Schokolade aus São Tomé: Geschichte, Besonderheiten und der pure Geschmack
São Tomé und Príncipe, oft als das „Galapagos Afrikas“ bezeichnet, sind eine wahre Schatzkammer, in der Geschichte und Natur harmonisch miteinander verwoben sind. Der Inselstaat liegt etwa 200 Kilometer westlich von Äquatorialguinea und Gabun, im Golf von Guinea nahe des Äquators - eine klimatisch begünstigte Region, die perfekte Voraussetzungen für den Anbau von hochwertigem Kakao bietet. Schon im 19. Jahrhundert wurden ausgewählte Klone edler Kakaopflanzen auf São Tomé eingeführt, und bald wurde das Eiland zum Synonym für Spitzenkakao. Die Geschichte, die Naturlandschaft und das handwerkliche Können der lokalen Chocolatiers machen Schokolade aus São Tomé zu einem weltweit einzigartigen Produkt.
Die Geschichte des Kakaoanbaus auf São Tomé
Die Portugiesen brachten den Kakao bereits im 18. Jahrhundert von Brasilien nach São Tomé. Im 19. Jahrhundert wurden auf diesem fruchtbaren Land ausgewählte Kakao-Klone eingeführt, was den Beginn einer florierenden Kakaokultur markierte. Schon 1822 brachten portugiesische Kolonisten die ersten Kakaopflanzen aus Südamerika auf die Inseln - einige der ursprünglichen Sorten wachsen bis heute in ihrer natürlichen Reinheit.
Bis 1910 war die portugiesische Kolonie auf São Tomé und Príncipe der weltweit größte Kakao-Produzent. Die Inseln wurden bald als „Schokoladeninseln“ bekannt, weil sie den Weltmarkt mit feinsten Bohnen belieferten. Zuckerrohr, Kaffee und Kakao ließen die Kolonialherren hier im großen Stil anbauen, ernten und verschiffen.
Nach der Unabhängigkeit 1975 wurde das Land in kleine Parzellen aufgeteilt und an die Arbeiter übergeben - meist ohne staatliche Unterstützung. Heute sind etwa 20 Genossenschaften in einer Kooperative organisiert, die mit Fair-Händlern wie GEPA zusammenarbeiten, um Bio-Kakao zu produzieren und faire Preise zu sichern.
Kakaoanbau und besonderes Terroir
Das tropische Klima am Äquator und die vulkanischen Böden sind ideal für den Kakao. Temperatur, Niederschlagsmenge, Bodenbeschaffenheit und viele schattenspendende Bäume bieten für das Wachstum von Kakao auf São Tomé beste Bedingungen - und damit auch beste Voraussetzungen für grandiose Schokolade.
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Anders als viele Länder des Festlandes blieb São Tomé und Príncipe stets friedlich, was ethisch unbedenklichen Kakaoanbau ermöglicht. Viele Bauern setzen auf ökologischen Anbau, und die Kooperative unterstützt die Umstellung auf Bioqualität und hilft beim Ausbau der Exportmengen.
Heute mischen sich grüne Hügel mit weißen Sandstränden, und üppige Regenwälder beherbergen eine einzigartige Artenvielfalt, zu der auch viele endemische Arten gehören.
Kakaosorten und Anbaupraktiken
Am häufigsten zu finden ist die Amelonado-Kakaobohne, eine Unterart des Forastero, die mild und wenig bitter ist. Mittlerweile versuchen die Kakaobauern auf São Tomé aber auch alte Sorten wieder anzupflanzen, da diese qualitativ besser sind, den Boden schonen und keinen Dünger brauchen.
Eine besondere Rolle spielt die Plantage Roça Diogo Vaz, wo seit 1880 ökologischer Kakaoanbau nach dem Motto „Qualität statt Masse“ betrieben wird. Besucher können hier alle Schritte der Kakaoproduktion nachvollziehen und erleben, wie ökologische Landwirtschaft auf höchstem Niveau funktioniert.
Der Weg zur Schokolade: Handwerk und Innovation
Das Handwerk des Schokoladenmachens auf São Tomé ist untrennbar mit internationalen Chocolatiers wie Claudio Corallo verbunden, der seit mehr als 40 Jahren Kaffee und Kakao kultiviert. Corallo gehört zu den wenigen Schokoladenherstellern weltweit, die Kakao selbst anbauen, fermentieren, rösten und per Hand sortieren.
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Der Italiener lebt in einem alten kolonialen Herrenhaus in der Hauptstadt São Tomé, wo er seine eigene Schokoladenmanufaktur betreibt. Claudio Corallo, ein Agrarwirt aus Florenz, kultiviert die Nachfolger der erstmals 1819 in Afrika angebauten Pflanzen, wie auch eine Auswahl seltener Kaffeepflanzen. Die Schokoladen des Claudio Corallo sind frei von Zusatzstoffen wie Rohrzucker, Vanille oder anderen Aromastoffen.
Er unterscheidet sich fundamental von industriellen Herstellern: In Corallos Schokolade stecken ausschließlich Kakaobohnen, Kakaobutter und Zucker. Schonende Verarbeitung - etwa eine 16-tägige Fermentation und das sorgfältige Mahlen und Rösten - machen seinen Stil aus. Die 100% Tafel wird aus gerösteten und anschließend gemahlenen Kakaobohnen hergestellt. Es wird nichts hinzugefügt, so erhält man den puren Geschmack, ohne jegliche Bitternis. Seine Schokoladen zeigen bei einer Zimmertemperatur um 20°C nur etwa 40% ihrer Aromen! Um ihre Qualitäten vollständig zu entfalten, empfiehlt Claudio Corallo, seine Schokolade zwischen 27°C und 29°C zu genießen. Dieser Temperaturunterschied bringt sämtliche Aromen und die ideale Textur der Schokolade besonders gut hervor.
Die Rolle der Temperatur und Sensorik
Während des Verarbeitens der Kakaobohne wird die Partikelgröße des Kakaos immer kleiner. Je feiner man mahlt, umso größer wird die Austauschfläche mit der Luft und die Aromen kommen stärker zum Vorschein. Ab einem bestimmten Grad jedoch gehen Geschmack und Vitalität verloren. Den Schokoladen von Claudio Corallo werden weder Lecithin noch Emulgatoren hinzugefügt. Das führt bei niedrigeren Temperaturen dazu, dass die Konsistenz der Schokolade trocken erscheinen kann und viele der Aromen sich nicht voll entfalten.
Corallos Schokoladen unterscheiden sich im Zuckergehalt und in ihrer Textur. Die 80%-Schokolade enthält Zuckerkristalle, die sich optimal mit dem intensiven Kakaogeschmack verbinden. Die Sorte mit 73,5% Kakao enthält gemahlene Kakaobohnensplitter und hat einen nussig-knackigen Geschmack. Die mit 75% Kakao ist weich und samtig, während pure Tafeln ohne zugesetzten Zucker den reinen Kakaogeschmack perfekt transportieren.
| Variante | Kakaogehalt | Besondere Zutaten | Geschmack/Charakter |
|---|---|---|---|
| Pur | 100% | keine | Intensiv, würzig, nicht bitter |
| Mild & Zart | 75% | Zucker | Weich, cremig, samtig |
| Mit Kristallzucker | 80% | ganze Zuckerkristalle | Kräftig, süß-knusprig |
| Mit Kakaonibs | 73.5% | Kakaonibs | Nussig, crunchy |
| Mit Ingwer | verschiedene | kandierter Ingwer | Aromatisch, scharf-süß |
Schokolade und Geschmackserlebnis
Die Schokoladen von São Tomé sind besonders für ihre Komplexität und Aromavielfalt bekannt. São Tomé e Príncipe Schokolade zeigt eine vielschichtige Aromatik mit warmen, erdigen Noten und einem Hauch von Nüssen, aber auch mit feiner Fruchtigkeit, die an reife Beeren erinnert. Feinschmecker, Sterneköche und Luxuskaufhäuser zählen Claudio Corallos Schokolade zur besten der Welt.
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Der intensive Geschmack harmoniert ideal mit körperreichen Rotweinen wie Cabernet Sauvignon, Rioja oder Merlot. Die Schokolade ist ebenfalls eine außergewöhnliche Geschenkidee zu besonderen Anlässen und spricht durch ihre Reinheit auch Veganer und bewusste Genießer an.
Schokolade und Tourismus - Ein nachhaltiges Paradies
Massentourismus ist bedingt durch die abgeschiedene Lage und die schwierige Infrastruktur kaum möglich: Jährlich besuchen nur knapp 35.000 Touristen die beiden Inseln. Doch die, die São Tomé e Príncipe entdecken, finden ein nahezu unberührtes Naturparadies und direkten Zugang zu den Ursprüngen des Kakaos und der Schokolade.
Ein Highlight ist der Besuch von Kakaoplantagen, wie bei Claudio Corallo, Roça Diogo Vaz oder Roça Sundy, wo die Besucher erleben, wie handgefertigte Bioschokolade entsteht. Gleichzeitig setzt die „Mucumbli Eco Lodge“ oder das luxuriöse „Sundy Praia Resort“ auf nachhaltigen Eco-Tourismus inmitten des Regenwaldes. Die Einbindung lokaler Gemeinschaften und soziale Projekte sorgen dafür, dass die Wertschöpfung in São Tomé selbst verbleibt.
Der kleine Hauptort Santo António auf Príncipe, goldgelbe Palmenstrände und der allgegenwärtige Regenwald schaffen eine märchenhafte Atmosphäre. Flora und Fauna sind immer noch kaum erforscht und seit 2012 ist Príncipe sogar UNESCO-Biosphärenreservat.
Zutaten und Kauf von São Tomé Schokolade
Edelherbe Schokolade aus São Tomé enthält mindestens 70% Kakao, Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter und Vanilleextrakt. Die Schokoladen werden so rein wie möglich mit einer minimalen Anzahl an Zutaten hergestellt. Mit diesen drei Komponenten können unzählige Varianten und Geschmacksexplosionen kreiert werden.
Wer São Tomé Schokolade probieren möchte, findet sie im Online-Shop, aber auch direkt im Café der lokalen Chocolatiers oder kann sie vor Ort auf einer Plantage genießen. Die beste Schokolade kommt nicht etwa aus der Schweiz, sondern von der Westküste Afrikas - aus São Tomé und Príncipe.
Praktische Reisetipps für São Tomé und Príncipe
- Anreise: TAP Portugal direkt via Lissabon
- Einreise: Reisepass, sechs Monate gültig
- Beste Reisezeit: Trockenzeit Juni-September und Dezember-Februar
- Währung: São-toméischer Dobra (STN); 1 € ≈ 25,5 STN
- Gesundheit: Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus, Malariaprophylaxe empfohlen
- Sprache: Portugiesisch, häufig Englisch im Tourismussektor
- Unterkünfte: Eco-Lodges, Boutique-Resorts und Pensionen
- Aktivitäten: Besuch von Kakaoplantagen, Regenwaldwanderungen, Slowfood-Erlebnisse
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