Maxhütte Haidhof Schokoladenfabrik Geschichte
Die Geschichte der Maxhütte, ihres Werksstandorts in Haidhof und der sich entwickelnden Siedlung bis zur Stadt Maxhütte‑Haidhof ist eng verwoben mit der Industrialisierung in der Oberpfalz. Wer sich für die Geschichte der eigenen Familie interessiert, sich allgemein für historische Vorkommnisse im kommunalen Bereich von Maxhütte‑Haidhof interessiert oder bestimmte Informationen aus der Vergangenheit benötigt, findet hier die richtigen Ansprechpartner.
Ursprünge des Ortes und Namensgebung
Die Geschichte der Stadt Maxhütte‑Haidhof begann bereits im Jahre 1280. Am weitesten verbreitet ist die Ansicht, dass der Name mit der Eibe in Verbindung gebracht werden müsste, da man zu wissen glaubt, dass Ludwig XIV. Eiben aus dieser Gegend als „deutsches Eibenholz“ kaufte. Ein anderer Erklärungsversuch leitet Ibenthann von dem althochdeutschen Wort ‚impi‘ (mittelhochdeutsch ‚imbe‘ und neuhochdeutsch ‚Imme‘), also Biene ab. Die einfachste und naheliegendste Erklärung gibt das Hauptstaatsarchiv: „Eine Urkunde von 1437 hat die Form Ymptann. Diese Form zeigt deutlich die Herkunft des Namens: in dem Tann oder im Tann (imptann).“
Iberthann, wie der Ort bis 1937 hieß, war ein wichtiger Industriestandort, an dem seit 1845 Braunkohle gefördert wurde. Die Gemeinde Maxhütte vor 1938 hieß Ibenthann und der Name Maxhütte‑Haidhof entstand erst 1956 durch die Vereinigung der beiden vorher unabhängigen Gemeinden Maxhütte und Meßnerskreith. Die Gemeinde Maxhütte wurde am 4. Juli 1953 zur Stadt erhoben und nahm gleichzeitig das Wappen an. Maxhütte‑Haidhof liegt in der Oberpfalz, etwa 20 Kilometer nördlich von Regensburg gelegen.
Von Sauforst zur Werkgründung: Kohle‑ und Erzfunde
Im Jahr 1280 erfolgte im Urbarium Baiuwarae Transdanubianae die erste urkundliche Nennung von zwei Bauernhöfen im „Sauforst“. Um 1800 findet sich erstmals der Begriff „Schaumforst“ und „Saumforst“ und etwas später 1845, zur Zeit der erstmaligen Entdeckung von Kohlevorkommen, findet sich der Begriff „Sauforst“. Erzählt wird, dass ein Schlossermeister aus Leonberg von einer Fundstelle Kohlebrocken mit nach Hause genommen habe, um zu klären, ob sich die Fundstücke zum Verbrennen und zum Heizen eignen. Das Ergebnis war zufriedenstellend und die Kunde von Kohlefunden im Sauforst verbreitete sich rasch im kohlearmen Bayern.
Die ersten planmäßigen Bewilligungen von Genehmigungen zum Bergbau erhielten 1846 der Apotheker Brenner aus Burglengenfeld zusammen mit dem Sauforster Hofbesitzer Sulzberger und mit Graf Oberndorf in Regendorf. Angezogen vom neuen Braunkohlevorkommen kaufte bereits 1845 Josef Friedrich Fikentscher aus Regensburg den Oberen Strieglhof. Aus dem Unternehmen von Fikentscher entwickelte sich in der Folgezeit die Oberpfälzische Braunkohlengewerkschaft Haidhof und im weiteren Verlauf die Bayerische Überlandcentrale AG (BÜC) bzw. die Oberpfalzwerke AG.
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Gründung der Maxhütte: Belgische Initiativen und königliche Unterstützung
Im Jahr 1851 gründeten die beiden belgischen Industriellen Télémaque Michiels und Henry Goffard zur Ausbeutung der Kohlevorkommen im Sauforst bei Burglengenfeld die Commanditgesellschaft auf Aktien „T. Michiels, H. Coffard u. Cie“. Nach dem Ausscheiden von Michiels entstand unter Leitung von Goffard im Jahr 1853 eine Eisenwerkgesellschaft, die sog. Sauforster Hütte, die dann auf Antrag des Unternehmens unter dem Namen des bayerischen Königs Maximilian II. als Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte auftreten durfte.
