Test Nuss‑Nougat‑Cremes: Vergleich von Inhaltsstoffen, Herkunft und Schadstoffen
Nuss‑Nougat‑Cremes sind sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen beliebt. Viele Kinder und Erwachsene lieben die süßen Schokoaufstriche zum Frühstück, insbesondere in der Kombination mit Gebäck können nur wenige widerstehen. Wir haben 21 Nuss‑Nougat‑Cremes aus Supermärkten, Discountern, Bioläden und der Drogerie getestet.
Fragestellungen und Prüfverfahren
Die wichtigsten Fragen lauten: Wie gut schmecken die Schokoaufstriche und sind sie frei von Schadstoffen? Wie ist es um die Nährstoffzusammensetzung und die Kennzeichnung bestellt? Der Test bietet werbefreie, unabhängige Testergebnisse. Zur Anwendung kommen einheitliche Testkriterien. So werden die Ergebnisse vergleichbar. Untersucht werden Geschmack (Verkostung mit Erwachsenen und Kindern), Schadstoffbelastung, Zusammensetzung, Nährwertqualität und Kennzeichnung.
Welche Produkte wurden untersucht
Insgesamt wurden 21 Nuss‑Nougat‑Cremes unter die Lupe genommen und auf ihren Haselnuss‑ und Kakao‑Anteil geprüft, ihre Herkunft bewertet, und auf kritische Inhaltsstoffe getestet. Wir haben 13 Nuss‑Nougat‑Cremen aus Supermärkten, Diskontern, Bioläden und der Drogerie getestet. Hier erfahren Sie, welche am besten schmecken, wie sich die Produkte zusammensetzen und wie die Schadstoff‑ und Nährwertbilanz ausfällt.
Ergebnisse: Zucker, Fett, Nuss‑ und Kakaoanteile
Die Zusammensetzung der "Nuss‑Nougat‑Cremes" könnte ungesünder kaum sein. Rund 50 Prozent Zucker, dazu kommen oft mehr als 35 Prozent Fett. Die Hauptzutat ist also der Zucker. Eine zuckerreiche Ernährung fördert aber Übergewicht und Karies. Deswegen rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO), täglich nicht mehr als fünf Prozent der Energie in Form von freien Zuckern aufzunehmen. Mit vier Nuss‑Nougat‑Cremes überschreiten Kinder dieses Limit bereits, wenn sie gerade einmal 30 Gramm davon essen.
Der deklarierte Nussanteil reicht von gerade einmal 5 bis zu 36 Prozent, die Kakaopulvergehalte liegen zwischen 3,7 und 12 Prozent. Wer hier eine gute Balance finden möchte, sollte zu einem Haselnussbrotaufstrich mit hohem Anteil an Haselnüssen greifen, denn im gleichen Maße sinkt in der Regel der Zuckeranteil. Gourmets schätzen einen hohen Haselnussanteil, weil dieser für den charakteristischen Geschmack einer Nuss‑Nougat‑Creme sorgt.
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Schadstoffe: Mineralölbestandteile (MOSH/POSH)
Mineralöl, zu viel Zucker und mangelnde Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen in den Anbauländern verderben die Gesamturteile vieler Nuss‑Nougat‑Cremes im Test. Die Mineralölbestandteile MOSH, die sich im Körper anreichern, hat das von uns beauftragte Labor in insgesamt 17 Nuss‑Nougat‑Cremes nachgewiesen. In den anderen vier Produkten stecken zumindest Spuren - es schafft also bisher kein Anbieter, ein Produkt komplett ohne Verunreinigungen mit Mineralöl herzustellen.
Die Verunreinigungen können immer dann entstehen, wenn das Produkt oder schon die Rohwaren in Kontakt mit Schmierölen kommen. So werden zum Beispiel Kakaobohnen häufig in mit Mineralöl behandelten Jute‑ oder Sisalsäcken auf ihre weite Reise nach Europa geschickt. Die sogenannten MOSH können sich im Körper anreichern und es ist noch nicht genügend untersucht, wie sich das auswirkt. 18 Produkte haben einen erhöhten oder sogar stark erhöhten Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen MOSH und POSH. Diese Mineralölrückstände können Leber und Lymphknoten schädigen.
