Wie Bio-Honig entsteht: Ein umfassender Leitfaden
Öko-Honig wird nicht einfach „produziert“, sondern muss aktiv „erzeugt“ werden. Dieser Artikel beleuchtet die komplexe Welt der Bio-Honigherstellung, von den Anfängen der Imkerei bis hin zu den Unterschieden zwischen Bio- und konventionellem Honig und den Herausforderungen durch Honigfälschungen.
Der Weg zum Bio-Imker: Tipps für Anfänger
Viele Imker leben nicht von der Ernte, sondern von der Hoffnung darauf. Der Einstieg in die ökologische Imkerei erfordert Engagement und Opferbereitschaft.
Die ersten Schritte
- Über den Tellerrand schauen: Bevor Sie Investitionen tätigen, sollten Sie sich verschiedene Arten der Bienenhaltung weltweit ansehen.
- Mentor suchen: Finden Sie einen erfahrenen Mentor und nutzen Sie weitere Ratgeber wie Bücher und YouTube-Videos. Die Weisheit liegt in der Fülle der Ratgeber.
- Institutionen kritisch hinterfragen: Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Institutionen und Vereinsfunktionäre, da diese möglicherweise überholte Interessen und vereinfachte Darstellungen des Imkereiwesens vertreten.
- Zeit nehmen: Es dauert etwa 40 Jahre Vollzeit, um die Imkerei vollständig zu verstehen und umzusetzen.
- Bio-Richtlinien studieren: Machen Sie sich mit den Richtlinien für ökologische Bienenhaltung von DEMETER-, BIOLAND- und BIOKREIS-Verbänden vertraut und entscheiden Sie sich für eine Richtung.
Standortwahl und Bienenhaltung
Der Standort der Bienenvölker spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden der Bienen und die Qualität des Honigs.
- Standort prüfen: Untersuchen Sie den gewählten Platz im Februar während der Schneeschmelze auf Wärme, Trockenheit und Windstille.
- Ökologisch wertvolle Flächen: Wählen Sie Standorte auf Naturschutzflächen, ökologisch zertifizierten Gärten, Biolandwirtschaftsflächen oder naturnahen Waldbiotopen, die frei von Feinstaub- und Pestizidbelastung sind.
- Ganzjährige Bestäubung: Achten Sie auf eine ganzjährige Bestäubung der Flora und Fauna.
- Honigernte: Entnehmen Sie nur den kleinen Überschuss an Honig, den die Bienen produzieren. Der Hauptteil der Ernte ist für die Bienen selbst bestimmt. Die Erntemenge beträgt durchschnittlich nur 18 kg pro Volk und Jahr.
- Beutenwohnung: Verwenden Sie Beutenwohnungen aus lokal gewachsenem Strobenholz ohne künstliche Anstriche.
- Standortbedingungen: Stellen Sie sicher, dass sich die Bienenstöcke in der Nähe von Bienennahrungs-Laubbäumen im leichten Schatten befinden, mit frischem Wasser aus einer Quelle oder einem Naturteich in der Nähe.
- Ausrichtung und Abstand: Richten Sie die Fluglöcher nach Süden aus und stellen Sie jedes Volk im Freien in einem Abstand von mindestens 1 Meter zum nächsten Volk auf.
- Sonneneinstrahlung: Stellen Sie sicher, dass die Sonne auch im Winter direkt auf das Flugbrett scheinen kann.
- Windschutz und Bodenabstand: Schützen Sie den Standort vor Wind und halten Sie die Völker mindestens 50 cm vom Boden entfernt, um feucht-kalte Luftschichten zu vermeiden.
- Ruhe und Schutz: Vermeiden Sie Verkehrslärm und Feinstaubbelastung und schützen Sie die Bienen vor Blicken und Übergriffen.
- Wabenzahl: Achten Sie auf das richtige Verhältnis zwischen Bienenmasse und Wabenzahl und ermöglichen Sie den Bienen auf jeder Brut-Wabe den Naturwabenbau.
- Honiggewinnung: Achten Sie bei der Gewinnung darauf, dass keine Biene gequetscht wird und der Honig nicht auskühlt oder Wasser aus der Luft zieht.
Berufsbild des Imkers
Das Berufsbild des Berufsimkers ist vielfältig und umfasst neben der Honiggewinnung auch Bestäubungsleistungen, Naturschutz, Landschaftspflege, Baumgärtnerei, Obstbau, Waldbau, Landwirtschaft, Schreinerei, Fortbildung, Coaching, Blogging, Direktvermarktung, Apitherapie, Kerzengießerei, Schafhaltung, Metkelterei, Pollengewinnung, Propolisgewinnung und Völkervermehrung bzw. Königinnenzucht.
Die Motivation für ökologische Imkerei
Die Gründung einer ökologischen Imkerei basiert oft auf dem Wunsch, Mitmenschen Gutes zu tun, indem man ihnen Zugang zu Bienen und ihren Erzeugnissen ermöglicht und zur Erhaltung der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt beiträgt. Die ökologische Honigbienenhaltung ist ein wichtiger Faktor für das Gelingen der Agrarwende, die eine ökoregionale Erzeugung ohne Pestizide gegen Bienensterben, Artensterben und Waldsterben anstrebt.
