Medizinischer Honig: Wirkung, Anwendung und Erfahrungsberichte
Honig ist weit mehr als ein süßes Nahrungsmittel - in der Geschichte der Heilkunde hat Honig, insbesondere medizinischer Honig, eine herausragende Bedeutung. Schon im alten Ägypten war bekannt, dass Honig Wunden reinigt. Hippokrates und Paracelsus, die großen Mediziner, verwendeten Honig in vielen Rezepturen. Honig wurde bereits zu magischen und rituellen Zwecken den Göttern als Opfergabe und Geschenk offeriert.
Die medizinische Anwendung von Honig erlebt in Zeiten zunehmender Antibiotika-Resistenzen ein bemerkenswertes Comeback. Verglichen mit konventioneller Wundbehandlung heilen selbst seit langem bestehende, chronische Wunden unter der Behandlung mit Honig schneller und unproblematischer. Besonders Kliniken schätzen zunehmend den medizinischen Manuka Honig bei der Wundbehandlung, denn gegen den Honig konnten die Bakterien bislang keine Resistenzen entwickeln.
Was ist medizinischer Honig?
Honig ist nicht gleich Honig. Der eine gehört auf das knackige Frühstücksbrötchen, der andere hilft Wunden zu desinfizieren und zu heilen. Der zweite ist ein Medizinprodukt, durch verschiedene Verfahren keimfrei gemacht. Für die Behandlung von Wunden dürfen allerdings ausschließlich medizinische Produkte verwendet werden. Normaler Speisehonig hat in der Wundbehandlung nichts verloren. Das gilt auch für Jellybush- oder Manuka-Speisehonig.
Medizinischer Honig ist mikrobiostatisch sowohl gegen grampositive als auch gegen gramnegative Bakterien einschließlich multiresistenter Stämme sowie gegen Candida spp. wirksam, wobei die Wirksamkeit vom Gehalt an Wasserstoffperoxid und von der antioxidativen Kapazität abhängt.
Inhaltsstoffe und Wirkung von medizinischem Honig
Antimikrobielle Hauptmechanismen
Zunächst machte man allein die hohe Zuckerkonzentration für keimtötende Eigenschaften des Honigs verantwortlich; es wurde vermutet, dass dadurch den Bakterien die Feuchtigkeit entzogen würde. Der hohe Zuckergehalt (etwa 85 % Fructose und Glucose) entzieht dem geschädigten Gewebe Lymphe und Blutplasma, was einen tiefenreinigenden Effekt in der Wunde selbst bewirkt.
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Die Produktion von Wasserstoffperoxid gilt als eine der wichtigsten antibakteriellen Eigenschaften. Bienen versetzen ihren Honig mit dem Enzym Glucoseoxidase. Es sorgt dafür, dass im Honig enthaltener Zucker in Wasserstoffperoxid umgewandelt wird, grundsätzlich ein hochwirksames Antiseptikum. Die Glucose-Oxidase im Honig arbeitet langsam, produziert aber kontinuierlich geringe Mengen Wasserstoffperoxid.
Ferner enthält medizinischer Honig antimikrobiell wirksame Flavonoide und weitere bislang nicht endgültig charakterisierte Komponenten. Die antimikrobielle Wirkung wird durch die hohe Osmolarität des Honigs verstärkt, wodurch gleichzeitig das Wundödem reduziert wird.
Besonderheiten des Manuka-Honigs
Zwei Honigsorten überragen in ihrer medizinischen Wirksamkeit alle anderen: der aus dem Nektar des neuseeländischen Manukabaumes (Leptospermum scoparium; Südseemyrthe) gewonnene Manuka-Honig und der australische Jellybush-Honig. An der Universität Dresden wurde der Gehalt an Methylglyoxal (MGO) als weiterer wesentlicher Grund für die antibakterielle Wirkung insbesondere des Manuka-Honigs identifiziert. Das Besondere an Manuka-Honig ist seine antibakterielle Aktivität, die auf den Inhaltsstoff Methylglyoxal (MGO) zurückgeführt wird.
Manuka-Honig wird traditionell als Naturheilmittel gepriesen. Doch wirkt dieser besondere Honig tatsächlich antibakteriell? Der Methylglyoxal-Gehalt ist bis zu 100fach höher als in anderen konventionellen Honigsorten und verantwortlich für die außergewöhnlich antibakterielle Wirkung. Manuka-Honig werden antimikrobielle und heilende Eigenschaften zugeschrieben und er wird häufig als Superfood bezeichnet.
Im medizinischen Manuka-Honig bleibt die Enzymaktivität stabil, solange der Honig unverdünnt und nicht zu sauer ist. Bei Kontakt mit Wundsekret oder anderen Substanzen, die den pH-Wert erhöhen, kann die Enzymaktivität zunehmen und die Freisetzung von MGO und Wasserstoffperoxid verstärken. Manuka-Honig soll zudem verhindern, dass sich auf Wunden ein Biofilm bildet, der Bakterien vor Antibiotika schützt.
