Typische Nachtische aus dem Ruhrgebiet: Rezepte und Traditionen
Das Ruhrgebiet präsentiert sich nicht nur als industrielles Herz Deutschlands, sondern auch als faszinierende kulinarische Region mit einer Vielzahl an traditionellen Nachtischen. Die lokale Küche ist geprägt von der Vielfalt der Bewohner, alten Traditionen und der besonderen Lebensart, die sich tief in den süßen Speisen widerspiegelt. Von saftigen Kuchen und kultigen Schnitten bis zu selbst gemachten Marmeladen und klassischen Waffeln reicht die Bandbreite der Nachtische im Ruhrgebiet.
Traditionelle Nachtische und ihre regionalen Varianten
Fast jede Region in Nordrhein-Westfalen hat ihre eigene süße Spezialität: Von Kartoffelküchlein, die man wahlweise mit Marmelade oder Leberwurst bestreicht, bis hin zu frittierten Quarkbällchen, ohne die der rheinländische Karneval undenkbar wäre. Die süßen Kreationen dürfen auf der Kaffeetafel oder beim gemütlichen Klönen im Schrebergarten nicht fehlen, ebenso wie hausgemachte Marmeladen oder ein selbst aufgesetzter Likör als Absacker.
Der Neujahrskuchen und seine Traditionen
Der Neujahrskuchen hat viele Namen - Eiserkuchen, Neujahrshörnchen, Piepkuchen, Röllekes in Westfalen oder Neujährchen im Rheinland - und eine lange Tradition. Der Neujahrskuchen besteht aus einer Waffel, die zu einem Hörnchen aufgerollt wird. Viele Menschen kennen das süße Gebäck aus der Bäckerei oder weil es in der Familie noch gebacken wird.
Pickert - Das westfälische Nationalgericht
Im Nordosten Westfalens in der Teutoburger Waldregion hat der Lippische Pickert seinen Ursprung. Früher waren die dicken Pfannkuchen ein Arme-Leute-Essen. Das Wort Pickert leitet sich wahrscheinlich vom plattdeutschen Wort „pecken” ab, was soviel wie klebrig bedeutet, was den Teig ziemlich treffend beschreibt. Der Teig für das „Nationalgericht der Lipper“ besteht aus Hefe, Milch, Kartoffeln, Mehl, Zucker, Eiern, Rosinen und Butterschmalz und wird, zu runden Talern geformt, in einer heißen Pfanne goldbraun gebacken.
| Zutat | Menge | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Kartoffeln | ca. 500 g | frisch und mehlig |
| Mehl | ca. 200 g | Weizenmehl |
| Hefe | 1 Würfel | frisch |
| Milch | 200 ml | warm |
| Zucker | 50 g | nach Geschmack |
| Eier | 2 Stück | freilaufend |
| Rosinen | 50 g | optional |
| Butterschmalz | - | zum Braten |
Westfälische Götterspeise
Das wohl bekannteste süße Gericht aus Pumpernickel ist die Westfälische Götterspeise. Sie hat nichts mit der glibberigen, roten oder grünen Nachspeise zu tun, die man aus dem Kühlregal kennt. Es ist ein Schichtdessert bestehend aus einer Quarkcreme mit Vanille, Kirschen und karamellisierten Pumpernickelbröseln. Die drei Komponenten werden nacheinander in ein hohes Glas geschichtet und mit Schokostreuseln oder kleinen Baisers verziert.
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Arme Ritter - Ein Klassiker im Ruhrgebiet
Die Armen Ritter sind vor allem im neanderland und Ruhrgebiet weit verbreitet, verschiedene Variationen von ihnen haben aber mittlerweile ganz Nordrhein-Westfalen und sogar weite Teile Deutschlands erobert. Schon die Römer kannten die in Milch getauchten und in Fett gebackenen Brotscheiben. Im Ruhrgebiet wurde seit jeher körperlich schwer gearbeitet, deshalb musste das Essen oft deftig und gehaltvoll sein und schnell gehen. An den Kalorien sollte es bei den Armen Rittern also nicht scheitern - auf 100 Gramm kommen etwa 250 Kalorien. Und auch die Zubereitung ist denkbar einfach: Man nehme Brotscheiben vom Vortag, wälze sie in Milch, Ei und Semmelbröseln und backe sie in Butterschmalz, bis sie goldbraun sind. Zum Schluss überziehe man sie mit einer Schicht aus Zimt und Zucker.
Rheinische Spezialitäten: Apfelkuchen und Muzen
Der „Obst- und Gemüsegarten Kölns“ ist die größte Obst-Anbauregion in Nordrhein-Westfalen und die drittgrößte in ganz Deutschland. Es ist also kaum verwunderlich, dass Süßspeisen hier oft mit Äpfeln zubereitet werden. In Köln ist es ein runder Apfelkuchen mit Hefeteigboden, der mit Apfelmus gefüllt und mit Riemchen, einem Muster aus Teigstreifen, gedeckt wird. In Köln heißt dieser Kuchen deshalb auch Rheinischer Riemchenapfel oder Apfelriemchen. In anderen Regionen des Rheinlandes ist Appeltate ein gedeckter Apfelkuchen vom Blech.
Nicht nur Apfelkuchen, sondern auch die Rheinischen Muzen gehören zum Karneval wie Konfetti und der Hoppeditz. Es gibt sie als frittierte Scheiben aus Hefeteig oder als kleine Bällchen aus Quarkteig, die oft auch Mutzenmandeln genannt werden. Beide Varianten werden vor dem Verzehr mit Zimt und Zucker betreut.
Bergische Waffeln und Aachener Printen
Im Bergischen Land sind Waffeln die perfekte Belohnung nach einer anstrengenden Tour und können mit ihrem Duft schon mal müde Sportler zu einem Endspurt antreiben. Im Gegensatz zu ihrem belgischen Pendant sind die bergischen Waffeln traditionell herzförmig, eher flach und werden mit Buttermilch und Honig zubereitet. Früher wurden die Waffeln wochentags mit Milchreis, Zimt und Zucker gegessen. An Feiertagen wurden sie mit heißen Kirschen und Schlagsahne gereicht.
In Aachen haben die Aachener Printen Hochsaison. Als original Aachener Printe dürfen übrigens nur Lebkuchen bezeichnet werden, die nach der Rezeptur von 1820 in Aachen selbst und in den Nachbarorten produziert werden. Sie sind sogar als Produkt mit geschützter geografischer Angabe zertifiziert. Im 15. Jahrhundert wurde der Lebkuchenteig in kunstvoll geschnitzte Holzformen gedrückt, im englischen „print“, daher stammt der heutige Name Printen.
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Regionale Süßspeisen-Klassiker aus dem Ruhrgebiet
- Aprikosenkuchen mit Vanillequark
- Eierlikörkuchen
- Bienenstich
- Münsterländer Herrencreme
- Stippmilch
- Pflaumenkuchen mit Erdbeersauce
- Westfälischer Apfelkuchen mit Apfel-Rumrosinen-Füllung
- Süßes Früchtebrot mit Trockenobst und Nüssen
- Bratäpfel zur Winterzeit
- Kölsche Kräm als Dessert-Klassiker
- Schokoladenmousse mit Fruchtspiegel
Schokoladenmousse mit Fruchtspiegel - Rezept aus dem Ruhrgebiet
Zutaten für 4 Personen:
Hagelzucker, 2 EL Wasser, 5 EL weiße Schokolade, 300 g Eier, 3 Stück Erdbeeren, 250 g Puderzucker.