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Unterschied zwischen Bio-Honig und normalem Honig
Obwohl Bienen nicht dazu gebracht werden kann, ausschließlich ökologische Flächen anzufliegen, gibt es dennoch wesentliche Unterschiede zwischen Bio- und konventionellem Honig.
Standortwahl
Bio-Imker wählen ihre Standorte sorgfältig aus, um eine intakte Natur im Flugradius der Bienen zu gewährleisten. In einem Umkreis von 3 km müssen überwiegend ökologisch bewirtschaftete Kulturflächen und natürliche Flächen mit Wildpflanzen blühen. Tabu sind die Nähe zu Autobahnen, Industrie, Rapsfeldern oder Obstplantagen, die stark gespritzt werden.
Haltungsbedingungen und Arbeitsweise
Der Hauptunterschied liegt in den Haltungsbedingungen der Bienen und der Arbeitsweise des Imkers.
Vorgaben für Bio-Honig:
- Bienenstöcke müssen ausschließlich aus natürlichen Materialien bestehen (kein Plastik oder Styropor).
- Der Einsatz von chemischen Medikamenten zur Varroabehandlung ist verboten.
- Das Beschneiden der Flügel der Königin zur Verhinderung des Schwärmens ist untersagt.
- Es dürfen keine künstlich besamten Königinnen verwendet werden.
- Naturwabenbau oder Mittelwände dürfen nur von zertifizierten Bio-Betrieben stammen.
- Die Honigverarbeitung darf die Bienenstocktemperatur (<40°C) nicht überschreiten.
- Die Einfütterung im Winter sollte möglichst mit eigenem Honig erfolgen, nur in Ausnahmefällen mit zertifiziertem Bio-Zucker.
Bio-Verbände
Es gibt Unterschiede zwischen den Richtlinien verschiedener Bio-Verbände wie Demeter, Bioland oder Biokreis.
Konventionelle Imkerei (DIB):
- Einsatz von organischen Säuren und Varroaziden (Medikamenten) möglich.
- Abfüllen vor dem Festwerden, keine Erwärmung.
- Überwinterung mit Zucker aus dem Supermarkt, Futterteig mit und ohne Zusätze, Fondant.
Bio-Imkerei:
- Möglichst Verzicht auf Fütterung, Honig vom Volk, im Notfall Bio-Rübenzucker aus der Region.
- Keine Erwärmung über 40°C.
Ist Bio-Honig automatisch besser?
Regelmäßige und unabhängige Kontrollen helfen, die Richtlinien konsequent umzusetzen, Transparenz und Vertrauen zu schaffen und die Umsetzung der Bio-Vorgaben gegenüber dem Kunden zu garantieren.
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Varroabehandlung und Wachs:
- In der Bio-Imkerei dürfen die Bienen Naturwabenbau betreiben, d.h. sie bauen ihre eigenen Waben.
- Konventionell werden Mittelwände (Wachsplatten mit vorgegebenem Wabenmuster) in den Bienenstock gehängt, die aus eingeschmolzenen alten Waben gepresst werden. Insektizide und Pestizide können sich im Wachs anreichern und so in den Honig gelangen.
- Bei der Varroabehandlung sind Medikamente oder chemisch-synthetische Mittel strikt verboten. Bio-Imker behandeln ihre Bienen nur wenn nötig mit organischen Säuren oder arbeiten mit biotechnischen Methoden.
Regionale Bedeutung
Bio-Honig ist nicht gleich Bio-Honig, denn neben den unterschiedlichen Anforderungen der Verbände spielt die Herkunft des Honigs eine entscheidende Rolle. In vielen Ländern gibt es weniger strenge Vorschriften oder mangelnde Kontrollen. Daher sollte beim Honigkauf auf Regionalität geachtet werden.
Die Entstehung von Honig: Ein faszinierender Prozess
Honig ist nicht nur eine süße Versuchung, sondern auch ein faszinierender Teil der Natur.
Von der Blüte zum Honig
- Sammelphase: Bienen fliegen zwischen Frühling und Herbst von Pflanze zu Pflanze, sammeln Nektar oder Honigtau und bringen ihre Beute zurück zum Bienenstock.
- Anreicherung: In der Honigblase wird der Blaseninhalt an die Stockbienen übergeben, die die Masse mit Enzymen, Mineralien und anderen Stoffen anreichern, welche später zu einer antibakteriellen Wirkung beitragen.
- Reduktion des Wassergehalts: Der Wassergehalt der Beute wird von den Bienen reduziert, bevor sie die nun verdickte Masse in leere Wabenzellen pressen.
- Lagerung: Der zähflüssige Nektar wird weiter getrocknet, in gesonderte Lagerzellen gebracht und mit einer Schicht Bienenwachs versiegelt.