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Anwendungsbereiche von medizinischem Honig
Wundversorgung und Wundheilung
Medizinischer, steriler Manuka-Honig muss bestimmte Reinheits- und Sicherheitskriterien erfüllen. Er enthält die Wirkstoffe in den erforderlichen standardisierten Mengen, damit er direkt oder in Form anderer Zubereitungen zur Wundbehandlung verwendet werden kann. Nur der medizinische, sterile Honig darf zur Wundbehandlung verwendet werden.
Für die Wundpflege zugelassener medizinischer Honig kann bei Schürfwunden, Verbrühungen und Verbrennungen bis einschließlich Grad II und auch bei hochgradig immunsupprimierten Patienten mit Chemotherapie-bedingten Wundheilungsstörungen eingesetzt werden. Medizinischer Manuka Honig kommt im Krankenhaus vor allem zum Einsatz bei akuten Wunden, wie Verbrennungen, Schnitt- und Schürfwunden und Operationswunden.
| Anwendungsgebiete | Effekte |
|---|---|
| Chronische Wunden (z. B. Ulcera, Dekubitus) | Fördert Wundheilung, vermindert Geruch, hemmt MRSA |
| Verbrennungen, Verbrühungen | Lindert Schmerzen, fördert Reinigung und Heilung |
| Schürfwunden/Schnittwunden | Schützt vor Infektion, unterstützt Zellneubildung |
| Hauterkrankungen (Ekzeme, Neurodermitis, Psoriasis) | Beruhigt Haut, reduziert Entzündungen und Juckreiz |
| Orale Anwendungen (Mund-/Rachenentzündungen) | Bakterizid, fördert Schleimhautheilung |
Erste positive Erfahrungsberichte liegen vor, beispielsweise bei immunsupprimierten, pädiatrisch-onkologischen Patienten und bei Patienten mit venösen Ulzera. Mit dieser Eigenschaft ist Medizinalhonig der herkömmlichen Antibiose insbesondere bei schlecht heilenden, mit resistenten Keimen infizierten Wunden um Nasenlängen voraus. Mit dem entscheidenden Vorteil, dass unter der Behandlung mit Honigpräparaten eine Resistenzbildung bei Keimen bislang nicht beobachtet wird.
Abgestorbenes Gewebe wird schneller abgestoßen, und die Wunde heilt schneller. Außerdem bereitet der Verbandswechsel weniger Schmerzen, weil sich die Umschläge leicht entfernen lassen, ohne die neu gebildeten Hautschichten zu verletzen. Normalerweise riechen manche Wunden unangenehm - eine enorme Belastung für den Patienten. Der Honig hilft auch hier, indem er geruchsmindernd wirkt.
Weitere medizinische und kosmetische Anwendungen
Erfahrungen zeigen, dass Manuka Honig bei innerer Anwendung - beispielsweise bei Magen-Darm-Beschwerden oder zur Stärkung des Immunsystems - sowie bei Erkrankungen wie Akne oder Neurodermitis die Symptome lindern und die Heilung fördern kann. Bei Darmgeschwüren oder Entzündungen des Magen-Darmtraktes ist die Manuka Honig Wirkung probiotisch.
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In Kombination mit Olivenöl und Bienenwachs war medizinischer Honig wirksam bei Windeldermatitis, Psoriasis, Ekzem und Dermatomykosen sowie bei Analfissuren und Hämorrhoiden, ohne dass Nebenwirkungen beobachtet wurden. Die heilende Wirkung des neuseeländischen Honigs soll Fältchen auffüllen, Juckreiz und allergische Reaktionen lindern und die Haut beruhigen.
Während der hohe Zuckergehalt die Wunde sauber und feucht hält, bewirken weitere Inhaltsstoffe durch Hemmung von Entzündungsreaktionen Schmerzminderung und ein Abschwellen des Wundareals.
Wissenschaftliche Studien zur Wirkung und Anwendung
Es gibt mittlerweile spezielle Medizinprodukte aus Manuka Honig, wie Salben, Gels und spezielle Wundauflagen. Besonders bekannt ist Medihoney™, ein zur Wundbehandlung deklariertes Medizinprodukt der Klasse IIB. Die mikrobiostatische und mikrobiozide Wirkung von medizinischem Honig wurde mit methodisch standardisierten Tests detailliert untersucht.
Quantitative Suspensionstests zeigten, dass medizinischer Honig bei einer Konzentration von 10 % gegen S. aureus und P. aeruginosa bakteriozid wirksam war - auch bei Eiweißbelastung, wie sie typischerweise in Wunden vorkommt. Die antifungale Aktivität gegen C. albicans war geringer, unterschied sich jedoch nicht von der einer antiseptischen Wundauflage mit Silberelementen.
| Keim | Reduktionsfaktor (RF, 24h & 48h) | Bemerkung |
|---|---|---|
| S. aureus | 3 log | Wirksam |
| P. aeruginosa | >3 log / >6 log | Sehr wirksam |
| C. albicans | 1,5 log | Wie Silber-Auflage |
Im Unterschied zu anderen Produkten besteht bei Honiganwendung kein Risiko der Resistenzbildung. Eine Vielzahl von Bakterienarten, darunter auch problematische Krankenhauskeime wie MRSA, werden durch Honig abgetötet.
