Warum Schokolade so teuer ist: Eine Analyse der steigenden Preise
Beim Gang durch den Supermarkt bemerken viele Konsumenten, dass Schokolade, einst ein erschwingliches Vergnügen, deutlich teurer geworden ist. Eine Tafel Ritter Sport Schokolade kostet mittlerweile fast 2 Euro. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für diesen Preisanstieg und untersucht die Auswirkungen auf verschiedene Schokoladenprodukte.
Kakaopreise im Höhenflug: Die Rohstoffknappheit
Einer der Hauptgründe für die gestiegenen Schokoladenpreise ist die Knappheit von Kakao. Kakaorohware, einschließlich Kakaobohnen, Kakaobutter und Kakaopulver, kostet an den internationalen Rohstoffbörsen bis zu 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Missernten und Ernteausfälle, verursacht durch Pilzerkrankungen und ungünstige Wetterbedingungen, haben das Angebot des begehrten Rohstoffs reduziert. Auch Spekulationen an den Rohstoffbörsen tragen zu schwankenden Kakaopreisen bei.
Eike Wagner, Produktmanager bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) und Marktexperte für Agrarrohstoffe, fasst die Situation auf dem Kakaomarkt wie folgt zusammen: "Die Situation auf dem Kakaomarkt bleibt angespannt. Die Preise zeigen sich äußerst volatil, was durch den spekulativen Terminhandel an den Börsen in New York und London noch verstärkt wird. Die Zwischenernte in den wichtigen Anbaugebieten Westafrikas ist aktuell in vollem Gange, doch ihre Entwicklung, sowohl qualitativ als auch quantitativ, ist stark von den Niederschlagsmengen in der Region abhängig, was sich unmittelbar auf die Preise am Markt auswirkt. Die konventionellen Lagerbestände, welche von der Börse ICE überwacht werden, sind zuletzt gestiegen, was zu einem kurzfristigen Preisrückgang führte. Dennoch bleiben die strukturellen Versorgungsengpässe bestehen. Der Markt ist grundsätzlich knapp versorgt - vor allem während der Erntephasen sinken die Preise temporär, ohne dass sich die Gesamtlage nachhaltig entspannt. Zudem ist unklar, inwieweit die aktuelle Preisentwicklung tatsächlich an die nachgelagerten Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer weitergegeben werden. Insgesamt ist eine deutliche Entspannung vorerst nicht in Sicht.“
Betroffene Schokoladensorten und Produkte
Besonders betroffen von den Preiserhöhungen ist die Marke Ritter Sport. Eine reguläre Tafel kostet bei Edeka, Kaufland und Norma inzwischen 1,89 Euro, was einer Steigerung von 27 Prozent entspricht. In einigen Edeka-Filialen liegt der Preis sogar bei 1,99 Euro. Die Nussklasse der Marke kostet bereits 2,19 Euro oder sogar 2,29 Euro. Andere Konzerne wie Mondelez (Milka), Mars, Ferrero, Lindt und Nestlé könnten dem Beispiel von Ritter Sport folgen und ihre Preise ebenfalls anheben.
Auch Schoko-Weihnachtsmänner sind von den steigenden Preisen betroffen. Der 70 Gramm schwere Lindt Schoko-Weihnachtsmann kostet jetzt 3,19 Euro (+7 Prozent), im letzten Jahr waren es noch 2,99 Euro. Für den Milka Schoko-Weihnachtsmann (45 Gramm) werden aktuell 1,39 Euro (+8 Prozent) verlangt, 2023 waren es 1,29 Euro.
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Betrachtet man die Preisentwicklung über einen längeren Zeitraum, so sind drastische Steigerungen zu verzeichnen. So ist beispielsweise der Preis für den Weihnachtsmann von Milka (100 Gramm) von 1,79 Euro in der Weihnachtszeit 2019 auf aktuell 2,49 Euro (90 Gramm) gestiegen - ein Plus von 55 Prozent. Der Weihnachtsmann von Lindt (125 Gramm) verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 35 Prozent.
Langfristige Preisentwicklung und Vergleich
Die Preisaufschläge für herkömmliche Schokoladentafeln fallen ebenfalls überdurchschnittlich hoch aus. Der Preis für eine Tafel Milka-Schokolade ist in den 14 Jahren von 2011 bis 2024 um 67 Prozent gestiegen. Die Edel-Vollmilch von Ritter Sport kletterte im Preis um 112 Prozent nach oben und der Preis für eine Tafel Voll-Nuss sogar um 146 Prozent.
Die Rolle der Kakaobauern und des Handels
Obwohl die Kakaopreise gestiegen sind, hat sich die Situation für viele Kakaobauern kaum verbessert. In Ländern wie Ghana wird der Kakaopreis staatlich festgelegt, sodass Kleinbauern oft wenig von den globalen Preissteigerungen profitieren. Zudem verfügen Großkonzerne über langfristige Lieferverträge, sodass der Preisanstieg bei den Bauern erst mit Verzögerung ankommt. Die aktuelle Situation kann für viele Kakaobauern existenzbedrohend sein.
Wichtig für kleine landwirtschaftliche Betriebe sind stabile Mindestpreise und verlässliche Lieferbeziehungen, die nachhaltige Anbaumethoden honorieren. Nachhaltigkeitslabel wie das von Rainforest Alliance bewirken laut NGOs jedoch häufig nur minimale Verbesserungen für die Bauern.
Bekannte Marken haben eine starke Position im Lebensmitteleinzelhandel, obwohl die Marktmacht der wichtigsten Händler enorm ist. Die vier größten Handelsunternehmen in Deutschland haben zusammen einen Marktanteil von weit über 80 Prozent. Produkte von großen Herstellern wie Mondelez (Milka), Nestlé, Ferrero und Ritter Sport dürfen in Supermärkten nicht fehlen, was diesen Firmen eine bessere Verhandlungsposition verschafft.
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Strategische Überlegungen und Marktumfeld
Viel größeren Einfluss auf die Preisgestaltung haben strategische Überlegungen zu Schwellenpreisen, Preisgefüge und Marktumfeld (z.B. der Preisabstand zu Wettbewerbern) sowie die Analyse der Zahlungsbereitschaft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, um diese möglichst voll auszuschöpfen.
Interessant ist, dass der Kakaopreis in den 2010er Jahren im Durchschnitt lange auf gleichem Niveau verharrte, die Verkaufspreise für eine Tafel Schokolade aber deutlich stiegen. Die Rohstoffkosten für Kakao machen nur einen kleinen Teil des Verkaufspreises von Schokolade aus. Expertinnen und Experten schätzen, dass lediglich etwa 7 Prozent des Preises einer Tafel Schokolade den Kakaobauern zugutekommen.
Auswirkungen auf Produktion und Konsumenten
Die hohen Preise für Kakao bekommen auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zu spüren. Nach Daten des Statistischen Bundesamts erhalten sie für jeden Euro ein Drittel weniger Schokolade als vor fünf Jahren. Schokoladenprodukte im Handel verteuern sich deutlich und die Produktion wird aufgrund des Rohstoffmangels zurückgefahren.
Bio-Schokolade als Alternative
Die Nachfrage nach Bio-Kakao entwickelt sich seit Jahren positiv. Laut einer Marktanalyse soll das weltweite Marktvolumen von rund 657 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf über 1,2 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2031 steigen - das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 7,7 Prozent. Auch der deutsche Umsatz für Süßwaren, die bio-zertifiziert waren, wuchs im Jahr 2024 um mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Kakao aus biologischem Anbau stammt meist aus Mischkulturen, die widerstandsfähiger gegen extreme Witterungsbedingungen sind. Durch die hohe Biodiversität sind diese Anbaumethoden nachhaltiger und weniger anfällig für Krankheiten oder Ernteausfälle.
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Tipps für den Schokoladenkauf
Um beim Schokoladenkauf Geld zu sparen und nachhaltiger zu konsumieren, können folgende Tipps beherzigt werden:
- Auf Eigenmarken setzen: Viele Supermärkte bieten Schokoladen ihrer Eigenmarken an, die oft eine ähnliche Qualität wie Markenprodukte bieten, jedoch deutlich günstiger sind.
- Nachhaltige Schokolade wählen: Wer einen Beitrag leisten möchte, kann auf Schokolade mit zertifizierten Nachhaltigkeitssiegeln wie das von Fairtrade setzen. Sie bieten zumindest einen gewissen Schutz für die Kakaobauern.
- Preise vergleichen: Die Preise für Schokolade können von Hersteller zu Händler stark variieren.
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