Schoko-Nikolaus in Blau: Bedeutung, Herkunft und Entwicklung einer Figur
Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit boomt der Verkauf von Schoko-Weihnachtsmännern und Schoko-Nikoläusen - allein in Deutschland verließen zuletzt rund 144 Millionen dieser süßen Hohlkörperfiguren die Produktionsbänder. Doch häufig stehen Konsument:innen vor der Frage: Kauft man einen Nikolaus oder einen Weihnachtsmann? Und welche Bedeutung steckt hinter der oft ungewohnten Darstellung des Nikolaus im blauen Gewand? Dieser Artikel klärt ausführlich die Herkunft, Bedeutung, geschichtliche Entwicklung und aktuelle Bräuche rund um den blauen Schoko-Nikolaus.
Ursprung und Entwicklung des (Schoko-)Nikolaus
Die Figur des Nikolaus basiert auf Nikolaus von Myra, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in Lykien (heute Demre in der Türkei) wirkte und als einer der bekanntesten Heiligen verehrt wird. Sein Todestag am 6. Dezember ist Anlass für Bräuche und Feiern in vielen Ländern Europas, so auch für das Verschenken von Schoko-Nikoläusen. Die Ursprünge der modernen Schokofiguren reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück: Um 1820 entstanden die ersten Nikolausfiguren aus massiver Schokolade - damals echte Luxusgüter. Etwa 20 Jahre später wurde der Hohlkörper erfunden, ein Meilenstein für die industrielle Herstellung und die Verbreitung in verschiedensten Größen und Ausführungen.
Die Herstellung erfolgt heute wie damals nach dem Schleudergussverfahren: Flüssige Schokolade wird in eine zweiteilige Form gegossen, dann gedreht und geschleudert, sodass ein gleichmäßig überzogener Hohlkörper entsteht. Das Verfahren wurde von dänischen Erfindern entwickelt und hat Schoko-Weihnachtsmänner und -Nikoläuse, aber auch Schoko-Osterhasen, weltweit populär gemacht.
Nikolaus oder Weihnachtsmann? Unterschiede und Symbole
Der Schoko-Nikolaus mit Bischofsmütze (Mitra) und Stab bezieht sich auf den historischen Bischof von Myra, den Patron der Kinder, Seeleute und Feuerwehrleute, und erinnert am 6. Dezember an Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Der Weihnachtsmann hingegen ist eine Kunstfigur: Seit dem 19. Jahrhundert, durch kulturelle Einflüsse und insbesondere das Wirken der Werbeindustrie, entwickelte sich das Bild des rotgekleideten, beleibten Geschenke-Bringers (Santa Claus), das mittlerweile international bekannt ist.
Ob ein Nikolaus "echt" ist, lässt sich leicht an der Kopfbedeckung erkennen: Echte Nikoläuse tragen eine Bischofsmütze.
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Der Nikolaus in Blau: Ursprünge, Symbolik und Wandel
Ursprünglich waren Nikolaus und viele Kleriker in der Tradition persischer Könige mit bodenlangen blauen Mänteln und spitzen Hüten gekleidet. Das Blau unterstrich in Antike und Mittelalter den Rang und die Würde des Trägers. Im Mittelalter war Blau aber teuer, der Mantel wurde daher in vielen Darstellungen Maria vorbehalten. Rot war dank Krapp (bis zur Entwicklung synthetischer Farbstoffe 1868) als Stoff- und Farblieferant erschwinglicher und wurde zum Symbol für Märtyrertum - Nikolaus von Myra wurde der Legende nach für seinen Glauben verfolgt und gefoltert.
Die wohl älteste bekannte dreidimensionale Figur eines amerikanischen Santa Claus stammt aus einer US-Spielzeugfabrik in Akron (Ohio) und trägt ein blaues Gewand. Blau blieb lange eine regionale und kultische Variante: In Russland ist der Weihnachtsmann als Väterchen Frost traditionell in Blau gekleidet. Auch archäologische Funde aus dem Mittelmeerraum und mittelalterliche Darstellungen zeigen Nikolaus in blauem Mantel. Erst mit der Zeit, und durch die zunehmende Verbreitung der Figur in Europa und den Einfluss der Auswanderungswellen nach Amerika, setzte sich Rot als universelle Nikolaus-Farbe durch.
Warum verschwand das Blau und wann wurde Rot Standard?
Rot passte besser zur liturgischen Farbenlehre (das Blut der Märtyrer), entwickelte sich zur „Alltagsfarbe“ geistlicher Gewänder und wurde durch massenmediale Einflüsse, insbesondere die Coca-Cola-Werbung mit dem berühmten von Haddon Sundblom entworfenen Weihnachtsmann, weltweit das neue Leitmotiv. In den USA war ein mehrfarbiger, sogar grün gewandeter Weihnachtsmann üblich - bis die Werbeindustrie das Bild vereinheitlichte.
