Schokolade ohne Kakaobohnen: Herstellung, Innovation und nachhaltige Alternativen

Ein Leben ohne Schokolade ist möglich, aber sinnlos. Doch wusstest du, dass der Anbau von Kakao, der wichtigsten Zutat für Schokolade, alles andere als umweltfreundlich ist? Regenwaldabholzung, hoher Wasserverbrauch, Pestizideinsatz und schlechte Arbeitsbedingungen sind nur einige der gravierenden Probleme im klassischen Kakaoanbau. Schon ein Temperaturanstieg um 1,5 Grad Celsius würde einen Rückgang der Kakaoanbauflächen um 50 Prozent bedeuten. Daher gewinnen Schokoladenalternativen ohne Kakao zunehmend an Bedeutung - sowohl aus ökologischer als auch aus sozialer Sicht.

Vergleich Kakaoanbau und alternative Rohstoffe (z. B. Karte mit Kakao vs. Sonnenblumen- & Haferanbau)

Warum Alternativen zur herkömmlichen Schokolade?

Schokolade gilt als absolute Nr. 1 unter den Süßwaren. Aber die Herausforderungen der Kakaoindustrie sind enorm. Extreme Wetterereignisse und Krankheiten vernichten ganze Ernten, die CO₂-Bilanz des Kakaotransports ist schlecht, und Kinderarbeit bleibt eine traurige Realität. Der Anbau erfordert zudem einen hohen Wasserverbrauch. Naturzerstörung, hoher Pestizideinsatz, Artenverlust und Wasserverschmutzung sind weitere Folgen. Auch soziale Aspekte wie niedrige Löhne, Ausbeutung und Kinderarbeit sind ein großes Problem. Das Thema Nachhaltigkeit treibt daher Innovationen besonders in Richtung alternativer Rohstoffe voran.

Soziale und ökologische Auswirkungen des Kakaoanbaus (Infografik)

Kakaofreie Schokolade: Die wichtigsten Innovationen

Zum Glück gibt es inzwischen kakaofreie Alternativen zu Schokolade. Auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln 2026 waren kakaofreie Schokoladenalternativen ein zentrales Innovationsthema. Inzwischen sind über 120 Produkte in 10 Ländern im Markt vertreten. Dabei umfasst das Portfolio sowohl Eigenmarken des Handels als auch namhafte Markenhersteller. Die Produkte werden sowohl als Tafeln und Riegel angeboten als auch als Zutat, etwa in Müslis oder Keksen verwendet.

Produkte aus kakaofreier Schokolade (z. B. Riegel, Kekse, Pralinen)

Hauptzutaten der Alternativen

  • Hafer: Nocao erreicht mit fermentiertem Hafer eine Textur und einen Geschmack, die an Schokolade erinnern. Das Besondere: Der Hafer stammt aus regionaler Getreideproduktion, wird als Nebenprodukt genutzt, benötigt keine zusätzliche Anbaufläche und reduziert somit die Lebensmittelverschwendung.
  • Sonnenblumenkerne: Bei ChoViva wird auf fermentierte und geröstete Sonnenblumenkerne gesetzt, die überwiegend aus Osteuropa kommen. Die Kerne werden in einem mehrstufigen Verfahren gemahlen und conchiert - ganz wie beim Original.
  • Carob: Das britische Start-up Win Win UK verwendet Carob (Johannisbrot), Reis und Sonnenblumenkernprotein als Basis. Carob ist das süßlich-herbe Fruchtfleisch des Johannisbrotbaums und wird seit den 1970ern als Kakaoersatz im Biohandel angeboten.
Herstellungsprozess und Zutaten von Schokolade ohne Kakao (Erklärvideo)

Herstellung: So wird Schokolade ohne Kakaobohnen produziert

Vergleichstabelle: Zutaten klassischer und alternativer Schokolade

Komponente Klassische Schokolade Kakaofreie Alternativen (z. B. ChoViva/Nocao)
Hauptzutat Kakaomasse, Kakaobutter Hafer, Sonnenblumenkerne, Carob
Fette Kakaobutter Pflanzliche Fette (z. B. Shea- oder Palmfett)
Süßungsmittel Zucker Zucker
Milchbestandteile Milchpulver (bei Milchschokolade) Milchpulver oder Hafermehl
Vegane Varianten selten Ja (z. B. mit Hafermehl oder Sonnenblumenkernmehl)

Schritt für Schritt: Der Produktionsprozess am Beispiel ChoViva

  1. Es beginnt mit ausgewählten natürlichen Grundzutaten: Sonnenblumenkerne, Zucker und pflanzliche Fette.
  2. Die Sonnenblumenkerne werden ähnlich dem Fermentationsprinzip aus der Bierbrauerei veredelt und im Anschluss schonend geröstet. Auch bei Nocoa wird dank Fermentierung der typische Schokoladengeschmack nachgebildet.
  3. Im nächsten Schritt erfolgt die Verarbeitung zu einem Konzentrat. In mehreren Mahl- und Walzstufen entsteht daraus eine Grundmasse, die durch Conchieren ihren typischen, zartschmelzenden Charakter erhält.
  4. Das Ergebnis ist eine Masse, die sich optisch, geschmacklich und in Sachen Mundgefühl kaum vom Original unterscheidet.
Produktionsprozess von Schokoladenalternativen (Schaubild: Fermentation, Röstung, Conchieren)

Wie schmeckt Schokolade ohne Kakao?

