Ulcus cruris: Behandlung mit medizinischem Honig – Wirksamkeit und Anwendung
Wörtlich übersetzt heißt Ulcus „Geschwür“ und cruris „Unterschenkel“. Ulcus cruris ist ein Geschwür am Unterschenkel. Das Gefäßsystem versorgt unseren gesamten Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Arterien transportieren das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut ins Gewebe, während die Venen dafür sorgen, dass das sauerstoff- und nährstoffarme Blut zurück zum Herzen fließt. Kommt es zu einer Verengung in den Arterien oder zu einem Rückstau des Blutes in den Venen, wird das nachfolgende Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt. Kommt dieses Problem dauerhaft in den Beingefäßen vor, entsteht in der Folge ein Ulcus cruris, auch offenes Bein genannt.
Formen und Ursachen des Ulcus cruris
Je nach Ursache gibt es unterschiedliche Arten des Ulcus cruris. Ein Ulcus cruris venosum ist eine von den drei häufigsten Arten des Ulcus cruris (offene Wunde am Unterschenkel). Ein Ulcus cruris venosum wird durch eine chronische Venenschwäche (auch chronisch-venöse Insuffizienz, CVI) ausgelöst. Das Blut kann nicht mehr aus den Beinen zurück zum Herzen fließen. Im Bereich des Unterschenkels kommt es zu einem sogenannten Stauungssyndrom. Wasser (Gewebeflüssigkeit) reichert sich im Bein an und es schwillt an (Ödembildung). Die Flüssigkeitsansammlungen führen zum erhöhten Druck im Gewebe und auf die kleinen Blutgefäße. Dies wiederum bedingt die Minderdurchblutung der Haut und eine mangelnde Wundheilung.
Ein Ulcus cruris arteriosum entsteht, wenn die Arterien in den Beinen verengt sind. Mediziner sprechen dann von einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), auch bekannt als Schaufensterkrankheit. Die Verengung der Arterien führt dazu, dass das Gewebe in den Beinen nicht ausreichend durchblutet wird. Infolgedessen nimmt die Haut Schaden. Es gibt Risikofaktoren, die die Entwicklung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz PAVK, begünstigen. Damit erhöht sich das Risiko für die Entstehung eines Ulcus cruris arteriosum.
Manchmal sind sowohl die Venen (chronisch-venöse Insuffizienz, CVI) als auch die Arterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit, PAVK) krankhaft verändert. In diesem Fall ist die Rede von einem arterio-venösen Ulcus cruris. Nach der Fachgesellschaft Initiative Chronische Wunden (ICW) e. V. sollte die Bezeichnung „Ulcus cruris mixtum“ allerdings nicht mehr verwendet werden. Denn viel aussagekräftiger als die letztendliche Form sind der Grad und die Ursache des Ulcus cruris.
Diagnose und erste Schritte
Erste Anlaufstelle bei möglichen Symptomen eines Ulcus cruris ist Ihre Hausarztpraxis. In den meisten Fällen erkennen Mediziner einen Ulcus cruris bereits auf den ersten Blick. Trotzdem sind weitere Untersuchungen notwendig, damit die genaue Ursache ermittelt werden kann. Eine gesicherte Diagnose ist die wichtigste Grundlage für eine Kompressionstherapie. Kommt sie zum Einsatz, sollte der Patient hierbei stets im Mittelpunkt stehen. Die individuellen Bedürfnisse bestimmen nämlich unter anderem den Druck und die geeignete Kompressions-Methode.
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Allgemeine Behandlungsprinzipien
Welche Behandlung bei einem Ulcus cruris sinnvoll ist, muss immer nach Einzelfall entschieden werden. Der Grund: Die Therapie richtet sich nicht nur nach der Wunde selbst sondern auch nach der Grunderkrankung. Grundsätzlich orientiert sich die Wundversorgung bei Ulcus cruris an den sogenannten Wundheilungsphasen. Heutzutage wird meist eine feuchte (hydroaktive) Wundbehandlung bevorzugt. Grundsätzlich ist das immer eine gemeinsame Entscheidung von Arzt, Wundspezialisten, Pflegekraft, Patient und den pflegenden Angehörigen.
Um die Wundheilung zu fördern, ist es in manchen Fällen notwendig, die Wunde chirurgisch zu behandeln. Es gibt verschiedene chirurgische Möglichkeiten. Schwerwiegende chronische Wunden, etwa mit großflächigem abgestorbenen Gewebe, Entzündungen oder Fremdkörpern, können im Rahmen eines chirurgischen Debridements behandelt werden. Wundbeläge sowie abgestorbenes Gewebe werden hierbei entfernt und die Wundzwischenräume gereinigt.
Kompressionstherapie und Behandlung der Grunderkrankung
Die Kompressionstherapie ist die Basistherapie der chronischen venösen Insuffizienz (CVI). Durch sie werden Ödeme der Beine abgebaut und die Abheilung des venösen Ulkus ermöglicht. Die Akzeptanz der Therapiemaßnahme und die Mitarbeit der Betroffenen ist hierbei entscheidend, denn die Kompressionsmaterialien können nur wirken, wenn sie auch getragen werden. In der Entstauungs- und Erhaltungsphase der Kompressionstherapie werden verschiedene Kompressionsmittel eingesetzt.
In der Entstauungsphase der UCV-Therapie werden üblicherweise phlebologische Kompressionsverbände eingesetzt. Da deren korrekte Anwendung fachmännische Anleitung, Übung und Erfahrung erfordert, sind sie oft nicht von Betroffenen oder Angehörigen selbst anlegbar. Eine Alternative bieten medizinische adaptive Kompressionssysteme. Diese dienen hauptsächlich der Entstauung, aber können bei der Therapie des UCV auch in der Erhaltungsphase verwendet werden. Ihr Vorteil liegt in der einfachen Handhabung. Bei therapierefraktärem UCV wird zusätzlich zur medizinischen Kompressionstherapie die intermittierende pneumatische Kompression empfohlen.
Support-Maßnahmen und medikamentöse Therapie
Um den Wundheilungsprozess zu unterstützen, kommen die sogenannten Support-Maßnahmen zum Einsatz. Als Wundstarter oder aktive Wundversorgungsprodukte vermarkten einige Hersteller eine Gruppe sehr unterschiedlicher Produkte, die über verschiedene Mechanismen die Wundheilung verbessern sollen. So soll Kollagen als Strukturprotein Zellen in den Wundbereich locken, das Zellwachstum induzieren und den Aufbau neuer Proteine unterstützen (zum Beispiel in Promogran). Das Polysaccharid ChitosanFH02® ist bei chronischen Wunden indiziert und bildet nach Antrocknen einen dünnen, elastischen, transparenten Film, der bei der Wundreinigung entfernt werden kann oder solange verbleibt, bis er bei der natürlichen Hauterneuerung abgestoßen wird (Beispiel: QiQu medical Spray).
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Das Ziel anderer Produkte ist es, den pH-Wert in der Wunde zu senken. Im sauren Milieu nehmen das Bakterienwachstum und die proteolytische Aktivität der im Übermaß vorhandenen, heilungsverzögernd wirkenden Matrix-Metallo-Proteasen (MMP) ab (zum Beispiel Cadesorb). Die Komponente NOSF (Nano-Oligo-Saccarid-Faktor) bildet, in eine Matrix eingebettet, mit dem Wundsekret einen Gelfilm, der das Wundmilieu verbessert. Die Wirkung dieser wundheilungsfördernden Produkte ist oft nicht ausreichend belegt.
Eine ergänzende medikamentöse Therapie bei Ulcus cruris kann in vielen Fällen sinnvoll sein. Denn bei der Hälfte aller Fälle reicht eine alleinige Kompressionstherapie nicht aus, damit die Wunde vollständig abheilt. Dann kommen gegebenenfalls Medikamente zum Einsatz, die die Durchblutung fördern und Entzündungen lindern sollen.
Medizinischer Honig: Historie und Wirkmechanismen
Schon im alten Ägypten war bekannt, dass Honig Wunden reinigt. Ursächlich dafür ist die hohe Zuckerkonzentration des Honigs (etwa 85 % Fructose und Glucose). Die mikrobiologische Wirksamkeit des Honigs kann je nach Herkunft (Bienenvolk, Trachtpflanzen) und Verarbeitung stark schwanken. Bei den antibakteriell wirksamen Enzymen ist die Glucoseoxidase aus der Futtersaftdrüse der Bienen das wichtigste Enzym, welches in Anwesenheit von Wasser kontinuierlich kleinste Mengen an Wasserstoffperoxid aus Glucose freisetzt. Wärme und Licht schädigen aber die Glucoseoxidase und reduzieren die Produktion an Wasserstoffperoxid. Eine besonders hohe antibakterielle Aktivität zeigt Honig, der von Nektar bestimmter Pflanzen stammt.
Medizinischer Honig bei Ulcus cruris: Evidenzlage
Eine weitere Option können antibakteriell wirksamer medizinischer Honig sein. Gemäß einem Cochrane-Review aus 2014 lässt sich bislang aber nicht sagen, ob das Auftragen von Honig bei Beingeschwüren besser oder schlechter als andere Behandlungen ist. Die bestehende Evidenz sei von meist niedriger oder sehr niedriger Qualität. Bei der Anwendung können Unverträglichkeiten und Schmerzen ein Problem sein. Erste positive Erfahrungsberichte liegen vor, beispielsweise bei immunsupprimierten, pädiatrisch-onkologischen Patienten und bei Patienten mit venösen Ulzera.
