Zuckersucht: Ursachen und Behandlungsmethoden
Ihr habt ständig Lust auf Süßes und könnt dieses Verlangen partout nicht abstellen? In diesem Blogbeitrag teilen wir schrittweise Maßnahmen und hilfreiche Tipps, um eine im wahrsten Sinne des Wortes gesündere Beziehung zu Zucker aufzubauen.
Was versteht man unter Zuckersucht?
Über Zuckersucht spricht man, wenn ein ständiger Wunsch nach Süßigkeiten erzeugt wird.
Es ist bekannt, dass wie Zigaretten oder Drogen auch Zucker süchtig machen kann.
Die Symptome des starken Verlangens nach etwas Süßem lassen sich durchaus mit anderen Suchterkrankungen vergleichen: starkes Verlangen, mangelnde Selbstkontrolle und der Bedarf immer größerer Mengen.
Man spricht von einer Sucht, sobald man von einem bestimmten Stoff abhängig ist und nicht mehr auf ihn verzichten kann.
Lesen Sie auch: Bio-Bauer Gottfrieds Lieblingskuchen zum Nachbacken
Biologische und hormonelle Ursachen
Das Belohnungssystem im Gehirn setzt Dopamin frei.
Bei Dopamin handelt es sich sowohl um ein Hormon als auch um ein Neurotransmitter im Nervensystem.
Seine Eigenschaft ist im Zusammenhang mit Zucker als belohnende Wohlfühlsubstanz essentiell.
Ein Wohlgefühl wird bei dem Genuss eines Schokoriegels hervorgerufen.
Schnell entsteht der Wunsch, dieses Gefühl noch einmal zu erleben.
Lesen Sie auch: Fanta Lemon Zucker: Was Sie wissen sollten
Nach einiger Zeit gewöhnt sich der Körper jedoch an die Menge. Um ein ähnliches Gefühlslevel wie zuvor zu erreichen, muss der Körper immer mehr Zucker aufnehmen.
Der Serotoninspiegel fällt und steigt analog zu dem Blutzuckerspiegel.
Da das Hormon Serotonin für gute Laune sorgt, fühlt man sich bei niedrigem Serotoninspiegel unzufrieden, gereizt und lustlos.
Beim Essen von zuckerhaltiger Nahrung sind unterschiedliche Prozesse involviert. Der Geschmack süß wird in den meisten Fällen als positiv empfunden.
Über eine Reihe von Abläufen werde im Gehirn daraufhin das sogenannte Belohnungssystem aktiviert.
Lesen Sie auch: Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit von zuckerfreiem Chocomel
Ähnlich wie beim Konsum von Alkohol oder Drogen oder auch beim Sex, verursache es vor allem über den chemischen Botenstoff Dopamin ein angenehmes Gefühl.
Damit steige die Motivation, dieses Gefühl wiederholen zu wollen.
Der Blutzuckerspiegel: Nach dem Verzehr von Zucker schießt er in die Höhe und verursacht eine kurzfristige Energieexplosion. Doch was hochgeht, muss auch wieder fallen, und zwar schnell und hart.
Der abrupte Abfall des Blutzuckerspiegels führt zu einem Energiemangel, der uns wieder zum Süßigkeitenschrank treibt.
Der Blutzucker steigt bereits innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten nach oben, wenn man einen Riegel Schokolade isst.
In derselben Geschwindigkeit schüttet die Bauchspeicheldrüse sehr viel Insulin aus. Anschließend sinkt der Blutzuckerspiegel sehr schnell wieder nach unten.
Das Gehirn reagiert auf diesen starken Zuckerabfall sehr empfindlich und ein bohrendes Hungergefühl setzt ein.
Es ist das Gehirn, das süchtig ist, denn es schaltet den freien Willen aufgrund einer „Energiekrise“ aus.
Weitere biologische Mechanismen: Insulin, Leptin, Ghrelin, Cortisol
In Belastungssituationen wird vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, das den Blutzuckerspiegel reguliert.
Das geschieht, indem es dafür sorgt, dass aus den körpereigenen Reserven immer ausreichend Glukose zur Verfügung steht.
Der erhöhte Insulin- und Cortisolwert sorgt kurzzeitig für eine Konzentration auf die eine Aufgabe. Aufgrund des Dopaminanstiegs, ist auch die Laune gut.
Befindet man sich jedoch unter Dauerstress, wirkt der niedrige Serotoninspiegel.
Schlafmangel kann nachweislich zu einem erhöhten Ghrelinspiegel führen, der das Hungergefühl verstärkt. Gleichzeitig sinkt der Leptinspiegel, sodass das Sättigungssignal schwächer ausfällt.
Das führt dazu, dass wir besonders Lust auf schnelle Energiequellen wie Süßigkeiten bekommen.
Bewegungsmangel trägt ebenfalls dazu bei, dass die Hormonbalance gestört wird. Regelmäßige Bewegung hilft, die Leptinempfindlichkeit zu verbessern und den Ghrelinspiegel zu senken.
Darm, Mikrobiom und Zuckerhunger
Nun kommen wir zu einem unerwarteten Verbündeten im Zuckerkomplott - unserem eigenen Darmmikrobiom.
Bestimmte Darmbakterien lieben Zucker und sorgen dafür, dass wir Heißhunger auf Süßes haben. Sie senden Signale an unser Gehirn, um mehr Nachschub zu fordern.
Stoffwechselprodukte der Darmbakterien gelangen in den Blutkreislauf, überqueren die Blut-Hirn-Schranke und sprechen direkt mit dem Gehirn.
Andere Bakterien stoßen Hormone durch endokrine Zellen im Darm aus, wie GLP-1, das durch den Blutkreislauf bis ins Gehirn tuckert.
In den Zellen der Darmschleimhaut gibt es spezielle „Antennen“ oder Rezeptoren für freie Fettsäuren, die als Ffar4-Rezeptoren bekannt sind.
Wissenschaftler haben entdeckt, dass diese Rezeptoren eine Verbindung zu unserer Vorliebe für Zucker haben. Bei Mäusen und Menschen mit Diabetes ist die Anzahl dieser Rezeptoren im Darm geringer, was zu höherem Blutzucker und mehr Verlangen nach Zucker führt.
Interessanterweise spielt das Bakterium Bacteroides vulgatus hier eine wichtige Rolle. Dieses Bakterium produziert Pantothensäure (Vitamin B5), die den Zuckerhunger reduziert, besonders bei Mäusen, denen der Ffar4-Rezeptor fehlt.
Gesundheitliche Folgen und Stoffwechselstörungen
Negativ auf das Körpergewicht und die Gesundheit wirkt sich ein überdurchschnittlich hoher Verzehr von Süßwaren/Zucker aus, was bis zur Zuckersucht führen kann.
Die Mitochondrien in den Zellen überhitzen bei permanenter Zuckerzufuhr. Bei Mitochondrien spricht man von den „Batterien der Zelle“, da sie der Zelle Energie in Form von ATP beschaffen.
Auf die Überzuckerung reagieren die Zellen mit einer Immunität gegenüber Insulin. Das führt zum Verbleib des Zuckers im Blut. Außerdem wird die Insulinproduktion von der Bauchspeicheldrüse erhöht. Dieser Prozess erfolgt schleichend.
In den Fettzellen wird zuerst die überschüssige Energie für schlechte Tage gespeichert. Das Problem daran: Die schlechten Tage treten nie ein. Anschließend mutieren die Fettzellen zu Hormondrüsen, die den Körper mit krankmachenden Hormonen überfluten.
Das führt zu einer Überforderung des Gehirns. Es kann außerdem zu einer Leptinresistenz kommen.
Zunächst äußert sich die Zuckerstoffwechselstörung durch leicht erhöhte/verminderte Harnstoff-, Ferritin- und Blutbildwerte.
Verbreitung und versteckter Zucker
Der durchschnittliche, jährliche Zuckerkonsum pro Person in Deutschland liegt bei etwa 35 bis 40 Kilogramm.
Der größte Anteil des täglich verzehrten Zuckers befindet sich in den gekauften Produkten aus dem Supermarkt.
Besonders in der Kombination mit Fett und Salz werden unsere Sinne getäuscht.
Noch immer sind Lebensmitteltechniker auf der Suche nach dem idealen „Bliss Point“, also die optimale Konzentration von Zucker, Salz und Fett.
Eine Portion fertige Tomatensuppe enthält 75% des täglichen Salzbedarfs und etwa 3,5 Teelöffel Zucker.
In Getränken verstecken sich rund 20 bis 30 Gramm Zucker. Ob es sich nun um einen Fruchtsaft, ein Glas Wasser mit Geschmack oder eine Limonade handelt, alle enthalten Zucker.
In den Zutatenlisten versteckt sich Zucker hinter zahlreichen Bezeichnungen, wie Saccharose, Lactose, Fruktose(-sirup), Fruchtzucker, Glucose(-sirup), Traubenzucker, Invertzucker(-sirup), Dextrose oder (Malto)-Dextrine.
Die WHO empfiehlt eine maximale Zuckermenge von 30 Gramm am Tag, zuzüglich des versteckten Zuckers.
tags: #Zuckersucht #Ursachen #und #Behandlungsmethoden


