Typische amerikanische Pies: Rezepte und Geschichte

Die USA sind bekannt für ihre große Auswahl an Süßspeisen. Wenn es um Süßwaren geht, im Speziellen um Kuchen, hat jedes Land doch so seine eigenen Vorstellungen, was da die beste Art ist. Die amerikanische Küche wird oft belächelt, weil sie manchmal sehr fettig ist und viele Dinge frittiert sind. Wenn man darüber hinweg sehen kann, verfügen die Vereinigten Staaten jedoch über eine sehr vielfältige Küche, der man auch ihre Anerkennung zollen sollte, die sie verdient.

Bevor wir uns mit verschiedenen Pie-Rezepten und der Geschichte dieses Kuchens beschäftigen wollen, möchten wir natürlich erst einmal definieren, worum es sich hier handelt. Denn im Vergleich zu unseren Torten und Co. gibt es durchaus Unterschiede. Ein Pie ist, im klassischen Sinne, ein Mürbeteigboden, der eine Füllung enthält und schon zu Pioneerzeiten in USA gebacken werden konnte, da keinerlei Triebmittel verwendet wird und er oft aus wenigen Zutaten wie Mehl, Zucker, Butter und ähnlichem besteht. Auf die Füllung kommt es aber an! Denn hier können Sie sich so richtig austoben. Egal ob fruchtig oder herzhaft: Die Amerikaner haben an beiden Varianten Geschmack gefunden. Doch der eigentliche Star ist wohl die Kruste, die den Pie von einem anderen Kuchen unterscheidet.

Kurze Geschichte des Pie

Die antiken Griechen scheinen, laut verschiedenen Quellen, die ersten gewesen zu sein, die einen mit Frucht gefüllten Kuchen gereicht haben. Das Wort „Pie“ wurde allerdings erstmals 1303 erwähnt. Im Mittelalter waren die herzhaften Varianten stark in Mode. Das lag vor allem daran, dass die Köche damals den Zugriff auf Öfen eingeschränkt hatten, da die Produktion und vor allem die Brennmaterialien teuer waren.

Klar ist doch, dass es im Mittelalter… genauer gesagt im 14. Jahrhundert in England Kuchen gab, die aussahen wie die heutige Apple Pie. Sie wurde mit Fleisch gefüllt. Der Teig war hart, nicht gerade sehr lecker und diente nur dem Zweck den Inhalt für längere Zeit frisch zu halten. Außerdem war Zucker damals sündhaft teuer. Daher galten süße Kuchen mit Fruchtfüllung als seltener Luxus, der nur den Reichen gegönnt war.

Als die ersten Siedler nach Amerika kamen, nahmen sie ihre liebsten Pie-Rezepte natürlich auch mit. Mit den englischen Pilgern kam der Apfelkuchen nach Amerika und schaffte es unter den Namen Apple Pie zu großer Berühmtheit und wurde zur Nationalspeise der Amerikaner. Viele denken ja die Apple Pie wurde in Amerika erfunden. Da irren sie aber. Wer genau die Apple Pie erfunden hat, darum streiten sich die Geschichteschreiber bis heute.

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Die amerikanische Vielfalt: von Baked Alaska bis Key Lime Pie

Von den ersten englischen und holländischen Siedlern bis hin zu den asiatischen und lateinamerikanischen Einwanderern hat jede Gruppe ihre eigenen kulinarischen Traditionen mitgebracht, was zu einer wahrhaft kühnen Mischung aus verschiedenen Geschmacksrichtungen, Zutaten und Gerichten geführt hat. Wenn Sie das nächste Mal eine dieser süßen Leckereien genießen, denken Sie an den Weg von den bescheidenen Anfängen bis zur Alltäglichkeit!

