Schokoriegel und Milchglas: Ein kritischer Blick auf Gesundheit und Marketing
Die Lebensmittelindustrie ist bekannt für ihre ausgeklügelten Marketingstrategien, die oft darauf abzielen, Produkte gesünder erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Besonders bei Schokoriegeln und Milchprodukten, die sich an Kinder und Jugendliche richten, ist Vorsicht geboten. Dieser Artikel beleuchtet einige gängige Täuschungen und gibt Tipps, wie man sich im Supermarkt besser zurechtfindet.
Irreführung bei Lebensmitteln: Eine Einführung
"Im Grunde weiß doch der Verbraucher bei den Lebensmittelprodukten ebenso wenig wie bei den Finanzprodukten, was er kauft", so Thilo Bode, Gründer von Foodwatch. Diese Aussage verdeutlicht die Problematik: Oft sind wir als Konsumenten schlecht informiert und anfällig für die Versprechungen der Lebensmittelindustrie. Viele Menschen zerbrechen sich eher den Kopf darüber, mit welchem Sprit sie ihr Auto tanken, als darüber, welchen Sprit sie sich selbst zuführen.
Die Macht des Marketings: Sportler und Glücksversprechen
Sportler sind oft Werbegesichter für Produkte, die alles andere als sportlich sind, wie Kartoffelchips und Schokolade. Gerade bei Kindern und Jugendlichen genießen die Idole großes Vertrauen, weshalb das Ganze noch kritischer zu sehen ist. Foodwatch kritisiert beispielsweise Müllermilch, deren Schoko-Drink pro Flasche etwa 15 Stück Würfelzucker enthält.
Auch Glücksversprechen sind beliebt. Kekse, die angeblich glücklich machen und als Mittagessen-Ersatz dienen sollen, sind in Zeiten von Übergewicht und Diabetes kritisch zu sehen.
Regionale Herkunft: Mehr Schein als Sein?
Mit dem Kauf heimischer Produkte glaubte ich lange Zeit Unternehmen aus der Region zu unterstützen. Doch der Name kann sich auf die Rezeptur, die Herstellung oder die Herkunft der Rohstoffe beziehen. Sachsenmilch Speisequark kann trotzdem Milch aus Bayern enthalten. "Schwarzwälder Schinken" muss nicht heißen, dass das Schwein aus dem Schwarzwald kommt.
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Rechentricks und Portionsgrößen
Ein Lebensmittel enthält viel Zucker oder Fett? Dann machen wir einfach die Portionen kleiner! Nährwertangaben pro Portion auf der Verpackung täuschen darüber hinweg, wie ungesund ein Produkt ist. Kaum jemand schüttet sich beispielsweise nur 40 Gramm von seinen Frühstücksflocken in die Schüssel. Außerdem wird immer die Milch vernachlässigt, welche die meisten Verbrauchen aber verwenden dürften.
Auch Prozentangaben können irreführend sein. Fruchtgummi mit 35 Prozent Fruchtanteil in der Füllung klingt gut, aber die Füllung macht nur 12,3 Prozent des Produkts aus. Wir reden also von 4,3 (statt 35) Prozent Fruchtanteil. Ein Schokoladenpudding mit 75 Prozent Kakao? Gemeint sind 75 Prozent Kakaoanteil in der Schokolade, die aber nur 2,5 Prozent des Puddings ausmacht. Wir sprechen also von 1,875 Prozent Kakao.
Brot und Brötchen: Frische und Farbe
"Frisch gebacken" heißt nicht unbedingt, dass ein weißbemützter Bäcker des nachts mit Liebe den Teig geknetet hat. Oft kommen Teiglinge u. a. aus Polen, haben dort monatelang tiefgekühlt gewartet, um in deutschen Backshops "frisch" aufgebacken zu werden. Damit der Teig sich in Fabriken gut verarbeiten lässt und nicht am Fließband kleben bleibt, werden viele Zusätze verwendet.
Auch die Farbe von Brot kann täuschen. Dunkel heißt schließlich gesund, oder? Fehlanzeige. Seit ich von der Färberei erfuhr, riskierte ich fortan einen Blick auf die Zutatenliste und fand dort stets: Zuckerrübensirup, Karamellsirup, Malzextrakt oder Röstmalz.
Light-Produkte: Weniger Fett, mehr Zusätze
Light-Produkte sollen fett- bzw. zuckerarm sein. Dafür enthalten sie viele Zusätze, um trotzdem gut zu schmecken. Irgendwo muss das Aroma herkommen, denn ohne Fett fehlt ein wichtiger Geschmacksträger. Ein fettarmer Light-Joghurt wird daher auch mal mit Zucker aufgefüllt. Geschmacksverstärker und andere chemische Zutaten erledigen den Rest. "Light" bedeutet dann zwar fettarm, aber trotzdem kalorienreich und unnatürlich.
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Die Industrie verwendet auch Süßstoffe oder Wasser mit Bindemittel, um die Produkte schmackhaft zu machen. Teilweise werden sie mit Luft oder Stickstoff aufgeschlagen, um das Volumen zu vergrößern.
Auch bei Frühstücksflocken und Müslis gibt es viele Täuschungen. „Zuckerfreie, -arme und -reduzierte“ Produkte klingen zwar nach einem guten Deal, doch gesund sind sie nicht unbedingt. Für den Claim “weniger süß” gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. „Reduzierter Zuckergehalt” heißt 30 Prozent weniger Zucker als in vergleichbaren Produkten. Bei 40 Prozent Zucker im Ausgangsprodukt liegt der Zuckeranteil in der zuckerreduzierten Version aber immer noch über dem Durchschnitt.„Zuckerarm” bedeutet immer noch bis zu 5 Prozent Zucker. Glukosesirup wird dabei nicht mitgezählt und wird so versteckt. „Mit Süße aus Früchten” klingt gesund. Dahinter verbirgt sich Fruktose.
Snacks und Milchprodukte: Die Extra-Portion Zucker
Snacks und Fertiggerichte mögen auf den ersten Blick dank eines raffinierten Serviervorschlags gesund anmuten. Langfristig machen sie krank und süchtig. Fertigessen schmeckt nicht zufällig gut. Es ist die Mischung aus Fett, Zucker und Salz, die lecker ist und bei der du schwer wieder aufhören kannst.
Ein malerisches Milchglas auf der Verpackung muss noch lange nichts heißen. Die ZDF-Doku “Wie gut ist unsere Milch?” zeigt, dass der Milchanteil eines Snacks gerade bei Kinderprodukten beschönigt wird. Experten sprechen daher von Verbrauchertäuschung, schließlich sei die ausgewiesene Zutat Milch nur in geringen Anteilen enthalten. Immerhin den Kinderriegel bewirbt Ferrero seit 2012 nicht mehr mit der “Extra-Portion Milch”, da sie scheinbar eingesehen haben, dass es Quatsch ist!
Milchschnitte warb mit „Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch.“ Foodwatch protestierte, denn der Snack besteht zu 60 Prozent aus Fett und Zucker. Von leicht könne keine Rede sein.
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Auch bei Erdbeerjoghurt ist Vorsicht geboten. Ein Becher enthält oft weniger als eine Erdbeere. Bei einem Test kamen nur wenige Joghurts ohne Aromazusatz aus und “für alle aromatisierten Erdbeerjogurts gilt: Mit echtem Erdbeeraroma hat ihre frei komponierte Mischung weniger Aromastoffe wenig zu tun”.
Tipps für den Einkauf: Wie man sich besser schützt
- Nährwertangaben pro 100g statt pro Riegel oder pro Portion beachten: So lassen sich Produkte besser vergleichen.
- Zutatenliste genau lesen: Von Sirup und anderen Zusätzen nicht täuschen lassen.
- Produkte aus der Region bevorzugen: Aber hinterfragen, woher die Zutaten wirklich kommen.
- Light-Produkte meiden: Sie enthalten oft viele Zusätze und sind nicht unbedingt gesünder.
- Fertiggerichte und Snacks reduzieren: Sie enthalten oft viel Zucker, Fett und Salz.
- Echte Lebensmittel bevorzugen: Selbst kochen und frische Zutaten verwenden.
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