Sarotti Tafelschokolade: Geschichte und Sorten
Sarotti ist eine Schokoladen-Marke, die ihren Ursprung in Berlin im Jahr 1852 hat. Die Geschichte der Firma Sarotti begann 1852 in der Friedrichstraße, damals allerdings noch mit dem Verkauf von importierten Süßwaren.
Gründung und frühe Jahre
Am 16. September 1852 eröffnete Heinrich Ludwig Neumann mit seinem Sohn Louis die Confiseur-Waren-Handlung Felix & Sarotti an der Berliner Friedrichstraße. Heinrich Ludwig Neumann eröffnete 1852 in der Berliner Friedrichstraße ein Geschäft (Felix & Sarotti), wo er zunächst aus Frankreich importierte Pralinen, Fondants, Fruchtpasteten, Konfitüren und Schokolade verkaufte. Hugo Hoffmann (1844-1911), ebenfalls Konditor in Berlin, übernahm 1872 Felix & Sarotti und verkaufte dann auch seine eigenen Produkte unter der Marke Sarotti. Bereits Ende des ersten Jahres konnten zehn Arbeitskräfte beschäftigt werden. Der „Dampf-Chocoladenfabrikant“ Hoffmann erwarb 1872 die an der Kreuzung Friedrichstraße / Mohrenstraße gelegene Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti, die er zuvor beliefert hatte.
Der Betrieb profitierte von dem wirtschaftlichen Aufschwung der Metropole nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und dem wachsenden bürgerlichen Käuferkreis. 1882 eröffnete Sarotti die erste eigene Fabrik am Mehringdamm. 1883 zog es den vormaligen Schokoladenladen aus der Friedrichstraße nach Kreuzberg, hier bekam es auch seinen Markennamen. Um die Ecke ist die bei Touristen so beliebte Bergmannstraße.
Expansion, Tempelhof und Industrialisierung
Aufgrund des großen Erfolgs entstand ab 1911 eine neue Schokoladenfabrik am Teltowkanal. Ein riesiger Fabrikneubau auf einem Areal von fast 50.000 Quadratmetern in der Teilestraße 12/13 in Tempelhof, verkehrsgünstig am Teltowkanal und an der Eisenbahn gelegen, sollte nun Abhilfe schaffen. 1913 wurde die neue Produktionsstätte in Tempelhof mit etwa 2000 Angestellten eröffnet. Durch den automatisierten Betrieb produzierte Sarotti hier bis zu 300.000 Tafeln Schokolade täglich. Besonders hier, in der Tempelhofer Fabrik, wurden zu guten Zeiten, also in den 1920er, 1930er Jahren, täglich an die 300.000 Tafeln versendet.
Von den ursprünglichen Bauten ist jedoch nach einem Brand im Jahr 1922 nur noch wenig erhalten. Der Architekt Bruno Buch plante den Neuaufbau der Fabrikanlage mit seiner gerasterten, modernen Fassade. Die ehemalige Sarotti-Schokoladenfabrik liegt direkt am Teltowkanal. Die Belieferung mit Kakao erfolgte über den Teltowkanal, zum Beispiel aus Hamburg, wo viele Güter aus den damaligen deutschen Kolonien per Schiff ankamen.
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Produkte und Sortimentsentwicklung
Das Produktsortiment reichte von feinen Schokoladenwaren, Pralinen, Kakao, Marzipanerzeugnissen und Fondants bis zu Likören. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage wird das Produktsortiment langsam auf Tafelschokoladen und Pralinen reduziert. Ab den 1970er Jahren reduzierte Nestlé die Sarotti-Produktpalette, die früher auch Kakao, Marzipan, Fondants und Liköre umfasste, auf Tafelschokolade und Pralinen (7-Länder-Spezialitäten).
2006 führte Sarotti Bio Schokolade ein. "Wir produzieren als richtigen Sarotti-Artikel eine Flachtafel hier. 100 Gramm, in mehreren Variationen, Orange, Vollmilch und eine 85-prozentige Santo-Domingo." Manche Leute verbinden das ja, wenn sie Schokolade essen und das lesen, diesen exotischen Namen auch, mit Urlaub, und Träumen von fernen Ländern. Equador, Santo Domingo, Sao Tome, Papua-Neuguinea... da gibt es überall Kakaobohnen.
Markenzeichen: Der Sarotti‑Mohr und seine Kontroversen
In Anlehnung an den früheren Firmensitz in der Mohrenstraße verwendete Sarotti ab 1918 drei Mohren mit Turban und Tablett als Markenzeichen. Anlässlich des fünfzigjährigen Firmenjubiläums, das in die letzten Monate des Ersten Weltkriegs fiel, entwarf Julius Gipkens ein neues Markenzeichen, das drei Mohren mit Tablett zeigte und unter denen der Firmenname in blauer Schreibschrift prangte. 1922 wurden die drei Mohren auf nur noch einen reduziert und als Markenzeichen eingetragen. Die endgültige Variante des Sarotti‑Mohren, die für lange Zeit Bestand hatte, entwarf der Werbegrafiker Julius Gipkens 1922.
Man kennt ihn noch von den alten Bildern, da trägt er ein Tablett, da ist er offensichtlich ein schwarzer Sklave. Man ahnt, die Figur ambivalent, und das macht ihn interessant. Julius Gipkens, damals ein ganz berühmter Reklamekünstler, hat Klischees des schwarzen Dieners mit dem schwarzen Gesicht und mit der Pluderhose und dem Turban aufgenommen, hat schon relativ spät, also 1918, als der Kolonialismus schon längst in die Krise geführt hat, nämlich den Ersten Weltkrieg, diese Figur genommen, und hat sie auf Pralinen, auf Schokoladentafeln gemacht, und hatte damit einen unglaublichen Erfolg.
Als Diener, wie im Fall des Sarotti‑Mohr, Page, Koch, Kellner oder Schuhputzer schrieb man der Figur eine eindeutige subalterne Rolle zu. In der schwarzen Figur mit großem Kopf, kurzen Gliedmaßen und kindlichen Proportionen, bekleidet mit Schnabelschuhen, Pluderhose, bestickter Jacke und Turban, die den Betrachter aus großen runden Augen anblickt und ein Tablett in der Hand haltend voranschreitet, hatte Gipkens mehrere Stereotype miteinander verflochten.
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Ab den 1990er Jahren sah sich die Sarotti AG verstärkt mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. 2004 änderte Stollwerck das Firmenlogo in einen Magier, der, wie es auf der Seite des Unternehmens heißt, „die traditionellen Produkte in einem neuen und modernen Design auf den Markt bringt“. Der Mohr der auch immer wieder umstritten war ist jetzt kein Mohr mehr. Sein Gesicht und seine Hände wurden Gold gefärbt. Statt einem Tablett oder einer Fahne jongliert der Ex‑Mohr jetzt mit Sternen und steht auf einer Mondsichel.
Besitzverhältnisse und Standortverlagerungen
Im Jahre 1929 kauft die Schweizer Aktiengesellschaft für Nestlé-Produkte (heutige Nestlé Schweiz AG) die Aktienmehrheit an der Sarotti AG, die Marke wird aber weiterhin vertrieben und die Bekanntheit von Sarotti weiter gefestigt. Schon in den 1930er Jahren hatte der Schweizer Nahrungsmittelriese "Nestle" das Sagen bei Sarotti. Ab 1971 wurde das wirtschaftliche Überleben der Marke Sarotti durch die Deutsche Nestlé GmbH gesichert.
