Nuss Nougat Creme Cadolzburg: Geschichte, Herstellung und Besonderheiten

Die fränkische Nuss-Nougat-Creme aus Cadolzburg hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Geheimtipp entwickelt. Ihr unverwechselbarer, intensiver Geschmack, die hohe Qualität der Zutaten und der Verzicht auf Palmöl begeistern Gourmets und bewusste Verbraucher gleichermaßen. Doch wie entstand diese besondere Creme, was macht sie so einzigartig und wie läuft die Produktion ab?

Die Besonderheiten der Cadolzburger Nuss-Nougat-Creme

Im Gegensatz zu handelsüblichen Nougat-Brotaufstrichen aus dem Supermarkt besteht die fränkische Nuss-Creme aus Cadolzburg zu über 50 Prozent aus Nüssen. „Wir machen ein reines Naturprodukt“, betont Martin Stiegler, der Erfinder und Produzent hinter dem beliebten Aufstrich. Aufgrund des hohen Nussanteils könne er auf andere Fette wie das in Verruf geratene Palmöl verzichten, deren überbordende Verwendung zur Abholzung der Regenwälder beitragen soll. „In meinen Nüssen ist genug Fett drin“, freut sich Stiegler. Auf Emulgatoren und andere Stabilisatoren könne er deshalb ebenfalls getrost verzichten.

Besonders stolz verweist Stiegler auf die kurze Zutatenliste: Die Creme besteht aus 55 Prozent gerösteten Haselnüssen, hochwertiger Kakaobutter und Zucker. Der Geschmack ist sehr intensiv, sodass man davon weniger benötigt als von herkömmlichen Aufstrichen. Das gute Gewissen hat jedoch seinen Preis: 180 Gramm des fränkischen Brotaufstriches kosten fast sieben Euro.

Eine Nahaufnahme von Haselnüssen und einem Glas Nuss-Nougat-Creme

Erfindergeist und familiäre Erfolgsgeschichte

An dem Rezept hat Martin Stiegler ziemlich lange getüftelt. Ein Zufall habe ihn am Ende auf die richtige Mixtur gebracht. „Ursprünglich wollte ich Haselnuss-Pralinen machen“, erinnert sich Stiegler und lacht. „Dann bin ich auf den Aufstrich gekommen.“ Der Erfolg hat uns echt überrascht, gibt Stiegler unumwunden zu. Mit der ökologischen Aufstrich-Variante scheint der fränkische Haselnuss-Bauer einen Nerv bei vielen Frühstückern getroffen zu haben.

Der Weg zur Nuss-Nougat-Creme war jedoch steinig: Nachdem eine schwere Verletzung seine Fußballkarriere beendete, leitete ein Brand auf dem elterlichen Hof einen weiteren Wendepunkt ein. Stiegler ließ sich dadurch nicht stoppen, sondern nutzte das Unglück als Chance für einen Neubeginn. Im letzten Moment warf martin Stiegler Planen über den Haselnuss-Röster, um ihn vor dem Löschwasser zu schützen. Der Röster war sein Ticket in die Zukunft. Eine Zukunft, die eigentlich schon fünf Monate zuvor beginnen sollte.

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Historie und Familie hinter der Haselnuss-Nougat-Creme Cadolzburg

Mit neuem Mut baute er den Hof nach dem Brand wieder auf, eröffnete einen modernen Hofladen und modernisierte die Produktion. Der Duft von Nuss und Schokolade zieht vom neu erbauten Hofladen bis auf die Dorfstraße und kündet vom Erfolg der Unternehmung. Martin Stiegler kommt mit der Produktion in seiner Haselnusscreme-Manufaktur kaum noch nach. Immer mehr Feinschmecker wollen seine umweltbewusste Nuss-Nougat-Variante haben.

Die Herstellung: Handwerk, Innovation und Nachhaltigkeit

Stiegler setzte von Anfang an auf Innovation. Nach seinem Landwirtschaftsstudium sammelte er zahlreiche Erfahrungen auf einem Haselnuss-Großbetrieb in den USA. Hier bekam er wichtige Impulse für den Anbau, die Veredelung und die Vermarktung von Haselnüssen. Wie professionelle Direktvermarktung funktioniert, hat er in Oregon gelernt: „Wer seine Ernte selbst vermarkten will, muss den Kunden mehr bieten als nur einen Sack Haselnüsse. Er muss ihnen eine Geschichte verkaufen.“

Verarbeitungsschritte: Von der Nuss zum Brotaufstrich

Sein Ziel ist ein geschlossener Kreislauf: Hühner dienen als biologische Schädlingsbekämpfer und düngen die Plantagen. Die Haselnussbäume bieten wiederum Schutz für die Tiere. Im Gegenzug legen die Hühner Bio-Eier, die seit 2019 als hausgemachte Eiernudeln oder Eier-Genuss-Likör verkauft werden. So werden möglichst alle Bestandteile der Haselnuss verwertet: Neben der Creme produziert man aromatisierte Salze, Öl, Nussmehl und sogar Ofen-Pellets aus den Schalen.

Produkt Beschreibung
Nuss-Nougat-Creme (verschiedene Varianten) Mindestens 50 % Nussanteil, palmölfrei, handwerklich hergestellt
Nussmehl & Öl Aus sortierten Haselnüssen, schonend verarbeitet
Bio-Eier Von freilaufenden Hühnern unter den Haselnussbäumen
Ofen-Pellets Aus Nusschalen für nachhaltige Energiegewinnung

Der Weg vom Feld ins Glas

Die Stieglers öffnen ihren Hof für Besucher, die den Weg von der Nuss bis zur fertigen Creme kennenlernen können. Am Förderband sortieren Mutter Sieglinde Stiegler, ihr Sohn und eine Mitarbeiterin im Wechsel acht Stunden am Tag, vier Erntemonate lang. Die schönen Nüsse sind für den Einzelverkauf, die weniger attraktiven fürs Tierfutter. Der große silberne Röster verarbeitet täglich rund 200 Kilo Nüsse zu aromatischen Delikatessen.

Rund 15.000 Gläser des Aufstrichs hat Stiegler im vergangenen Jahr verkauft, 20 Prozent davon über den eigenen Online-Shop. Die meisten Kunden kommen direkt zum Hofladen im kleinen Gonnersdorf bei Cadolzburg. Dort gibt es auch einen Aufstrich-Automaten, damit sich Fans außerhalb der Öffnungszeiten mit der Haselnuss-Creme versorgen können.

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Kundenerlebnis auf dem Hof: Haselnussernte und Manufaktur

Rohstoffe, Nachhaltigkeit und Herausforderungen

Nach dem Ende der Subventionen für den fränkischen Tabakanbau hat sich das Familienunternehmen in Gonnersdorf auf den Nussanbau konzentriert. Stieglers Vater stellte 2006 sein Land für ein EU-Förderprojekt zur Verfügung, bei dem 40 verschiedene Sorten getestet wurden. Die Plantage steht heute noch - und liefert weiterhin den Grundstoff für die erfolgreichen Streichkreationen.

Der fränkische Supersommer hat Stiegler in manchen Jahren allerdings die Ernte verhagelt. So musste er bei Ernteausfällen Nüsse aus anderen Regionen (z. B. Oberbayern) zukaufen. „Wir haben Einbußen in Höhe von rund 80 Prozent“, sagt Stiegler und erklärt, dass die Nüsse an seinen Sträuchern durch die pausenlose Trockenheit viel kleiner ausgefallen seien als sonst. Nachhaltigkeit und Vielfalt bei Produkten und Zulieferern sind deshalb besonders wichtig.

Kreislaufwirtschaft und innovative Ansätze

Die Lust, zu experimentieren, sich zu verändern und andere daran teilhaben zu lassen, mag das Geheimnis des Erfolgs dieser Manufaktur sein. Im Nebenraum backt eine Mitarbeiterin Stieglers Cantuccini, die es seit Kurzem auch mit Kaffeebohnen gibt, und entwickelt stetig neue Produkte wie ein eigenes Nuss-Salz.

Das Unternehmen denkt in Kreisläufen: Vom Anbau über Tierhaltung bis zur Weiterverwertung von Reststoffen. Eier von den eigenen Hühnern finden Absatz bei lokalen Restaurants und im Hofladen. Mit kreativen Ideen bleibt Stiegler am Puls der Zeit und bietet Urlaubern und Einheimischen Landwirtschaft zum Anfassen.

Nachhaltigkeitskreislauf: Hühner, Haselnüsse, Hofprodukte

Direktvermarktung und Markterfolg

Teile der Kundschaft bestellen den Aufstrich im Online-Shop unter www.franken-genuss.com. „Die einmal bestellt haben, bestellen immer wieder“, sagt Stiegler selbstbewusst. Echte Fans würden sich vom puren Geschmack und der palmölfreien Zubereitung überzeugen lassen und nehmen dabei auch den höheren Preis in Kauf. Über mangelnde Arbeit kann sich der Chef nicht beklagen: „Meine Freundin Svenja hilft zum Glück mit, damit wir mit der Produktion nachkommen.“ Auch die Eltern Fritz und Sieglinde packen mit an, damit die Erfolgsstory weitergehen kann.

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Direktvermarktung kann für Landwirte eine wichtige neue Einkommensquelle sein, vor allem, wenn sich eine Familie die Arbeit aufteilt. Bei den Stieglers war man anfangs skeptisch, weil sich der Hofladen auf ein einziges Produkt konzentriert: die Nuss. Dass der Laden trotzdem läuft, liegt an der Nähe zu Nürnberg und daran, dass viele Touristen gezielt für die Cadolzburger Spezialität anreisen.

Nudossi: Eine ostdeutsche Parallelgeschichte

Nudossi ist eine der bekanntesten ostdeutschen Marken und ein Symbol für Nostalgie und Qualität. Die Nuss-Nougat-Creme wurde 1966 vom Entwicklungskollektiv des VEB Elbflorenz in Dresden als Alternative zu Nutella entwickelt. Der Name setzt sich aus „Nuss“ und „Vadossi“, einer bekannten Marke des Unternehmens, zusammen. 1968 kam Nudossi in die Feinkostläden der DDR und entwickelte sich schnell zu einem beliebten Brotaufstrich.

Mit der Wende und der Abwicklung des VEB Elbflorenz verschwand das Produkt jedoch vorerst vom Markt. Doch 1997 verkündete der Konditormeister Karl-Heinz Hartmann, dass er Nudossi wiederbeleben wolle. Anfang 1998 erwarb er die Markenrechte und brachte die Creme zurück in die Regale. Besonders geschätzt wird Nudossi für seinen hohen Haselnussanteil von 36 %, der deutlich über dem vieler Konkurrenzprodukte liegt.

Historische Werbung und aktuelle Sortenvielfalt von Nudossi

Zutaten und Qualität im Direktvergleich

Nougatcreme ist grundsätzlich ein süßer Brotaufstrich aus Zucker, Pflanzenfett, gemahlenen Haselnüssen oder Mandeln und Bestandteilen der Kakaobohne. In ihrer Zusammensetzung entspricht sie weitgehend dem klassischen Nougat. Nach den Leitsätzen für Ölsamen und daraus hergestellte Massen und Süßwaren des Deutschen Lebensmittelbuchs enthält Nougatcreme höchstens 67 % Zucker und mindestens 10 % enthäutete Haselnüsse oder blanchierte Mandeln. Bemerkenswert ist der Gehalt an Palmöl und anderen Pflanzenfetten bei den meisten Supermarktsorten.

Bio-Nougatcremes wie jene aus Cadolzburg setzen hingegen auf kompromisslose Qualität und Nachhaltigkeit. „Die Menschen sollen sehen, wie viel Arbeit in jeder Nuss steckt“, sagt Stiegler - und begleitet seine Kunden auf jedem Schritt vom Feld bis ins Glas.

Inhaltsstoffe und Unterschiede: Cadolzburg vs. konventionelle Nougatcremes

Bedeutung für die Region und Ausblick

Der Erfolg der Cadolzburger Nuss-Nougat-Creme ist eng mit der Region und der Familie verbunden. Touristenbusse halten während der Haselnussernte fast täglich am Hof, Urlauber aus ganz Deutschland machen Umwege für ein Glas des Aufstrichs. Die offene Hofstruktur und die Einbindung der ganzen Familie schaffen eine besondere Bindung zwischen Produzenten und Kunden.

Mit Mut, Experimentiergeist und viel Engagement bereichern die Stieglers nicht nur die Genusslandschaft Frankens, sondern setzen auch ein Zeichen für regionale, nachhaltige Lebensmittelproduktion.

Panoramaaufnahme des Stiegler-Hofs und angrenzender Haselnussplantagen

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