Zubereitung:
1. Kastenform (850 ml) mit Frischhaltefolie auslegen. Hagelzucker unter Rühren bei schwacher Hitze im Wasser auflösen und 1 bis 2 Minuten einkochen. Schokolade in kleine Stücke brechen und im Sirup auflösen. Eigelb kräftig einrühren und abkühlen lassen. Sahne steif schlagen und unterheben. Eiweiß steif schlagen und ebenfalls unterheben. Über Nacht in der Gefriertruhe lagern. 10 bis 15 Minuten vor dem Servieren aus der Truhe nehmen, auf einen Teller stürzen und in dünne Scheiben schneiden. Den Fruchtspiegel aus pürierten und mit Puderzucker abgeschmeckten Erdbeeren herstellen und durch ein Sieb geben.
Kultur und Lebensart: Nachtisch als Teil des Ruhrgebiets
Das Ruhrgebiet kann mehr als Currywurst! Das zeigt das Ruhrgebiets-Kochbuch „Ruhrgebiet: Rezepte und Lebensart“ mit insgesamt 130 Gerichten - eine Vielfalt, denn die pöttische Küche wurde innerhalb der Jahrzehnte von mehr als 200 Nationen beeinflusst. In „Ruhrgebiet: Rezepte und Lebensart“ reicht die Bandbreite von deftiger Hausmannskost bis hin zu edler Küche: Neben herzhaften Suppen, Sonntagsbraten und Fischgerichten werden auch süße Verführungen präsentiert. Die 130 Rezepte sind verständlich und nicht zu ausschweifend, sodass nicht nur erfahrene Köche sich an die Kreationen heranwagen können. Dazu ist das Rezeptbuch wirklich schön bebildert.
Das Ruhrgebiet ist mehr als nur graue Industrie und Malocher-Mythos - es ist ein Lebensgefühl. Persönlich, bunt, rau, aber immer herzlich. Die Schrebergärten und das Ruhrgebiet - das ist eine Verbindung, die seit Generationen besteht. Geburtstage wurden draußen gefeiert, mit bunten Luftballons an der Laube und langen Tafeln unter dem Pflaumenbaum. Hier haben wir als Kinder gespielt, durch Beerensträucher gestöbert und Apfelkuchen aus den eigenen Äpfeln gegessen.
Wer ins Ruhrgebiet kommt, muss auf eine Halde. Punkt. Halden und das Ruhrgebiet - das gehört zusammen wie Currywurst und Pommes Schranke (auch eigentlich typisch Ruhrgebiet). Halden sind mehr als Berge. Sie sind Heimat, Treffpunkt, Abenteuer. Ein Stück Vergangenheit, das in die Zukunft ragt. Und sie sind verdammt fotogen.
Kneipen gehören für mich zum Ruhrgebiet wie für viele das Klischee, es sei hier grau. Und auch Kneipen haben mit Vorurteilen zu kämpfen: altbacken, Stammtischmanier und der gewisse Trinkkultur-Faktor. Doch eins ist klar: Kneipe ist Kult!
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Fußball emotionalisiert die Menschen im Ruhrgebiet, nirgendwo spürt man dieses Gefühl intensiver. Die unnachahmliche Fußballkultur mit seinen Ritualen, Orten, der Stadionwurst und Anekdoten der Ruhrpottler sind einzigartig.
Neben der Budenkultur gehört für mich noch etwas anderes ganz typisch zum Ruhrgebiet - Kegeln bis heute. Es geht dabei nicht nur ums Spiel, sondern ums Zusammensein. Kegelbahnen findet man heute meist im Keller von Restaurants oder Kneipen. Bestellt wird direkt vom Restaurant oben - einfach anne Bahn liefern lassen. Und so sitzt man dann da, isst, quatscht, spielt. Ganz entspannt. Ganz viel Ruhrgebietsromantik.
Genau dieser Mix aus Stolz, Wandel und echtem Charakter macht das Ruhrgebiet so besonders. Süßspeisen sind dabei mehr als nur Nachtisch - sie sind gelebte Tradition, Teil des Alltags und Ausdruck der regionalen Vielfalt.
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