Was ist Glasur auf Keramik? Detaillierte Erklärung und Bedeutung
Glasur ist ein glasartiger Überzug, der auf keramische Erzeugnisse aufgetragen und im Brand eingeschmolzen wird. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der Herstellung und Veredelung von Keramik - von der Dichtigkeit über die chemischen und mechanischen Eigenschaften bis hin zur gestalterischen Oberfläche. In dieser ausführlichen Abhandlung erfahren Sie, was eine Glasur ausmacht, wie sie sich historisch entwickelt hat, welche chemischen und physikalischen Prozesse sie steuern und worauf es bei deren Anwendung ankommt.
Was ist eine Glasur?
Unter Glasur versteht man einen glasartigen Überzug auf einem keramischen Träger. Ihr Grundstoff ist fein gemahlener Quarzsand, dem je nach Glasurart verschiedene andere Mineralien (z. B. Braunstein) und Oxide zugefügt werden. Glasuren sind glasartige Schichten aus Mineralien und Metalloxiden, die auf den vorgebrannten Ton aufgetragen und beim Glasurbrand bei 1.200 °C oder mehr dauerhaft eingebrannt werden.
Die Glasur kann poröse Keramik (z. B. Irdenware) abdichten und zur dekorativen Gestaltung keramischer Objekte beitragen. In erster Linie macht sie die nach dem ersten Brand noch poröse Keramik wasserundurchlässig. Zudem wird das Werkstück durch den Glasurbrand wesentlich widerstandsfähiger und bruchsicherer. Gleichzeitig erhält das Stück durch die Glasur Ausdruck und Charakter.
Aufbau und Funktion einer Glasur
Ein keramisches Produkt weist je nach Korngröße der Ausgangsmaterialien und der beim Brand entstandenen kristallinen Phase eine bestimmte Oberflächenrauheit auf, die Verschmutzungen begünstigt. Durch das Aufbringen einer Glasur wird die Oberfläche geglättet und ggf. auch farblich verschönert. Vor allem verbessert die Glasur aber ganz entscheidend viele anwendungsrelevante Eigenschaften des keramischen Produkts, wie z. B. elektrisches Verhalten, mechanische Festigkeit, chemische Beständigkeit und Ähnliches.
Die Glasur schließt die poröse Oberfläche des Tons, macht das Stück hygienisch nutzbar und bestimmt maßgeblich, wie es aussieht. Sie ist die Seele des Stücks. Die Glasur ist ein dünner, glasartiger, dichter Überzug auf keramischen Erzeugnissen. Bei weißem Porzellan ist sie meist durchsichtiger und farbloser, bei farbigen Geschirren kann sie aber auch eingefärbt sein. Ein glasierter keramischer Gegenstand wird dadurch i. d. R. für Flüssigkeiten und Gase undurchlässig. Die Glasur entscheidet über die Sensitivität in der gewerblichen Nutzung.
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Die Glasur sichert die Oberflächenhärte sowie die Schnittfestigkeit und Kratzfestigkeit des Geschirrs. Bei Geschirren verringert die Glasur die Oberflächen-Rauheit und macht sie so leichter zu reinigen. Glasuren sind sinnvoll, wenn ein Gefäß später wasserhaltige Substanzen beinhalten soll. Sie machen Sachen dicht.
Funktionsweise: Chemische und physikalische Eigenschaften
Die Glasur ist flussmittelreicher als der gebrannte Keramikkörper. Ihre Zusammensetzung entspricht in etwa dem klassischen Glas; sie besteht chemisch (wie andere Gläser auch) aus einem Gemisch von Mineralmehlen. Glas besteht im Wesentlichen aus einer Zutat: Kieselsäure, genauer gesagt Siliziumdioxid (SiO2). Siliziumdioxid wird Glasuren meist in Form von Quarz, Flint, Feldspat oder Kaolin beigegeben. Da Siliziumdioxid einen sehr hohen Schmelzpunkt hat (um 1700 °C), muss dieser durch Zugabe von Flussmitteln (wie Blei-, Kalium-, Natrium- oder Bariumverbindungen) gesenkt werden.
