Rayon Schokolade Migros Sortiment und Geschichte
Die Schokolade hat in der Schweiz eine lange Tradition und ist ein bedeutender Bestandteil der Migros als grosser Schweizer Detailhändler. Die Geschichte der Migros-Schokolade und besonders der Marke Chocolat Frey, die seit 1950 zur Migros gehört, ist eng mit der Entwicklung der Schweizer Schokoladenindustrie verknüpft.
Die Anfänge der Chocolat Frey und frühere Herausforderungen
Die Gebrüder Robert (* 1861) und Max Frey (* 1863) gründeten 1887 in Aarau die Kollektivgesellschaft R. & M. Frey, nachdem sie bereits Erfahrung in der Schokoladenproduktion gesammelt hatten. Robert Frey wurde in Paris zum Kaufmann ausgebildet und beschäftigte sich früh mit der technischen Seite der Schokoladenherstellung, was sich später für das Unternehmen als Vorteil erwies. Der Betrieb wurde bald zur Aktiengesellschaft umgewandelt, erwarb frühzeitig eine ehemalige Baumwollspinnerei als Produktionsstätte und etablierte sich in Aarau.
Die schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise und der Weltkriege stellten eine Herausforderung dar. So brach der Export im Ersten Weltkrieg zusammen, nachdem die Schweiz zwar von den offenen Zöllen profitierte, aber die Rohstoffbeschaffung erschwert war. Auch im Zweiten Weltkrieg erschwerten neue Einfuhrbestimmungen von Kakao und Zucker das Geschäft, zusätzlich zum Wehrdienst vieler Mitarbeitenden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserte sich die Lage dank eines markanten Wirtschaftswachstums.
Die Übernahme durch die Migros und Expansion
1950 übernahm die Migros die Aktienmehrheit an der kränkelnden Chocolat Frey und sorgte damit für den Fortbestand und Wachstum des Unternehmens. Ein Jahr später konnten erstmals Frey-Schokoladen in Migros-Filialen gekauft werden. Aufgrund des schnellen Wachstums wurde 1967 der Firmensitz von Aarau nach Buchs verlegt, wo in einer neuen Fabrik zeitgleich die Schokoladeproduktion der ebenfalls von Migros betriebenen Jowa AG integriert wurde.
Die Jowa AG: Ursprünge und Bedeutung
Die Jowa AG wurde 1931 in Zusammenarbeit zwischen dem Textilfabrikanten Heinrich Spoerry und Gottlieb Duttweiler, dem Gründer der Migros, gegründet. In einer Krisensituation, in der Schweizer Schokoladenhersteller Lieferboykotte verhängten, produzierte die Jowa günstige Schokolade, die vor allem auch in Migros-Filialen verkauft wurde. Die Fabrik expandierte schnell, musste mehrmals verlegt und erweitert werden. Teile der Produktion wurden später an Chocolat Frey abgegeben, wobei beide Unternehmen bis heute eine wichtige Rolle in der Migros-Schokoladenproduktion spielen.
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Sortiment und Produktion von Migros-Schokolade
Chocolat Frey produzierte zuletzt über 2400 verschiedene Artikel, darunter Tafelschokoladen, Riegel wie Blox, Risoletto und Giandor, Truffes, Pralinen sowie Kaugummis. Die bekanntesten Tafelschokoladen der Marke sind durch ihre Qualität und Vielfalt geprägt. Besonders beliebt ist die "Milch extra fein", eine der meistverkauften Tafelschokoladen in der Schweiz. Neben Schokolade stellte das Unternehmen ab 1974 auch Kaugummis für die Migros und den Export her.
In den letzten Jahrzehnten wurde viel in Nachhaltigkeit investiert. Die Chocolat Frey AG reduzierte ihren Energieverbrauch erheblich durch Nutzung von Fernwärme und umweltfreundliche Produktionsmethoden. Zudem engagiert sich die Firma sozial, beispielsweise mit Unterstützung von SOS-Kinderdorf in Ghana. Kritische Diskussionen entstanden um Zusatzstoffe wie Titan(IV)-oxid (E171) in Kaugummis, die Migros ab 2019 nicht mehr einsetzte.