Trotz aller Erfolge gibt es bislang nur sehr wenige belastbare klinische Studien zu seiner Wirksamkeit. Zusammen mit Kollegen aus Düsseldorf, Homburg und Berlin wollen die Bonner Ärzte nun Abhilfe schaffen. Mit der selbst entwickelten Woundpecker-Datenbank werden sie in den nächsten Monaten über 100 Krankheitsverläufe dokumentieren und auswerten.
Erfahrungsberichte: Meinungen und Praxisbeispiele
Immer häufiger gibt es Komplikationen in der Wundheilung, verursacht durch Infektion mit resistenten Bakterien, sogenannten MRSA-Keimen, die auf die Behandlung mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr ansprechen. Manche Patienten konnten sich selbst nach Monaten und Jahren der erfolglosen Standardtherapie durch Anwendung von Medihoney von langwierigen chronischen Wunden befreien. Erfahrungsberichte von Pflegepersonal bestätigen: "Mit Medihoney war das Loch nach knapp zwei Monaten zu und keimfrei."
Von Anwendern wird immer wieder die einfachere Entfernung von Verbänden sowie ein geminderter Wundgeruch genannt. Zudem betonen viele Patienten die Beschleunigung der Heilung, die verbesserte Lebensqualität und weniger Schmerzen beim Verbandwechsel.
Kritisiert wird von medizinischer Seite jedoch die nach wie vor geringe Zahl großer, belastbarer klinischer Studien sowie eine teils uneinheitliche Studienlage. Dennoch gibt es viele Fallberichte und zahlreiche Beobachtungsstudien mit positiven Ergebnissen, auch im veterinärmedizinischen Bereich.
Grenzen, Risiken und Hinweise zur Anwendung
Die Anwendung von Haushaltshonig in der Wundtherapie verbietet sich generell. „Normaler“ Manuka-Honig hingegen ist ein Naturprodukt, das Keime enthält und folglich schwere Reaktionen und Wundinfektionen hervorrufen kann. Nur der medizinische, sterile Honig darf zur Wundbehandlung verwendet werden. Babys und Säuglingen unter zwölf Monaten sollte kein Honig verabreicht werden, da sie sich dadurch mit dem seltenen, aber lebensgefährlichen Säuglingsbotulismus infizieren können.
Als Kontraindikation ist das Vorliegen einer Allergie gegen das Produkt (nicht gegen Bienengift) zu beachten. Bei anhaltenden Schmerzen nach dem Auftragen kann ein Wechsel zu speziellen Honig-Gelen oder eine andere Darreichungsform gewählt werden. Die antibakterielle und antioxidative Wirkung kann bei Temperaturen von über 65 Grad Celsius verringert oder gar zerstört werden.
Honig als Lebensmittel sollten Sie an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort aufbewahren, da er hitze- und lichtempfindlich ist. Von einer Lagerung im Kühlschrank wird abgeraten, da Honig bei Kälte kristallisiert und wieder erhitzt werden muss, um flüssig zu werden.
Kauf und Qualitätskriterien
Aufgrund seines hohen Preises gibt es viele Fälschungen auf dem Markt. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, ob der Anbieter Mitglied des neuseeländischen Branchenverbandes „Unique Manuka Factor Honey Association“ oder der „Australian Manuka Honey Association“ ist, da diese Honige auf Reinheit geprüft und zertifiziert werden.
Medizinischer Honig wird sterilisiert und geprüft, bevor er z. B. in der Wundversorgung eingesetzt wird. Für offene Wunden darf deshalb ausschließlich medizinischer Honig verwendet werden, niemals Speisehonig.
Fazit der aktuellen Wissenschaft und Praxis
Die Honigforschung konzentriert sich seit mehreren Jahren vor allem auf die antibakteriellen, entzündungshemmenden und heilenden Eigenschaften des Manukahonigs und untersucht insbesondere dessen Wirkung auf die Wundheilung. Der hohe Anteil an MGO könne wirksamer sein als manches Antibiotikum und resistente Keime bekämpfen. Bislang konnte bei keiner Studie eine Resistenzbildung bei Bakterien gegen medizinischen Honig beobachtet werden.
Ein Jahrtausende altes Hausmittel kommt zu neuen Ehren: Honig hilft bei bestimmten Wunden besser als die modernsten Antibiotika. Dennoch sollte Honig nur begleitend und in Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal eingesetzt werden - er ersetzt keine ärztliche Therapie, kann jedoch eine sinnvolle Ergänzung und Hoffnung bei therapieresistenten Wunden sein.
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