Da Sarotti allein auf dem nationalen Markt erfolgreich ist, trennt sich die Firma Nestlé, die sich auf Internationalität konzentriert, von dem Mohren. Am 1. Januar 1998 wird die Marke Sarotti von der Stollwerck AG übernommen. Stollwerck wurde 2011 an den belgischen Süßwarenhersteller "Sweet Products / Baronie" verkauft. Nachdem Stollwerck mitlerweile durch Barry Callebaut übernommen wurde, kommt es 2004 erneut zu einem Designwechsel.
Die Sarotti-Produktion wurde daraufhin in das Stollwerck-Werk Berlin‑Marienfelde verlegt. In einem kleinen Werk in Marienfelde wird aber noch immer Schokolade für Stollwerck produziert. Die ehemalige Sarotti-Schokoladenfabrik in Tempelhof produzierte bis zu seiner Schließung 2003 verschiedene Nestlé-Produkte (Chocolate Chips, Nesquik Snacks, Yes Torty). Hintergrund für die Werksschließung war der Umsatzeinbruch beim 1981 eingeführten Kuchenriegel Yes Torty, der ein Drittel der Gesamtproduktion des Werks ausmachte.
Soziale und koloniale Dimensionen
Lange war Schokolade ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten konnten. Erst ab dem 19. Jahrhundert änderten sich mit der kolonialen Expansion auch die Konsumgewohnheiten in Europa. Der direkte Zugang zu Rohstoffen - im Fall von Schokolade: Kakaobohnen, Rohrzucker und Gewürze -, kürzere Transportwege, aber auch neue chemische Verfahren und die zunehmende Mechanisierung der Herstellungsprozesse führten dazu, dass Kakao [...] für breitere gesellschaftliche Gruppen erschwinglich wurde.
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Mit der zunehmenden Verbreitung von Schokolade als Nahrungsmittel gingen große geografische Verschiebungen des Kakaoanbaus einher. Vor 1900 kam Kakao hauptsächlich aus Venezuela, Ecuador und dem brasilianischen Amazonasgebiet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts dominierten der brasilianische Staat Bahia, Trinidad und die Dominikanische Republik den Kakaoanbau. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die portugiesische Inselkolonie São Tomé und Príncipe kurzzeitig zum weltgrößten Produzenten. 1911 übernahm die britische Kolonie Goldküste (Ghana) schließlich eine dauerhafte Führung.
Auszüge aus mehreren Kolonial-Handelsadressbüchern dieser Zeit dokumentieren, dass die "Sarotti Schokoladen- und Kakaoindustrie Aktiengesellschaft" aus Berlin unter anderem "Kamerun-Kakao" verwendete. Sarotti bezog den Rohstoff für die Schokoladenproduktion nach allem, was man weiß, zu einem erheblichen Teil aus Kamerun. Das Land war Anfang des 20. Jahrhunderts unter den deutschen Kolonien die mit dem höchsten Kakao‑Export. Die wirtschaftliche Entwicklung Sarottis, der Aufbau von Reichtum aus Kolonialwaren, ist nur ein mögliches Beispiel für die Ausbeutung der Kolonien des frühen 20. Jahrhunderts.
Arbeitsverhältnisse und Kriegsgeschichte
Die Zahl der Angestellten stieg im Jahr 1889 auf 90 und im Jahr 1893 auf 162. Ungeachtet der großen Ausdehnung des Kreuzberger Fabrikstandorts - 1904/06 kamen die zwei Nachbargrundstücke Belle-Alliance-Straße 82 und 83 und entsprechende Produktionsflächen hinzu - erwies dieser sich um 1910 endgültig als zu klein. Inzwischen war die Zahl der Angestellten und Arbeiter:innen auf 1.800 angewachsen, ein Großteil davon Frauen, die v. a. in der Pralinenherstellung tätig waren.
