Wirkung von Schokolade auf den Darm: Wie dunkle Schokolade Darmmikrobiom und Stimmung beeinflusst
Dunkle Schokolade ist seit langem dafür bekannt, dass sie Effekte auf die Stimmung hat. Diese randomisierte Studie untersuchte Effekte des Konsums verschiedener dunkler Schokoladensorten (85% oder 70%) auf die Stimmung. Das Darmmikrobiom und die Stimmung der Teilnehmer wurden vor und nach der Studie beurteilt. Die Stimmung wurde mithilfe der PANAS-Skala (Positive and Negative Affect Schedule) gemessen.
Design und Teilnehmer der Studie
DGP - Forscher untersuchten in einer randomisierten, kontrollierten Studie, wie sich tägliche dunkle Schokolade auf die Stimmung auswirkt und welchen Einfluss dies auf das Darm-Mikrobiom hat. 48 Teilnehmer aßen über 3 Wochen entweder täglich Schokolade mit einem Kakao-Anteil von 85 % oder 70 %, oder erhielten keine Schokolade. Zwei Schokoladensorten unterschiedlichen Kakao-Gehalts (85 % und 70 % Kakao) wurden im Vergleich zu einer Kontrolle ohne Schokolade untersucht. Gesunde Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren nahmen entweder für 3 Wochen 30 g pro Tag einer der beiden Schokoladensorten ein, oder erhielten keine Schokolade.
Messung von Stimmung und Mikrobiom
Stimmungszustände wurden mit Hilfe des PANAS-Fragebogens (Positive and Negative Affect Schedule) bestimmt. Bei diesem Fragebogen weisen Patienten mit Depression typischerweise niedrigere Werte auf als Patienten mit beispielsweise Ängsten, besonders aufgrund von schwächeren positiven Emotionen wie etwa Stolz oder Entschlossenheit. Negative Emotionen wie Scham, Feindseligkeit oder Nervosität können dagegen verstärkt sein. Das Darmmikrobiom und die Stimmung der Teilnehmer wurden vor und nach der Studie beurteilt.
Wichtigste Ergebnisse
Tatsächlich fanden die Wissenschaftler Hinweise, dass der regelmäßige Verzehr dunkler Schokolade mit einem Kakaoanteil von 85% die negative Stimmung signifikant verringern konnte. Insgesamt konnten Daten von 48 Personen ausgewertet werden. 18 Personen nahmen täglich 30 g einer 85 %-igen Schokolade ein (85%-Gruppe), 16 Personen erhielten Schokolade mit 70 % Kakaoanteil (70%-Gruppe) und 14 Personen erhielten keine Schokolade. Der tägliche Konsum der dunklen Schokolade (85 %) reduzierte in der PANAS-Befragung den negativen Affekt signifikant. Dieser Effekt wurde nicht mit der helleren Schokolade (70 %) gesehen.
Darmmikrobiom: Vielfalt und spezifische Veränderungen
Anschließend haben die Forscher bei Probanden mit Konsum dunkler Schokolade (85% Kakao) und bei Kontrollen Stuhlproben untersucht. Sie fanden eine signifikant größere Vielfalt der Darmflora bei den Konsumenten von dunkler Schokolade als bei den Kontrollpersonen. Die Vielfalt der Mikroben im Darm war signifikant höher in der 85%-Gruppe als in der Kontrollgruppe ohne Schokolade (p < 0,05). Auffällig war der Anstieg eines bestimmten Bakteriums (Blautia obeum) und weniger des Keims Faecalibacterium prausnitzii. Besonders zeigte sich das in höheren Mengen des Bakteriums Blautia obeum und in reduzierten Mengen des Faecalibacterium prausnitzii (p < 0,05). Das Verhältnis der beiden vorherrschenden Stämme (Firmicutes/Bacteroidetes) unterschied sich zwar nicht signifikant.
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Mechanismen: Präbiotische Effekte, Polyphenole und Darm-Hirn-Achse
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass dunkle Schokolade präbiotische Wirkungen ausübt, was durch ihre Fähigkeit belegt wird, die Vielfalt und Fülle von Darmbakterien umzustrukturieren, kommentieren die Autoren um Dr. Ji-Hee Shin von der Seoul National University, Südkorea. Verantwortlich dafür können zum einen freigesetzte Stoffwechselprodukte der Bakterien sein, zum anderen die mit der Schokolade aufgenommenen Polyphenole. Über die Darm-Hirn-Achse wirken beide Stoffe auf das zentrale Nervensystem ein. Die Forscher gehen davon aus, dass Schokolade die Darmflora positiv beeinflusst. Dass sie also sogenannte präbiotische Effekte hat.
Kakaobohnen verfügen gleich über mehrere Eigenschaften, die sich positiv auf die Verdauung (Darmmotilität) und Darmflora auswirken. Sie enthalten Ballaststoffe, Polyphenole, Theobromin sowie einen unverdaulichen Proteinanteil. Damit sind Proteine gemeint, die gegen Verdauungsenzyme resistent sind und daher präbiotisch wirken können, also unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort von den Darmbakterien verstoffwechselt werden können. In einer früheren Mäusestudie konnte eine japanische Forschergruppe bereits beobachten, dass der Verzehr unverdaulicher Kakaoproteine die Stuhlentleerung förderte und die Darmmikrobiota günstig veränderte.
Bakterielle Metaboliten und gesundheitliche Effekte
Erst durch diese bakteriellen Helfer kann der Körper die Wirkstoffe aus dem Kakao und Ballaststoffe in Schokolade überhaupt aufnehmen. So profitiert auch der Körper von der Vorliebe der Dickdarmbakterien, denn die freigesetzten Spaltprodukte (zum Beispiel Buttersäure und Propionsäure) wirken entzündungshemmend und schützen Herz und Gefäße. Viele dieser Bakterien gehören zu den wichtigsten Produzenten kurzkettiger Fettsäuren, insbesondere von Butyrat. Kurzkettige Fettsäuren unterstützen die Darmbarriere, wirken entzündungshemmend, sorgen für einen gesunden pH-Wert im Dickdarm und können die Darmbewegung fördern.
Weitere Befunde und experimentelle Daten
In einem nach eigenen Angaben einzigartigen Laborexperiment simulierten die Forscher Verdauungsprozesse im menschlichen Darm nach dem Verzehr einer Schokolade mit hohem Kakaogehalt. Maria Moore von der Louisiana State University und ihre Kollegen beobachteten, wie sechs bis zwölf Stunden nach der Kakao-„Aufnahme“ der pH-Wert in dem Kunstdarm absank. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass anaerobe Bakterien, die natürlicherweise den Dickdarm des Menschen besiedeln, antioxidative und andere entzündungshemmende Substanzen aus Kakao freisetzen. Aus ihren Beobachtungen leiten die Wissenschaftler ab, dass eine Ernährung, die das Wachstum von Milchsäure- und Bifidobakterien unterstützt, die Schutzwirkung von Schokolade noch steigern könnte.
Weitere gesundheitliche Aspekte von dunkler Schokolade
1. Antioxidantien: Die Bodyguards in Ihrem Körper. Bitterschokolade ist reich an Flavanolen. Das sind Antioxidantien, die vor Zellschäden schützen und entzündungshemmend wirken. Antioxidantien sind sozusagen die unsichtbaren Bodyguards, die freie Radikale bekämpfen. Eine im „Journal of Agricultural and Food Chemistry“ veröffentlichte Studie zeigt, dass Kakao eine der höchsten Konzentrationen an Polyphenolen und Flavanolen aller Lebensmittel enthält. Und was bedeutet das? Weniger Stress für den Körper.
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2. Herzgesundheit: Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Das gilt auch für das Herz. Die in Bitterschokolade enthaltenen Flavanolen fördern die Durchblutung und erweitern die Blutgefäße. Eine im „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlichte Meta-Analyse zeigt, dass der regelmäßige Konsum von dunkler Schokolade das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen um bis zu 37 Prozent senken kann.
3. Stimmungsaufheller: Glück zum Naschen. Gute Laune auf einen Biss dank dunkler Schokolade. Kakao enthält das pflanzliche Molekül Theobromin sowie geringe Mengen Koffein. Diese Stoffe spenden Energie und verbessern die Stimmung. Darüber hinaus regt Kakao die Produktion der Hormone Endorphin und Serotonin an. Die signalisieren Ihrem Gehirn: „Alles wird gut.“ Eine Studie der australischen Swinburne University fand heraus, dass der Konsum von dunkler Schokolade die kognitiven Funktionen verbessert und Stress reduziert.
4. Merkfix: Unterstützt die Gehirnfunktion. Flavonoide verbessern die Durchblutung des Gehirns und fördern somit Konzentration und Gedächtnisleistung. In einer im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ veröffentlichten Studie zeigten ältere Erwachsene nach dem Verzehr von hochprozentiger Bitterschokolade eine bessere Leistung bei Gedächtnistests.
6. Gut für die Haut: Schokolade hilft gegen Sonnenbrand. Laut einer Studie der Universitäten Düsseldorf und Witten/Herdecke schützt Kakao die Haut vor UV-Strahlen. Flavanole verbessern die Elastizität, die Hydratation und die Widerstandsfähigkeit der Haut gegen Sonnenschäden.
Dosis, Sicherheit und praktische Hinweise
Fußnote zur richtigen Dosis: Natürlich gibt es einen kleinen Wermutstropfen, der den Genuss und die positive Wirkung schmälert. Wie bei allem im Leben gilt nämlich auch hier: Erstens: Maß halten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geht davon aus, dass eine Menge von etwa 200 Milligramm Kakaoflavonoide beziehungsweise 10 Gramm dunkle Schokolade gesundheitsfördernd ist. Die Ergebnisse einer anderen Studie deuten jedoch darauf hin, dass erst eine Menge von etwa 500 Milligramm (30 Gramm Schokolade) pro Tag gesundheitsfördernde Wirkungen entfaltet.
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Die Ergebnisse dieser kontrollierten Studie zeigen, dass speziell dunkel Schokolade, hier mit 85 % Kakao-Anteil, einen präbiotischen Effekt auszuüben scheint und positiv auf die Vielfalt des Darmmikrobioms sowie die Zahl vorteilhafter Darmbakterien einwirkt. Lesen Sie gerne auch unseren Artikel Kakao für Augen und Gehirn.
Hinweise zur Ernährung bei Verstopfung und Darmgesundheit
Als besonders wichtig gelten eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Ballaststoffanteil bei angepasster Trinkmenge. Wer viele ballaststoffreiche Lebensmittel zu sich nimmt und dazu ausreichend trinkt, sollte eigentlich keine Probleme mit Verstopfung haben. Ballaststoffe können im Darm nur dann aufquellen und für eine leichte Darmpassage sorgen, wenn genügend Flüssigkeit zu Verfügung steht. Stärke und Zucker können den Verdauungsprozess verlangsamen, wodurch dem Stuhl zu viel Flüssigkeit entzogen werden und eine Verstopfung entstehen kann. Kuchen, Kekse, Brot und Brötchen aus Auszugsmehl und salziges Knabbergebäck schmecken lecker, sind aber anders als Vollkornprodukte wegen des hohen Gehalts an Stärke und ggf. Zucker für die Verdauung nicht unbedingt von Vorteil.
Praktische Empfehlung
- Wenn Sie Schokolade genießen möchten: Bevorzugen Sie hochwertige Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil (z. B. 70-85 %), in Maßen (ca. 10-30 g/Tag).
- Eine Ernährung, die das Wachstum von Milchsäure- und Bifidobakterien unterstützt, könnte die Schutzwirkung von Schokolade noch steigern.
- Ausreichend Flüssigkeit und ballaststoffreiche Lebensmittel sind essentiell für eine gute Darmmotilität.
| Parameter | 85%-Gruppe | 70%-Gruppe | Kontrolle |
|---|---|---|---|
| Teilnehmer (n) | 18 | 16 | 14 |
| Tägliche Menge (g) | 30 | 30 | 0 |
| Negative Stimmung (PANAS) | signifikant ↓ | keine Veränderung | keine Veränderung |
| Mikrobiom-Diversität | signifikant ↑ | nicht signifikant | Referenz |
| Blautia obeum | ↑ | - | - |
| Faecalibacterium prausnitzii | ↓ | - | - |
Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.
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