Doch es gibt ihn noch, den blauen Nikolaus. So wird etwa in deutschen Städten ein „Blauer Nikolaus“ speziell für traurige Kinder oder Kinder aus getrennt lebenden Familien gefeiert, um auf besondere soziale Situationen aufmerksam zu machen.
Die Farbe Blau: Materielle Bedeutung und Färbetechnik
Färberwaid und Indigo
Das seltene und teure Blau entstand früher fast ausschließlich durch aufwendige Färbetechnik, etwa mithilfe von Färberwaid (Isatis tinctoria), aus dessen Blättern durch Fermentation der blaue Farbstoff Indigo gewonnen wurde. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Waid ein zentrales Produkt der europäischen Färberei, aufwendig in Produktion und Anwendung. Erst mit der Entdeckung und industriellen Herstellung synthetischen Indigos wurde Blaudruck leichter verfügbar.
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| Epoche | Blaufärbung durch | Bedeutung / Nutzung |
|---|---|---|
| Antike bis Mittelalter | Färberwaid | Luxus, Würde, religiöse Kleidung |
| Industrialisierung | Synthetischer Indigo | Massenware, beliebige Verbreitung |
Moderne Schoko-Nikoläuse: Produktion, Markt und Fairness
Die Schokoladenindustrie produziert jedes Jahr Hunderte Millionen Nikoläuse und Weihnachtsmänner, von denen etwa zwei Drittel in Deutschland bleiben, der Rest wird exportiert - sogar bis nach Australien oder Japan. Von winzigen 10g-Happen bis zu 500g-Großfiguren reicht die Auswahl. Die Schokofiguren bestehen zu 80% aus Vollmilchschokolade, Zartbitter-Ausführungen sind seltener.
Fragen nach fairem Handel sind aktueller denn je: Früher hat sich niemand Gedanken gemacht über den Kakao in einer Schokofigur. Heute ist aber klar, dass die Herkunft des Kakaos - oft unter prekären Bedingungen in Westafrika angebaut - auch ethisch zu bewerten ist. Fairer Handel hat seinen Preis, und Label zur Kennzeichnung von fair gehandeltem Kakao werden immer wichtiger.
Der Tag des Schokoladennikolaus: Moderne Tradition
Seit 2021 wird in Deutschland am 6. Dezember der bundesweite Tag des Schokoladennikolaus gefeiert. Er wurde von Sven Giese ins Leben gerufen und ergänzt weitere süße Aktionstage im Advent. Thematisch schließt der Tag unmittelbar an den traditionellen Nikolaustag an und würdigt die Rolle der Schokofigur als fester Bestandteil des Winterbrauchtums.
Schoko-Nikolaus in Blau als Symbol und Statement
Auch heute noch begegnet man in einzelnen Regionen dem Schoko-Nikolaus in Blau - meist als bewusstes Statement oder im Zusammenhang mit kirchlichen/sozialen Aktivitäten. Die Farbe erinnert an die byzantinischen Traditionen und an den Ursprung des Heiligen, für den Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Fürsprache für Benachteiligte stehen.
Es gibt regionale Unterschiede: In Österreich etwa ist die Schokofigur des Nikolaus mit Mitra seit Jahrzehnten fest etabliert, in Deutschland dominieren Weihnachtsmänner, wobei kleinere Schokoladenunternehmen wie Riegelein gezielt auf den Bischof Nikolaus setzen.
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Ob Nikolaus blau oder rot gekleidet, mit Mitra oder Zipfelmütze: Die kulturellen Wurzeln, die Geschichte der Herstellungsweisen und die Rolle des Schoko-Nikolaus in Brauchtum und Produktwelt sind vielfältig und spannender, als es der Blick ins Süßwarenregal vermuten lässt.
Häufige Fragen zu Schoko-Nikolaus und Weihnachtsmann
- Wer war der heilige Nikolaus von Myra?
Nikolaus wirkte im 4. Jahrhundert als Bischof in Lykien und ist für seine Güte und Nächstenliebe legendär. - Wer hat den Schokoladennikolaus erfunden?
Die ersten Schoko-Nikoläuse stammen aus Deutschland um 1820, zunächst aus massiver Schokolade, später als Hohlfiguren. - Warum ist der Nikolaus manchmal blau?
Ursprünglich in Blau gekleidet, folgte sein Gewand der Tradition ostkirchlicher Kleriker und persischer Könige; Rot wurde durch späteren kulturellen Einfluss dominant. - Werden aus überschüssigen Schoko-Nikoläusen Osterhasen gemacht?
Ein Gerücht: Nicht verkaufte Weihnachtsmänner werden meist als Restposten verkauft oder gespendet, nicht eingeschmolzen.
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