Sortimentumsstruktur und Produktionsverlagerungen
Bis zum jüngsten Strategiewechsel ändert die Migros ihre Eigenmarkenumstruktur. Ein Teil der M-Preis Schokoladen wird jetzt nicht mehr vollständig schweizerisch produziert, sondern teilweise importiert, insbesondere aus Deutschland und Belgien. Dies führte zu Kritik von Konsumenten, die sich Schweizer Qualität wünschen. Die Migros rechtfertigt dies mit Kostengründen, da die Produktion in Deutschland günstiger ist und das M-Preis-Segment preislich im unteren Bereich angesiedelt ist.
Die Premium-Schokolade der Marke Frey ist jedoch weiterhin zentral im Sortiment. Trotz der Schliessung des Besucherzentrums in Buchs 2021 und einer leichten Reduktion des Offenverkaufs am Flughafen bleiben Frey-Schokoladen stark vertreten. Auch der Auftrag für die Bordschokolade der Swiss Airlines, der seit 2015 mit Chocolat Frey besteht, ist von hoher Bedeutung für das Prestige des Unternehmens.
Internationale Expansion und US-Markt
Seit 2014 besitzt Migros mit Sweetworks eine Tochterfirma in Buffalo, New York, die den US-amerikanischen Markt beliefert. Die Übernahme dieser Firma, die Schokolade, Kaugummis und Zuckerdekorationen herstellt, dient als Sprungbrett für die Positionierung von Frey in den USA. Über 1900 Walgreens-Filialen verkaufen mittlerweile Frey-Produkte, was einen grossen Schritt zur Etablierung der Marke in einem sonst für Schweizer Schokolade unbekannten Markt darstellt.
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Die Expansion erfolgte nach einer Neuorientierung von einer kostspieligen Präsenz in Duty-Free-Shops hin zu einem Fokus auf Supermärkte und Apotheken. Die Konkurrenz mit internationalen Marken wie Ferrero, Cadbury, Storck sowie Schweizer Marken wie Toblerone und Lindt ist gross. Zusätzlich stellt das wachsende Gesundheitsbewusstsein der amerikanischen Konsumenten eine Herausforderung dar.
Ein weiterer strategischer Vorteil ist die Kooperation mit Amazon, die Migros kurz- bis mittelfristig eine Plattform für den Online-Verkauf von Frey-Schokolade ermöglichen soll. Amazon besitzt zudem die Premium-Lebensmittelkette Whole Foods, was potenziell weitere Vertriebskanäle in den USA eröffnet.
Markenentwicklung und Firmensitz
Die Chocolat Frey AG ist eine Marke mit starkem Bezug zu ihren Gründern, deren Familienwappen und der Tradition. Seit der Verlegung des Produktionsstandorts nach Buchs 1966 wurde der Betrieb kontinuierlich ausgebaut und modernisiert. Die Produktionsanlagen umfassen heute rund 70'000 m², auf denen täglich über 500'000 Tafeln Schokolade gefertigt werden. Die Migros-Gruppe bündelte 2021 mehrere Eigenmarken wie Delica und Midor unter der Firma Delica AG, sodass Frey heute als Marke unter diesem Dach fortbesteht.
Tabelle: Wichtige Ereignisse in der Geschichte von Chocolat Frey und Migros Schokolade
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1887 | Gründung der Kollektivgesellschaft R. & M. Frey in Aarau |
| 1931 | Gründung der Jowa AG als Zweig von Migros zur Schokoladenproduktion |
| 1950 | Übernahme der Aktienmehrheit von Chocolat Frey durch Migros |
| 1967 | Verlegung des Produktionsstandorts von Aarau nach Buchs |
| 2014 | Übernahme der US-Schokoladenfirma Sweetworks durch Migros |
| 2021 | Zusammenführung von Chocolat Frey mit weiteren Marken zur Delica AG |
Die Geschichte der Migros-Schokolade und der Marke Frey ist geprägt von Innovation, Anpassung an wirtschaftliche Herausforderungen, sowie strategischer Expansion ins In- und Ausland. Trotz internationalem Druck und Produktionsverlagerungen bleibt Schweizer Qualität und Tradition für die Migros ein wichtiges Gut.
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