American Pie: Die Apfelkuchen-Szene, ihre Entstehung und ihr kultureller Hintergrund

Komödie // Ja, ich gestehe es: Obwohl ich beim deutschen Kinostart im Jahr 2000 längst kein Teenager mehr war, gar schon die 30 überschritten hatte, hat mich „American Pie - Wie ein heißer Apfelkuchen“ trotz - oder wegen? - seiner zahlreichen Körperflüssigkeits-Gags äußerst amüsiert. Das gilt mit ein paar Abstrichen auch für die drei Fortsetzungen. Manche können mit derlei Teenie-Klamauk überhaupt nichts anfangen, was völlig in Ordnung ist.

Handlungskern und zentrale Figuren

„American Pie“ kreist um eine Gruppe amerikanischer Jugendlicher, die sich mit Sex, Liebe und Peinlichkeiten auseinandersetzen. Die vier Freunde Jim, Oz, Kevin und Finch leben in einer US-amerikanischen Kleinstadt in der Nähe der Großen Seen, gehen dort auf die High School und sind hinsichtlich sexueller Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht noch ungeübt. Obgleich die Teenie-Komödie ein Ensemblefilm ist, sticht doch einer der Jungs als Hauptfigur heraus: Jim (Jason Biggs), der mit „linkischer Tollpasch“ noch milde umschrieben ist.

Nicht ganz so unbeholfen, aber ebenso unbeholfen bei ihren Versuchen, das andere Geschlecht ins Bett zu kriegen: seine drei Kumpels. Oz (Chris Klein) versucht’s beim lauschigen Date im Auto, versaut es aber, weil er glaubt, die Aufforderung, ihm einen zu blasen, mache ihn unwiderstehlich. Also tritt er in den Schulchor ein, denn: Hör mal, die kennen mich nicht. Ich meine, hier kann ich gut die Softie-Tour durchziehen, verstehst du? Darauf steht so ’ne Chormaus. Kevin (Thomas Ian Nicholas) hat mit Vicky (Tara Reid) sogar schon eine Freundin. Nur den letzten Schritt sind die beiden noch nicht gegangen, und Kevin ist langsam mit seinem Latein am Ende. Vierter im Bunde ist Finch (Eddie Kaye Thomas), der mit seinem intellektuell-blasierten Gehabe aber auch nicht gerade als Herzensbrecher durchgeht und sich obendrein als „Heimscheißer“ beharrlich weigert, das große Geschäft auf der Schultoilette zu erledigen.

Der Pakt und das Ziel der Clique

Als der selbsternannte „Sherminator“ Sherman (Chris Owen) damit prahlt, „es“ getan zu haben, schließt das Quartett einen Pakt, den Kevin in Worte fasst: Wir werden alle noch vor dem Schulabschluss vögeln. Doch wie mag sich diese „Phase 3“ wohl anfühlen? Genau: wie warmer Apfelkuchen!

Die Apfelkuchen-Szene: Inhalt, Wirkung und Folgen

Als Jim zufällig in der heimischen Küche einen von seiner Mutter gerade gebackenen American Pie entdeckt, kann er der Versuchung nicht widerstehen, seinen … Ihr wisst schon. Klar, dass ihn Papa Noah entdeckt, aber der ist glücklicherweise überaus verständnisvoll: Wir sagen deiner Mutter einfach, dass wir alles aufgegessen haben. Die Kuchenszene dürfte einigen im Gedächtnis geblieben sein.

Lesen Sie auch: So gelingt dein Blechkuchen

In dem Coming-of-Age-Film »American Pie« aus dem Jahr 1999 zweckentfremdete Hauptfigur Jim Levenstein einen Apfelkuchen zur eigenen Befriedigung - eine Szene, die Levenstein-Darsteller Jason Biggs nun seinem elfjährigen Sohn erklären musste. Wie der 47-jährige Hollywoodschauspieler vor Kurzem in der US-amerikanischen SiriusXM-Radiosendung »The Julia Cunningham Show« erzählte, hätten seine zwei Söhne immer wieder von »American Pie« gehört und ihn irgendwann gefragt: »Papa, was machst du mit dem Kuchen?«

Daraufhin habe Biggs mit seinem älteren Sohn gesprochen. »Ich habe ihm die Szene tatsächlich gezeigt.« Diese Entscheidung, die er zusammen mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Jenny Mollen, getroffen habe, begründete er folgendermaßen: »Es ist so: Wie viel willst du, dass sie von Freunden und anderen Leuten in der Schule erfahren, und wie viel willst du selbst kontrollieren, was zu ihnen durchkommt?« So habe er seinem Sohn die Szene gezeigt - »und der lachte und lachte«.

Apfelkuchen-Szene Filmstills

Die Szene hat Biggs über Jahre begleitet: In einer Anekdote erinnerte er sich an einen Spaziergang in New York, bei dem ihm ein Passant sinngemäß - mit derber Wortwahl - hinterhergerufen habe, er sei doch derjenige, der Geschlechtsverkehr mit einem Kuchen gehabt habe. »Ich schaute sofort zu den Jungs«, so Biggs. »American Pie« kreist um eine Gruppe amerikanischer Jugendlicher, die sich mit Sex, Liebe und Peinlichkeiten auseinandersetzen. Der Film wurde zu einem popkulturellen Phänomen unter Millennials.

