Neuseeländische Honigsorten und ihre besonderen Eigenschaften

Neuseeland, ein Inselstaat im südwestlichen Pazifik, ist nicht nur für seine spektakuläre Landschaft, sondern auch für seine vielfältigen und weltweit geschätzten Honigsorten berühmt. Schroffe Berge, alte Vulkane, üppige Wälder und weitläufige Küsten machen den Inselstaat zu einem Paradies für Mensch, Biene und Honig. Die Imkerei entwickelte sich dort nach der Einführung der europäischen Honigbiene im 19. Jahrhundert zu einem florierenden Wirtschaftszweig. Neuseeländische Honigsorten finden heute ihren Platz sowohl als Delikatesse in der Küche, als auch in Medizinprodukten und der Kosmetik.

Neuseeländische Landschaft und Honigproduktion

Manuka-Honig: Der „Star“ aus Neuseeland

Manuka-Honig ist der wohl bekannteste Honig aus Neuseeland. Für Manuka-Honig sammeln Bienen Nektar der Südseemyrte (Leptospermum scoparium), die ausschließlich in Neuseeland und im Südosten Australiens vorkommt. Umgangssprachlich wird die farbenfrohe Pflanze mit ihren weißen, violetten oder dunkelroten Blüten auch Neuseelandmyrte oder Manuka-Strauch genannt. Der edle Honig erhält dadurch seinen Namen.

Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, verwenden traditionell Blätter, Rinde und den Honig des Manuka-Baums äußerlich zur Desinfektion und Unterstützung der Heilung von Wunden und Entzündungen, ferner innerlich bei Erkältungen, Blasenentzündungen und anderen Infektionen. Sie behandelten mit einem Sud aus der Baumrinde Wunden oder Magen-Darm-Beschwerden.

Manuka-Strauch mit Blüten

Manuka-Honig ist bernsteinfarben bis dunkelbraun und dickflüssig. Er unterscheidet sich von herkömmlichem Honig durch seinen besonders hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO), einem Stoff mit starker antibakterieller Wirkung. Dieser ist in allen Honigen enthalten, im Manuka-Honig jedoch in besonders hoher Konzentration von 300 bis 850+ mg MGO pro kg - handelsüblicher Honig hingegen weist zwischen 5 und 20 mg MGO pro kg auf und liegt damit weit unter den Werten des Manuka-Honigs.

Wirkstoffe und Wirkmechanismen

MGO (Methylglyoxal) wirkt stark antibakteriell, da es essenzielle Biomoleküle wie Proteine, DNA und Enzyme chemisch verändert und dadurch den Stoffwechsel und die Vermehrung von Bakterien blockiert. Bakterien verlieren durch die hohe Konzentration die Möglichkeit, sich zu reparieren oder zu vermehren. Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt.

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Strukturformel von Methylglyoxal

Methylglyoxal entsteht nicht direkt im Nektar der Manuka-Blüten, sondern nach der Honigbildung und -lagerung durch eine Umwandlung des in den Blüten enthaltenen Dihydroxyacetons (DHA). Die MGO-Konzentration im „reifen“ Honig korreliert mit der DHA-Konzentration im Nektar, welche wiederum von Strauch zu Strauch schwankt.

Qualitätssicherung und Zertifizierung

Kommerzielle Manuka-Honige werden hinsichtlich ihrer nicht-peroxidischen antibakteriellen Aktivität mit einem sogenannten Unique Manuka Factor = UMF® (übersetzt „einzigartiger Manuka-Faktor“) gekennzeichnet. Beispielsweise hat ein Manuka-Honig UMF® 20+ die gleiche nicht-peroxidische antibakterielle Wirksamkeit in-vitro wie eine 20-prozentige phenolische Lösung. Andere Hersteller kennzeichnen ihre Honige mit dem MGO-Wert (z. B. MGO® 400 für mindestens 400 mg Methylglyoxal pro Kilogramm Honig).