Honigernte und -verarbeitung
Imker dürfen den Honig aus den Waben nur durch erlaubte Methoden extrahieren, wie Schleudern, Austropfenlassen oder Pressen. Honigfremde Stoffe müssen entfernt werden.
Honigsorten
Es gibt eine Vielzahl von Honigsorten, darunter Blütenhonig (Nektar von verschiedenen Pflanzen), Waldhonig (Honigtau von Insekten) und Sortenhonige (überwiegend Nektar aus einer einzigen Blütenart).
Die Bedeutung der Bienen und die Problematik des Bienensterbens
Bienen sind für unsere Gesellschaft existenziell, da sie auf ihren Sammelflügen Pollen von einer Pflanze zur nächsten tragen und so die Blüten befruchten. Das Bienensterben ist ein ernstes Problem, das durch moderne Landwirtschaft, den Verlust von Lebensräumen, den Klimawandel und den Einsatz von Pestiziden verursacht wird.
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Was können wir tun?
- Reduktion von Pestiziden und ökologische Bewirtschaftung von Feldern.
- Schaffung von Lebensräumen und Nahrungsquellen für Bienen.
- Pflanzung bienenfreundlicher Blumen auf Balkonen und in Gärten.
- Bereitstellung von Nisthilfen.
- Verzicht auf Honig aus dem Supermarkt, der aus dem Ausland stammt und ein für die Insekten lebensgefährliches Bakterium enthalten kann.
Nachhaltigkeit von Honig
Ob Honig nachhaltig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Herkunft, Bioqualität, Verarbeitung und Arbeitsbedingungen. Regional produzierter Honig aus lokalen Imkereien kann sehr nachhaltig sein, wenn das Wohl der Bienen nicht gefährdet wird und die Imker fair behandelt werden.
Honig und Gesundheit
Honig besteht zu 70-80% aus Zucker, enthält aber auch Vitamine, Enzyme und Spurenelemente. Er kann bei Erkältungen Linderung verschaffen und den Speichelfluss anregen. Allergiker und Kinder sollten jedoch vorsichtig sein. Manuka Honig, der aus den Blüten des Manuka-Strauches gewonnen wird, wird traditionell für Entzündungen und Heilungszwecke verwendet.
Massenprodukt Honig: Was Sie wissen sollten
Die industrielle Honigproduktion kann im Gegensatz zum Arten- und Naturschutz stehen.
Probleme der Massen-Honigproduktion
- Massentierhaltung: Bienen werden in Magazinen gehalten, die auf riesigen Honigfarmen stehen und leicht transportiert werden können, was zu Stress und unnatürlichen Lebensbedingungen führt.
- Nicht artgerechte Haltung: Die Flügel der Königinnen werden gestutzt, Königinnen werden künstlich befruchtet und frühzeitig getötet.
- Verletzungen bei der Honigentnahme: Bienen werden verletzt oder getötet.
- Verhinderung des Ausschwärmens: Der natürliche Prozess des Ausschwärmens wird verhindert, um die Honigproduktion zu maximieren.
- Fütterung mit Zuckerlösung: Bienen werden mit billiger Zuckerlösung gefüttert, was sie anfälliger für Krankheiten macht.
- Mangelnde Kontrollen: Importierter Honig unterliegt oft keinen standardisierten Kontrollen.
- Gefahr für heimische Bienen: Der Transport von Honig kann Bienenkrankheiten einschleppen.
Wie man Honig bienenfreundlich genießen kann
- Wildbienen-Imker unterstützen: Wildbienen bestäuben erfolgreicher und sind weniger anfällig für Krankheiten.
- Auf den Honigkauf achten: Kaufen Sie deutschen Honig in Bio-Qualität oder Honig mit dem Siegel "Echter deutscher Honig".
Honigfälschungen: Ein Skandal
Honigverfälschungen mit Sirup sind ein großes Problem, das ehrliche Imker und deren Familien schädigt, da durch das Preisdumping der Welthonigpreis dauerhaft auf niedrigem Niveau gehalten wird.
Industrielle Honigproduktion und Fälschungen
- Kein ganzjähriger Standort: Wanderungen ohne Ruhepause.
- Konventionelle Monokulturen: Einsatz von Pestiziden, die Bienen und Bienenbrut schädigen.
- Sirup-Fütterung: Fütterung mit wasserähnlichem Gemisch aus Sirupen (Reissirup, Maissirup und Weizensirup).
- Ernte von unreifem Honig: Abnahme des Sirup-Nektargemischs alle drei Tage.
- Verarbeitung und Fälschung: Eindicken und Einfärben des Gemischs mit Zuckerkulör, Hinzufügen von europäischem Honig, Pollen, Aroma und Enzymen.
- Deklaration als Sirup: Einfuhr in die EU als Sirup, um Zollkontrollen zu umgehen.
- Verkauf als "Fake-Honey": Verkauf des Sirup-Nektar-Gemischs als Honig.
Durch diesen Betrug können ca. 80 % des Honigs, der in Deutschland verkauft wird, gefälscht sein. Auch bekannte deutsche Unternehmen und Discounter sind daran beteiligt.
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