Ästhetik, Humor und Kontroversen

Herrlich, dieser Körperflüssigkeiten-Humor. Wer all das für infantil hält, hat völlig recht. Aber egal, warum nicht mal hemmungslos der Infantilität frönen? Der Film mag seine Protagonisten, auch wenn er speziell Jim gelegentlich bloßstellt. Vieles aus dem Film basiert auf den Jugenderlebnissen des Storysschreibers Adam Herz an der amerikanischen East Grand Rapids High (Highschool), welche in East Grand Rapids (Michigan), liegt.

Der Plot klingt gar nicht mal so revolutionär und wurde auch entsprechend verrissen („Billig gedrehte Teenager-Komödie mit krassem Fäkal- und Masturbationshumor“) - aber der Film war anders als vieles, was man kannte. »American Pie« sticht aus dem Sumpf der zahlreichen „Jungs-entdecken-ihren-Penis“-Filme hervor. Rein handwerklich betrachtet sei der Film auch heute noch sehr gut, so der Professor. „Aus meiner Sicht war es eine der ersten Teenie-Komödien, die eine Multiperspektive eingenommen hat.“

Lesen Sie auch: Diabetes-freundliche Zucker Alternativen

Das heteronormative, männliche, weiße Weltbild, das da drinsteckt: Das würde man heute auch nicht mehr so machen. Wobei er auch sagt: „Die männlichen Figuren werden in dem Film alle bestraft, für das, was sie sexuell und emotional falsch machen.“

Musik, Nebenfiguren und ikonische Momente

Die Szene, in der Finch Stiflers Mutter verführt, wird mit dem Song Mrs. Robinson von Simon & Garfunkel untermalt. Stifler (Seann William Scott) avancierte zur heimlichen Kultfigur des Films. Finch trifft am Ende auf Stiflers Mom (Jennifer Coolidge)! Und weil ich jetzt sowieso schon am Spoilern bin, erzähle ich auch meine Lieblingsszene nach: Michelle schnappt sich ihren Abschlussball-Partner Jim für eine heiße Liebesnacht. Am nächsten Morgen erwacht er - mit einem aufblasbaren Dinosaurier im Arm. Michelle hat sich davongemacht, Jim war für sie nur ein One-Night-Stand. Er ist entsetzt: Ich wurde benutzt!

Stiflers Mom Poster

Die Band Blink-182 hat einen Cameo-Auftritt in der Szene, als Jim übers Internet beim Strippen zu beobachten ist (die Band sieht Jim zufällig am Computer). Regisseur Chris Weitz ist im englischen Original an anderer Stelle kurz als männliche Stimme in einem Pornofilm zu hören.

Rezeption, Nachfolgefilme und kultureller Fußabdruck

Der Teenie-Komödie "American Pie" gelang 1999 ein Überraschungserfolg, der mehrere Fortsetzungen nach sich zog. In den Jahren 2001 und 2003 erschienen die Fortsetzungen American Pie 2 und American Pie - Jetzt wird geheiratet. Im November 2005 ist American Pie präsentiert: Die nächste Generation erschienen, welcher aber größtenteils auf die bekannten Schauspieler verzichtet. Dieser Film kam nicht in die Kinos, sondern erschien direkt auf DVD.

Am 14. Dezember 2006 erschien der fünfte Teil American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen in Deutschland auf DVD im Handel. Der sechste Teil American Pie präsentiert: Die College-Clique wurde ebenfalls direkt auf DVD veröffentlicht. Am 26. April 2012 ist der achte bzw. inoffiziell vierte Teil American Pie: Das Klassentreffen (original American Reunion) in den deutschen Kinos erschienen, in dem wieder der Großteil der ursprünglichen Schauspieler mitspielt. Insgesamt spielten die vier Filme rund eine Milliarde Dollar weltweit ein.

Lesen Sie auch: Der ultimative Leitfaden zur Kuchenauswahl für Fondant-Torten.

Element Information
Originalfilm American Pie (1999)
Laufzeit 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (andere Fassungen)
Bekannte Darsteller Jason Biggs, Eugene Levy, Seann William Scott, Jennifer Coolidge, Alyson Hannigan
Musik & Cameos Simon & Garfunkel - Mrs. Robinson, Blink-182
Veröffentlichungen DVD/Blu-ray: u. a. 4. September 2008 (DVD), 3. September 2008 (Blu-ray), Neuveröffentlichungen 2020
Interview Jason Biggs über die Kuchen-Szene

Warum die Szene weiterhin diskutiert wird

Die Antworten und Rollenbilder, die der Film seinem mutmaßlich sexuell noch mäandernden Teenager-Publikum präsentierte, wirken 25 Jahre und einige kluge Debatten später dennoch befremdlich. Die Austauschschülerin heimlich und ungefragt beim Umziehen filmen? Das halten im Film fast alle sofort für eine Spitzenidee. Toxische Männlichkeit und was sie bedeutet, war damals noch nichts, über das man sich groß Gedanken machte. Die Frauenfiguren sind eher flach gezeichnet. Entweder als mystische Heilige oder als verschrobene Phantome.

Dennoch: „American Pie - Wie ein heißer Apfelkuchen“ hat sich das Prädikat „Guilty Pleasure“ redlich verdient. Erinnerungswürdig ist das, weil man supererfolgreichen Filmen, die sich an ein Publikum wenden, das gerade dabei ist erwachsen zu werden, einen gewissen Einfluss auf ebenjenes Erwachsenwerden zusprechen kann. Und weil man sich als jemand, der damals dabei war, heute fragt: Wie konnte ich das sooo witzig finden? Und wie viel von „American Pie“ steckt noch in mir?

tags: #American #Pie #Apfelkuchen #Szene #Hintergrund

Populäre Artikel: