Es folgen noch einige weitere Schritte, bis süßer, goldener Honig entsteht.

1. Sammlung: Die Sammelbiene

Eine Honigbiene verlässt den Bienenstock und fliegt manchmal bis zu 3 Kilometer weit zu einer Blüte. Sie steckt ihre lange Zunge in die Blüte und saugt Nektar auf. Sie hat zwei Mägen. Einen Fressmagen für ihre eigene Nahrung und einen separaten Honigmagen für den Transport des Nektars. Sie isst den Nektar nicht - sie transportiert ihn nur.

Die Biene saugt den Nektar oder Honigtau mit dem Rüssel auf. Über die Speiseröhre gelangt der süße Saft in den Honigmagen/Honiblase der Biene. Schon auf dem Rückflug fügt ihr Körper dem Nektar Enzyme hinzu. Enzyme sind wie kleine chemische Arbeiter, die anfangen, Zucker abzubauen. Dieser Prozess beginnt also schon in der Luft, bevor die Biene den Bienenstock erreicht.

2. Übergabe und enzymatische Umwandlung

Kehnt die Biene heim in ihren Bienenstock, liefert sie den Blaseninhalt an die Stockbienen ab, die wiederum den Inhalt weitergeben. Zurück im Bienenstock leert sie den Blaseninhalt und übergibt ihn an die Stockbienen. Der Saft wird immer wieder aufgesaugt und ausgespuckt. Dabei reichert sich der Nektar mit Enzymen, Eiweißen, Säuren und anderen Stoffen der Bienen an. Diese Hausbiene verarbeitet den Nektar weiter, fügt ihre eigenen Enzyme hinzu und gibt ihn dann an eine andere Hausbiene weiter. Dies wiederholt sich mehrere Male, bis der Nektar "reif" genug ist, um in einer Honigzelle gelagert zu werden.

Die Stockbiene nimmt den Nektar auf, kaut ihn und fügt eigene Enzyme hinzu. Dieses natürliche Verfahren der Zugabe von Enzymen verwandelt den Nektar in Honig. Es ist wie ein Fließband der chemischen Umwandlung bei jeder Weitergabe.

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3. Eindicken: Wasserverdunstung durch kollektives Fächeln

Die Bienen müssen außerdem den Nektar verdicken, da er einen noch viel zu hohen Wasseranteil hat und in diesem Zustand gären würde. Der Wassergehalt wird reduziert, indem die Biene einen Nektartropfen über den Rüssel mehrfach herauslässt und wieder aufsaugt. Sobald der Wassergehalt bei 30 - 40% liegt, wird der verdickte Nektar in leere Wabenzellen verbreitet. Da die Zellen nicht ganz gefüllt werden, wird eine möglichst große Verdunstungsfläche geschaffen. Die Verdunstung wird dann durch Fächeln der Flügel beschleunigt.

Das ist der Punkt, an dem die Dinge wirklich besonders werden. Nektar besteht zu 80 Prozent aus Wasser. Honig sollte nur 18 Prozent Wasser enthalten. Wie bekommt man 62 Prozent Wasser heraus? Durch kollektives Ausatmen. Tausende von Bienen stehen im Bienenstock und "schlagen" mit den Flügeln. Sie vibrieren superschnell und erzeugen einen Luftstrom. Das wirkt wie eine natürliche Klimaanlage, die Wasser aus dem Nektar verdunstet. Sie tun dies rund um die Uhr, bis der Honig genau 18 Prozent Wasser enthält.

Bei dem gesamten Prozess sinkt der Wassergehalt von 70 - 75% auf 20% oder weniger. Nun ist der Honig fertig.

Schema: Wasserverdunstung und Verdeckeln der Wabe

4. Lagerung und Verdeckeln

Sobald der Honig reif ist, wird der verdickte Nektar in leere Wabenzellen verbreitet. Die Bienen tragen den Honig nun in Lagerzellen über dem Brutnest und überziehen ihn mit einem luftundurchlässigen Wachsdeckel. Dieser Vorgang wird von Imkern als „Verdeckeln“ bezeichnet. Wenn der Honig reif ist, also der Wassergehalt niedrig genug ist (laut Deutschem Imkerbund sind 18% der obere Grenzwert), erntet der Imker den Honig.

Wenn der Honig fertig ist, kommt ein Wachsdeckel auf die Zelle. Dieser Deckel wird von Drüsen im Hinterleib der Arbeitsbienen hergestellt. Sie stellen das Wachs aus ihrem eigenen Körper her! Er wirkt wie ein Vakuumverschluss, der den Honig schützt. Die Ägypter fanden 3.000 Jahre alten Honig in Pyramiden, der noch genießbar war. Honig ist buchstäblich das einzige Lebensmittel, das unbegrenzt haltbar ist. Dieses authentische Konservierungssystem ohne Chemikalien oder Konservierungsstoffe macht das von Bienen hergestellte Wachs so besonders.

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Demonstration: Honigverdeckeln und Flügelschlag der Bienen

Sorten, Eigenschaften und Qualität

Abhängig von den Pflanzenarten, von denen die Bienen sammeln, hat der Honig andere Eigenschaften. Akazienhonig ist sehr hell und bleibt flüssig. Andere sortenreine Honige werden dagegen fest, wie beispielsweise Raps- oder Alpenrosenhonig. Aber auch bei Geschmack und Duft gibt es Unterschiede.

Blütenhonig ist hell, hat einen milden Geschmack und kristallisiert sehr schnell aus. Der Großteil des industriell hergestellten Honigs ist Blütenhonig. Man unterscheidet zwischen Frühjahrsblütenhonig und Sommerblütenhonig, je nach Erntezeitpunkt.

Waldhonig, der auch Honigtauhonig genannt wird, ist im Gegensatz zum Blütenhonig eher dunkel. Er schmeckt würziger und ist dadurch sehr aromareich und intensiv. Der Gehalt an Fruchtzucker ist im Honigtauhonig so hoch, dass er kaum auskristallisiert und mitunter über Jahre hinweg flüssig bleibt.

Sortenreiner Honig

Sortenreiner Honig ist zum Beispiel Akazienhonig, Kleehonig, Lindenhonig oder Orangenblütenhonig. Die Honig-Verordnung sieht vor, dass ein Honig nur dann mit einer Pflanze in Verbindung gebracht werden darf, "wenn der Honig vollständig oder überwiegend den genannten Blüten oder Pflanzen entstammt und die entsprechenden organoleptischen, physikalisch-chemischen und mikroskopischen Merkmale aufweist." Überwiegend bedeutet in diesem Fall, dass mindestens 60 Prozent vom Nektar und Honigtau von der angegebenen Sorte stammen.

Organisation im Bienenvolk: Wer macht was?

Im Sommer leben in meinen Bienenstöcken manchmal 50.000 bis 60.000 Bienen. Das ist mehr als die Bevölkerung von Driebergen. Und trotzdem funktioniert es. Kein Chaos, keine Streitereien, nur perfekt koordinierte Arbeit. Wie ist das möglich? Strenge Rollenteilung. Klare Hierarchie. Ständige Kommunikation.

Die Königin

In dieser Masse von Zehntausenden von Bienen gibt es eine Königin. Sie ist größer als die anderen. Länger. Schlanker. Und ihre einzige Aufgabe? Eier zu legen. Nicht wenig - in der Hochsaison bis zu 2.000 pro Tag. Sie frisst nicht selbst. Die Arbeitsbienen füttern sie. Sie ist von einem "Hofstaat" umgeben, der sich um sie kümmert. Sie verlässt nie den Bienenstock.

Arbeitsbienen: Karriere in 6 Wochen

  1. Woche 1: Putzfrau. Ihre erste Aufgabe nach der Geburt besteht darin, die Zellen zu reinigen.
  2. Woche 2: Fütterer. Sie füttert die Larven mit "Bienenbrot", das sie aus Drüsen in ihrem Kopf produziert.
  3. Woche 3: Bauarbeiterin und Honigmacherin. Jetzt produziert sie Wachs und hilft bei der Umwandlung von Nektar in Honig.
  4. Ab Woche 4: Honigbiene. Sie fliegt zu den Blumen, sammelt Nektar und Pollen.

Die durchschnittliche Lebensdauer einer Arbeitsbiene im Sommer? 6 Wochen. Sie arbeitet sich buchstäblich zu Tode für das Kollektiv.

Drohnen

Dann gibt es noch die Männchen - die Drohnen. Ihr einziger Zweck ist es, bereit zu sein, eine junge Königin zu befruchten. Bis der Herbst kommt, wenn die Nahrung knapp wird, vertreiben die Arbeitsbienen die Drohnen gnadenlos.

Kommunikation: Der Schwänzeltanz

Der Bienentanz ist eine faszinierende Kommunikationsmethode von Honigbienen. Dabei gibt es zwei Hauptarten: den Rundtanz und den Schwänzeltanz. Beim Schwänzeltanz tanzt eine Biene ein Muster auf der Wabe. Die Richtung des Tanzes zeigt an, wo die Blumen sind. Die Dauer des Tanzes gibt an, wie weit er entfernt ist. Die Intensität sagt aus, wie gut die Quelle ist. Andere Bienen "spüren" diesen Tanz in der Dunkelheit, verstehen die Information und fliegen genau dorthin.

Ernte, Schleudern und Verarbeitung

Wenn der Honig reif ist, erntet der Imker den Honig. Beim Honig-Ernten und Schleudern werden diese Wachsdeckel zerstört und der Honig aus den Waben gelöst. Die Honigschleuderung ist ein wichtiger Schritt in der Honiggewinnung. Dabei wird der reifende Honig aus den Bienenwaben extrahiert. Die Waben werden in eine spezielle Maschine, die Honigschleuder, gelegt, die sie durch schnelles Drehen zum Rotieren bringt. Die Fliehkraft bewirkt, dass der Honig aus den Zellen geschleudert wird und sich an den Wänden der Schleuder sammelt. Anschließend kann der Honig abgelassen und gesiebt werden, um Rückstände zu entfernen.

Die Weiterverarbeitung und Abfüllung von Honig ist der letzte Schritt vor dem Verkauf. Nach der Schleuderung wird der Honig in saubere Gläser oder andere Behälter abgefüllt. Dabei wird darauf geachtet, dass der Honig hygienisch und schonend behandelt wird, um seine Qualität zu erhalten. Die Etikettierung der Gläser mit wichtigen Informationen wie Herkunft und Inhaltsstoffen rundet den Prozess ab.

Fakten, Mengen und Leistungen

  • Für ein 375‑Gramm‑Glas Honig müssen die Bienen insgesamt 40.000 Kilometer fliegen. Das ist eine Runde um die Erde.
  • Im Laufe ihres Lebens produziert eine einzelne Honigbiene nur etwa 1 Teelöffel Honig.
  • Um etwa 1 kg Honig zu erzeugen, besucht eine Honigbiene etwa 20 Millionen Blüten.
  • Die Menge an Honig variiert stark: In einem guten Jahr produzieren vier Stöcke zusammen 60 bis 80 Kilo, in einem trockenen Jahr manchmal nur 30 bis 40 Kilo.

Qualität: Deutscher Honig und gesetzliche Vorgaben

Deutscher Honig hat besonders hohe Qualität. Übrigens: In Deutschland darf der Honig nicht weiter behandelt werden. Das macht den heimischen Honig qualitativ so hochwertig. Außerhalb der EU ist die Gesetzeslage wiederum anders und der Honig wird beispielsweise gefiltert - zu Lasten der Honigqualität.

Honig unterliegt in Deutschland strengen gesetzlichen Vorgaben. Er muss naturbelassen sein, das heißt, ihm darf nichts entzogen oder hinzugefügt werden. So dürfen etwa honigeigene Bestandteile wie Pollen nicht herausgefiltert werden und der Honig darf nicht wärmebehandelt sein. Der Imker füllt ihn direkt aus den geschleuderten Waben ab.

Anwendung und Genuss

Honig wird zwar überwiegend auf Brot gegessen, lässt sich aber auch gut zum Süßen von Tees, zum Backen, Braten und als Zutat für Salat-Dressings verwenden. Dunkle Sorten wie Wald- oder Tannenhonig passen gut zu Wild und anderen kräftigen Fleischarten. Wer mit Honig backen will, sollte daran denken, dass Honig süßer schmeckt als normaler Zucker; man braucht also weniger davon.

Honig ist ein vielseitiges Naturprodukt, das weit mehr als nur eine süße Note bietet. Daher sollte Honig häufiger als Teil einer gesunden Ernährung genossen werden. Viele glauben, dass Honig die gesündere Alternative zu Zucker ist. Manche sprechen Honig schon fast Superkräfte zu: Er soll bakterielles Wachstum verhindern, die Wundheilung fördern und gegen Erkältungen und Fieber helfen.

Praktisches: Kristallisation und Lagerung

Honig kann kristallisieren und eine feste Konsistenz bekommen, was aber die Qualität nicht mindert. Soll der Honig wieder flüssig werden, das Glas einfach in ein warmes Wasserbad stellen. Honig ist übrigens dank der Bienen und der Stoffe, die sie dem Honig beimischen, auf natürliche Weise konserviert.

Mitmachen: Imker-Workshops und Beobachtung

Was in den vier Bienenstöcken in meinem Garten passiert, ist ein außergewöhnlicher gemeinschaftlicher Prozess in der Natur. Und das Beste daran? Sie können es sehen, fühlen und erleben. Deshalb bieten wir Ihnen während Ihres Besuchs eine praktische Erfahrung an Lehrwanderung mit einem Imker, wo Sie nicht nur schlafen, sondern auch lernen, wie dieser authentische Prozess funktioniert. Während unserer Workshops zeige ich den Gästen, wie viele Vorräte sich im Bienenstock befinden. Sie sehen sofort den Unterschied zwischen einem reichen Volk und einem Volk, das zu kämpfen hat.

Schritt Wesentliche Aktion Ergebnis
1. Sammeln Nektar/Honigtau aufnehmen und transportieren Nektar im Honigmagen
2. Übergabe Mund-zu-Mund‑Übergabe, Enzymzugabe Beginnt Umwandlung, reduziert Wasser
3. Eindicken Fächeln mit Flügeln, weitere Verdunstung Wassergehalt ~18-20%, Honig reift
4. Verdeckeln & Lagerung Wachsdeckel auf Zellen Langzeitlagerung, später Ernte

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