Während des Zweiten Weltkriegs musste das Unternehmen auf andere Erzeugnisse ausweichen, da die bei Kriegsbeginn vorhandenen Vorräte an Rohkakao nur für kurze Zeit ausreichten. Dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zufolge musste Sarotti 1941 zwar rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Rüstungsindustrie abgeben, bekam dafür aber Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen und Tschechien. Nach dem Krieg verlagerte sich der Hauptsitz schnell von Berlin ins Rheinland.
Erinnerungsorte, Umnutzung und Gegenwart
Die Spuren des Unternehmens sind auch heute noch in der Stadt zu finden. Heute gibt es die süßen "Sarotti-Höfe" noch. Heike ist Kunsthistorikerin, Fachgebiet Architektur. "Und hier in den Höfen, das ist erst mal eine hübsche Gründerzeitschmuckfassade, wird jetzt Dienstleistung produziert. Geht los mit Booking-Agenturen, ein Dojo ist dabei, eine Schnell-Media-GmbH, Thalia ist hier, die UFA hat hier eine Zweigstelle, und eine Holzwerkstatt sind jetzt hier ansässig.
Und weil der Investor ein kluger Mann ist, der stets auf Rendite und Gewinnmaximierung sein Handeln ausrichtet, entging ihm nicht die Bedeutung des Areals. Ergo gibt es einen "Sarotti-Laden" für Touristen. "Natürlich meine geliebten Katzenzungen meiner Kindheit, das sind diese Schokoladenstäbchen, hauchdünn, ja, und dann noch ein paar Tafeln Sarotti-Schokolade. Ist halt sehr auf touristisches Schnickschnack zugeschnitten. Was es aber gibt, das ist das Sarotti-Cafe. Darin kann man Latte trinken, und in dem hinter dem Cafe liegenden Sarotti-Hotel ein Zimmer buchen.
Die alte Fabrik in der Berlin-Tempelhofer Teilestraße war einmal die größte Schokoladenfabrik der Welt. Auf Tausenden Quadratmetern wurde hier die berühmte Sarotti-Schokolade produziert. Jetzt nicht mehr. Jetzt sind die Fenster blind, das Licht diffus. Man muss aufpassen wohin man tritt, in den Fabrikböden sind Löcher. Darin waren die Produktionsanlagen montiert.
Nach und nach belebt sich das alte Sarotti-Werk wieder. Dann machen wir das mal zu hier. Und am Ende der Führung treffe ich einen anderen ehemaligen Sarotti-Mitarbeiter. Andreas Kastner arbeitet jetzt nebenan in einer Baumaschinenfirma.
Tabelle: Wichtige Meilensteine der Sarotti-Geschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1852 | Gründung der Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti |
| 1872-1883 | Übernahme durch Hugo Hoffmann und Umzug an den Mehringdamm (Sarotti-Höfe) |
| 1911-1913 | Bau und Eröffnung des großen Werks in Tempelhof |
| 1918-1922 | Einführung und Registrierung des Sarotti‑Mohren als Markenzeichen |
| 1929 | Mehrheitsbeteiligung durch Nestlé |
| 1998 | Übernahme der Marke durch Stollwerck |
| 2004 | Designwechsel: Sarotti‑Magier ersetzt den Mohren |
| 2006 | Einführung von Bio‑Schokolade |
| 2003-heute | Schließung des Tempelhof‑Werks; Produktion in Marienfelde |
Sarotti war mal ein großer Name: Aus Berlin kam vor und nach dem zweiten Weltkrieg einer der größten Schokoladenhersteller Deutschlands. In Erinnerung an die Gründungsstätte an der damaligen Berliner Mohrenstraße entstand im Jahr des 50. Jubiläums 1918 der Sarotti‑Mohr als Markenfigur. Viele Menschen, die die Sarotti-Figur noch aus ihrer Kindheit kennen, verbinden sie noch heute mit sehr positiven Erinnerungen, sagt Johanna Strunge. Die Marke Sarotti nutzt ihre alte Figur offiziell seit spätestens 2004 nicht mehr - zumindest nicht als Hauptlogo.
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