Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in Deutschland: Statistik, Ursachen und Folgen
Zucker ist ein fester Bestandteil in unserer Ernährung, ein übermäßiger Konsum kann jedoch ein Risiko für unsere Gesundheit darstellen. Als Zusatz in vielen Lebensmittel oder Getränken wird Zucker als beliebter Geschmacksverstärker in der Ernährungsindustrie eingesetzt.
Aktuelle Verbrauchszahlen und Produktion
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Kilogramm auf 33,2 Kilogramm. Durchschnittlich 33 Kilogramm Zucker konsumiert jeder Mensch in Deutschland laut Daten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) - das entspricht etwa 30 Stück Würfelzucker (a drei Gramm) pro Tag. Zugleich wies das Bundesamt darauf hin, dass der jährliche Zuckerverbrauch pro Kopf im Jahr 2023 in Deutschland bei 41,2 Kilogramm gelegen habe - rechnerisch jeden Tag 38 Stück Würfelzucker. 41,2 Kilogramm pro Person: so hoch war laut Welternährungsorganisation FAO im Jahr 2023 der Jahresverbrauch an Zucker in Deutschland. Das entsprach einer Tagesmenge von rund 38 Stück Würfelzucker. Für Zucker gilt das Wirtschaftsjahr 1. Oktober 2024 bis 30. September 2025. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 stellten die Zuckerfabriken in Deutschland 4,7 Millionen Tonnen Zucker her und damit fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Grund für die gestiegene Herstellungsmenge war eine deutlich höhere Erntemenge an Zuckerrüben, die 2024/25 rund 36,7 Millionen Tonnen betrug. Das waren gut fünf Millionen Tonnen mehr als ein Jahr zuvor. Die Menge an Zucker, die für die inländische Verwendung zur Verfügung stand, betrug im Wirtschaftsjahr 2024/25 rund 3,1 Millionen Tonnen. Davon wurden im Berichtsjahr 90 Prozent für Nahrungszwecke verwendet. Im Vorjahr waren es 93 Prozent. Die Zuckerverwendung in der Industrie ist ebenfalls gestiegen: 267.000 Tonnen Zucker (+53 Prozent) flossen in die Energieherstellung, zum Beispiel von Bio-Ethanol, und in die chemische Industrie. Insgesamt wurden laut FAO im Jahr 2024 weltweit auf rund 31,5 Millionen Hektar Zuckerpflanzen angebaut. Die wichtigsten Erzeugerländer für Zuckerrohr sind Brasilien, Indien, China, Pakistan und Thailand. Hauptanbauländer für Zuckerrüben sind die Russische Föderation, Deutschland, Frankreich, die Vereinigten Staaten und die Türkei. Die Produktion von ZuckerDas tropische Zuckerrohr ist die wichtigste Pflanze zur Zuckergewinnung. Bis heute zählen die südamerikanischen Zuckerrohrplantagen zu den größten Zuckerproduzenten weltweit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ermöglichte der Chemiker Franz Carl Achard die Zuckergewinnung aus der gezüchteten Zuckerrübe, sodass die Zuckerherstellung auch in kühleren Klimazonen möglich wurde.
Quellen des Zuckerkonsums: Getränke dominieren
Besonders leicht lässt sich Zucker in Getränken konsumieren. In Deutschland nehmen die Menschen besonders viel Zucker über Getränke zu sich: Fast 26 Gramm pro Kopf und Tag. Damit liegt Deutschland auf Platz eins unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern. Die Deutschen trinken sogar mehr Zucker als sie über Süßwaren zu sich nehmen (20 Gramm). Zuckergetränke machen krank. Zuckergesüßte Getränke sind einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie erhöhen zudem das Risiko für Herzerkrankungen, Leberkrebs und Gicht. Besonders problematisch: Zuckergetränke liefern Kalorien, machen aber nicht satt. Viele Menschen trinken dadurch enorm viel Zucker - sind sich dessen aber kaum bewusst. Vor dem CDU-Bundesparteitag forderte die Verbraucherorganisation die CDU auf, eine Zuckersteuer nicht länger zu blockieren. Der Landesverband Schleswig-Holstein bringt dazu einen Antrag ein. Bisher lehnt die CDU eine Limo-Abgabe ab. „Deutschland ist Zuckergetränke-Europameister - ein trauriger Spitzenplatz. Der flüssige Zucker macht krank und kostet unser Gesundheitssystem Milliarden. Wir brauchen endlich eine Zuckersteuer, damit Hersteller weniger Zucker in ihre Getränke kippen und damit vor allem unsere Kinder vor den Gesundheitsrisiken von Cola und Co. geschützt werden“, sagte Luise Molling von foodwatch.
Vergleich mit anderen Ländern
Hinter Zucker-Spitzenreiter Deutschland folgen Österreich mit knapp 23 Gramm pro Tag und die Niederlande (20 Gramm). Die Menschen in Südeuropa trinken am wenigsten Zucker über Getränke. Die zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Länder im Vergleich (Gramm Zucker pro Tag über Erfrischungsgetränke): Deutschland (25,7) Österreich (22,8) Niederlande (20,4) Schweden (17,5) Belgien (17,45) Großbritannien (16,1) Frankreich (14,7) Spanien (12,6) Portugal (9,8) Italien (9,5). Das zeigen Euromonitor-Daten, die foodwatch ausgewertet hat. Euromonitor-Zahlen foodwatch stützt die Auswertung auf die Datenbank des Marktforschungsinstituts Euromonitor. Hinweis: Euromonitor aktualisiert seine Daten fortlaufend und korrigiert dabei auch Werte aus früheren Jahren. Deshalb lassen sich die Zahlen nur schwer mit älteren Euromonitor-Auswertungen vergleichen.
Empfehlungen und internationale Maßnahmen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, weniger als 10 % des täglichen Energiebedarfs mit freiem Zucker zu decken. Das entspricht rund 25 g Haushaltszucker. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für eine gesunde Ernährung weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr aus freien Zuckern zu decken, was bei einer Person mit gesundem Körpergewicht, die täglich etwa 2000 Kalorien zu sich nimmt, einer Tagesration von 50 Gramm Zucker entspricht (rund 17 Stück Würfelzucker). Die WHO empfiehlt, weniger als 10 % des täglichen Energiebedarfs mit freiem Zucker zu decken. Das entspricht rund 25 g Haushaltszucker. Der Begriff „freier Zucker“ umfasst unter anderem Traubenzucker, Fruchtzucker, Haushaltszucker, Malzzucker, Milchzucker - sprich: alle Zuckerarten der Mono- und Disaccharide.
Um den hohen Zuckerkonsum zu begrenzen, haben viele Staaten eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. Eine Steuer auf Zucker, um den hohen Konsum zu begrenzen, habe es laut WHO im Jahr 2024 weltweit in 116 Staaten gegeben, erklärte das Bundesamt zudem. Zu diesen Ländern zählen demnach beispielsweise Frankreich, Polen, Großbritannien, Saudi-Arabien, Brasilien, Indien und Südafrika. Verbraucherorganisation fordert Zuckersteuer wie in Großbritannien. foodwatch fordert seit Langem eine Zuckersteuer, genau wie etliche medizinische und wissenschaftliche Organisationen. Hersteller sollen einen Anreiz haben, zuckerärmere Produkte anzubieten. Vorbild ist Großbritannien. Getränkeproduzenten zahlen dort seit 2018 eine Abgabe, gestaffelt nach dem Zuckergehalt. Seitdem ist der Zuckergehalt in Getränken um 35 Prozent gesunken. Beispiel Fanta: In Deutschland enthält sie 7,6 Gramm Zucker, in Großbritannien nur 4,5 Gramm - fast halb so viel. Auch der Zuckerkonsum über Limo, Cola und Co. ist in Großbritannien deutlich gesunken und ist niedriger als in Deutschland: Pro Kopf und Tag sind es nur rund 16 Gramm.
Gesundheitliche Folgen des hohen Zuckerkonsums
- Gewichtszunahme: Zucker hat viele Kalorien, aber wenig Sättigungseffekt. Dies kann zu Übergewicht und Adipositas führen.
- Diabetes Typ 2: Ein hoher Zuckerkonsum kann die Insulinresistenz erhöhen.
- Zahngesundheit: Zucker fördert die Bildung von Karies.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Studien zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum das Risiko für Herzerkrankungen erhöht.
Zuckergesüßte Getränke sind einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes. In Deutschland leben rund 8,9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes; etwa jeder vierte Erwachsene ist krankhaft übergewichtig. Als häufige gesundheitliche Risiken eines übermäßigen Zuckerkonsums treten Adipositas und Diabetes auf. Nach WHO-Angaben seien 2022 in Deutschland knapp ein Viertel (24 Prozent) der Erwachsenen und acht Prozent der Kinder und Jugendlichen von Adipositas (Fettleibigkeit) betroffen gewesen. Allein Adipositas verursacht laut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina jährlich etwa 113 Milliarden Euro Folgekosten in Deutschland. Jeder 10. Deutsche ist zuckerkrank. Mehr als 8,5 Millionen Bundesbürger:innen leiden an Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt. Die mit über 95 % häufigste Form ist Typ-2-Diabetes (Altersdiabetes).
Konsumverhalten und Wahrnehmung
Wie sehr gesüßte Lebensmittel Teil unseres Alltags sind, zeigen auch aktuelle Ergebnisse der Statista Consumer Insights. Von den fast 6.000 Befragten sagen 51 Prozent, dass sie regelmäßig Süßigkeiten und Schokolade konsumieren. Auch stark zuckerhaltige Softdrinks und Säfte sind fester Bestandteil der Nahrungsaufnahme wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Dagegen fallen Marmelade und Schokoladenaufstriche etwas ab. Eines haben indes alle vier Kategorien gemeinsam: Gegenüber den Vorjahren ist der Konsum rückläufig. Ein Großteil des Zuckerbedarfs wird von vielen Konsumenten daher „unbewusst“ gedeckt.
Produktion von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken
Wiesbaden - Ungeachtet der Debatte über die gesundheitlichen Folgen nehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland weiter erhebliche Mengen Zucker zu sich. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute mitteilte, blieb die Produktionsmenge von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken wie Cola oder Limonade im Jahr 2024 mit 7,7 Milliarden Litern nahezu auf demselben Niveau wie im Vorjahr (minus 0,2 Prozent). Pro Kopf entspricht dies 93 Litern. Mit Blick auf die Produktion von Erfrischungsgetränken wies das Statistische Bundesamt darauf hin, dass die Produktion von Lightvarianten zuletzt stieg: 2024 wurden demnach „1,5 Milliarden Liter brennwertverminderte Cola und Limonaden hergestellt“ - gut 18 Liter Lightgetränke pro Kopf. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Produktion um 5,7 Prozent. Insgesamt übersteigt das Produktionsvolumen zuckerhaltiger Getränke das von Lightprodukten damit allerdings immer noch deutlich.
Lesen Sie auch: Eine Fortsetzung von Honig im Kopf
Weitere Hinweise zur Datenauswertung
Der hier verwendete FAO-Indikator "Sugar & Sweeteners" berücksichtigt u.a. Rohrzucker, Rübenzucker, Rohzucker, raffinierten Zucker, aromatisierten Zucker, Fructose, Maltose, Ahornzucker und -sirupe, sonstige Zuckerpflanzen, Melasse, sonstige Fructose und Sirupe, Glucose und Dextrose, Laktose, Isoglucose und Honig. Basis der FAO-Schätzungen für die Pro Kopf-Versorgung mit Zucker ist die gesamte Menge, die zu Nahrungszwecken im Inland zur Verfügung steht. Die tatsächliche verzehrte Menge an Zucker pro Kopf liegt unterhalb der Versorgungs- bzw. Verbrauchsmenge. Die Versorgung (bzw. der Verbrauch) umfasst auch Mengen, die nicht verzehrt werden, wie zum Beispiel Flüssigkeiten aus Konserven, die zur besseren Haltbarkeit Zucker enthalten. Darin enthalten sind auch Mengen, die nicht verzehrt werden, beispielsweise Flüssigkeiten aus Konserven, die zwecks Haltbarkeit gezuckert sind. Nicht enthalten ist hingegen natürlich vorkommender Zucker in Früchten oder Honig.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Pro-Kopf-Verbrauch (BMEL/Angabe) | 33 kg / Jahr (≈30 Würfelzucker/Tag) |
| Pro-Kopf-Verbrauch (FAO/2023) | 41,2 kg / Jahr (≈38 Würfelzucker/Tag) |
| Zucker über Getränke (Deutschland) | ≈26 g/Tag |
| Produktion Zuckerfabriken 2024/25 | 4,7 Mio. t |
| Verfügbarkeit für inländische Verwendung 2024/25 | ≈3,1 Mio. t |
Zucker ist ein fester Bestandteil in unserer Ernährung; dennoch empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Aufnahme freier Zucker deutlich zu begrenzen, um das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten wie Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.
Lesen Sie auch: "Honig im Kopf": Tragik und Komödie
Lesen Sie auch: "Honig im Kopf": Ein finanzieller Erfolg?
tags: #pro #kopf #verbrauch #zucker #deutschland #statistik