  • Baked Alaska - Die Erfindung von Baked Alaska geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück, und zwar auf den amerikanischen Koch Charles Ranhofer vom Restaurant Delmonico`s. Das Dessert besteht aus Schichten von Biskuit, Eis, Baiser und manchmal Marmelade. Diese Schichten werden dann einige Minuten lang im Ofen gebacken, wobei das Baiser verbrannt wird, wodurch es eine schöne goldene Farbe erhält, was ohne die isolierenden Eigenschaften des Eischnees im Baiser nicht möglich wäre, da das Eis in der Mitte natürlich beschädigt würde.
  • Chocolate Chip Cookie - Der Chocolate Chip Cookie wurde in den 1930er Jahren durch Zufall von Ruth Graves Wakefield erfunden. Wakefield besaß das Toll House Inn, ein beliebtes Restaurant in Massachusetts. Die Chocolate Chips behielten jedoch ihre Form und führten zur Entstehung des Chocolate Chip Cookies, wie wir ihn heute kennen.
  • New York Style Cheesecake - Im Jahr 1872 kreierte William Lawrence, ein amerikanischer Milchhändler aus Chester, NY, versehentlich Frischkäse, während er versuchte, französischen Neufchâtel-Käse herzustellen. Es dauerte nicht lange, bis die Bäcker begannen, diese neue Form des Käses für ihre Käsekuchen zu verwenden, und so entstand das, was wir heute als “New York Style” Cheesecake kennen.
  • Brownies - Brownies, so wie wir sie heute kennen, wurden 1897 von Bertha Palmer erfunden, einer prominenten Chicagoerin, der das berühmte Palmer House Hotel gehörte. Das Ergebnis war der Palmer House Brownie, ein kleines schokoladenkuchenähnliches Quadrat, das schnell zum Hit bei den Hotelgästen wurde.
  • Apple Pie - Das erste aufgezeichnete Apple Pie Rezept in Amerika wurde 1776 von Amelia Simmons in ihrem Kochbuch “American Cookery” veröffentlicht. Ihr Rezept enthielt Äpfel, Zucker, Butter, Zimt und Zitronenschalen. Apple Pie ist eines der beliebtesten Gerichte hier in den USA. Ob in Form eines gedeckten Pies oder mit Gitter, Apple Pie wird fast immer als Inbegriff der USA gesehen.
  • Pecan Pie - Pecan Pie ist ein weiteres klassisches amerikanisches Dessert mit Wurzeln in den Südstaaten. Das erste aufgezeichnete Rezept für Pecan Pie findet sich in einem Kochbuch, das 1886 von Miss Martha Holloway veröffentlicht wurde.
  • Pumpkin Pie - Pumpkin Pie ist ein sehr beliebtes Herbstgericht, das auf die Pilger zurückgeht, die sich 1620 in Plymouth, Massachusetts niederließen. Pumpkin Pie besteht in der Regel aus einer Kombination von Zutaten wie Kürbispüree, Gewürzen wie Zimt und Ingwer, Süßungsmitteln wie Zucker und Milchprodukten wie Milch oder Sahne.
  • Key Lime Pie - Key Lime Pie ist ein Dessert, das aufgrund der Zutat Key Lime typischerweise mit Florida in Verbindung gebracht wird. Man nimmt an, dass der Key Lime Pie seinen Ursprung in Key West, Florida hat, wo er von portugiesischen Seeleuten erfunden wurde.
  • Weitere Klassiker - Mississippi Mud Pie, Bananensplit, S’mores, Funnel Cake, Peach Cobbler, Sundae und Milchshakes gehören ebenfalls zu den bekannten amerikanischen Desserts mit spannender Geschichte und vielfältigen Varianten.

Apple Pie: Tradition, Tipps und Rezepte

Apple Pie ist für US-Amerikaner in etwa so wie für uns Österreicher der Apfelstrudel. Ein Klassiker, den fast jeder mag und für den es hunderte verschiedene Rezepte gibt. Natürlich ist nur das eigene Familienrezept das einzig Wahre.

Ein Pie-Rezept gibt es bereits auf dem Blog, nämlich eines mit Erdbeeren. Nachdem diese jetzt nicht mehr Saison haben, sind Äpfel an der Reihe. Ein Apple Pie ist, in seiner einfachsten Form Mürbeteig, auf den Apfelscheiben geschichtet werden und dann mit einem Teigdeckel oder Streuseln abgeschlossen wird. In den USA gibt es in jedem Supermarkt gekühlte, gefrostete oder fertig gebackene Pie Shells zu kaufen. Obstpies sind in den USA ein typischer Nachtisch und werden in der Form - idealerweise einer schönen Keramik-Pieplate - serviert.

Die Pie-Crust, also der Teigboden und -deckel, wird aus Mürbteig zubereitet. Das besondere an Apple Pie ist die „pie crust“, also der Teig. Er ist eine Art Blätterteig und deshalb herrlich knusprig und buttrig. Der Trick ist hier, eiskalte Butter zu verwenden und diese mit den Fingern in das Mehl zu reiben. Es ist wichtig, dass der Teig nicht zu lange geknetet wird, sondern nur so lange verarbeitet wird bis noch kleine Butterklümpchen zurückbleiben. Die sorgen nämlich für die blättrige Struktur des Teiges. Noch einfacher geht es mit einem Food Processor. Der „hackt“ die Butter in kleine Stückchen und vermischt sie gleichzeitig mit dem Mehl.

Eine weitere Besonderheit beim traditionellen Apple Pie ist die „double crust“, d.h. der Teig wird auch als eine Art Deckel verwendet. Dadurch wird die Füllung besonders saftig und Du kannst ihn richtig schön verzieren. Mein Geheimtipp für dich ist definitiv das traditionelle Gittermuster; für eine visuelle Hilfe wie man ein schönes Gittermuster machen kann, schau hier vorbei. Wie man auch den Rand schön formen kann, findest du hier. Wem das alles zu schwierig ist, aber trotzdem einen möglichst amerikanischen Pie produzieren möchte, dem seien die fünf Teigschlitze ans Herz gelegt.

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Klassisches Apple Pie Rezept (zusammengefasst aus mehreren Quellen im Text)

Teig (Mürbteig): Mehl, Salz, Zucker und kalte Butter in kleine Stücke schneiden; mit eiskaltem Wasser oder Eiweiß und Wasser schnell zu einem Teig verarbeiten. Den Teig in zwei Teile teilen, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens eine Stunde kühl stellen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen, sodass er etwas größer als die Form ist. Teigboden in die Form legen, überstehenden Teig abschneiden.

Füllung: 1-1,5 kg Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in Scheiben schneiden. Zucker, Stärke, Zimt und eine Prise Muskatnuss in einer Schüssel mischen (so klumpt die Stärke nicht) und über die Äpfel geben. Zitronensaft und -abrieb können hinzugefügt werden. Die Apfelmischung in die vorbereitete Form geben und die obere Teigplatte auflegen (Gitter oder Volldeckel). Die Ränder aneinander drücken, dekorativ formen und das Gitter oder den Deckel mit Ei oder Eigelb mit Milch bestreichen. Einige Schlitze in den Deckel schneiden, damit Dampf entweichen kann.

Backen: Den Pie im vorgeheizten Ofen bei 200 °C Ober- und Unterhitze rund 45 Minuten backen, bis die Oberseite golden ist. Ein Trick ist, Alustreifen oder ein selbst gebasteltes „Pie-Shield“ aus Alufolie zu verwenden, damit die Ränder nicht zu schnell zu dunkel werden. Die Füllung dickt beim Abkühlen deutlich ein. Am besten schmeckt Apple Pie lauwarm, mit einer Kugel Vanilleeis und etwas Karamellsauce.

Apple Pie mit Gittermuster aufgeschnitten

Praktische Tipps und Varianten

  • Die Pie-Crust kann bis zu drei Tage im Voraus zubereitet werden. Den Teig am besten in Scheiben mit ca. 2 cm Stärke ausrollen, gründlich in Frischhaltefolie einpacken und im Kühlschrank lagern.
  • Die Auswahl der Äpfel beeinflusst, ob die Scheiben beim Backen ihre Form behalten. Eine Mischung aus säuerlichen und süßen Sorten (z. B. Granny Smith + Jonagold oder Braeburn) ergibt ein besonders gutes Aroma.
  • Zuckeranteile können reduziert werden; viele Rezepte empfehlen für eine klassische Pie-Form (23-26 cm ∅) 150-200 g Zucker, manche Autorinnen finden jedoch 100-120 g ausreichend, abhängig von der Apfelsorte.
  • Für ein besonders blättriges Ergebnis unbedingt kalte Butter und eiskaltes Wasser verwenden; nicht zu lange kneten, damit Butterstückchen sichtbar bleiben.
  • Alternativen zur doppelten Teigkruste: Streusel, Meringue (Lemon Meringue Pie), Sahnehaube (Banoffee Pie) oder Keksboden (z. B. Graham Cracker oder Butterkekse) sind gängige Varianten.
  • Viele Pies lassen sich hervorragend einfrieren; als grober Richtwert 20 Minuten zusätzliche Backzeit für gefrorene Pies einplanen.
Verschiedene Pie-Varianten (Pumpkin Pie, Key Lime Pie, Pecan Pie)

Mini-Pies und einfache Snacks

Es sind also Pies im Miniformat, die man perfekt als Snack, zu einer Party oder ähnlichem reichen kann. Ich habe einfach ein paar süße kleine gebacken. Sie sind gefüllt mit selbstgemachtem Apfelmus und Apfelstückchen… verfeinert mit etwas Zimt und Vanille. Mehl und Zucker in eine Schüssel geben. Butter in Stückchen und Wasser dazu geben. Alles zu einem Teig verkneten. Ein Muffinsbackblech mit Öl fetten und mit Mehl bestäuben. Teig dünn ausrollen. 9 Kreise mit etwa 12 cm ausstechen und 9 Kreise mit etwa 7 cm ausstechen. Die Füllung hinein füllen. Die Ränder mit etwas Wasser anstreichen und die kleinen Kreise als Deckel drauf setzen und andrücken. Mit den Teigresten verzieren und mit Milch anstreichen.

Mini-Apple-Pies auf Muffinblech

Serviervorschläge

Der Apple Pie schmeckt besonders gut lauwarm. Du kannst ihn so wie er ist bzw. mit Staubzucker bestäubt servieren - oder noch besser: mit einer Kugel Vanilleeis und etwas Karamellsauce. Viele Pies werden in den USA idealerweise mit Vanillesauce oder Eis serviert. Bei warmem Pie eignet sich Vanilleeis statt einem Klecks Sahne. Besser schneiden kann man Pie auf jeden Fall immer im kalten Zustand; wer mag, kann ein Stück kurz in der Mikrowelle erwärmen und dann erst Eis dazu servieren.

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How to make a perfect lattice pie crust (Gittermuster Tutorial)

Beliebte Pies und ihre Herkunft (Kurzüberblick)

PieHerkunft / Besonderheit
Apple PieEngland → USA, vielfache Varianten, Nationalsymbol
Pumpkin PiePilger in Plymouth, Herbstklassiker
Key Lime PieFlorida, Key Limes, säuerig-süß
Pecan PieSüdstaaten, Rezept seit 1886
Baked AlaskaCharles Ranhofer, Delmonico's, eisbasiertes Gebäck
BrowniesPalmer House Hotel, Chicago, praktisch zu transportieren

Mit einem handgemachten Pie wirst du auf jeden Fall jeden Amerikaner begeistern. Ich hoffe, du hast ein wenig Inspiration bekommen, dich an das Thema Pie zu wagen.

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