- Glasbildner: meist Quarz (SiO2), Feldspat, Kaolin
- Flussmittel: senken den Schmelzpunkt, z. B. Blei, Natrium, Kalium
- Stabilisatoren: sorgen für Festigkeit und Viskosität, z. B. Aluminiumoxid
Die wichtigsten Glasurarten sind: Glanzglasuren (spiegelartig), Mattglasuren (samtartig), Satinglasuren (subtiler Schimmer) und reaktive Glasuren (chemische Effekte beim Brand, jedes Stück ein Unikat).
Anwendung und Auftrag der Glasur
Herstellung und Auftragen
Die Glasuren werden meist auf bereits einmal gebrannte, sogenannte geschrühte Werkstücke aufgetragen und ein zweites Mal gebrannt. Es gibt jedoch auch spezielle Streichglasuren, die auf den getrockneten ungebrannten Ton aufgetragen werden. Die Glasierflüssigkeit muss eine sahneartige Konsistenz aufweisen. Um ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen, wird das Werkstück übergossen oder getaucht. Das Glasieren erfordert exaktes und schnelles Arbeiten, da die poröse Oberfläche des gebrannten Tons die Glasierflüssigkeit sofort aufsaugt und nur eine pulverartige Schicht hinterlässt.
Bei kleinen Objekten wird der Glasurüberzug mit einem weichen Pinsel aufgetragen. In der Fertigung von keramischen Geschirren werden die glasurfertigen Körper i. d. R. eingetaucht. Dies erfolgt in der traditionellen Herstellung bis heute per Hand und ist die schnellste, einfachste und günstigste Glasurmethode. Der private Verbraucher beurteilt Qualität und Ausführung des Geschirrteils vor allem anhand der Glasur. In der Töpferei setzen Glasuren den Schlussakkord in der Symphonie aus Formen und Farben und geben dem Werkstück Ausdruck und Charakter.
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Brand und chemische Prozesse
Glasuren erhalten ihren glasartigen Charakter im Brand, der zwischen 700 und 1400°C liegt. Die Glasur schmilzt und verbindet sich dauerhaft mit dem keramischen Scherben. Scherben- und Glasurbestandteile werden durch Hitzeeinwirkung verändert, bis die Glasurrohstoffe zu einem Glas ausgeschmolzen sind. Beim Abkühlen bildet sich im Temperaturbereich von 500 bis 900°C die endgültige Glasurschicht. Beim Ausschmelzen greift die Glasur die Scherbenoberfläche an und bildet eine Zwischenschicht; die Bestandteile des Scherbens reagieren mit dem Glasfluss, verändern ihn und verzahnen die Materialschichten. Die Folge einer keramischen Glasur ist die Ausbildung einer festen Verzahnung der Glasur mit dem darunterliegenden Scherben.
Für den festigkeitssteigernden Effekt muss die Glasur sehr genau an den Wärmedehnungskoeffizienten des Scherbens angepasst werden. Leichte Druckspannungen in der Glasur erhöhen die Festigkeit des Fertigprodukts, Zugspannungen senken diese und sind daher unerwünscht.
Proben und Testverfahren
Für Glasurproben werden Probeteile aus Ton benötigt, die vor dem Auftragen der Glasur im Schrühbrand bereits geschrüht sein müssen. Für eine detailliertere Untersuchung des Flussverhaltens einer Glasur empfehlen sich stehende Proben. Diese können in Form von stehenden Probeteilen oder kleinen gedrehten Bechern gestaltet werden.