Am 17. April 1851 schlossen Michiels und Goffard mit der königlichen bayerischen Staatsregierung einen Vertrag über die Errichtung eines Schienenwalzwerkes in der Oberpfalz sowie über die kontinuierliche Lieferung von Eisenbahnschienen an die bayerischen Staatsbahnen ab. Noch am selben Tag wurde die Kommandit‑Gesellschaft auf Aktien „T. Michiels, Henry Goffard & Cie“ unter finanzieller Beteiligung von Münchner und Augsburger Geschäftsleuten gegründet. Am 29. Juli 1851 wurde die Genehmigung zum Bau des Eisenwerkes im Sauforst erteilt.
Technische Anfänge und frühe Schwierigkeiten
Der Betrieb startete mit erheblichen technischen und personellen Schwierigkeiten und zusätzlich starb schon 1854 der Gründer des Unternehmens Henry Goffard im Alter von nur 32 Jahren. Die vor Ort geförderte Lignit‑Kohle war extrem feucht und ließ sich weder im Puddelofen noch im Schweißofen ohne vorherige Trocknung verwenden. Aus diesem Grunde mussten mehrere hundert Trockenkammern auf dem Betriebsgelände neu aufgestellt werden. Erst am 4. März 1853 meldete das Landgericht Burglengenfeld, dass mittlerweile „Vier Buttel und ein Schweißofen“ Tag und Nacht arbeiten würden.
In einer Generalversammlung beschloss man die Kommandit‑Gesellschaft aufzulösen und eine neue Gesellschaft zu gründen. Am 26. September 1853 wurde die Eisenwerk‑Gesellschaft Maximilians‑Hütte gegründet, welche mit eigenhändiger Unterschrift des Königs Maximilian II. bestätigt wurde. Obwohl laut Auskunft des Geschäftsdirektors Henry Goffard das Werk im August 1853 im regelmäßigen Betrieb war, konnte man den abgeschlossenen Schienenlieferungsvertrag nicht vollständig erfüllen.
Ernst Fromm und der Aufschwung
Die Leitung des Unternehmens übernahm der Oberingenieur Ernst Fromm (sen.) (1822-1891). Der junge rheinische Hütteningenieur Ernst Fromm war seit September 1853 in die technische Leitung berufen worden. Nach dem Tod Goffards und angesichts der finanziellen Probleme verfasste Fromm einen positiven Bericht, der den Maxhütten‑Aktionär Josef Anton Ritter von Maffei veranlasste, die Liquidation aufzuschieben und die Maxhütte finanziell zu unterstützen. Von nun an sorgten Fromm, von Maffei und der „königliche Comissär“ Franz Freiherr von Lobkowitz gemeinsam für den Aufschwung der Maxhütte.
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1855 wurde auch die Produktion von Eisenbandagen aufgenommen. 1858 wurde im Stammwerk Haidhof der erste Puddelstahl erzeugt. 1866 waren bereits 21 Doppel‑Puddelöfen, ein einfacher Puddelofen sowie zwölf Schweißöfen in Betrieb. 1867 ermöglichte die gerade neueröffnete böhmische Bahn den Transport von qualitativ hochwertiger Steinkohle aus Böhmen, wodurch die einheimische Lignitzkohle an Bedeutung verlor.
Ausbreitung, Werkssiedlung und Architektur
Die Gesellschaft ließ ab 1867 in drei Bauabschnitten eine zum Werk gehörende Werkssiedlung mit zum Teil großen Wohnhäusern für bis zu sechs Familien für Arbeiter, Meister und Angestellte auf dem Gebiet der Landgemeinde Ibenthann errichten. Zusätzlich wurden auch mehrere Villen für leitende Angestellte (Werksbeamte) erbaut. Bereits in den Jahren der Betriebsgründung begann mit dem Bau von Werkswohnungen auch die Besiedlung des Sauforstes im heutigen Gebiet von Maxhütte‑Nord. Diese Maßnahmen waren Voraussetzung zur Betriebsaufnahme und zum Aufbau eines Arbeiterstammes. Aus der so entstehenden Werkssiedlung entstand schließlich die Stadt Maxhütte‑Haidhof.
Beim Vergleich mit anderen Werkssiedlungen ist die Entstehung dieser Siedlung ein Sonderfall, weil deren Bauten nicht als Ergänzungen einer bereits bestehenden Wohnbebauung entstanden, sondern eine planvolle Neuentwicklung darstellen. Die Siedlung war als eine planvoll stark durchgrünte Siedlung erbaut worden. Ihr ältester Teil sollte 1984 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als bedeutendes Industrieensemble ausgewiesen werden.
| Bauabschnitt | Zeit | Typische Gebäude |
|---|---|---|
| 1. Bauabschnitt | ab 1867 bis 1908 | eingeschossige Zweifamilienhäuser für Arbeiter |
| 2. Bauabschnitt | 1908-1920 | zweigeschossige Mehrfamilienhäuser, Häuser für Beamte und Meister |
| 3. Bauabschnitt | 1919-1923 | Arbeiterkolonie, Arbeiterwohnhäuser mit Nebengebäuden |
Zu den herausragenden Bauten zählten Villen wie die Fromm‑Villa (Erbaut 1854), Villa Hannemann (1858), Ziegler‑Villa (1873/74) und Villa Amalia (1906). Viele dieser Gebäude prägten jahrelang das Erscheinungsbild der Werkssiedlung und zeugen von der sozialen Differenzierung innerhalb der Eisenwerksgesellschaft.
Technologische Entwicklung und Produktionsschritte
1855 erfand der Engländer Henry Bessemer das Bessemerverfahren. Die Geschäftsleitung der Maxhütte entschied sich trotz der noch jungen Technologie zum Kauf dieser zukunftsweisenden Technik. Bereits im Frühjahr 1868 wurde in Haidhof die Bessemer‑Hütte in Betrieb genommen. 1869 und 1870 forderten die bayerischen Staatsbahnen ausdrücklich Stahlkopf‑ und Ganzstahlschienen aus Bessemerstahl.
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1869 gab es bereits 22 Doppel‑Puddelöfen und 15 Schweißöfen. Im September 1870 wurde der dritte Roheisen‑Hochofen in Rosenberg in Betrieb genommen. 1872 entstand in Unterwellenborn ein Zweigwerk, 1874 wurde Oberingenieur Ernst Fromm senior zum Generaldirektor ernannt. 1889 setzte sich das Thomasverfahren im Werk Rosenberg durch, was das Ende des Puddelverfahrens in Haidhof einleitete. 1892 erfolgte die Verlegung der Hauptverwaltung von Haidhof nach Rosenberg.
In Haidhof wurden 1903 ein neues Walzwerk, 1905 ein neues Feinwalzwerk und 1911 ein elektrisches Blechwalzwerk errichtet. 1912 entstand ein Warmwalzwerk und 1913 eine zweite Blechstraße. 1918 verfügte das Siemens‑Martin‑Stahlwerk in Haidhof über vier Siemens‑Martin‑Öfen. 1962 erfolgte die Inbetriebnahme des Kaltwalzwerkes in Haidhof.
Regionale Vernetzung: Schiene, Erzfelder und Kohleversorgung
Für die seit den 1840er Jahren betriebene Eisenbahnerschließung des Königreiches Bayern wurden Eisen und Stahl aus industrieller Produktion benötigt. Den Transport von Rohstoffen und Erzeugnissen der Maxhütte ermöglichte der Bau der Bahnstrecken Regensburg‑Schwandorf‑Amberg‑Sulzbach‑Nürnberg und Schwandorf‑Weiden‑Eger‑Hof mit der Bahnstation Haidhof in den 1850er Jahren. Goffard und Michiels wählten den Standort Sauforst wegen der dortigen Braunkohlenvorkommen und der Nähe zu den Amberger Eisenerzvorkommen. Die Maxhütte bezog zudem einen Großteil ihrer benötigten Kohle aus dem Falkenauer Revier im benachbarten Böhmen.
Mit dem Kauf von Erzfeldern bei Sulzbach und dem Ausbau von Hochöfen wurde die Grundlage für den späteren Schwerpunkt der Stahlerzeugung in Rosenberg gelegt. Die dortigen Eisenerzvorkommen und der vorhandene Bahnanschluss waren ausschlaggebend für die Wahl des Standortes Rosenberg. Rosenberg entwickelte sich zur Keimzelle des Unternehmens; 1892 erfolgte die Verlegung der Hauptverwaltung nach Rosenberg und 1911 des Unternehmenssitzes.
Wirtschaftliche Wendepunkte, Eigentümerwechsel und Kriegszeiten
In den 1920er Jahren wechselten die Mehrheitsverhältnisse in der Maxhütte zweimal: 1921 übernahm die saarländische Unternehmerfamilie Röchling schrittweise die Hälfte der Aktien, 1929 erwarb Friedrich Flick die Aktienanteile von der angeschlagenen Röchling‑Gruppe. Während der NS‑Zeit befand sich unweit des Eisenhüttenwerks in Rosenberg ein Barackenlager für Zwangsarbeiter, das sogenannte Schlackenberg‑Lager. Für sämtliche größeren Produktionsbetriebe der Maxhütte wurden ab 1940 neben freiwilligen, ausländischen Arbeitskräften vor allem französische, belgische und polnische Kriegsgefangene eingesetzt.
Nach 1945 musste sich Friedrich Flick sowie fünf seiner engsten Mitarbeiter im "Flick‑Prozess" in Nürnberg verantworten. Zudem musste Flick 1951 im Rahmen der Entflechtung der deutschen Montanindustrie dem Freistaat Bayern 26 % des Stammkapitals an der Maxhütte verkaufen. Die restlichen 74 % wurden an die Merkur‑Gesellschaft für Industrie‑ und Handelsunternehmen übertragen.
Wirtschaftlicher Aufstieg und Niedergang im 20. Jahrhundert
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Produktion in den Maxhütten‑Werken zunächst still. Anfang 1946 konnte sie stufenweise wiederaufgenommen werden. Von dem Wirtschaftsaufschwung der jungen Bundesrepublik profitierte auch die Maxhütte, deren Produktion und Beschäftigungszahlen anstieg. So erreichte das Unternehmen in den 1950er Jahren insgesamt eine Belegschaftsstärke von über 6.000 Arbeitern und Angestellten und 1965 den Höchststand von über 9.000 Beschäftigten.
In den 1960er und 1970er Jahren kündigte sich der Strukturwandel an: weltweite Überproduktion, Ölpreiskrise 1973/74, hohe Preise auf deutsche Steinkohle sowie Konkurrenz außereuropäischer Mitbewerber setzten die Montanwirtschaft unter Druck. Bei der Maxhütte kamen erschwerend die geographische Randlage im Osten Bayerns und verschleppte Investitionen hinzu. 1976 und 1978 verkaufte der Flick‑Konzern die Maxhütte an die Klöckner AG.
Am Gründonnerstag, 16. April 1987 musste die Maxhütte Konkurs beim Amtsgericht Amberg einreichen. Die Bayerische Staatsregierung bemühte sich, durch mögliche Hilfsprogramme und die Gründung einer Auffanggesellschaft die verbliebenen Arbeitsplätze zu sichern. 1988 gründeten sich als Folgeunternehmen die Neue Maxhütte Stahlwerk GmbH (NMH) und das Rohrwerk Neue Maxhütte GmbH mit Beteiligung des Freistaats Bayern. 1998 musste die Neue Maxhütte erneut Konkurs anmelden, und nach vier Jahren vergeblicher Suche nach einem neuen Investor wurde die Produktion im September 2002 endgültig eingestellt. Am 23. September 2002 erfolgte der letzte Hochofenabstich.
Nachnutzung, Erinnerungskultur und Stadterbe
Seit den 2000er Jahren wurden Betriebsanlagen der Maxhütte ins Ausland verkauft und seit 2019 erfolgt ein schrittweiser Abriss des Stahlwerks in Rosenberg, während der historische Hochofen Rosenberg wahrscheinlich erhalten bleiben soll. Die 1892 angelegte Deponie für Schlacke, der "Schlackenberg", wurde zwischen 2005 und 2012 saniert und für touristische Nachnutzung erschlossen. Zudem informiert seit 2023 vor Ort ein Projekt über die industrielle Vergangenheit.
Die Maxhütte hatte in ihren besten Zeiten eine zentrale volkswirtschaftliche Bedeutung für die mittlere Oberpfalz: Sie schuf qualifizierte Industriearbeitsplätze, förderte den Siedlungsaufbau und prägte die regionale Infrastruktur. Auch nach Betriebsstilllegung bleibt ihr Wert für die lokale Erinnerungskultur und das industriekulturelle Erbe Bayerns bedeutsam.
Quellen und Archivhinweis
Wer sich solche Fragen stellt, sollte sich an das Stadtarchiv wenden, um präzise Auskünfte zu erhalten. Das Stadtarchiv sammelt und dokumentiert die Verwaltungstätigkeit der Stadt Maxhütte‑Haidhof, um das historische Erbe zu sichern. Archivbenützerinnen und Benützer finden hier u. a. Verwaltungsakten aus dem späten 19. und 20. Jahrhundert. Baupläne liegen etwa im Bauamt der Stadt erst ab ca. 1960 vor. Die Tätigkeit des Standesamts begann deutschlandweit erst mit der Einführung der Zivilehe 1876; für die Zeit davor ist dann das Bischöfliche Zentralarchiv in Regensburg der richtige Ansprechpartner.
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