Stiftung Warentest Pralinen Testbericht

Die Verführungs­kraft der Praline ist enorm. Allein beim Anblick der glänzenden, verzierten Schoko­laden­bissen ist es um manches Lecker­maul geschehen. Steigt noch der Duft von Kakao, Mandel und Vanille in die Nase, will man nur eins: hinein­beißen.

Was wurde geprüft und wie wurde getestet?

Im Test: 22 Pralinen­packungen - 10 mit Marzipan, 12 mit Nougat (darunter ein Bioprodukt); eine Besonderheit: Nougathappen ohne Schokolade. 6 Produkte kauf­ten wir lose an der Theke und, soweit verfügbar, mit Geschenk­verpackung. Unsere Produkt­auswahl haben wir auf Packungen mit einer Sorte Marzipan- oder Nougatpralinen beschränkt. So kommt es, dass nicht alle namhaften Hersteller im Test vertreten sind.

In Anlehnung an die Methoden der ASU nach Paragraf 64 LFGB beschrieben 5 geschulte Prüf­personen Aussehen, Geruch, Geschmack/Nachgeschmack und Mund­gefühl der auf 18 Grad Celsius temperierten Pralinen und erfassten auch Fehler. Jeder Prüfer beschrieb die anonymisierten Proben unter gleichen Bedingungen. Auffällige Produkte wurden mehr­fach verkostet. Bei der Verkostung haben die geschulten Prüf­personen den Schoko­laden­über­zug als Erstes und getrennt verkostet, dann die Füllung und im Anschluss die Praline im Gesamten.

Die Prüfer beschrieben Aussehen, Geruch, Geschmack, Nachgeschmack und Mund­gefühl - auffällige und fehler­hafte Produkte mehr­mals. Abweichende Ausprägungen stuften die Prüfer je nach Art und Intensität als Fehler ein. Auffällige Produkte wurden mehr­fach verkostet. Gute Noten vergaben wir, wenn die Praline ausgewogen schmeckte, weder die Füllung noch die Schokolade im Vordergrund stand und die Süße nicht dominierte.

Wir prüften das Gesamt­produkt auf Aflatoxine (B1, B2, G1, G2), angelehnt an DIN-EN-ISO-Verfahren, auf Kadmium und Ochratoxin A in Anlehnung an DIN-EN-Verfahren. Angelehnt an IOCCC-Methoden untersuchten wir: Gesamt­keimzahl, E. coli, Salmonellen, Schimmelpilze und osmotolerante Hefen. Für die Bestimmung typischer Inhaltsstoffe und ernährungsrelevanter Parameter wurden Schokolade, Füllung und Gesamtprodukt präparativ getrennt und gemäß oder in Anlehnung an ASU-Methoden Trockenmasse/Wasser­gehalt, Asche, Rohprotein, Gesamt­ballast­stoffe, Gesamt­fett, Natrium sowie Zucker und flüchtige Aroma­stoffe ermittelt.

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Für Schokolade bestimmten wir Gesamt­fett, Buttersäure­methylester/Milch­fett, Saccharose, Laktose, Methylxanthine (Koffein, Theobromin), Fett­säurespektrum und Milch­eiweiß. Bei Marzipan­füllungen untersuchten wir zusätzlich Rohprotein; Glukosesirup und Ethanol enzymatisch; Sorbit und Benzaldehyd jeweils per HPLC; Blausäure fotome­trisch; Aprikosenkerne mittels PCR. In Nougatfüllungen bestimmten wir unter anderem Haselnuss­anteil per LC/MS sowie Methylxanthine.

Drei Experten prüften Produkt­schutz, Originalitäts­sicherung, Öffnen, Entnehmen, Wieder­verschließen, Recycling­hinweise und Materialkenn­zeichnung. Drei Experten prüften nach lebens­mittel­recht­lichen Vorschriften, ob die Kenn­zeichnung voll­ständig und richtig ist und mit den Analyse­ergeb­nissen über­einstimmt. Zur Über­prüfung der Deklarations­angaben wurden die Schokolade und die Füllung präparativ getrennt.