Geschichte und Entwicklung der Keramikglasuren
Ihre Geschichte ist eng mit der frühen Glasherstellung und der Metallurgie im östlichen und südlichen Mittelmeerraum (u. a. in Ägypten) während des 6. bis 4. Jahrtausends vor Christus verbunden. Bereits ab dem 4./3. Jahrtausend v. Chr. existierten glasierte Figuren, Gefäße und Fliesen. Die sogenannte „Ägyptische Fayence“ trug eine meist kupferreiche Blei-Zinn-Glasur. In Mesopotamien sind glasierte Gefäße seit dem Anfang des 2. Jahrtausends nachweisbar.
In China verwendete man Glasuren seit der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Unter der Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.) entwickelten Töpfer Glasuren aus Mischungen von Bleioxiden, Silikaten und Kalk. Im Mittelalter verwendete man in den islamischen Ländern opake, mit Zinndioxid getrübte Bleiglasuren an Gefäßen und Baukeramik und inspirierte dadurch die spanische und italienische "Maiolica"-Tradition. In Europa wurden Feldspatglasuren und Salzglasuren ab dem 13. bis zum 18. Jh. weiterentwickelt und vor allem in Deutschland und den Niederlanden perfektioniert.
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Berühmte Beispiele sind die Sancai-Plastik eines Pferdes mit Bleiglasuren aus China sowie honami Koetsus Raku-Teeschale aus Japan.
| Epoche/Region | Typische Glasur | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Ägypten (4.-2. Jt. v. Chr.) | Blei-Zinn-Glasur | Ägyptische Fayence, kupferhaltig |
| China (Han-Dynastie) | Bleioxid- und Kalkglasuren | Sancai-Techniken |
| Europa (16.-18. Jh.) | Feldspatglasuren, Salzglasuren, Maiolica | Maiolica, Delftware, Porzellan |
Rohstoffe und Chemische Zusammensetzung
Glasuren bestehen hauptsächlich aus Quarzsand und verschmelzen im Glasurbrand zu einem glasartigen geschlossenen Überzug. Siliziumdioxid ist ein grundlegender Bestandteil von Glas und kommt in gängigen Materialien wie Sand, Kalkstein, Glimmer und vielen anderen vor. Quarz ist eine nahezu reine Form von Kieselsäure, die auf natürliche Weise entsteht, und wird oft als Hauptquelle für Kieselsäure in vielen Glasuren genutzt. Feldspat ist praktisch eine vollwertige Glasur, die Kieselsäure, feuerfeste Materialien und Flussmittel enthält.
Kaolin enthält sowohl Kieselsäure als auch Aluminiumoxid, das als Stabilisator fungiert. Fritte ist eine weitere Zutat, die hauptsächlich wegen ihrer Flussmitteleigenschaften verwendet wird und als vorgeschmolzenes Glas vorliegt. Bentonit und Kugelton werden als Bindemittel und zur Vermeidung des Absetzens der Glasur eingesetzt.
Farbgebung und Dekor
Die unterschiedlichen Glasurfarben entstehen durch pulverisierte Metallverbindungen, die im Medium der Glasurmischung gelöst oder als Pigment verteilt sind. Metalloxid-Beigaben machten schon in der Antike eine reiche Farbpalette mit weißen, gelben, braunen, grünen und blauen Tönen möglich. Cobaltverbindungen ergeben z. B. kräftige Blautöne, Chrom gibt ein sattes Grün, während Eisen und Mangan Erdfarben erzeugen. Reaktive Glasuren enthalten Metalloxide wie Eisenoxid, Kupferoxid und Titanoxid, die beim Brennen chemische Reaktionen mit dem Ton eingehen.
Arten von Glasuren und ihre Eigenschaften
- Bleiglasuren: Werden v. a. bei niedriggebranntem Irdenware genutzt, einfach zu verarbeiten, jedoch toxisch - daher für Geschirr nur eingeschränkt und heute größtenteils ersetzt.
- Zinnglasuren: Opake Glasuren mit Zinndioxid für Maiolica und Fayence, bieten eine weiße, deckende Schicht als Untergrund für Malereien.
- Feldspatglasuren: Für Porzellan und Steinzeug; hohe Härte, vollständig lebensmittelecht, spülmaschinenfest und frei von Schwermetallen.
- Salzglasur: In das Feuer eingeworfenes Kochsalz bildet beim Brand eine Glasurschicht auf dem Scherben, sorgt für charakteristische Oberflächenstruktur.
- Reaktive Glasuren: Bilden beim Brand individuelle Strukturen und Farbverläufe - jedes Stück ein Unikat.
Tabelle: Vergleich wichtiger Glasurarten
| Glasurtyp | Einsatzbereich | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Bleiglasur | Irdenware, historisch | Niedrige Schmelztemperatur, schöne Oberflächen | Toxisch, nicht mehr lebensmitteltauglich |
| Zinnglasur | Maiolica, Fayence | Wasserundurchlässig, weißer Untergrund für Farben | Hohe Kosten, Dickschichtigkeit |
| Feldspatglasur | Porzellan, Steinzeug | Höchste Chemikalienresistenz, lebensmittelecht | Hohe Brenntemperatur erforderlich |
| Salzglasur | Steinzeug | Dicht, Unikateffekt | Wenige Farben, spezielle Anlagentechnik |
Moderne Glasurtechnik und Sicherheit
Seit dem 20. Jh. experimentieren Keramiker mit allen erreichbaren Rohstoffen, um neuartige glasige und glasartige Dekore zu entwickeln. Hochwertige Glasuren auf Steinzeug sind bei korrekter Brenntemperatur (über 1.200 °C) vollständig lebensmittelecht und spülmaschinenfest. Echte Feldspatglasuren sind frei von Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Kobalt. Anders als bei vielen minderwertigeren Keramikgeschirren können sich aus den Porzellanglasuren keine Schadstoffe herauslösen und sich so gesundheitsgefährdend auf die Speisen übertragen.
Niedriggebrannte bunte Keramikglasuren enthalten oft noch lösliche Bestandteile, die beim Gebrauch so viel Substanz abgeben, dass sie noch giftig sind. Porzellangegenstände, die bei 1450 °C glattgebrannt sind, gelten dagegen als unbedenklich - auch wenn sie an sich giftige Farbsubstanzen enthalten.
Bedeutung der Glasur in Kunst und Alltag
Glasuren sind weit mehr als Farbe. Sie prägen seit Jahrtausenden Alltags- und Kulturobjekte - von prachtvollen Vasen und Fliesen in Palästen, sakralen Objekten wie der Brustplatte einer Mumie, bis hin zur modernen Designertasse. Der Wunsch, chinesisches Porzellan in Europa herzustellen, führte zur Entwicklung neuer Glasurtechnologien wie der weißen, den Scherben abdeckenden Fayenceglasur.
In der Familie der Küchen- und Tafelgeschirre findet nur bei echtem Porzellan eine Verschmelzung und Vitrifikation von Glasur und Scherben oberhalb von 1.320 °C statt. Nur Feldspatglasuren des Porzellans mit ihrem hohen Quarzanteil und ihrer geringen Viskosität erhärten sich nach ihrer Verschmelzung und Vitrifikation zu einem amorphen, dichten Schutzschild, welcher resistent ist gegen Basen, Laugen, Säuren, Keime, Pilze, Sporen und Viren.
Fazit: Funktion, Gestaltung und Technik
Glasuren sind das „äußere Gewand der Keramik“, das Werkstücke dauerhaft schützt, ihre Nutzung ermöglicht, ihre Schönheit entfaltet und die Geschichte künstlerischer wie alltäglicher Kultur widerspiegelt. Wer sich mit Glasuren beschäftigt, erfährt eine faszinierende Mischung aus Chemie, Geschichte, Physik und Handwerk - und genießt mit jedem Gebrauch ihrer Produkte sichere, schöne und langlebige Keramik.
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