Medizinischer Honig: Wirkung und Anwendung (Wikipedia‑Zusammenfassung)

Medizinischer Honig wird zur optimalen Wundversorgung eingesetzt und soll eine dreifache Wirkung entfalten: als Wundschutz, zur Wundreinigung und zur Wundheilung.

Wirkmechanismen

Durch die hohe Zuckerkonzentration (hohes osmotisches Potenzial) wird Feuchtigkeit aus dem Wundgewebe entzogen. Da das Wundgewebe oft ödematös (aufgeschwemmt) ist, wird umso mehr entzogen, was sich dann in einer erhöhten Sekretion äußert. Durch diesen Prozess wird die überflüssige Flüssigkeit aus der Wunde entfernt, was sich positiv auf den Heilungsprozess auswirkt. Die mikrobiologische Wirksamkeit des Honigs kann je nach Herkunft (Bienenvolk, Trachtpflanzen) und Verarbeitung stark schwanken. Bei den antibakteriell wirksamen Enzymen ist die Glucoseoxidase aus der Futtersaftdrüse der Bienen das wichtigste Enzym, welches in Anwesenheit von Wasser kontinuierlich kleinste Mengen an Wasserstoffperoxid aus Glucose freisetzt.

Medihoney wird aus dem Blütennektar verschiedener Leptospermum-Arten gewonnen und enthält als weitere Komponente einen Blütenhonig mit einem hohen Anteil des Enzyms Glucose-Oxidase. Das Gemisch wird durch Bestrahlung keimfrei gemacht.

Das Besondere an Manuka-Honig ist seine antibakterielle Aktivität, die auf den Inhaltsstoff Methylglyoxal (MGO) zurückgeführt wird. Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton (DHA). Die wesentlichen Inhaltsstoffe des Manuka-Honigs sind neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das nicht-peroxidisch antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO).

In Arbeiten des Instituts für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden konnte die Konzentration des Stoffwechselproduktes Methylglyoxal in bestimmten Manuka-Honigen aus Neuseeland gemessen und dessen antibakterieller Einfluss quantitativ in vitro nachgewiesen werden. Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt. Für Methylglyoxal wurde die minimale Hemmkonzentration gegenüber beiden Keimen ermittelt als 1,1 Millimol pro Liter (entsprechend 75 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm).

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Anwendungsgebiete

Prinzipiell für alle Wundarten: (1) Akute Wunden wie Schnitte, Abschürfungen und chirurgische Wunden, um diese sauber zu halten, Infektionen vorzubeugen und die Heilung zu begünstigen. (2) Chronische Wunden wie Beinulzera und Dekubiti (Druckgeschwüre), um die Heilung zu stimulieren und die Wunde sauber und frei von Infektionen zu halten. (3) Infizierte Wunden, um zu helfen, die Infektion einzudämmen. (4) Kathetereintrittsstellen, um Infektionen und Entzündungen zu vermeiden.

Durch den Einsatz des Honigs als Wundauflage soll ein feuchtes Wundmilieu erzeugt werden. Dieses soll in der Lage sein, sich ständig selbst zu desinfizieren, die Wunde nach außen abzuschließen und sie mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig bei Brandwunden, bei denen Sekundärinfektionen eine häufige und gefürchtete Komplikation darstellen. Sekundärinfektionen können durch die große Angriffsfläche für Keime schnell entstehen.

Anwendungspraxis und Handhabung

Das breite Produktangebot von Medihoney ist durch die jahrelange Erfahrung und den verschiedenen Anwendungsgebiete entstanden. Dabei liegt immer das Wohlbefinden des Menschen im Mittelpunkt. Wenn die Produkte richtig und in ausreichender Menge appliziert werden und der Verband in vernünftigen Abständen gewechselt wird, verkleben die Produkte nicht mit der Wunde. In der Regel sollte zumindest am Anfang der Verband täglich gewechselt werden. Sollte sich herausstellen, dass noch genügend Produkt auf der Wunde ist, kann man den Verband auch einen zweiten oder gar dritten Tag auf der Wunde belassen. Längere Zeiträume werden in deutschen Kliniken normalerweise nicht angewendet, was auch sinnvoll ist.

Medizinischer, steriler Manuka-Honig muss bestimmte Reinheits- und Sicherheitskriterien erfüllen. Er enthält die Wirkstoffe in den erforderlichen standardisierten Mengen, damit er direkt oder in Form anderer Zubereitungen zur Wundbehandlung verwendet werden kann. Nur der medizinische, sterile Honig darf zur Wundbehandlung verwendet werden. Produkte aus dem Supermarkt (auch Bioprodukte) sind Lebensmittel und dürfen per Gesetz aus gutem Grund nicht für medizinische Zwecke verwendet werden. Die Qualitätsmerkmale der verwendeten Honige sowie die Qualitätsstandards bei der Herstellung medizinischer Honige sind wesentlich höher als für Lebensmittel und die medizinischen Produkte müssen im Gegensatz zu Lebensmitteln auch sterilisiert werden.

Medihoney Wundverband-Anwendung

Sicherheit, Nebenwirkungen und Einschränkungen

In seltenen Fällen wird von einem Brennen berichtet, welches dann i. d. R. nach einer kurzen Zeit vergeht. Manchmal persistiert der Schmerz allerdings und in solchen Fällen hängt es vom Patienten ab, ob er den Schmerz ertragen kann oder lieber ein anderes Produkt verwenden möchte. In solch einem Fall ist die Wunde vorher zu reinigen. Der Schmerz, falls er denn auftritt, kommt wahrscheinlich durch die saure Natur (pH ~ 3,6) des Produkts zustande und/oder durch die hohe Zuckerkonzentration, welche Feuchtigkeit aus dem Wundgewebe „saugt“. Er ist nach allen Erfahrungen allerdings nicht als gefährlich oder nachteilig für den Heilungsprozess zu bewerten.

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Trotz der intrinsischen antibakteriellen Aktivität eignen sich diese Produkte nicht zur Bekämpfung innerer Infektionen und Krankheiten wie Darmbeschwerden, Bronchitis, grippale Infekte und allgemeine Erkältungen oder zur Entschlackung des Körpers. „Normaler“ Manuka-Honig hingegen ist ein Naturprodukt, das Keime enthält und folglich schwere Reaktionen und Wundinfektionen hervorrufen kann. Babys und Säuglingen unter zwölf Monaten sollte kein Honig verabreicht werden, da sich ihre Darmflora noch nicht komplett entwickelt hat und sie sich dadurch mit dem seltenen, aber lebensgefährlichen Säuglingsbotulismus infizieren können.

Evidenzlage

Mittlerweile wird Manuka-Honig in klinischen Studien erforscht und teilweise angewendet. Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass sich aufgrund der Unterschiede in den Wundarten und Vergleichsbehandlungen keine allgemeinen Schlussfolgerungen über die Wirkung von Honig auf die Wundheilung ziehen lassen. Die Evidenz für die meisten Vergleiche sei von niedriger oder sehr niedriger Qualität. Allerdings bestehe Evidenz hoher Qualität dafür, dass Teilschichtverbrennungen mit Honig etwa vier bis fünf Tage schneller heilen als mit konventionellen Verbänden. Es bestehe Evidenz moderater Qualität dafür, dass Honig wirksamer zur Wundheilung von infizierten Wunden nach chirurgischen Eingriffen ist als Antiseptika mit anschließendem Mullverband.

Heuer et al. befürworteten 2011 die Anwendung von Manuka-Honig nur auf nicht-chronischen Wunden, wie sie zum Beispiel infolge einer Verletzung, eines chirurgischen Eingriffs oder nach Strahlentherapie vorkommen. Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. rät in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung ab. Für positive Effekte von medizinischem Honig in der Wundbehandlung fehlen bislang jedoch die Belege. Im Gegenteil, es wurden sogar vermehrt Schmerzen bei der Anwendung festgestellt.

Schema: Wirkstoffe im Manuka-Honig (MGO, Glucoseoxidase)

Qualitätskennzeichnungen und Markt

Kommerzielle Manuka-Honige werden hinsichtlich ihrer nicht-peroxidischen antibakteriellen Aktivität mit einem sogenannten Unique Manuka Factor = UMF (übersetzt „einzigartiger Manuka-Faktor“) gekennzeichnet, welchen der neuseeländische Verband Unique Manuka Factor Honey Association (UMFHA) an Lizenznehmer für entsprechende Honigqualitäten vergibt. Charakterisiert den Methylglyoxalgehalt der von ihr vertriebenen Manuka-Honige mit dem Markenzeichen MGO®, gefolgt von einer Zahl, die den Mindestgehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig angibt. Andere Anbieter folgen mittlerweile dieser Methodik, indem sie ebenfalls einen MGO-Wert (Methylglyoxalgehalt) zur Charakterisierung der nicht-peroxidischen antibakteriellen Wirkstärke angeben.

Nach neuseeländischem Recht durfte in der Vergangenheit uneingeschränkt jeder Honig, der von einem Bienenvolk produziert wurde, das in der Nähe von Manukapflanzen aufgestellt ist, von den Imkern als „Manuka“ vermarktet werden, auch wenn die Manukaanteile im Honig kaum mehr nachweisbar waren. 2013 warnte die britische Agentur für Lebensmittelstandards (Food Standards Agency) Konsumenten vor zunehmenden Betrügereien mit falschem Manuka-Honig. Analyse-Ergebnisse würden zeigen, „daß offensichtlich insbesondere in England, aber damit natürlich auch im Rest von Europa, sehr viel Manuka-Honig verkauft wird, der gar kein Manuka-Honig ist. Konkret wurde festgestellt, daß in diesen Honigen gar kein Methylglyoxal, also damit gar kein tatsächlicher wertgebender Inhaltsstoff, enthalten war.“

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Die neuseeländischen Produzenten gaben 2013 eine jährliche Produktion von nur 1700 Tonnen an, weltweit wurden jedoch jährlich 10.000 Tonnen angeblicher Manuka-Honig verkauft. Nur jeder fünfte bis sechste verkaufte „Manuka-Honig“ sei demnach authentisch. Mit der Einführung separater Warennummern für Manuka-Honig - zur Unterscheidung des Honigs von anderen Blütenhonigen im internationalen Zollkodex - war es möglich, die tatsächlichen Exportmengen eines Jahres für Manuka-Honig zu beziffern. 2019 betrugen diese weltweit für monofloralen Manuka-Honig 4.499 Tonnen und für multifloralen Manuka-Honig 2.270 Tonnen.

Lagerung und Umgang

Honig als Lebensmittel sollten Sie an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort aufbewahren, da er hitze- und lichtempfindlich ist. Wenn er längere Zeit hohen Temperaturen und Licht ausgesetzt ist, können wertvolle Stoffe und Enzyme abgebaut werden. Die antibakterielle und antioxidative Wirkung kann bei Temperaturen von über 65 Grad Celsius verringert oder gar zerstört werden. Von einer Lagerung im Kühlschrank wird abgeraten, da Honig bei Kälte kristallisiert und wieder erhitzt werden muss, um flüssig zu werden. Ein trockener Ort ist ebenfalls wichtig, da Honig Feuchtigkeit aus der Luft zieht. Daher sollten Sie am besten immer den Deckel fest verschließen.

Erklärung zur Anwendung medizinischer Honigverbände

Praktische Hinweise zum Erwerb und zur Verwendung

Medihoney wurde im August 2005 europaweit als Medizinprodukt zugelassen. Medihoney wird in Apotheken angeboten; der Exklusivvertrieb der Medihoney-Wundheilprodukte in Deutschland erfolgt über ApoFit Arzneimittelvertrieb GmbH. Für eine arzneiliche Verwendung von Manuka-Honig existieren keine zugelassenen Fertigarzneimittel, so dass ein Bezug nur als Rezeptur bzw. als medizinisches Produkt möglich ist.

Beim Kauf sollten Sie darauf achten, ob der Anbieter Mitglied des neuseeländischen Branchenverbandes „Unique Manuka Factor Honey Association“ oder der „Australian Manuka Honey Association“ ist, da diese Honige auf Reinheit geprüft und zertifiziert werden. Nur der medizinische, sterile Honig darf zur Wundbehandlung verwendet werden. Die Anwendung von Haushaltshonig in der Wundtherapie verbietet sich generell.

Tabelle: Wichtige Kennzahlen und Begriffe

Begriff Bedeutung / typischer Werte
MGO Methylglyoxal-Gehalt, typ. 30-1200 mg/kg, antibakteriell
UMF Unique Manuka Factor, Maß der nicht-peroxidischen Aktivität
Glucoseoxidase Enzym, bildet Wasserstoffperoxid in Anwesenheit von Wasser
pH Saure Natur, etwa pH ~ 3,6
Wassergehalt Meist 15-21 % (Heidehonig bis 23 %)

Wir freuen uns über Ihr Interesse an Medihoney! Dafür nehmen wir uns gerne Zeit und stehen Ihnen mit Red und Antwort in allen Belangen zu den Medihoney Produkten zur Verfügung. Egal, ob eine Anregung, Erfahrungen, Nachfragen zur Anwendung oder auch Mangelinformationen.

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