Schoko Bons enthalten Mehlwürmer: Gerüchte, Fakten und der Blick hinter die Zutatenliste
Diese Vorstellung ist nicht nur für viele Veganer abschreckend. Doch diese Insekten sind längst Bestandteil der Süßwarenindustrie. Aktuell kündigt mit Ferrero aber der erste Hersteller an, ein beliebtes Produkt künftig ohne Insekten-Bestandteile zu verkaufen.
Neue EU-Verordnung und der Wandel der Insektennutzung in Lebensmitteln
Eine neue EU-Verordnung erlaubt seit Anfang 2023 die Verwendung neuer Insekten-Arten für die Nahrungsmittel-Produktion. Dabei sind andere Insekten schon längst Bestandteil von Süßigkeiten oder anderen Lebensmitteln. Mit der Verordnung wurden neue, bestimmte Insektenarten für die Lebensmittelverarbeitung zugelassen.
Neu seit 2023: Getreideschimmelkäfer (Alphitobius diaperinus) sowie weitere Insekten wie bestimmte Käfer und Grillen dürfen in Lebensmittel verarbeitet werden. Bereits seit 2021 sind Mehlwürmer und Wanderheuschrecken zugelassen, die Hausgrille (Acheta domesticus) wurde 2022 in gefrorener, getrockneter oder pulverisierter Form genehmigt. Durch diese Erlaubnisse finden sich Insektenbestandteile in einer wachsenden Bandbreite von Produkten.
Welche Insektenarten kommen schon heute in Lebensmitteln vor?
Überblick: diese Insekten kann man schon jetzt in Lebensmitteln finden (lateinische Bezeichnungen sind in Klammern angegeben):
- Larve des gelben Mehlwurms (Tenebrio molitor) - darf als ganzes Insekt oder in Pulverform verwendet werden
- Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) - darf ohne Beine und Flügel getrocknet oder gemahlen beigemengt werden
- Hausgrille (Acheta domesticus) - darf im Ganzen, gefroren, gefriergetrocknet oder zu Pulver zermahlen verwendet werden
- Getreideschimmelkäfer (Alphitobius diaperinus) - neu seit 2023
In vielen Süßigkeiten begegnen uns jedoch schon länger Bestandteile wie Schellack und der Farbstoff Karmin, die oft versteckt auf den Zutatenlisten erscheinen.
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Schellack und Karmin: zwei häufige Insektenprodukte in Süßigkeiten
Roter Farbstoff „Karmin“ kommt von Scharlachschildläusen. Bislang wurde Karmin unter den Bezeichnungen „roter Karmin“, „Karmin“ oder „E120“ geführt. InKosmetikprodukten findet sich der Farbstoff zudem unter „CI 75470“, „Carmine“ oder „Choenille“. Für die Herstellung werden trächtige Läuse getrocknet und ausgekocht. Hersteller wie M&Ms, Trolli oder Milka verwenden Karmin bzw. Karmin-haltige Farbstoffe in unterschiedlichen Produkten.
Aus der Ausscheidung von Lackschildläusen wird Schellack gewonnen, eine harzige Substanz, die als Glanz-Überzug dient. In der Zutatenliste kann Schellack als „E 904“ ausgewiesen sein. Bezeichnet wird Schellack oft als Überzugsmittel in Schokoladenprodukten und anderen Süßigkeiten.
Ferrero kündigt Verzicht auf Schellack in Schoko-Bons an
Bis vor Kurzem war Schellack auch in Ferrero Schoko-Bons als Zutat enthalten. Ferrero hat jedoch die Rezeptur geändert und nutzt künftig Gummi arabicum statt Schellack. Gegenüber inFranken.de erklärte die Pressestelle des Unternehmens, dass künftig das gleiche einzigartige Geschmackserlebnis von Kinder Schoko-Bons mit einer Zutatenliste angeboten wird, in der Schellack kein Bestandteil mehr ist. Restbestände der alten Version können allerdings noch im Handel liegen.
In den sozialen Medien hatten zuvor Fans auf das Fehlen der Zutat hingewiesen. Laut Ferrero sind die neuen Schoko-Bons ohne Schellack bereits erhältlich.
Tierische Bestandteile in der Lebensmittelindustrie: Was bedeutet das?
Die Verwendung von Schellack und Karmin spricht eine wichtige Thematik an: Lebensmittel können tierische Bestandteile enthalten, ohne dass dies sofort offensichtlich wird. Veganer und Vegetarier prüfen daher besonders die Zutatenlisten sorgfältig. Um tierische Zusätze zu vermeiden, helfen Siegel wie das V-Label (vegan/vegetarisch) oder die Veganblume der Vegan Society, die sicherstellen, dass keine tierischen Bestandteile enthaltet sind.
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Auf der Zutatenliste müssen der deutsche und lateinische Name des Insekts genannt werden, zum Beispiel „Acheta domesticus (Hausgrille, Heimchen)“, sowie die Darreichungsform des Insektenbestandteils. So wird Transparenz geschaffen, damit Verbraucher informierte Entscheidungen treffen können.
Warum manche Verbraucher Insekten in Lebensmitteln ablehnen
Für einige Menschen sind Insektenbestandteile in Lebensmitteln distanzierend oder unappetitlich. Dennoch gelten Insekten in vielen Teilen der Welt als ressourcenschonende, proteinreiche Alternative zu herkömmlichen tierischen Produkten. Allergien gegen bestimmte Insektenbestandteile, Allergien gegen Krebstiere oder gegen Hausstaubmilben können jedoch auftreten. Wer sicher gehen möchte, wählt Produkte mit passenden Labels und prüft die Inhaltsstoffe sorgfältig.
Wie man beim Einkauf sicher zu veganen oder vegetarischen Produkten gelangt
Der einfachste Weg ist das Achten auf V-Label oder Veganblume. Diese Kennzeichnungen schließen tierische Bestandteile aus. Ebenso helfen detaillierte Zutatenangaben, inklusive Veröffentlichung des lateinischen Infektionsnamens des Insekts. Wer ganz sicher gehen möchte, vermeidet Produkte, die Schellack oder Karmin enthalten.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
- Seit 2023 dürfen neue Insektenarten wie Getreideschimmelkäfer in Lebensmitteln verarbeitet werden.
- Insektenbestandteile wie Mehlwürmer, Wanderheuschrecken und Hausgrillen sind in verschiedenen Produkten verbreitet, oft versteckt.
- Schellack (E 904) und Karmin (E 120) stammen aus Insekten und finden sich in zahlreichen Produkten; Ferrero hat Schellack in Schoko-Bons durch Gummi arabicum ersetzt.
- Um tierische Bestandteile zu vermeiden, helfen vegane/vegetarische Labels und eine genaue Prüfung der Zutatenliste.
Woran erkennt man konkret, ob ein Produkt Insektenbestandteile enthält? Die EU-Vorgaben schreiben vor, dass der lateinische Name des Insekts sowie die Darreichungsform angegeben werden müssen. Zudem sind Label wie V-Label oder Veganblume hilfreiche Orientierungspunkte beim Einkauf.
Seit Januar 2023 sind Grillen in der EU als Lebensmittel zugelassen. In welchen Lebensmitteln die Tiere bereits enthalten sind, variiert, aber die neuen Regelungen ermöglichen eine breitere Nutzung von Insekten in der Lebensmittelproduktion. Ferrero hat angekündigt, seine Schoko-Bons künftig ohne Insektenbestandteile herzustellen, was einen bedeutenden Schritt in Richtung Transparenz und Verbraucherwunsch nach klarer Kennzeichnung darstellt.
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