Schokolade in Papierverpackung: Vorteile, Herausforderungen und Hersteller

Papier ersetzt Kunststoffverpackungen: Die umweltfreundlichste Verpackung, seit es Schokolade gibt. Viele Firmen forschen deshalb an der Schokolade im Recyclingpapier. Einige Firmen forschen deshalb an der Schokolade im Recyclingpapier. Die meisten Tafeln werden klassischerweise in Alufolie umhüllt. Dann werden sie mit bunt bedrucktem Papiermantel oder direkt mit einer dicken Plastikfolie verkauft. Annähernd luftdicht, robust und nebenbei schädlich für Mutter Erde. Deshalb stecken viele Hersteller ihre Schokolade in Plastik-, Silber- oder Goldfolien oder setzen, wie etwa Marabou oder Ritter Sport gleich auf eine Verpackung aus Kunststoff.

Warum Papierverpackungen für Schokolade sinnvoll sind

Papierverpackungen haben im Vergleich zu Kunststoffverpackungen einen etwa 50 % geringeren CO2-Fußabdruck.*

Das Material basiert auf nachwachsenden Rohstoffen aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft und kontrollierten Quellen. Im direkten Vergleich hat das Verpackungsmaterial Papier gegenüber dem Verpackungsmaterial Kunststoff - bspw. NexPlus Advanced gegenüber BOPP-Schokoladenverpackungsfolie - einen rund 50 % kleineren CO2-Fußabdruck. Das Papier kann im gängigen Papier-Recyclingprozess verwertet und wiederverwendet werden. Ein Großteil des Materials gehen in den Recyclingkreislauf zurück, während handelsübliche Schokoriegelverpackungen nicht recycled werden können und verbrannt werden.

Monomaterial ist besser recyclingfähig und Papier wird als nachhaltiger wahrgenommen und daher bevorzugt. Die Papierfaser kann bis zu 25-mal wiederverwertet werden. Allein im Jahr 2022 lag das Recycling von Verpackungen aus Pappe und Papier in Deutschland bei 95,4 % - der Altpapierstrom in Deutschland ist super etabliert.

Funktionaler Schutz: Barrieren und Beschichtungen

Da Papiere von selbst keine Schutzfunktionen für Lebensmittel mit sich bringen, werden bei den bisherigen Verpackungslösungen Kunststoff- oder Aluminiumschichten und sogenannte „funktionelle Barrieren“ aufgebracht, welche das Recycling maßgeblich beeinflussen können. Die von Koehler aufgebrachte Beschichtung verfügt über eine für den direkten Kontakt mit Schokolade und Nüssen notwendige Sauerstoff-, Mineralöl- und Fettbarriere. Sie ist laut Interzero „zum einen so dünn, dass die Papiere im Altpapier entsorgt werden können und gleichzeitig hat sie nur einen äußerst geringen negativen Einfluss auf die Recyclingpapierqualität“.

Lesen Sie auch: Hype, Inhaltsstoffe und Qualität: Dubai-Schokolade im Vergleich

Die Barrierefunktion wird erreicht, indem das Rohpapier mit einer Dispersion aus in der Papierherstellung sehr üblichen Polymeren gestrichen wird. Das für die Barrierefunktion wesentliche Polymer ist zwar fossilbasiert, aber biologisch abbaubar und verhält sich im Papier-Recyclingprozess unbedenklich. Polymere werden durch eine wässrige Dispersion auf das Papier aufgetragen und dienen als Barriere. Diese schützt unsere Schokolade vor Sauerstoff, Mineralöl und Fett.

Recyclingfähigkeit: Prüfungen und Bewertung

Das allgemeine Attest „recyclingfähig“ sagt wenig aus über die tatsächliche Qualität. „Sobald nur die Hälfte der Verpackung ein irgendwie gestaltetes Recycling erfährt, kann diese allgemein „recyclingfähig“ genannt werden“, erklärt Interseroh+. Viele angeblich recyclingfähige Papiere bildeten nach dem Recycling „klebende Oberflächen, die an Umwälzrollen und Sieben im Prozess haften“, was etwa zu Bahnabrissen in der Papierherstellung und damit enormen Kostensteigerungen führe. Bei NexFlex ist das nicht so.

Interseroh+, eine Tochter des Umwelt-Dienstleisters Interzero in Berlin, hat das neue Produkt auf seine Recyclingfähigkeit getestet. Nach einer Punkteskala, die das Augsburger Bifa Umweltinstitut gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung entwickelt hat und von Interseroh+ für sein Siegel „Made for Recycling“ angewendet wird, hat das Koehler-Papier 19 von 20 möglichen Punkten erreicht. Für eine Papierverpackung mit Produktschutz seien „19 Punkte eine außergewöhnlich hohe Bewertung, die zumindest in unserer Prüfung bisher von keinem vergleichbaren Papier erreicht wurde“, schreibt Interseroh+ in seiner Antwort an die Redaktion.

Praxisbeispiele: Hersteller und Produkte

Nucao, der 2016 gegründete Newcomer im Schokoladenmarkt, dessen Produkte etwa bei Rossmann, dm, Rewe und Edeka verkauft werden, hat von Anfang an Alternativen dazu gesucht und nutzt Verpackungsmaterial, das teilweise auf dem Gartenkompost und teilweise im Restmüll landet. Das 2016 in Leipzig gegründete nucao nutzt bislang heimkompostierbare Zellulosefolie zum Verpacken, seit Ende 2022 setzt das Unternehmen bei fünf Schokoladenprodukten aus der nucao-fruits- und nucao-nuts-Range ausschließlich auf Papier. Früchte und Nüsse mit Schoko-Mantel von nucao sind bereits seit Ende 2022 in Papier verpackt. Der Rest des Sortiments soll bis zum Herbst dieses Jahres folgen.

Als erster Lebensmittel- und Süßigkeiten-Hersteller setzt nucao für die komplette Produktpalette auf eine Verpackungsinnovation aus 100 Prozent Papier. Nucao sieht sich nun als „Vorreiter bei Schokoladen-Primärverpackung aus Papier“ und toppt mit dem Koehler-Spezialpapier NexFlex womöglich alles, was bis jetzt auf dem Markt ist. Nucao-Mitgründer Mathias Tholey spricht in höchsten Tönen von der neuen Verpackung um die veganen Schokoladenprodukte des Start-ups. Sie sei nicht einmal teurer als die frühere Verpackung aus einem zu Hause kompostierbaren Zelluloseverbund. Nach den ersten drei Monaten im Verkauf habe es keinerlei Reklamationen seitens der Verbraucher gegeben.

Lesen Sie auch: Schnelle Schokoladenhärtung

Die Koehler Holding aus Oberkirch stellt mit NexPlus Advanced eine Sorte her, deren Sauerstoff-, Mineralöl- und Fettbarriere so undurchlässig ist, dass man auf Kunststoff verzichten und die Packung nach Gebrauch ins Altpapier werfen kann. Die Neuigkeit, über die nucao und der Hersteller des innovativen Verpackungspapiers - Koehler Paper aus dem badischen Oberkirch - gemeinsam die Öffentlichkeit informieren wollen, setzt neue Maßstäbe im noch jungen Kampf gegen umweltschädliche Kunststoffe.

Walkers Chocolates stellt seine beliebten Turkish Delight- und Mint Cream-Riegel auf vollständig recycelbare Papierverpackungen um. Die neue Verpackung wurde von EvoPak entwickelt und verwendet Hydropol, ein innovatives Polymer von Aquapak. Hydropol ist zudem biologisch abbaubar, kompostierbar und kompatibel mit anaeroben Vergärungsprozessen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verbundmaterialien, die oft schwer recycelbar sind, lässt sich die neue Verpackung mit dem normalen Papiermüll entsorgen und bietet gleichzeitig Schutz vor Sauerstoff, Öl und Feuchtigkeit, um die Frische der Produkte zu gewährleisten.

Milka testet gerade eine neue Papierverpackung (ohne Alufolie innen) - ist das nur ein „late to the party“-Move oder ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung? Als stärkste Schokoladenmarke Deutschlands hätte Milka einen enormen Hebel zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und des nachhaltigen Konsums. Milka kommuniziert durch die vertrauten, starken Markencodes “Logo, Kuh, Lila”. Der Hinweis “leere Verpackung im Altpapier entsorgen” steht in weiß über der Papier Typo - alles klar.

Herstellerperspektive: Koehler und Investitionen

Koehler-Chef und -Mitinhaber Kai Furler. Entwickelt hat NexFlex die 60-köpfige Forschungsabteilung am Stammsitz in Oberkirch. 300 Millionen Euro investierte der Mittelständler seit 2019 alleine in die neue Papier- und Streichmaschine für seinen neuen Geschäftszweig. Heute sind die Windparks, Biomasse- und Wasserkraftwerke der Tochter Koehler Renewable Energy (KRE) ein eigenes und schnell wachsendes Geschäftsfeld. Mehr als 70 Millionen Euro investiert Koehler, um das eigene Kraftwerk am Standort im thüringischen Greiz von Braunkohle und das in Oberkirch von Steinkohle auf Biomasse umzustellen.

Koehler hat es recyclingfähig gemacht - seitdem ist es technisch bedingt graublau und kommt in dieser Version exklusiv aus Oberkirch. Mit voraussichtlich 1,2 Milliarden Euro Umsatz hat Koehler 2022 erstmals die Milliardengrenze geknackt. Auf der Verpackungsmesse „Fachpack“ Ende September in Nürnberg präsentierte der 48-Jährige die selbst entwickelte Primärverpackung für Lebensmittel als neuen Hoffnungsträger des Familienunternehmens erstmals der internationalen Öffentlichkeit. Vier Monate später scheint der Durchbruch geschafft.

Lesen Sie auch: Alles über Camondas Dubai Schokolade

Technik im Betrieb: Umrüstung und Maschinen

Die Umstellung der meisten Verpackungsmaschinen von Kunststoff auf Papier erfordert laut Koehler nur geringe Umrüstungen und Investitionen. Der für Verpackungspapiere zuständige Koehler-Bereichsleiter Christoph Wachter sagt: „Oft genügen Adjustierungen einiger Parameter auf bestehenden Verpackungsmaschinen, um etwa Siegeltemperaturen oder Siegelzeiten zu optimieren. Das sind aber alles Maßnahmen, die überschaubar sind.“

Nestlé hingegen berichtet von riesigem Aufwand: „Wir haben bei Smarties zum Beispiel in unserem Hamburger Werk - hier werden die Schokolinsen für Deutschland und mehrere Länder weltweit hergestellt - neue Fertigungslinien installiert, um die Schokolinsen in recyclefähigem Papier verpacken zu können. Auch die Form der Smarties-Riesenrolle haben wir auf sechseckig umgestellt, weil Papier als Verpackungsmaterial dies erfordert hat.“

Herausforderungen und offene Fragen

Normaler Karton bietet keine Barriere gegen Fette und Feuchtigkeit und eignet sich demnach nicht als Verpackung für etwa Schokolade oder Nüsse. Auch könnte der Karton Gerüche absondern, die das Aroma des Produkts beeinträchtigen. Kritiker stehen der Idee, mit Hinblick auf die Anforderungen, skeptisch gegenüber. Die Alternative muss sich aber nun in Studien beweisen, ehe sie marktreif ist.

Biobasierte recyclingfähige oder kompostierbare Verpackungen erfüllen demgegenüber häufig nicht die funktionalen Anforderungen an hochsensible Produkte und bieten keinen ausreichenden Produktschutz. Die meisten Tafeln werden klassischerweise in Alufolie umhüllt. Dann werden sie mit bunt bedrucktem Papiermantel oder direkt mit einer dicken Plastikfolie verkauft.

Im Rahmen des Verbundvorhabens ChocoPack soll eine produktoptimierte Verpackung für Schokoladen auf Basis von Papier bzw. Pappe unter Verwendung spezieller Faserbeschichtungen für eine hohe Aroma- und Sauerstoffbarriere entwickelt werden. Die Faserbeschichtungen können in entsprechenden Recyclingprozessen entfernt werden und sind somit wiederverwertbar. In einem Lagertest wird die Haltbarkeit der hergestellten Schokoladenprodukte in ihren neuen Verpackungen wissenschaftlich untersucht.

Konsumverhalten, Marketing und Preis

Die Generation Z legt großen Wert auf umweltverträgliche Verpackung. Politisch korrekt, sozial und umweltfreundlich zu sein, gehört zur DNA der Marke. Kern unserer Marke ist es, unseren Kundinnen und Kunden natürliche und möglichst unverarbeitete Produkte anzubieten, die sowohl ihre Bedürfnisse nach ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit befriedigen als auch den Wunsch nach einer bewussten Ernährung.

Die nachhaltige Entscheidung sollte attraktiv sein. Das wichtigste Kaufargument bei Schokolade ist der Genuss. Die Nr. 1 braucht keine Schokoladen Abbildung mehr. Milka kommuniziert durch die vertrauten, starken Markencodes “Logo, Kuh, Lila”. Die neue Verpackung liegt im gewohnten Regal und ersetzt den Klassiker - und das zum gleichen Preis. Nachhaltigkeit muss verfügbar & erschwinglich sein!

Ausblick: Wird Papier die Schokoverpackung der Zukunft?

Plötzlich kommen die Nestlés und Mondelez dieser Welt und sprechen mit uns, erklärt Mittelständler Furler die Veränderung in seinem Terminkalender. Manchmal kämen sogar die CEOs, „weil sie sehen wollen, wie das Papier gemacht wird“. Auch mit Ritter Sport ist das Unternehmen im Austausch. Der Quadratisch-Praktisch-Gut-Hersteller aus dem baden-württembergischen Waldenbuch möchte aber noch umfangreiche Tests durchführen.

Nur wenige internationale Hersteller wie der südafrikanische Sappi-Konzern - fünfmal so groß wie Koehler - haben für Lebensmittel geeignete Verpackungspapiere bisher zur Marktreife gebracht. Wird das klappen? Wie wird nachhaltige Verpackung ein Erfolg? Wir wissen aber: Monomaterial ist besser recyclingfähig und Papier wird als nachhaltiger wahrgenommen und daher bevorzugt.

Infografik: Vergleich CO2-Fußabdruck Papier vs. Kunststoff

Tabelle: Ausgewählte Anbieter und Technologien

Hersteller Technologie / Material Besonderheit
Koehler (NexFlex / NexPlus Advanced) Papier mit dünner Polymer-Dispersion 19/20 Punkte bei Interseroh+, hohe Barriere, gut recyclingfähig
Nucao Papierverpackungen, zuvor heimkompostierbare Zellulosefolie Komplette Umstellung auf Papier für Sortiment geplant, keine Reklamationen
Walkers Chocolates Papier + Hydropol (Aquapak) Biologisch abbaubar, kompostierbar, kompatibel mit Standard-Recycling
Nestlé (Smarties) Papierhüllen mit dünner wasserlöslicher Beschichtung Teilweise frische Fasern, Recyclingfähigkeit zertifiziert, Umrüstung aufwändig
Interview mit Verpackungsentwicklern über Papierbarrieren

Die gute Nachricht: auch hierzulande wird an der Reduktion des Plastiks geforscht. Beispielsweise an Schokoladenverpackung komplett aus Papier. Viele Entscheidungen fallen aber auch unbewusst, da uns die Verpackung beeinflusst. Hier sind die Händler und Produzenten am Zug, ihren Teil dazu beizutragen, weniger Plastik in die Regale zu stellen.

Ein Anbau im großen Stil wird die weltweite Ernährungssituation sicher nicht ab lindern und ist laut vielen Wissenschaftlern ein Irrweg. Bioplastik: Oft wird Schokolade in Alufolie und Papier oder Plastik verpackt. Umweltschonend geht anders. Die nachwachsenden Rohstoffe für Bio-Verpackungen benötigen landwirtschaftliche Nutzflächen. Dadurch stehen sie in direkter Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Zudem wird bereits für die Produktion des Bio-Plastiks mehr Energie verbraucht als für das konventionelle Produkt.

Die Umstellung auf papierbasierte Verpackungen soll die Herausforderungen der heutigen Snack- und Süßwarenverpackungen angehen. Herkömmliche Kunststoffverpackungen, die aus komplexen mehrschichtigen Strukturen bestehen, sind zwar funktional, erschweren jedoch das Recycling. Mit Hydropol bleibt das Papier vollständig recycelbar und zerfällt am Ende seines Lebenszyklus, ohne schädliches Mikroplastik zu hinterlassen.

tags: #Schokolade #in #Papierverpackung #Vorteile #und #Hersteller

Populäre Artikel: