Lebensweise, Honigproduktion und ökologische Bedeutung der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis)

Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) ist eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Wildbienen Mitteleuropas. Sie gehört zur Familie der Megachilidae, Tribus Osmiini und ist in ganz Europa, über Nordafrika bis nach Zentralasien sehr verbreitet. Als sogenannte Solitärbiene lebt sie nicht in Staaten, sondern jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und versorgt die Nachkommen alleine. Im Vergleich zu Honigbienen, die sich in einem Volk mit bis zu 50.000 Individuen die Arbeit teilen, muss jede Mauerbiene sich selbst und ihre Nachkommen mit Nahrung versorgen.

rote mauerbiene charakteristik

Merkmale und Anatomie der Roten Mauerbiene

Lat. Osmia bicornis, so die lateinische Bezeichnung der Roten Mauerbiene, ist schwarzgrün bis bronzefarben und an Kopf, Thorax und Abdomen rotbraun behaart. An der Brust und am vorderen Teil des Hinterleibs ist die Rote Mauerbiene rötlich behaart, was zu ihrem Namen geführt hat. Am Hinterleibsende besitzt sie schwarz gefärbte Haare. Die Weibchen haben eine Körperlänge von 10-12 mm und besitzen eine leuchtend orange gefärbte Bauchbürste mit vielfach verzweigten Haaren, die zur Einbringung des Pollens dient. Die Männchen sind kleiner und schlanker als die Weibchen und tragen eine weiße Gesichtsbehaarung, während Weibchen eine schwärzlich-braune Gesichtsbehaarung besitzen. Gemeinsam mit dem Weibchen der verwandten Gehörnten Mauerbiene hat das Weibchen neben den Fühlern zwei nach vorne gerichtete Hörnchen auf dem Kopfschild.

Lebensweise und Entwicklung

Mauerbienen leben solitär, d. h. sie bilden keine Staaten wie Honigbienen. Jedes Weibchen baut sein eigenes kleines Nest in röhrenförmigen Hohlräumen und bringt eine relativ kleine Zahl von Nachkommen hervor. Die Weibchen der Roten Mauerbiene brüten einmal im Jahr. Nach der Begattung beginnen sie in bevorzugt röhrenförmigen Hohlräumen mit der Ablage von bis zu 20 Eiern: auf einem kleinen Vorrat aus Pollen und Nektar wird jeweils ein einzelnes Ei abgelegt und die Brutzelle anschließend mit Lehm verschlossen.

  • Nach der Eiablage verschließen die Weibchen die Brutzelle.
  • Als Baumaterial für die Begrenzung der Brutzellen verwenden sie feuchte Erde oder mit Speichel vermischten Lehm.
  • Die Zellen sind durch Querwände voneinander getrennt und linear aufgebaut.
  • Die Mauerbienen schlüpfen im Frühjahr aus ihren Nestern, wobei die Männchen meist einige Tage vor den Weibchen schlüpfen.
  • Nach der Paarung widmen sich die Weibchen ausschließlich dem Nestbau und der Versorgung der Brutzellen.

Nach wenigen Tagen schlüpft aus dem Ei eine Larve, die sich vom Pollenvorrat ernährt und schnell wächst. Nach etwa zwei bis vier Wochen ist der Nahrungsvorrat aufgezehrt. Dann spinnt die Bienenmade einen Kokon, in dem die Verwandlung zum fertigen Insekt stattfindet. Von Mitte Juli bis zum folgenden Frühjahr verbleiben die fertigen Mauerbienen im Stadium des Vollinsekts (Imago) in ihrem Kokon in Diapause.

Flugzeit und Aktivitätsradius

Mauerbienen sind von März bis Juni aktiv und siedeln in ländlichen wie städtischen Gebieten. Die natürliche Flugzeit der Gehörnten Mauerbiene liegt etwa zwischen Mitte März und Mitte Mai, die der Rostroten Mauerbiene von Ende April bis Mitte Juni. Erwachsene Mauerbienen leben nur etwa 4 bis 6 Wochen, bevor ihre Lebensspanne endet. Ihr Flugradius beträgt meist nur wenige Hundert Meter, sie sammeln Pollen - sofern ausreichend vorhanden - nur in der Nähe ihres Nestes. Honigbienen haben hingegen einen Aktionsradius bis zu 5 Kilometer.

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Bienenart Flugzeit Lebensdauer Flugradius
Rote Mauerbiene März-Juni 4-6 Wochen Hundert Meter
Honigbiene April-September Wochen bis Monate Bis zu 5 km

Nistplätze und Bestäubungsleistung

Die Rote Mauerbiene ist bei der Wahl ihres Nistplatzes so flexibel wie keine andere Bienenart: Natürlicherweise baut sie ihre Nisthöhlen in kleine Lücken in Hausfassaden, in weichen Mörtel oder Totholz. Typische Lebensräume sind strukturreiche Biotope wie Waldränder und Waldlichtungen, regelmäßig wird die Rostrote Mauerbiene aber auch im Siedlungsbereich angetroffen. Nistplätze sind bestehende Hohlräume verschiedenster Form und Größe, wie beispielsweise Bohrgänge in Holz, hohle Pflanzenstängel, Ritzen und Löcher in Löß- und Lehmwänden und in Mauerwerk.

Mit etwas handwerklichem Geschick können Sie sogar ein Bienenhotel für Wildbienen selber bauen. Der Innendurchmesser der Stängel sollte zwischen 6 und 10 mm liegen. Die Stängellänge kann je nach Nisthaus-Design variieren, sollte aber zwischen 12 und 20 cm liegen. Schneiden Sie die Pflanzenstängel auf die gewünschte Länge, jeweils unterhalb des Knotens. So hat jeder abgeschnittene Stängel ein offenes und ein geschlossenes Ende. Bündeln Sie die Stängel fest mit Klebeband, Kabelbindern, Schnur oder Draht.

nisthilfen für mauerbiene

Honigproduktion: Unterschiede zur Honigbiene

Es ist der größte Unterschied zwischen der Honigbiene und ihren wilden Schwestern: Mauerbienen produzieren keinen Honig. Honigbienen sammeln Nektar, um daraus Honig als Nahrungsvorrat zu machen. So kann das Bienenvolk den Winter gut versorgt überleben. Mauerbienen müssen keine großen Vorräte anlegen. Während ihres kurzen Lebens sammeln die Weibchen Pollen und Nektar, aus denen sie Pollenbrote für die nächste Generation formen. Den Großteil des Nektars brauchen Mauerbienen als Treibstoff für die kräftezehrenden Flüge zwischen Blüten und Nest. Aus Nektar Honig zu machen, wäre für Wildbienen nicht sinnvoll.

Biologie der Bestäubung

Mauerbienen werden sehr selten zur Bestäubung von Pflanzen eingesetzt, obwohl einige Arten aufgrund einer Jahrtausende langen Entwicklung eine innige Symbiose mit bestimmten Pflanzen eingegangen sind. Deshalb können sie diese besonders gut bestäuben - manche Wildbienen sogar nur als einzige Art. Stirbt diese Bienenart, stirbt auch die Pflanze aus. Wildbienen werden im Ausland seit Jahrzehnten zur Bestäubung von Obstbäumen eingesetzt. Japan war der Pionier. Heute werden in Japan 75 % der Obstanbauflächen durch Mauerbienen bestäubt. In Europa wird die Rostrote Mauerbiene als effektiver Bestäuber von Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen eingesetzt.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Mauerbienen viel effizienter beim Bestäuben vieler Obstsorten sind als Honigbienen. Mauerbienen transportieren mehr Pollen, was insgesamt zu einer größeren und höherwertigeren Ernte führt. Mauerbienen sind pelzig behaart. In ihrem dichten Haarkleid hängt viel Pollen. Während Honigbienen sehr weite Aktionsradien haben, bis zu 5 Kilometer, sammeln Mauerbienen ihren Pollen nur in der Nähe des Nestes. Ihr Flugradius beträgt meist nur wenige Hundert Meter.

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Bestäubung im Obstbau

Obstbäume sind hinsichtlich ihrer Bestäubung sehr vielfältig. Es gibt selbstbestäubende und fremdbestäubende Arten sowie Übergänge zwischen ihnen. Die meisten Kern- und Steinobstarten sind aufgrund ihrer Selbststerilität auf Fremdbestäubung durch andere kompatible Sorten angewiesen. Fast alle in unserem Land angebauten Obstarten sind auf die Bestäubung der Blüten durch Insekten angewiesen, um einen möglichst hohen Ertrag und qualitativ hochwertige Früchte zu erzielen. Die Hauptbestäuber sind Honigbienen (in der Literatur wird ein Anteil von bis zu 90 % angegeben), gefolgt von Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen.

bestäubung obstbäume

Ein großer Vorteil der Mauerbienen ist ihr deutlich geringerer Temperaturanspruch als der von Honigbienen. Sie fliegen bei niedrigeren Temperaturen aus und beginnen daher früher mit der Bestäubung. Sie sind auch bei kaltem und bewölktem Wetter aktiv. Die Gehörnte Mauerbiene fliegt bei sonnigem Wetter schon bei Temperaturen von 4°C aus. Die Rostrote Mauerbiene startet etwa ab 10°C. Honigbienen beginnen später, etwa bei 12°C mit dem Flug.

Arten der Mauerbiene und ihre Bedeutung

Als Gärtner interessieren uns insbesondere zwei einheimische europäische Mauerbienenarten als zuverlässige Bestäuber einer Vielzahl von Obstarten: die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) und die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta). Beide Arten sind leicht zu halten, leicht zu vermehren und extrem anpassungsfähig. Sie sind zudem ein höchst effektiver Obstbaumbestäuber. Die etwas früher fliegende Gehörnte Mauerbiene eignet sich ideal zur Bestäubung von frühblühendem Steinobst wie Mandeln, Kirschen, Aprikosen, Pfirsichen, Sauerkirschen und Pflaumen. Die Rostrote Mauerbiene ist ein idealer Bestäuber von später blühendem Steinobst und Kernobst wie Birnen und Äpfeln sowie Erdbeeren. Mauerbienen sind außerdem hervorragende Bestäuber von Beerenobst wie Himbeeren, Stachelbeeren und Heidelbeeren.

Weltweit gibt es mehrere hundert Mauerbienenarten der Gattung Osmia. Mauerbienen verdanken ihren Namen ihrer Angewohnheit, Schlamm oder andere „Mauerwerk“-Materialien zum Nestbau zu verwenden.

Förderung und Haltung im Garten

Sie können Mauerbienen in Ihrem Garten nicht nur zum Spaß, sondern auch zu ihrem Nutzen halten. Diese Bienen leisten Ihnen im zeitigen Frühjahr wertvolle Bestäubungsdienste, wenn Honigbienen aufgrund kühlerer Temperaturen weniger aktiv Obstbäume bestäuben. Alles, was diese Bienen brauchen, um sich in Ihrem Garten oder Obstgarten wohlzufühlen, sind blühende Pflanzen und Obstbäume, Zugang zu Schlamm und ein Nistplatz - eine Kiste oder ein Haus mit hohlen Pflanzenstängeln, Pappröhren oder Holzlöchern, wo sie vor Regen und Fressfeinden geschützt sind.

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  • Um Mauerbienen zu locken, bereiten wir im zeitigen Frühjahr verschiedene Nisthilfen für die Bienen vor, wie z. B. abgebundene hohle Pflanzenstängel, zugeschnittene Pappröhren, Holzstümpfe, Baumstämme mit Bohrungen oder Hohlziegel.
  • Diese stellen wir an einen trockenen und warmen Ort, am besten an der Haus- oder Schuppenwand.
bau eines bienenhotels

Die beste Zeit für den Kauf von Kokons ist der Winter oder das zeitige Frühjahr, da sich die Bienen zu dieser Zeit in der Diapause befinden und ihr Transport einfach ist. So können Sie sie auch schnell in der Nähe des Bienenhauses platzieren, sodass sie kurz nach dem Kauf schlüpfen können. Etwa zwei Wochen vor Beginn der Blüte der Obstbäume (je nach Witterung zwischen Anfang März und Anfang April) sollten die Mauerbienen-Nisthilfen ausgelegt und platziert werden.

Praktische Erfahrungen und Pilotprojekte

Im Obstbau, der vor allem auf Insektenbestäubung angewiesen ist, keimt jetzt Hoffnung: In einem Pilotversuch in Rostock wurde als Alternative zur anfälligen Honigbiene der Einsatz der robusteren Roten Mauerbiene getestet. Schuld an den vernichteten Bienenvölkern sind unter anderem eine spezielle Bakterieninfektion und eine "Killer"-Milbe, der selbst Gifte nichts anhaben können. Ziel des Projektes war es, mit der Roten Mauerbiene auf einer 230 Hektar großen Obstanbaufläche vor allem Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume zu bestäuben.

Die optimale Besatzdichte der Bienen und ihre Verteilung auf den Flächen wurden untersucht, Nisthilfen für Massenzuchten weiterentwickelt und getestet, Kosten von Haltung, Lagerung, Überwinterung und Parasitenbekämpfung berechnet. Ein komplettes Bestäubungsmanagementprogramm als Leitfaden für die Nutzung der Roten Mauerbiene als Bestäuber in Obstplantagen und Kleingärten wurde entwickelt. Zielgruppe sind kommerzielle und private Obstgärtner sowie Bienenzüchter.

Kritik und Diskussion um die Rolle der Mauerbiene

Die industrielle Vermehrung einer einzelnen Art ist keine adäquate Antwort auf den alarmierenden Rückgang verschiedener Bienenarten in Mitteleuropa, sondern macht im Gegenteil die Hilflosigkeit und Dummheit der Menschen umso sichtbarer. Der Rückgang von Pflanzenarten, die durch verschiedene Bienenarten bestäubt werden, beträgt durch den massiven Rückgang von Bienen stellenweise bereits 70 Prozent. Die Honigbiene befliegt mehr als 120 Blütenpflanzenarten und ist damit ein Generalbestäuber. Da die Imker Bienenvölker mit großer Individuenzahl in der Landschaft flächendeckend aufstellen, würde ein weiterer Rückgang gerade der Honigbiene gravierende Auswirkungen auf die Bestäubung von Wildpflanzen haben.

bestäubung ökosystem

Bis jetzt bemühen sich Imker und Naturschützer gemeinsam um weniger/keine synthetischen Spritzmittel im Obstbau und gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Diese Koalition würde bei Erfolg des Projektes zunehmend bedeutungslos: In hochintensiven Obstanbaubetrieben würde die Rote Mauerbiene (neben der bereits industriell angebotenen Hummel) die Bestäubung vornehmen. Anders als beim Einsatz der Honigbiene, wo Spritzmittel nur eingeschränkt zur Anwendung kommen dürfen und langjährige Völkerführung notwendig ist, spielt die Gesunderhaltung der eingesetzten Tiere keine große Rolle mehr.

Bedeutung für Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft

Der Versuch stabilisiert und sichert nicht nur Erträge in Landwirtschaft und Obstbau. Er unterstützt auch die Biodiversität von Fauna und Flora durch den Einsatz einheimischer bestäubender Insekten. Die Rote Mauerbiene gilt als extrem anpassungsfähig, leicht zu halten und zu vermehren und ein höchst wirkungsvoller Obstbaumbestäuber mit wesentlich größerer Leistung als die Honigbiene. Mauerbienen sind flexible Bestäuber - da jedes Weibchen alleine lebt, sind sie auch für kleine Gärten oder Gewächshäuser hervorragend anwendbar.

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Mauerbienen gehören zur Familie der Bauchsammlerbienen (Megachilidae). Sie tragen ihren Pollen trocken in einer Bauchbürste an der Unterseite des Hinterleibs. Landet die Mauerbiene auf einer Blüte, kommt der klebrige Stempel der Blüte gleich mit dem trockenen Pollenvorrat der Bauchbürste in Kontakt. Dieser Mechanismus fehlt bei Honigbienen, diese sammeln den Pollen in den Körbchen der Hinterbeine. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Mauerbienen viel effizienter beim Bestäuben vieler Obstsorten sind als Honigbienen.

Fazit: Mauerbienen im Garten und Obstbau

Die Rote Mauerbiene ist ein idealer Bestäuber für den Obstbau, kann leicht im eigenen Garten gehalten werden und trägt durch ihre solitäre Lebensweise, Flexibilität und Effizienz zur Erhaltung der Biodiversität bei. Die Honigproduktion entspricht nicht ihrem Lebensmodell - sie nutzen Nektar und Pollen direkt für die Versorgung der Nachkommen. Ihre Rolle als flexibler Bestäuber und ihre Robustheit machen sie in Zeiten des Bienenschwunds und von Krankheiten zu einem Hoffnungsträger in Landwirtschaft und privatem Gartenbau.

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