Ob Aroma und Mundgefühl an eine gute Schokolade heranreichen, ist individuelle Geschmackssache. Die Produktpalette ist breit: Von Müsli über Kekse bis hin zu klassischen Tafeln werden zahlreiche Produkte mit den neuen Alternativen hergestellt. Einige Produkte punkten mit einem milden, cremigen Geschmack, andere sind eher intensiv durch den Zusatz von Nüssen - süß sind sie aber alle, und Schokoladenliebhaber:innen kommen sicher auf ihre Kosten. ChoViva sieht aus wie Schokolade und ist genauso köstlich und zartschmelzend. Der spezielle Verarbeitungsprozess verleiht dem Geschmack einen schokoladigen Charakter mit einer feinen Note an Röstaromen.

Rechtliche Einordnung: Darf das überhaupt „Schokolade“ heißen?

Wussten Sie, dass Schokolade ohne Kakao gar nicht Schokolade heißen darf? Gemäß EU-Definition muss Schokolade mindestens 35 Prozent Kakaoanteil enthalten (Kakaomasse und/oder Kakaobutter). Ein Produkt, das aussieht wie Schokolade, verwendet wird wie Schokolade und auch annähernd so schmeckt, aber keinen Kakao enthält, gilt also offiziell als „kakaofreie Schokoladenalternative“.

Lesen Sie auch: Hype, Inhaltsstoffe und Qualität: Dubai-Schokolade im Vergleich

EU-Richtlinie zu Schokolade/Kakaogehalt - Infografik

Nachhaltigkeit: Umwelt und soziale Aspekte im Fokus

Kein Pestizideinsatz, keine Entwaldung und kürzere Transportwege: Anstelle von Kakao aus den Tropen werden Zutaten wie Sonnenblumenkerne und Hafer aus Europa verwendet. Das sorgt für eine bessere Ökobilanz, weniger CO₂-Emissionen und reduziert den Flächen- und Wasserverbrauch deutlich. Bei Nocoa stammt beispielsweise der eingesetzte Hafer größtenteils aus Nebenprodukten der Getreidewirtschaft - Lebensmittelverschwendung und Flächenbedarf sinken drastisch.

Nach Herstellerangaben ist der CO₂-Fußabdruck deutlich geringer und die Herstellung beansprucht erheblich weniger Land und Wasser als der Kakaoanbau. Als Beispiel: Bewertungen gemäß inoqo, Stand 01/2026: ChoViva Milk Rezept: 2,8 kg CO₂e/kg (deutlich weniger als Schokolade aus Kakao).

Soziale Auswirkungen: Was passiert mit den Kakaobäuer:innen?

Klar ist aber auch - für die Kleinbäuerinnen und -bauern vor Ort ist dies keine Lösung. Sie brauchen faire und existenzsichernde Preise und Unterstützung, um ihre Anbausysteme nachhaltiger und widerstandsfähiger gegen die Klimakrise zu machen. Hier helfen Nachhaltigkeitssiegel wie Fairtrade, Rainforest Alliance oder GEPA, mehr Wertschöpfung im Herkunftsland zu ermöglichen und Mindestpreise zu garantieren.

Nachhaltigkeit und faire Alternativen im Schokoladensektor (Infografik: Siegel, Wertschöpfung vor Ort)

Kritik und Herausforderungen

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale sieht die Entwicklung skeptisch. Der Vorwurf: Skimpflation - also eine verdeckte Preiserhöhung, bei der hochwertige gegen minderwertige Zutaten ausgetauscht werden. Außerdem sei die neue Zutat bei den Produkten oft so versteckt, dass Verbraucher das nicht erkennen könnten. Kennzeichnungspflichtig sind die Zutaten auf einer Liste auf der Rückseite. Nach Meinung der Hersteller liegt der Preis nicht unter dem von echter Schokolade, was an den aufwändigen Produktionsprozessen liegt.

Fazit und Marktentwicklung

ChoViva ist die weltweit erste Schokoladenalternative ganz ohne Kakaobohnen - und ein echtes WOW für alle Schokoladenfans. Denn der typische Geschmack kommt nicht allein aus der Kakaobohne. Vielmehr werden bis zu 80 % der Geschmacksaromen bei Herstellungsprozessen wie der Fermentation und Röstung gebildet. Dadurch ist Schokolade ohne Kakao aromatisch, vollmundig und vielseitig einsetzbar. Über 140 Produkte in elf Ländern gibt es mittlerweile mit ChoViva. Die Schokoladenalternative eignet sich sowohl zum Naschen als auch zum Backen und ist in vielen Supermärkten erhältlich.

Lesen Sie auch: Schnelle Schokoladenhärtung

Auswahl internationaler Produkte mit ChoViva, Nocao, Carob (Produktübersicht, Marken)

Vegane Ernährung und Allergikerfreundlichkeit spielen bei vielen Alternativen ebenfalls eine große Rolle, denn oft wird vollständig auf tierische Bestandteile und Allergene verzichtet.

Schokoladiger Genuss auch ohne Kakao ist möglich - und nachhaltig! Die Entwicklung zeigt: Wir müssen auch bei Süßwaren Produktinnovation, Umwelt und Arbeitsbedingungen zusammendenken.

Labortechnik und Food-Innovationen bei Schokolade (Messeneuheiten, Erfindungen)

Lesen Sie auch: Alles über Camondas Dubai Schokolade

tags: #wie #wird #schokolade #ohne #kakaobohnen #hergestellt

Populäre Artikel: