Macht Zucker das Gehirn kaputt? Studien enthüllen die Auswirkungen auf unsere grauen Zellen
Zucker ist allgegenwärtig. Er ist in vielen Lebensmitteln enthalten, die wir täglich konsumieren. Doch was bewirkt der übermäßige Zuckerkonsum in unserem Körper und insbesondere in unserem Gehirn? Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Zuckerkonsum negative Auswirkungen auf unsere kognitive Leistungsfähigkeit und langfristige Gesundheit haben kann.
Die Verbindung zwischen Zucker, Darm und Gehirn
Das Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln hat herausgefunden, dass Zucker und Fette unser Gehirn so verändern können, dass wir immer mehr davon essen möchten. Diese Veränderung begünstigt die Entstehung von Diabetes und Adipositas.
Die Forschung zeigt, dass es eine direkte Verbindung zwischen Gehirn und Darm gibt. Wenn Nahrung den Dünndarm erreicht, registrieren Sensoren, ob Zucker und Fett enthalten sind. Diese Information wird über Nervenverbindungen an das Gehirn weitergeleitet, wo sie das Belohnungszentrum aktivieren, ein gutes Gefühl erzeugen und das Verlangen nach mehr auslösen.
In einer Studie erhielten normalgewichtige Probanden über acht Wochen täglich einen Pudding mit entweder viel Fett und Zucker oder viel Eiweiß. Vor und nach dieser Zeit wurden ihre Gehirne im MRT untersucht, während sie Milchshakes mit unterschiedlichem Fett- und Zuckergehalt tranken. Die Ergebnisse zeigten, dass bei den Teilnehmern, die den fett- und zuckerhaltigen Pudding konsumierten, das Belohnungssystem im Gehirn stärker aktiviert war. Es hatten sich offenbar neue Nervenverbindungen entwickelt, die zu einem stärkeren Verlangen nach diesen Speisen führten. Diese Veränderungen der Hirnnetzwerke sind anhaltend und könnten dazu führen, dass Menschen unbewusst Lebensmittel mit hohem Fett- und Zuckergehalt bevorzugen, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann.
Zucker und seine Auswirkungen auf das Gedächtnis
Margaret Morris von der University of New South Wales in Australien untersucht, wie sich die Gehirne von Übergewichtigen und Diabetikern verändern. In ihren Studien mit Ratten stellte sie fest, dass eine zucker- und fettreiche Ernährung, ähnlich der in Cafeterien angebotenen, zu massiven Entzündungen im Hippocampus führt, dem Hirnareal, das für das räumliche Gedächtnis zuständig ist. Die Ratten hatten Schwierigkeiten, sich zu orientieren und Objekte wiederzuerkennen.
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Auch Studien am Menschen deuten darauf hin, dass ein hoher Zuckerkonsum das Gedächtnis beeinträchtigen kann. Forscher der Berliner Charité fanden heraus, dass Senioren mit hohem Blutzuckerspiegel sich weniger Wörter in einem Gedächtnistest merken konnten und einen kleineren, schlechter strukturierten Hippocampus hatten. Eine englische Studie zeigte, dass Kinder nach einem süßen Frühstück zwar wacher waren, ihre Lernleistungen aber nachließen.
Zucker als "Vergiftung" für das Gehirn
Eine Überdosis Zucker kann im Gehirn ähnliche Reaktionen wie eine Vergiftung auslösen. Die Aktivierung von Proteinen für die Neubildung von Nervenzellen und Synapsen wird reduziert, und der Hippocampus reagiert schlechter auf Insulin, was die Zuckeraufnahme behindert. Diese Mechanismen verhindern zwar eine Erschöpfung der Hirnzellen durch den Zuckerüberfluss, stoppen aber auch die Zuckerzufuhr so entschieden, dass die aktive Hirnmasse, insbesondere im Lernzentrum, schrumpft. Dies könnte erklären, warum viele Demenzpatienten einen hohen Zuckerkonsum aufweisen.
Zucker und Herzerkrankungen
Neben den Auswirkungen auf das Gehirn schädigt Zucker auch das Herz. Studien der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen hohem Zuckerkonsum und tödlichen Herzerkrankungen. Menschen, deren Ernährung zu mehr als 25 Prozent aus Zucker besteht, erleiden dreimal häufiger einen Herzinfarkt als diejenigen, die weniger als zehn Prozent Zucker konsumieren.