Die Anwendung von Haushaltshonig in der Wundtherapie verbietet sich generell. Bogdanov, Blumer: Natürliche antibiotische Eigenschaften des Honigs. Cooper, Molan, Harding: The sensitivity to honey of Gram-positive cocci of clinical significance isolated from wounds. W. Popp, M. Geisheimer, K.-D. Probst/Vasel-Biergans: Wundmanagement. 2. Die mikrobiologische Wirksamkeit des Honigs kann je nach Herkunft (Bienenvolk, Trachtpflanzen) und Verarbeitung stark schwanken.
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Anwendungshinweise und praktische Aspekte
Von einer eigenständigen Behandlung mit Hausmitteln wie Salben, Honig oder Zucker ist unbedingt abzuraten. Die Anwendung von medizinischem Honig sollte in die Gesamtstrategie der Wundversorgung eingebettet und mit ärztlicher Begleitung abgestimmt werden. Alles nur in Absprache mit Ihrem Arzt. Aufklärung, Schulung und Anleitung von Patienten und deren Angehörigen ist hier das A und O. Die individuellen Bedürfnisse bestimmen unter anderem den Druck und die geeignete Kompressions-Methode.
Bei der Anwendung können Unverträglichkeiten und Schmerzen ein Problem sein. Wärme und Licht schädigen aber die Glucoseoxidase und reduzieren die Produktion an Wasserstoffperoxid. Die mikrobiologische Wirksamkeit des Honigs kann je nach Herkunft (Bienenvolk, Trachtpflanzen) und Verarbeitung stark schwanken. Daher sind standardisierte, medizinisch aufbereitete Honigprodukte zu bevorzugen.
Begleitmaßnahmen, Pflege und Ernährung
Sie können die Wundheilung bei einem Ulcus cruris mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichendem Trinken unterstützen. Wichtige Nährstoffe für die Wundheilung sind: Eiweiße, Mineralstoffe und Vitamine. Reife Haut und die Haut von Pflegebedürftigen haben besondere Bedürfnisse, denen Sie mit einer angemessenen Pflege gut begegnen können. Medizinische Fußpflege ist weit mehr als reine Pflege oder Kosmetik. Sie kann helfen, Beschwerden zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und die Mobilität im Alltag zu erhalten - besonders bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Polyneuropathie. Gegebenenfalls ist eine regelmäßige medizinische Fußpflege notwendig.
Rolle von Patientenschulung, Pflegegrad und Unterstützungsangeboten
Personen mit körperlicher Einschränkung wissen oft nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung haben. Voraussetzung dafür ist ein anerkannter Pflegegrad. Die Akzeptanz der Therapiemaßnahme und die Mitarbeit der Betroffenen ist entscheidend. Aufklärung, Schulung und Anleitung von Patienten und deren Angehörigen ist hier das A und O.
Forschung, Fortbildung und offene Fragen
Das Thema Ulcus cruris ist sehr komplex und es gibt ständig neue Erkenntnisse. Für interessierte Behandler oder Pflegekräfte, die ihr Wissen auffrischen möchten, empfehle ich den Online-Kurs zum Thema Beinulzera unter diesem Link. Im Bereich der Kompressionstherapie gibt es ständig aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen neuer, patientenzentriert angepasster Methoden und Materialien. Medizinische Fachkräfte, die ihr Wissen zur Kompressionstherapie auffrischen möchten, können einen kostenlosen Online-Kurs absolvieren.
| Aspekt | Wichtige Hinweise |
|---|---|
| Indikation | Venöses Ulcus cruris als ergänzende lokale Therapie nach ärztlicher Abklärung |
| Evidenz | Eingeschränkte, meist niedrige Qualität; Cochrane-Review 2014: kein klarer Vorteil gegenüber anderen Behandlungen |
| Sicherheit | Hausmittel verboten; Unverträglichkeiten und Schmerzen möglich; standardisierte medizinische Produkte bevorzugen |
| Kombination | Sollte Teil eines Gesamtkonzepts sein: Kompressionstherapie, ggf. chirurgisches Debridement, medikamentöse Maßnahmen |
Wenn bei Ihnen ein venös-bedingtes Ulcus cruris festgestellt wurde, gilt der Grundsatz: Lieber Laufen und Liegen als Sitzen und Stehen! Die Muskelpumpe ist wie eine natürliche Pumpe in den Beinen, die hilft, das Blut zurück zum Herzen zu befördern. Beim venös-bedingten Ulcus cruris ist die natürliche Funktion der Muskelpumpe allerdings beeinträchtigt.
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