Bewertungskriterien und Gewichtung

  • Sensorik (Aussehen, Geruch, Geschmack, Mundgefühl) - besonders wichtig und mit 60 Prozent prominent in der Gesamtwertung.
  • Schadstoffe (z. B. Kadmium, Aflatoxine, Mineralöle) und mikrobiologische Sicherheit.
  • Verpackung, Produkt­schutz und Handhabung (Öffnen, Entnehmen, Wiederverschließen).
  • Deklaration und Kennzeichnung nach lebensmittelrechtlichen Vorschriften.

Das test-Qualitäts­urteil konnte maximal eine halbe Note besser sein als die sensorische Beur­teilung. Bei mangelhafter Deklaration war das test-Qualitäts­urteil maximal eine halbe Note besser. War die Verpackung mangelhaft, lautete auch das test-Qualitäts­urteil mangelhaft. Abwertungen führen dazu, dass sich Produktmängel verstärkt auf das Qualitäts­urteil auswirken. Sie sind in Tabellen mit einem Stern­chen gekenn­zeichnet.

Ergebnisse: Sensorik, Schadstoffe, Kennzeichnung

Viele der Pralinen im Test bereiten kulinarische Freude. Gleich zehn Test­kandidaten sind in Aussehen, Geruch, Geschmack und Mund­gefühl sehr gut - etwas Besonderes in unseren Lebens­mittel­tests. Hervorzuheben sind die Marzipan­pralinen von Nieder­egger, die Nougatpralinen von Fass­bender & Rausch sowie Leysieffer und die Nougathappen von Erasmi - diese vier erreichen in der sensorischen Beur­teilung die Note 1,0. Zwölf Produkte schneiden gut ab.

Bei den sensorischen Bestnoten gab es Plus­punkte für einen kräftigen, vielseitigen Kakao­geschmack und einen zarten Schmelz der Schokolade. Wichtig ist das Knacken der Schokolade. Das erreicht nur, wer den Schoko­laden­guss sanft abkühlen lässt. Das Nougat musste gleich­mäßig cremig sein und kräftig nach gerösteten Haselnüssen schme­cken. Gute Noten vergaben die Tester, wenn die Praline ausgewogen schmeckte, weder die Füllung noch die Schokolade im Vordergrund stand und die Süße nicht dominierte.

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Keime waren kein Problem - ebenso wenig Kadmium, das Kakao­pflanzen aus vulka­nischen Böden aufnehmen können, und poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, die sich etwa beim unsachgemäßen Trocknen der Kakao­bohnen bilden können. Allerdings gab es auch deutliche Mängel.

Die Riesen­packung entpuppte sich beim Auspacken als Mogel­packung. Fast alle Hersteller halten die Vorgabe der Kakao­ver­ordnung ein, nach der der Schoko­laden­anteil mindestens 25 Prozent betragen muss. Bei den Pralinés von Halloren wiesen die Tester jedoch nur 19 Prozent Schoko­laden­umhüllung nach. Ob die übrigen 6 Prozent in der Füllung stecken, lässt sich im Labor nicht nach­weisen.

Mehrere edel wirkende Pralinen von der Theke enttäuschten, weil ihre Kenn­zeichnung fehlte oder unvoll­ständig war. Besonders negativ fielen die Marzipan­pralinen des belgischen Königs­hauslieferanten Godiva auf. Bei ihnen wiesen die Tester den Konservierungs­stoff Sorbinsäure (E 200) nach - und das nicht nur in Spuren. In der Zutaten­liste, nach der am Godiva-Stand gefragt wurde, tauchte der Stoff nicht auf. Die Konservierung einer Marzipan­füllung ist unüblich, aber erlaubt - wenn sie angegeben wird. Verbraucher wollen wissen, was sie serviert bekommen. Mangelhaft.

Die losen Marzipan­pralinen von Bandy Brooks waren deutlich mit Mineral­ölen belastet. Diese Schad­stoffe sorgten schon 2012 in Advents­kalendern für Aufsehen. Wie damals stießen die Tester auch jetzt auf zwei Gruppen: sogenannte MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) und MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). MOSH gelten als kritisch, da sie sich im Körper anreichern können. Noch kritischer sind MOAH, aromatische Mineralöle, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Die Bandy-Brooks-Pralinen sind mangelhaft.

Die Prüfung ergab: Bei Bandy Brooks liegt das Problem in der Geschenk­verpackung. Aus dem dick­wandigen Recycling­karton dünsten Mineralöle aus oder gehen durch Kontakt auf die Pralinen über. Im Karton fanden die Tester Gehalte an MOSH und MOAH, die für recyceltes Papier typisch sind. Bis heute gibt es keine gesetzlichen Grenz­werte für Mineralöle. Frei von Mineralöl waren nur die Pralinen von Arko. Viele Hersteller nutzen heute Packungen aus Frisch­faser anstelle von Recycling­karton - ein wichtiger Schritt.

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Empfohlene Produkte aus dem Test (Auswahl)

Produkt Eigenschaft / Kommentar Bewertung
Lindt Lindor-Kugeln Vollmilch Vollmilch-Kugeln, sehr guter Geschmack Sehr gut
Epralinchen belgische Pralinen Große Stückzahl, sehr guter Geschmack Sehr gut
Niederegger Marzipan Herzen Hervorragendes Marzipan Sehr gut
CHOCOLISSIMO ChocoGrande Pralinenbox Elegante Holzschachtel, edle Zutaten Sehr gut
Lindt Pralinen Hochfein - 120g Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis Sehr gut
Manner Austria Mozartkugeln Klassischer Geschmack Sehr gut
Nestlé After Eight Mint Pfefferminz-Variation Sehr gut
Reber Echte Reber Mozart-Kugeln Traditionelles Produkt Gut

Praktische Hinweise für Käufer

  • Wer richtig viel Marzipan möchte, muss auf die Produktbezeichnung achten: Klassische „Marzipan“-Produkte bestehen zur Hälfte aus Marzipan­rohmasse und Zucker.
  • Die Nougatfüllung kann flüssig oder fest sein; klassische Nuss­nougatmasse enthält höchstens 50 Prozent Zucker und mindestens 30 Prozent Fett. Sahne-Nougat hat mindestens 5,5 Prozent Milch­fett.
  • Der Begriff „Gianduja“ ist nicht geregelt, also Achtung bei Werbeaussagen.
  • Pralinen von der Theke: Lassen Sie sich die Kennzeichnung zeigen und prüfen Sie Zutatenliste und Allergenhinweise - fehlende Angaben sind ein No‑Go.
  • Bei Geschenkpackungen aus Recyclingkarton besteht das Risiko von Mineralölübertragungen; Frischfaserverpackungen sind sicherer.

Hintergrund: Geschichte und Herstellung

Erzäh­lungen zufolge kreierte Clément Jaluzot im 17. Jahrhundert für seinen Herrn, den Grafen von Plessis-Praslin, ein Konfekt aus Mandeln und karamellisiertem Zucker und benannte es ihm zu Ehren „Praline“. Pralinen selbst machen: In spezialisierten Süßwaren­geschäften und übers Internet gibt es vorgefertigte Schoko­laden­hohlkörper zu kaufen, die man zuhause selbst mit einer so genannten „Ganache“ füllt. Die Ganache besteht in der Regel aus einer bestimmten Menge Sahne, Flüssig­keit (wie zum Beispiel Alkohol, Saft, Sirup), Gewürzen (wie Ingwer, Chili, geriebene Vanilleschote oder Orangenschale) und geschmolzener Schoko­laden­kuver­türe.

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Allgemeine Beobachtungen und Fazit zu Qualität und Transparenz

Viele Hersteller werben mit Begriffen wie „Edel“ und „erlesen“. Ob die Erwartungen erfüllt werden, zeigt der Test: Einige Produkte überzeugen sensorisch und analytisch, andere enttäuschen durch mangelhafte Kennzeichnung oder Schadstoffbelastungen. Insgesamt können Naschkatzen aus einem breiten Angebot wählen: Zwölf Produkte schneiden gut ab, zehn Produkte schneiden in der sensorischen Beurteilung sogar sehr gut ab. Allerdings führen unvollständige Deklaration oder belastete Verpackungen zu deutlichen Abwertungen.

Sensorische_Prüfung_von_Pralinen

Pralinen zu untersuchen ist eine komplexe Aufgabe, denn typische Inhalts­stoffe wie Zucker, Fett und Kakao wandern zwischen Hülle und Füllung. Um verlässliche Aussagen treffen zu können, mussten die Einkäufer der Stiftung Warentest pro Produkt etwa 30 Packungen besorgen. Die Tester untersuchten nicht nur Geschmack, sondern auch Schadstoffe, Hygiene und Kennzeichnung - eine umfassende Prüfung, die Verbrauchern echte Orientierung liefert.

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