Prager Waffeln: Geschichte und Herkunft
Prager Waffeln, auch bekannt als „Kuroblaten“ oder „Karlsbader Oblaten“, sind eine süße Delikatesse mit jahrhundertelanger Tradition, die ihren Ursprung im kurortreichen Böhmen hat. Wer schon einmal in einem Kurort in Tschechien war, kennt sie bestimmt - die Kuroblaten. Ihr einzigartiger Geschmack und ihre zarte Konsistenz machen sie zu einem beliebten Genuss sowohl warm als auch kalt, in Geschmacksrichtungen von Zimt bis Nuss.
Die ersten Schritte: Hostien als Vorbild
Man könnte sagen, dass die Hostien aus der Kirche die Vorgänger der süßen runden Waffeln sind. Bereits im 18. Jahrhundert hatte man angefangen, diese mit Zucker zu bestreuen. Vor allem in der Oberschicht und bei Besuchern von außerhalb kam das gut an. Die Verbindung zwischen Waffeln und Religion reicht bis ins frühmittelalterliche Europa zurück. Die ersten Waffeln waren eng mit den Oblaten verwandt, die während der Messe verwendet wurden. Bereits im 9. Jahrhundert wurden in Europa spezielle Eisenformen (fer à hosties) zum Backen der Hostien verwendet. Im Laufe der Zeit wurden Werkzeuge zum Backen von Oblaten für den Verzehr entwickelt. Die Formen für Oblaten (moule à oublies) waren größer als die für Waffeln und wurden oft mit aufwendigen Mustern verziert.
Die Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert
Die Geschichte dieser süßen Delikatesse geht bis in das späte 18. Jahrhundert zurück. Damals haben vor allem die gut betuchten Kurgäste aus der Oberschicht dieses süße Gebäck genossen. Goethe, Mozart und Schiller ließen sich diese Art der Süßspeise schmecken. Um das Jahr 1850 wurde begonnen, diese Spezialität für Kurgäste herzustellen, und zwar als leichtes Dessert für Zwischendurch. Diese Ur-Oblate sah aber noch nicht ganz so aus wie heute: Es gab nämlich nur eine Oblatenseite, die mit Zucker bestreut war. Schritt für Schritt ging man dazu über, zwei knusprig gebackene Oblaten mit einer Masse aus Zucker in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen zusammenzukleben.
Da es ein Produkt für Kurgäste war, wurde Wert darauf gelegt, dass es zart war und einen delikaten Geschmack hatte. Alle Verbesserungen an dem Produkt gingen dahin, es noch feiner zu machen und weniger nach purem Zucker schmecken zu lassen. Wichtig war dabei auch immer die jeweilige Geschmacksrichtung.
Industrielle Revolution der Prager Waffeln
Mit der Gründung der Firma Karl Bayer im Jahre 1867 entstand eine richtige Oblaten-Industrie. Der Konditorin Barbara Bayer gelang es, den typischen hauchdünnen Teig mit sprudelndem Heilwasser zu backen. Die Nachfrage nach dem warmen runden Gebäck wuchs. Schon damals gewannen die Oblaten auch international an Popularität. Die Süßspeise wurde im Jahr 1900 bei der Weltausstellung in Paris ausgezeichnet.
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Nicht immer war die Situation günstig für die Kuroblaten: 1916 wurde ihre gewerbliche Herstellung verboten. Der Sohn und der Enkel des Unternehmensgründers Karl Bayer übernahmen schließlich 1932 die Oblaten-Bäckerei und brachten wieder Leben in das Geschäft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen noch weitere Hersteller hinzu. Denn es ist nicht sonderlich schwer, die Oblaten zu backen.
Karlsbader Oblaten heute
Bis heute gibt es mehrere Firmen, die diese traditionelle Süßigkeit produzieren. In dem Geschäft, in dem Jaroslava ihre Oblaten gekauft hat, wird das Gebäck jeden Tag frisch mit dem Zuckergemisch unterschiedlichster Geschmacksrichtungen zusammengeklebt. Am besten verkaufen sich jene mit Haselnussgeschmack. Auch die mit Schokolade gefüllten Waffeln stehen ganz oben. In letzter Zeit machen aber auch ganz andere Geschmacksrichtungen das Rennen, wie Sauerkirsche, algerischer Kaffee, Chili oder Duo (Haselnuss-und Schokoladenoblaten zusammengeklebt).
Ein wichtiger Punkt ist der rechtliche Aspekt und das Markenzeichen: Nach 1989 gab es nicht mehr nur einen dominierenden Hersteller. Es kam zu Konflikten darüber, wer nun der rechtliche Erbe des Produktes ist. Tschechien bemühte sich zudem um den Schutz der Oblaten durch die Europäische Union. Jedoch bestand Konkurrenz von Herstellern ähnlicher Produkte, vor allem aus Deutschland. Nach ihrem erzwungenen Weggang 1945 nahmen zahlreiche Deutsche aus der Region ihre Rezepte mit in die neue Heimat. Kuroblaten werden aber zum Beispiel auch im polnischen Schlesien hergestellt.
Waffeln: Historischer Hintergrund
Waffeln gehören zu den ältesten europäischen Backwaren. Die Geschichte der Waffeln reicht bis ins antike Griechenland zurück, wo flache Kuchen namens „Obelios“ zubereitet und zwischen zwei Metallplatten gebacken wurden. Im Mittelalter entwickelten sich die griechischen „Obelios“ in Europa zu dünnen, knusprigen Waffeln, die in dekorativen Eisenformen gebacken wurden. Die Formen waren oft mit religiösen Symbolen verziert und die Backwaren selbst wurden anfangs als Hostien verwendet. Der Name „Waffel“ tauchte während der Renaissance auf und leitet sich vom niederländischen Wort „wafel“ ab, das Kuchen oder Honigwabe bedeutet.
| Periode | Waffeltyp | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Antikes Griechenland | Obelios | Flacher Kuchen, zwischen Metallplatten gebacken |
| Mittelalter | Dünne Waffeln/Hostien | Religiöse Symbole, als Hostien genutzt |
| 18.-19. Jahrhundert | Kuroblaten/Oblaten | Mit Zucker bestreut; als Dessert für Kurgäste |
| Heute | Prager Waffeln/Karlsbader Oblaten | Vielfalt an Geschmacksrichtungen; international populär |
Einfluss der Gesellschaft
Im mittelalterlichen Europa war Essen ein wichtiger Indikator für den sozialen Status, und Waffeln waren eines der sichtbaren Symbole dafür. In aristokratischen Kreisen waren sie eine Delikatesse für Feinschmecker, während sie für die ärmeren Schichten ein einfaches Nahrungsmittel darstellten. Obwohl Waffeln in allen sozialen Schichten bekannt waren, hingen ihre Qualität, Zusammensetzung und Servierweise vom jeweiligen Status ab.
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Im Laufe der Zeit verschwanden die Qualitätsunterschiede bei den Waffeln langsam, als die Preise für Zucker und Gewürze im 17. und 18. Jahrhundert sanken. Waffeln wurden zu einer beliebten Delikatesse auf der Straße, oft mit Honig oder Trockenfrüchten. Bis ins 13. Jahrhundert hinein waren Waffeln bei Menschen aus allen Gesellschaftsschichten beliebt.
Europäische Vielfalt und Prager Waffeln im Vergleich
Die Entwicklung der Waffeltraditionen in Europa ist von mehreren Ländern geprägt: Belgien gilt als Heimat einer der berühmtesten Waffeln, die zu einem kulinarischen Symbol dieses europäischen Landes geworden ist. Die belgischen Waffeltraditionen drehen sich um zwei Waffelsorten, die weltweit bekannt sind: Brüsseler Waffeln und Lütticher Waffeln. Brüsseler Waffeln sind für ihre Leichtigkeit und Fluffigkeit bekannt und haben eine rechteckige Form und tiefe Einkerbungen. Sie werden aus Hefeteig gebacken, der beim Backen eine knusprige Kruste und ein weiches Inneres bildet. Lütticher Waffeln zeichnen sich durch ihre unregelmäßige Form und kompakte Struktur aus und enthalten Perlenzucker.
Im Gegensatz dazu sind Prager Waffeln hauchdünn und meist rund. Sie werden in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten und zeichnen sich durch eine leichte, knusprige Konsistenz aus. Bis heute gehören die Karlsbader Oblaten zum beliebtesten und bekanntesten Waffelgebäck aus Tschechien.
Besonderheiten und Traditionen der Prager Waffeln
Das Backen mit Heilwasser aus Karlsbad und die Verbindung mit den Kurtraditionen sind einzigartig. Die Prager Waffeln werden in einem Geschäft frisch mit einem Zuckergemisch unterschiedlichster Geschmacksrichtungen zusammengeklebt. Die Auswahl an Geschmacksrichtungen wechselt, und neue Innovationen bereichern das Angebot.
Prager Waffeln sind aber nicht nur in Tschechien präsent: Kuroblaten werden auch im polnischen Schlesien hergestellt, und in Deutschland entwickelten sich ähnliche Varianten. Nach ihrem erzwungenen Weggang 1945 nahmen zahlreiche Deutsche aus der Region ihre Rezepte mit in die neue Heimat.
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Auf einen Blick:
- Prager Waffeln haben ihren Ursprung im späten 18. Jahrhundert und wurden zum Symbol der Kurtradition in Böhmen.
- Ihr Vorbild waren kirchliche Hostien, die als Grundlage für die Entwicklung der Oblaten dienten.
- Die industrielle Fertigung begann mit der Firma Bayer in Karlsbad, welche die Oblaten international bekannt machte.
- Heute gibt es eine Vielfalt an Geschmacksrichtungen und die Prager Waffeln wurden zum Exportschlager.
- Sie sind Teil einer langen europäischen Waffelgeschichte, stehen aber für eine besondere regionale Tradition.
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