Herkunft und soziale Verantwortung
Schon die namensgebenden Zutaten der Nuss‑Nougat‑Cremes, Haselnüsse und Kakao, sind herkunftskritisch im Sinne von: In den Anbauländern liegt einiges im Argen. In den Hauptanbauländern wie der Türkei ist etwa Kinderarbeit ein massives Problem. Wir wollten von den Herstellern wissen: Werden sie ihrer Verantwortung gerecht? Das sollten sie uns glaubhaft belegen - etwa mit Zertifikaten von unabhängigen Programmen.
Fairtrade: Fairtrade‑zertifizierte Produkte unterliegen strengen Kriterien in Sachen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit. Ein großer und wichtiger Unterschied zu Rainforest Alliance/UTZ: Der Standard sichert einen Mindestpreis für die Rohware zu. Das ist wichtig für die Bauern, die sonst abhängig von den stark schwankenden Weltmarktpreisen sind.
Rainforest Alliance/UTZ: UTZ und Rainforest Alliance haben sich 2018 zusammengeschlossen. Die Organisation kämpft gegen wichtige Aspekte wie Kinderarbeit und Regenwaldrodung an, geht in ihren Kriterien aber nicht so weit wie das Fairtrade‑Siegel. RSPO: Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist zwar ein Mindeststandard, aus unserer Sicht aber der bisher beste verfügbare Ansatz in Sachen Palmöl.
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Was uns überrascht hat? Dass die meisten Bio‑Anbieter das Thema Haselnüsse offenbar überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Nur ein Bio‑Anbieter legte uns ein unabhängiges Zertifikat für die Nüsse vor, während Eigenmarken der konventionellen Discounter und Supermärkte ihre Haselnüsse aus Rainforest‑Alliance‑zertifizierten Quellen beziehen. Rainforest Alliance/UTZ ist jetzt vielleicht nicht der Goldstandard in Sachen fairer Arbeitsbedingungen. Aber es ist ein Anfang und die Organisation kämpft nachweislich gegen Kinderarbeit an.
Palmöl und Umweltauswirkungen
Das Thema Palmöl haben die Hersteller inzwischen besser auf dem Schirm, zumindest belegen alle Hersteller, dass sie zertifiziertes Palmöl beziehen. Riesige Monokulturen erstrecken sich etwa in den Hauptanbauländern Malaysia und Indonesien, für die Regenwald gerodet wird, was auch die Artenvielfalt bedroht. Palmfett ist seit Jahren ein Problem bei Haselnusscremes, doch ÖKO‑TEST lobt, dass viele schon darauf verzichten. Hier bekommt Milka einen Pluspunkt, weil sie stattdessen Sonnenblumenöl einsetzen. Nutella verwendet immerhin Palmöl mit RSPO‑Zertifizierung. Insgesamt sieben Hersteller, davon fünf bio‑zertifizierte verzichten inzwischen ganz darauf.
Sensorik und Geschmack
Wir haben in der Redaktion einmal viele Nutella‑Alternativen auf Geschmack geprüft. Viele überzeugen mit Inhalt und Geschmack. Die Verkostung erfolgte mit Erwachsenen und Kindern; dabei ging es weniger um Geschmack und Schmelzigkeit als um enthaltene Schadstoffe, Zuckergehalt und Zusatzaromen oder Haselnussanteil. Lediglich zwei der 21 getesteten Aufstriche werden mit der Note „gut“ bewertet.
Besonders auffällige Produkte
Ausgerechnet Nutella - die heißgeliebte Nuss‑Nougat‑Creme fällt im Test durch. Das Produkt hat einen stark erhöhten Gehalt an MOSH/POSH und enthält sehr viel Zucker. Die Nuss‑(ja, das steht in der Produktbeschreibung an erster Stelle)‑Nougat‑Creme enthält so gut wie keine Haselnüsse, besteht zu über 50 Prozent aus Zucker und wird in teils verunreinigten Gläsern auf den Markt gebracht. Auch die Milka Haselnusscreme fällt negativ auf: Mit mehr als 56 Prozent sind die beiden Produkte die süßesten Aufstriche im Test. Außerdem enthalten beide - wie viele andere Nuss‑Nougat‑Cremes auch - Mineralölbestandteile. In der Milka‑Creme stecken aber gerade einmal fünf Prozent "Haselnussmasse" - der mit Abstand geringste Gehalt im gesamten Test.
