Geschichte und Herstellung von Schoko-Eiern mit Überraschung

Schoko-Eier mit Überraschung, meist bekannt als „Überraschungseier“ oder Ü-Eier, sind aus dem Sortiment der Supermärkte, Tankstellen und Kioske nicht mehr wegzudenken. Seit über 50 Jahren erfreuen sie Kinder und Erwachsene weltweit. Doch wie entstand die Idee des gefüllten Schokoladeneis und warum sind diese Produkte mit so viel Emotionalität und Tradition verbunden?

Die Anfänge der Schokoladen-Ostertradition

Ostern wird im Frühling gefeiert und dieser steht für das Erwachen der Natur. Aus der Epoche des Mittelalters sind österliche Bräuche und auch erste Geschenke dokumentiert. So war es zum Beispiel üblich, dass Hausangestellte wie Mägde oder Knechte ein Ei geschenkt bekamen. Das gebackene Osterlamm wurde ebenso schon zu Ostern angeboten. Der erste Nachweis für den Osterhasen stammt aus dem Jahr 1682. Wobei unklar ist, wie der Hase und Ostern zusammengefunden haben.

Die eine Theorie besagt, dass die Hasen als Symbol für den Frühling und Fruchtbarkeit galten. Außerdem zeigen sich die ansonsten scheuen Tiere insbesondere im Frühling auf dem saftigen Grün der Felder. Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Osterhase eher zufällig und aufgrund eines Missgeschickes zu einem Symbol des Osterfestes wurde. Weit verbreitet war der Brauch, ein Osterlamm zu backen. Der Legende nach missglückte einer dieser Backversuche und heraus kam ein Gebäck, das eher einem Hasen als einem Lamm ähnelte.

Osterbräuche mit Hasen und Lämmern

Die Entwicklung der Schokoladenfiguren zu Ostern

Spätestens nach der Reformation ab Mitte des 17. Jahrhunderts gönnten sich die Menschen Ostereier aus Zuckerwerk und Schokolade. Vor allem für den wohlhabenden Adel konnten Ostergeschenke nicht aufwendig genug sein. Von Sonnenkönig Ludwig XIV wird berichtet, dass er zu Ostern einer Freundin ein Osterei aus Schokolade schickte, das so groß gewesen sein soll, dass es von vier Pferden gezogen werden musste.

Der Durchbruch gelang durch mediale Verbreitung. Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts illustrierte Bücher und Bilderbögen sowie Grußpostkarten verbreiteten, wuchs die überregionale Bekanntheit des Osterhasen. Konditoren nahmen den Trend auf und begannen zur Osterzeit Hasen aus Zucker und auch aus Schokolade zu fertigen. Dafür nutzten sie eiserne Gussformen, die vollständig mit flüssiger Schokolade gefüllt wurden. Die schokoladigen Osterhasen waren wertvolle Einzelstücke, oft mehrere Kilogramm schwer und bis zu 80 cm groß. Viele Motive waren damals beliebt: Einige trugen Körbe auf dem Rücken, in denen nicht nur Eier, sondern auch weitere kleinere Hasen zu sehen waren. Andere hatten eine Pfeife im Mund.

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Schokoladen-Osterhasen und ihre Vielfalt

In den 1920-er Jahren entwickelten Konditoren kleinere Formen und Relief-Hasen, die erstmals Serienfertigungen ermöglichten. Ab etwa 1950 begannen Unternehmen in Deutschland mit dem maschinellen Gießen von Schokoladenhasen als Hohlfiguren. Die gegossenen Osterhasen wurden per Hand in Stanniolfolie eingewickelt. Ein dänisches Unternehmen bot schon 1926 einen vollautomatisierten Prozess mit Metallformen. Später ersetzte Kunststoff die metallenen Formen.

Die Entstehung des Überraschungseis

Diese Geschichte handelt von ihrem Lieblingsschokolade, würden die Briten sagen. Diese Geschichte handelt gar nicht von Schokolade, würden Franzosen oder Belgier naserümpfend einwenden. Erfunden haben es nicht etwa die Schweizer, sondern die Engländer, genauer gesagt strenggläubige Quäker. Die eiförmige Kreation verbindet den einzigartigen Geschmack von kinder Schokolade mit Spiel, Spaß und Spannung.

Ferrero und die Kinder-Überraschung

Kinder-Überraschung wurde 1972 von Ferrero in Italien eingeführt. 1974 brachte Michele Ferrero die Idee auf den deutschen Markt: Spielzeug in gelbe Plastikkapseln verpacken und diese mit Schokolade ummanteln - Das Ü-Ei war geboren. Die ersten Ü-Eier gab es 1974 zu Ostern. Die Eier waren in dunkelblauer Folie eingepackt und wurden als "Nebenprodukt" von KINDER-Schokolade eingeführt. Ein Hase war darauf abgebildet. Bereits Mitte der 70er Jahre gab es die ersten Hartplastikfiguren, die handbemalt ins Ü-Ei gepackt wurden.

Der Designer Peter Bermes war ab Ende 1974 einer der ersten aus einer Gruppe von vier Designern, welche von der Ferrero OHG mit der Gestaltung von Steckspielzeugen beauftragt wurden. Während seiner Tätigkeit bis 1994 wurden mehr als 250 von ca. 4.000 Entwürfen seitens Ferrero realisiert und millionenfach verkauft - das berühmte Sammelobjekt „Drachobert“ stammt von ihm. Heinrich Roth entwarf zwischen 1976 und 1981 über 1000 Ideenvorschläge, von denen zahlreiche umgesetzt wurden. Eine der ersten systematischen Figurenserien waren die von Ferrero patentierten Steckfiguren aus den Kapseln.

Kinder Überraschung - Klassiker und seltene Figuren

Auch Uwe Koch fertigte ab 1977 an die 400 Entwürfe für Ferrero. Sein erstes Modell, das den Weg ins Ei fand, war die Gondel mit Seil. 1977 gab es zu Ostern und zu Weihnachten die ersten Maxi Eier in Deutschland, unterteilt in Blau (Jungen-Spielzeug) und Rosa (Mädchen-Spielzeug), mit ca. 200g Schokoanteil.

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Eine entscheidende Zusammenarbeit entstand ab 1979 mit der belgischen Firma Peyo, gegründet vom berühmten Zeichner der Schlümpfe Pierre Culliford. Aus dieser Partnerschaft stammt die Serie "Erkennst du deinen Schlumpf", die ab 1979 im Ü-Ei vertreten war.

Die Entwicklung und Vielfalt der Figuren

1980 begann eine neue Zeit im Ü-Ei mit Serien wie "Abenteuer im Weltraum" und "Der Hafen, das Tor zur Welt". Für Mädchen gab es Tonfiguren, Schmuck und Puppenstubenmöbel aus Holz und Plastik im Ü-Ei. 1983 begann André Roche, Figuren für die Kinderüberraschung zu kreieren. Die Happy Frogs-Serie (1986) und Tapsi Törtels (1987) ergänzten das Sortiment. 1986 erschien mit den Happy Frogs die erste lizenzfreie Serie im Ü-Ei. Sie gilt als die erste Eigenkreation von Ferrero, weil die Figur Pfiffikus eigens für das Ü-Ei von André Roche geschaffen wurde.

1988 kamen zur Fussball EM die Fussballschlümpfe ins Ü-Ei und wurden ein großer Erfolg. Zu dieser Zeit startete auch der große Ü-Ei-Sammlerboom. 1990 - Zur Fussball WM in Italien erschienen „Die Dribbel Boys“ im Ü-Ei. Die Fussballer sind Figuren des Disney-Films "Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett". 1991 erschien der erste deutsche Ü-Ei-Preiskatalog von Jürgen Ahrens. Mit diesem Katalog kam die "Überraschungseisammelei" richtig in Schwung.

Sammlerfiguren im Kinder-Überraschungsei

Die bunten Hartplastikfigürchen sind seit Beginn der 1980er Jahre fester Bestandteil der Ü-Eier-Serien. Den Anfang machten 1981 die Schlümpfe. Seitdem sind unzählige Figurenreihen erschienen, oft auch in Kooperation wie mit Walt Disney.

Die Innovation: Die Magie der Überraschung

Die eigentliche Magie von kinder Überraschung liegt in der Neugier - diese Mischung aus Aufregung und Vorfreude, wie Kinder sie sonst nur von Ostern kennen, wird mit der Einführung im Jahr 1974 nun täglich erlebbar. Ursprünglich wurde jedes der 100 verschiedenen Spielzeuge im Jahr handgeformt und -bemalt. Das Ei besteht aus 20 Gramm Schokolade in Form einer zweilagigen Hülle, außen braun, innen weiß. Im Inneren befindet sich in einer meist gelben Plastikverpackung eine Gimmick-Figur oder ein kleiner Bausatz.

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Die Produktion der Schoko-Überraschungseier

Die Herstellung beginnt mit der Mischung aus hochwertigem Kakao, Milch und weiteren Zutaten. Diese werden zu einer Schokoladenmasse verarbeitet, die in spezielle eiförmige Formen gegossen wird. Die zweilagige Struktur - außen braun, innen weiß - wird durch den Gießprozess erreicht. Nach dem Abkühlen wird die Schokoladenschale mit einer gelben Kapsel gefüllt, die das Spielzeug enthält. Anschließend werden die Schoko-Eier in Folie verpackt - mit bunt bedruckten Motiven, die oft saisonal angepasst sind.

Prozess der Schoko-Ei-Produktion

Die Sammelleidenschaft und Wert der Ü-Eier-Figuren

Sammler*innen und Liebhaber*innen gibt es ja bekanntlich für alles, so auch beim Ü-Ei. Wer im Keller noch alte Schlumpf-Figuren hat, kann sich glücklich schätzen - für den Nachtwächter-Schlumpf zahlen manche Sammler*innen bis zu 12.000 Euro. Ja, richtig gelesen. Auch andere Figuren können den Kontostand verbessern - ein Durchforsten der alten Erinnerungskisten lohnt sich.

Aufgrund der teilweise hohen Preissteigerungen gerade für ältere Figuren gibt es mittlerweile sogar Fälschungen sowohl von Zubehör als auch ganzen Figuren. Ähnlich wie bei Briefmarken gibt es bei den Überraschungseiern Preiskataloge, die jährlich aktualisiert werden, um Sammlern eine Orientierung zu geben, wie viel ihre Figur tatsächlich wert ist.

Figur Jahr Schätzwert (max)
Nachtwächter-Schlumpf 1981 12.000 €
Drachobert 1979 3.500 €
Happy Frogs Pfiffikus 1986 2.000 €

Kinder Überraschung weltweit - Kontroversen und Meilensteine

Während Kinder in weiten Teilen der Erde den Ü-Eiern frönen dürfen, gibt es Ausnahmen: In den USA sind Ü-Eier aufgrund einer Regelung verboten. Die Regelung untersagt, Spielzeug in Süßwaren anzubieten. Auch Chile hat die Ü-Eier 2016 auf die Verbotsliste gesetzt - zum Schutz und zur Vermeidung von Übergewicht bei Kindern.

Die Firma Candy Treasure, LLC aus Lebanon, New Jersey brachte Ostern 2013 ein sehr ähnliches Produkt "Choco Treasure" auf den Markt, das nach Öffnen der Hülle Schokoladenei und gelbe Plastikkapsel zeigt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden die Eier speziell für Kinder ab drei Jahren empfohlen und die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit der U.S. Food and Drug Administration.

Vergleich US-konformer Überraschungseier und Kinder-Überraschung

Saisonale Designs und Sondereditionen

Zu Ostern und Weihnachten sind spezielle Sonderpackungen mit vier und sechs Überraschungseiern in Deutschland erhältlich. Ferrero bringt jedes Jahr weltweit etwa 20 neue Figurenserien und etwa 150 zusammenbaubare Spielzeuge auf den Markt. Es gibt Dreierpackungen und zwei Adventskalender, die ebenfalls Sonderfiguren enthalten.

Die rosafarbenen, 2012 ursprünglich speziell für Mädchen vermarkteten Überraschungseier mit genderspezifischem Spielzeug wie Feen wurden als sexistisch kritisiert. Ferrero platzierte einzelne Objekte besonders selten, um damit den Verkauf von Überraschungseiern zu erhöhen.

Herstellung und Nachhaltigkeit in der Schokoladenindustrie

Neben klassischen Osterhasen aus Vollmilchschokolade sind Schoko-Eier sowie kleine Lämmer, Küken oder Möhren aus Schokolade sehr beliebt. Dabei legen die Hersteller auch im Ostersortiment großen Wert auf die Herkunft und die nachhaltige Produktion des eingesetzten Kakaos.

Nachhaltige Kakao-Produktion für Schokoladenprodukte

Im Jahr 2019 produzierten die in Deutschland ansässigen Schokoladen-Unternehmen rund 220 Millionen Osterhasen, von denen rund 114 Millionen in Deutschland verkauft und rund 106 Millionen weltweit exportiert wurden.

Technik und Sicherheit heutigen Überraschungseier

Nach Öffnen der Hülle aus bedruckter Alufolie erscheint ein Schokoladenei, das durch eine meridional umlaufende, etwa ein bis zwei mm breite Fuge gefüllt mit gelbem Plastik sichtbar und tastbar in zwei Halbschalen geteilt ist. Dadurch wird auf den nicht essbaren Plastikinhalt deutlich hingewiesen. Die Teilung erfolgt entlang des gelben Stegs und die Halbschalen können mit den Fingern seitlich abgezogen werden - mitunter ohne zu zerbrechen. Damit entpuppt sich die Fugenfüllung als vorstehender Steg des Kunststoffeis, das äquatorial geöffnet werden kann, was den Spielzeuginhalt als innersten Teil freilegt.

Die Sicherheit von Spielzeug im Ü-Ei wird regelmäßig überprüft. Im Januar 2016 erstickte in Toulouse ein Mädchen an einem Rad, das sich von einem Spielzeug löste; dies führte zur Diskussion über die Risiken und zu Korrekturen im Produktdesign.

Sicherheit und Produktdesign beim Überraschungsei

Die Magie bleibt - Ein Ritual, das Generationen verbindet

Das Ü-Ei ist heute eine kleine Belohnung, ein magischer Moment zwischen Kindern und Eltern, Geschwistern und Freunden. Seine Mischung aus Aufregung, Vorfreude und der immer neuen Überraschung macht das Produkt weltweit einzigartig. Ferrero bringt weiterhin innovative Serien und Sonderausgaben auf den Markt - von Hörspielen zu Happy Hippos, CDs mit neuen Texten, Game-Boy-Spielen und Online-Inhalten.

Das Markenzeichen des Überraschungseis, der rot-weiße Eiermann Kinderino, entstand 1981 und ist nicht nur in Deutschland bekannt. Zu Ostern, Weihnachten oder einfach zwischendurch - das Schoko-Ei mit Überraschung steht als Symbol für Spiel, Spaß und Spannung und bleibt ein Stück Alltagskultur.

Kinderino - das Maskottchen des Überraschungseis

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