Warum mögen Bären Honig? Die biologischen Gründe

Bären zeigen eine bemerkenswerte Vorliebe für Honig, die so stark ist, dass sie sogar die Gefahr von zahlreichen Bienenstichen in Kauf nehmen. Doch die Ernährung von Bären ist viel vielfältiger und komplexer, als oft angenommen wird. Regionale Unterschiede prägen das Fressverhalten: Während einige Braunbären fast reine Vegetarier sind und sich von Beeren, Pilzen, Eicheln, Bucheckern, Nüssen und Früchten ernähren, fressen sie, wenn sie die Gelegenheit haben, auch Mais, Kartoffeln, Rüben und Weintrauben. Fleischigen Beilagen nehmen sie in Form von Insekten, Schnecken, Fröschen und Kleinsäugern zu sich. Je nach Region jagen sie außerdem Wild oder Vieh oder ernähren sich von wandernden Lachsen in Flüssen.

Im Kantabrischen Gebirge Nordspaniens wurde kürzlich klar, dass Braunbären sich gezielt an Bienenstöcken bedienen, um Honig zu naschen. Derartige Spuren deuten darauf hin, dass die Tiere trotz möglicher Risiken nicht auf die energiereiche Delikatesse verzichten. Die Imkereien dieser Region nehmen jedoch immer mehr ab, was auch den Rückgang von Beerenpflanzen bedeutet, einer wichtigen Nahrungsquelle für die Bären. Um diesen negativen Zyklus zu durchbrechen, engagieren sich Organisationen wie Fapas und EuroNatur. Sie pflanzen Früchte tragende Bäume in Bärengebieten, legen Aas aus und platzieren gezielt Bienenstöcke, um Bären anzulocken und deren Nahrungssituation zu verbessern. Dabei hat Fapas sogar spezielle bärensichere Bienenstöcke mit Betonplatten entwickelt, die das Innere der Bienenvölker vor übermäßigem Übergriff schützen.

Braunbär vor Bienenstock im Wald

Die Liebe der Bären zum Honig ist aus biologischer Sicht gut nachvollziehbar: Honig bietet eine nährstoffreiche, energiereiche und leicht verfügbare Nahrungsquelle. Besonders nach dem Winterschlaf ist Honig für Braunbären eine wertvolle Protein- und Energiereserve. Auch Bienenlarven gehören zu den bevorzugten Proteinzulagen und fördern die Regeneration der Tiere. Für diese Gründe greifen Braunbären immer wieder Bienenstöcke an, obwohl sie dadurch Stiche riskieren. Das Interesse der Bären am Honig zeigt sich auch im deutschsprachigen Raum.

Seit 1989 hat der WWF über die Wiederauswilderung von Braunbären im deutschsprachigen Raum berichtet. Die damalige Auswilderung der Bärin „Mira“ in Österreich und die Populationen, die daraus entstanden, führten zu mehr als 30 geborenen Jungbären. Der berühmt gewordene bayerische Problembär Bruno sorgte vor einigen Jahren für mediale Aufmerksamkeit, als er mehrere Schafe riss und zum Abschuss freigegeben wurde.

In Schutzgebieten sowie einsamen Alpenregionen ist es wichtig, Bienenstöcke vor Bären zu schützen. Moderne Maßnahmen, wie der Einsatz von bärensicheren Elektrozäunen, sind hier besonders effektiv. So verfügen Imker im italienischen Trentino und in der Schweiz (Graubünden, Val Müstair, Unterengadin) über derartige Schutzsysteme, die den Konflikten zwischen Bären und der Imkerei vorbeugen. Für Nutztierhalter und Behörden gibt es daher umfassende Informationsbroschüren und Leitfäden, die Ratschläge geben, wie man mit der Rückkehr von großen Beutegreifern wie Luchs, Wolf und Bär umgehen kann.

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Bärensicherer Elektrozaun um Bienenstöcke in den Alpen

Interessanterweise sind Waschbären in Mitteleuropa deutlich häufiger als Braunbären, und diese richten gelegentlich ebenfalls Schäden an Bienenstöcken an, indem sie Waben zerstören und Honig herausreißen.

Zusammenfassung der biologischen Gründe für die Honigliebe der Bären

  • Energiequelle: Honig ist reich an einfachen Zuckern und somit eine schnelle und effiziente Energielieferquelle, besonders wichtig nach der Winterruhe.
  • Proteinlieferant: Bienenlarven dienen als wichtige Eiweißquelle.
  • Regionale Ernährung: Je nach Lebensraum ergänzt Honig die sonst eher pflanzen- oder fleischbasierte Ernährung der Bären.
  • Schutzmaßnahmen: Der Konflikt zwischen Bären und Imkern hat zu speziellen Schutzmaßnahmen geführt, um die Imkerei vor Schäden zu bewahren und zugleich die Nahrungssituation der Bären zu verbessern.
  • Kulturelle Bedeutung: Die Rückkehr der Bären in Mitteleuropa sensibilisiert für den natürlichen Lebensraum dieser Tiere und deren Bedürfnisse.
Übersichtstabelle: Nahrung von Braunbären nach Regionen
Region Vorherrschende Nahrung Besondere Nahrungsquellen
Kantabrisches Gebirge Beeren, Pilze, Nüsse Honig, Flusslachs, Aas
Alpenraum Beeren, Pilze, Kleintiere Honig, Insektenlarven
Bayern Wild, Nutztiere, Beeren Honig als begehrte Ergänzung
Italienisches Trentino Verschiedene Pflanzen bärensichere Bienenstöcke
Dokumentation über Bären und ihre Nahrungssuche nach Honig

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