Die Redaktion von ÖKO‑TEST sei erstaunt gewesen, dass die beiden großen beliebten Marken Nutella und Milka hier so schlecht abschneiden. Vor allem im Vergleich zu einigen deutlich günstigeren Eigenmarken von Discountern und Supermärkten stehen die großen Brands ganz schlecht da.
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Positive Beispiele und Testsieger
Ja! Nuss‑Nougat‑Creme von Rewe schlägt sich überraschend gut: Im Gesamtvergleich schlägt sich die Ja!‑Eigenmarken‑Creme von Rewe mit einer weiteren Marke einer bekannten Drogerie am besten. Sie erhält als eine von zweien die Note "Gut". Sie hat einen günstigen Preis und verwendet Kakao und Haselnüsse mit Rainforest‑Alliance. Der Zuckergehalt ist wie bei fast allen Cremes erhöht, aber sie weist lediglich Spuren von Mineralölbestandteilen auf. Als Fette werden Palmöl und Rapsöl mit RSPO‑Zertifizierung eingesetzt. Insgesamt hat die Creme keine weiteren Mängel oder Schadstoffe, daher schneidet sie im Durchschnitt am besten ab.
Die Bio Schokocreme Nuss Nougat von dm ist mit „gut“ eindeutig der Test‑Sieger. Die Haselnüsse stammen dabei aus biologischer Landwirtschaft, während bei vielen anderen Aufstrichen auf Nüsse aus der Türkei zurückgegriffen wird. Wer also das Maximum an gesicherter Herkunft haben möchte, der muss auf biozertifizierte Marken wie Rapunzel zurückgreifen, die hier am besten abschneiden.
Ausgewählte Produktdaten (Auszug)
| Produkt | Haselnussanteil | Kakao (%) | Zertifizierung | Mineralöl | Testergebnis Inhaltsstoffe |
|---|---|---|---|---|---|
| Nocciolata (Rigoni di Asiago) | 18,5 % | 6,5 % | Rainforest Alliance/UTZ, Fairtrade | leicht erhöht | ausreichend |
| Dm Bio Schokocreme | 13 % | 5,8 % | Rainforest Alliance/UTZ (Kakao) | Spuren | gut |
| Ja! Nuss‑Nougat‑Creme (Rewe) | (Eigenmarke) | (Angaben: Rainforest Alliance) | Rainforest Alliance | Spuren | gut |
| Nutella (Ferrero) | gering | (Deklaration) | RSPO (Palmöl) | erhöht/stark erhöht | ungenügend |
Tipps für den Einkauf
- Achten Sie auf die Zutatenliste, um die Qualität der Nüsse und den Zuckergehalt zu prüfen.
- Suchen Sie nach Nuss‑Nougat‑Cremes, die mit Fairtrade oder Rainforest Alliance zertifiziert sind, wenn Sie auf soziale Standards achten.
- Wer auf Schadstoffe achten will, sollte Produkte bevorzugen, in denen nur Spuren von Mineralölbestandteilen nachgewiesen wurden.
- Wer einen geringeren Zuckeranteil möchte, greift zu Produkten mit höherem Haselnussanteil oder zu Zartbitter‑Varianten.
- Bewahren Sie Nuss‑Nougat‑Cremes an einem kühlen, trockenen Ort auf und vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung.
Weiterführende Hinweise
Viele Kinder und Erwachsene lieben die süßen Schokoaufstriche; dennoch ist höchste Zeit, sich nach Alternativen umzusehen: Eine zuckerreiche Ernährung fördert Übergewicht und Karies. Sinnvoll kann es daher sein, die Kleinen - wenn überhaupt - direkt an ein Produkt mit hohem Nussanteil zu gewöhnen. Am besten greift man gleich zu einer Biomarke. Ein Blick auf die Zutatenliste entlarvt zudem schnell Firmen, die zusätzlich Aromen beigeben, die allesamt unnatürlich sind - und auch nicht benötigt werden. Hier ist weniger eben mehr.
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