Honigsorte Hauptwirkstoff Typischer Gehalt (mg/kg) Zertifizierung
Manuka-Honig MGO 300 - 850+ UMF / MGO
Rewarewa-Honig MGO, Mineralien hoch (variabel) keine
Kamahi-Honig Mineralien, Antioxidantien sehr hoch keine
Honigtauhonig Oligosaccharide sehr hoch keine
Rata-Honig Mineralien, Nektar-Aromastoffe variabel keine

Anwendungsgebiete von Manuka-Honig im Fokus

Manuka-Honig wird als Zutat in medizinischem Honig sogar in deutschen Krankenhäusern zur Wundheilung angewendet. Grund dafür ist seine antibakteriell und entzündungshemmende Wirkung. Medizinischem Manuka-Honig wird nachgesagt, dass er die Bildung von Biofilmen auf Wunden verhindert und bestehende Biofilme auflöst, sodass die Wundheilung unterstützt wird. Mit Manuka-Honig als Wundauflage kann ein feuchtes Wundmilieu erzeugt werden, das sich ständig selbst desinfiziert, die Wunde nach außen abschließt und sie mit wichtigen Nährstoffen versorgt.

Medizinischer Einsatz von Manuka-Honig bei Wundbehandlung

Diese Eigenschaften sind besonders relevant bei Brandwunden, bei denen Sekundärinfektionen eine gefürchtete Komplikation darstellen. Die Evidenz für die Wirksamkeit von Honig bei der Wundheilung ist unterschiedlich: Teilschichtverbrennungen heilen mit Honig etwa vier bis fünf Tage schneller als mit konventionellen Verbänden. Zur Wundheilung von infizierten Wunden nach Operationen ist Honig wirksamer als Antiseptika mit anschließendem Mullverband.

Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung rät jedoch von einer Verwendung bei chronischen Wunden ab. Für arzneiliche Verwendung von Manuka-Honig gibt es keine zugelassenen Fertigarzneimittel, der Bezug erfolgt - etwa in Form von Medihoney - als medizinisches Produkt, das aus dem Blütennektar verschiedener Leptospermum-Arten mit hohem Glucose-Oxidase-Gehalt gewonnen wird.

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Weitere gesundheitliche Wirkung

  • Regelmäßiger Verzehr von 1-2 Teelöffeln Manuka-Honig täglich kann das Wohlbefinden fördern und das Immunsystem unterstützen.
  • Manuka-Honig wird eine positive Wirkung bei Erkältungen, Verdauungsbeschwerden und als wohltuende Anwendung bei entzündeter Haut zugesprochen.
  • Bienenhonig, darunter auch Manuka-Honig, besitzt einen hohen Phosphorgehalt, der sich beruhigend auf Geist und Seele auswirkt.
  • Tatsächlich haben Honigkuren in Studien zu erhöhter Immunabwehr und gesenktem oxidativem Stress geführt.

Preis und Lagerung

Die Preise für Manuka-Honig variieren stark und hängen von Qualität, MGO-Grad, Verpackung, Herkunft und der UMF-Zertifizierung ab. Je höher der MGO-Gehalt, desto teurer: Bei MGO 100+ zahlt man etwa 53 €/kg, bei MGO 550+ etwa 200 €/kg, und für Honig mit 850+ MGO rund 520 €/kg. Zur optimalen Lagerung empfiehlt sich ein kühler, trockener und dunkler Ort, um Haltbarkeit und Wirkung zu erhalten.

Weitere bedeutende Honigsorten aus Neuseeland

Rewarewa-Honig

Der Rewarewa-Baum ist eine Unterart des Manuka-Strauchs und wächst in ganz Neuseeland. Rewarewa-Honig hat ebenfalls einen hohen MGO-Gehalt, weshalb die beiden Sorten manchmal gemischt werden. Der bernsteinfarbene, zähflüssige Honig wird aus den Blüten des großen, bis zu 30 m hohen Rewarewa-Baumes gewonnen, dessen Blüten eine hervorragende Nektarquelle sind.

Rewarewa-Baum mit Blüten

Pohutukawa-Honig

Pohutukawa-Honig ist eine weitere Spezialität. Der Pohutukawa-Baum blüht mit leuchtend roten Blüten zur Weihnachtszeit, und entsprechend wird dieser honigreiche Nektar im Dezember geerntet. Pohutukawa-Honig zeichnet sich durch seine Seltenheit und einen feinaromatischen Geschmack aus.

Rata-Honig

Eine edle Seltenheit ist der Rata-Honig, gewonnen aus dem Nektar des seltenen, scharlachrot blühenden Rata-Baumes. Rata-Honig ist hellgelb, cremig und weist eine seidig-weiche, butterartige Textur auf. Die südliche Rata (Metrosideros umbellata) kann über 15 m hoch werden, blüht jedoch nicht jedes Jahr, was diesen Honig besonders exklusiv macht.

Kamahi-Honig

Kamahi-Honig stammt von dem kleinen bis mittelgroßen Kamahi-Baum (Weinmannia racemosa), dessen Blüten von Juli bis Januar Nektar liefern. Kamahi-Honig enthält viele Nährstoffe, Mineralien und Antioxidantien. Er ist blass und butterartig golden, hat einen intensiven Geschmack und unterscheidet sich durch einen der höchsten Mineraliengehalte unter den neuseeländischen Honigen. Die Maori schätzten die Heilwirkung von Kamahi traditionell und verwendeten Auszüge gegen Grippe und zur Behandlung von Wunden.

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Kamahi-Baum und Honig

Honigtauhonig (Bush Honey / Beech Honeydew)

Honigtauhonig wird in den Buchenwäldern der neuseeländischen Südinsel von Bienen gesammelt, die sich vom Honigtau zweier Buchenarten und der darauf lebenden Honigtau-Insekten ernähren. Dieser Honig besitzt einen hohen Gehalt an Oligosacchariden, die als probiotisch gelten und die Darmflora unterstützen, da sie nützliche Bakterien fördern. Bush Honey ist reichhaltig, sehr dunkelrot bis braun und zeichnet sich durch einen malzigen Geschmack aus. Durch seinen geringen Glukose- und Fruktosegehalt kristallisiert er nur wenig.

Fälschungssicherheit und Authentizität

Mit der steigenden internationalen Nachfrage erhöhte sich der Preis für Manuka-Honig massiv: von 37 NZD/kg (2010) auf über 100 NZD/kg (2015). Gleichzeitig entstanden Konflikte und eine Zunahme falscher Manuka-Honige auf dem Weltmarkt. Analyse-Ergebnisse ergaben, dass insbesondere in Europa und England viel Manuka-Honig verkauft wird, der gar kein Methylglyoxal enthält und somit kein echter Manuka-Honig ist. Neuseeländische Produzenten gaben 2013 eine jährliche Produktion von nur 1700 Tonnen an, weltweit wurden aber 10.000 Tonnen Manuka-Honig verkauft.

Das neuseeländische Ministerium für Grundstoffindustrien hat ein Analyseverfahren eingeführt, um monofloralen und multifloralen Manuka-Honig zu unterscheiden. Monofloraler Manuka-Honig stammt überwiegend aus einer einzigen Blütenquelle. Im Jahr 2019 betrugen die Exporte weltweit für monofloralen Manuka-Honig 4.499 Tonnen und für multifloralen Honig 2.270 Tonnen.

Unterschied echte und gefälschte Manuka-Honige

Kurzporträts weiterer neuseeländischer Honigsorten

  • Kanuka-Honig: Süß, aromatisch mit Karamellnote, ähnelt Manuka-Honig. Kann selbst kein MGO entwickeln, da DHA fehlt.
  • Lindenhonig aus Neuseeland: Mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen, wirkt entspannend.
  • Kāmahi-Honig: Besonders reich an Mineralien und Antioxidantien, komplexes, intensives Geschmackserlebnis.

Empfehlungen zur Anwendung und Auswahl

  • Zur Unterstützung bei Erkältungen empfiehlt sich, einen Teelöffel Manuka-Honig pur im Mund zergehen zu lassen oder in maximal 40 °C warmen Tee aufzulösen.
  • Für die Wundheilung ausschließlich medizinisch zertifizierten Manuka-Honig, Medihoney mit CE-Siegel, verwenden.
  • Zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens reichen ein bis zwei Teelöffel täglich.
  • Honig ist ein Naturprodukt und kein Ersatz für Medikamente - bei gesundheitlichen Beschwerden sollte die Anwendung immer ärztlich besprochen werden.
Honigsorten aus Neuseeland im Überblick

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