Zucker und Krebs
Es gibt Hinweise darauf, dass Zucker auch das Krebsrisiko erhöhen könnte. Lewis Cantley von der Harvard Medical School ist der Ansicht, dass sich ein Drittel aller Krebsfälle in Europa und den USA durch einen maßvollen Zuckerkonsum vermeiden ließe. Dies ist zwar noch eine Hypothese, aber die Tatsache, dass viele Krebsarten häufiger bei Diabetikern auftreten und Krebszellen viel Zucker für ihren Stoffwechsel benötigen, deutet auf einen möglichen Zusammenhang hin.
Die weltweite "Zucker-Epidemie"
Der hohe Zuckerkonsum in unserer modernen Ernährung hat zu einer weltweiten Epidemie von Typ-2-Diabetes geführt. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass auch Bewegungsmangel, Erbgut und Übergewicht den Krankheitsverlauf beeinflussen. Dennoch spielt übermäßiger Zucker eine entscheidende Rolle bei der Desensibilisierung des Körpers für Insulin und der Aushebelung der Blutzuckerkontrolle.
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Wie viel Zucker ist zu viel?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Kalorienzufuhr aus Zucker stammen sollten. Noch besser wäre es, mit fünf Prozent Zucker auszukommen, was etwa 25 Gramm entspricht. Die Realität sieht jedoch anders aus: In Deutschland und den USA konsumieren Erwachsene etwa 100 Gramm Zucker pro Tag, in Australien und Brasilien etwa 160 und in Kuba sogar mehr als 200 Gramm.
Die Verführungskraft des Zuckers und die Rolle der Lebensmittelindustrie
Zucker hat ein enormes Abhängigkeitspotenzial, das von der Lebensmittelindustrie geschickt genutzt wird. Wenn Süßes in den Verdauungstrakt gelangt, werden die Belohnungssysteme im Gehirn aktiviert und Dopamin ausgeschüttet, was zu einer kurzfristigen Befriedigung führt, die aber bald vom Verlangen nach noch mehr Zucker abgelöst wird. Übergewichtsforscher Robert Lustig vergleicht Zucker deshalb mit Nikotin und anderen Drogen.
Die Lebensmittelindustrie setzt Zucker nicht nur in Süßwaren ein, sondern auch in vielen anderen Produkten wie Wurst, Ketchup, Räucherlachs, Käsecremes und Salzstangen. Auch vermeintlich gesunde Bio-Produkte enthalten oft große Mengen Zucker.
Zuckerersatz: Welche Alternativen gibt es?
Einige Produkte werben mit der Aufschrift "ohne Kristallzucker" oder "zuckerreduziert", doch sind diese automatisch besser? Oft werden anstelle von Haushaltszucker Glukosesirup, Fruktose, Dextrose, Invertzucker oder Maltodextrin verwendet, die ebenfalls den Blutzucker in die Höhe treiben.
Es gibt jedoch auch empfehlenswerte Alternativen wie Xylit (Birkenzucker), Stevia, Kokosblütenzucker und Ahornsirup, die den Blutzucker weniger stark beeinflussen.
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Was können wir tun, um unseren Zuckerkonsum zu reduzieren?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Zuckerkonsum zu senken:
- Bewusstsein schaffen: Achten Sie auf den Zuckergehalt in Lebensmitteln und Getränken. Lesen Sie die Zutatenlisten und informieren Sie sich über versteckte Zuckerarten.
- Selbst kochen: Bereiten Sie Ihre Mahlzeiten selbst zu, um den Zuckergehalt besser kontrollieren zu können.
- Alternativen wählen: Ersetzen Sie zuckerhaltige Getränke durch Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorlen. Verwenden Sie natürliche Süßungsmittel wie Xylit, Stevia oder Ahornsirup in Maßen.
- Weniger verarbeitete Lebensmittel: Reduzieren Sie den Konsum von Fertiggerichten, Fast Food und stark verarbeiteten Lebensmitteln, die oft große Mengen Zucker enthalten.
- Gesunde Snacks: Ersetzen Sie Süßigkeiten und zuckerhaltige Snacks durch Obst, Gemüse, Nüsse oder Joghurt.
- Politische Maßnahmen: Unterstützen Sie Maßnahmen wie eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke oder ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel, um den Zuckerkonsum in der Bevölkerung zu senken.
Neue Erkenntnisse über Milchzucker und Neurodegeneration
Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) haben herausgefunden, dass eine zuckerarme Ernährung auch unabhängig vom Blutzuckerspiegel positive Auswirkungen auf die langfristige Leistungsfähigkeit des Gehirns haben könnte. Ihre Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Milchzucker die Neurodegeneration unseres Gehirns beschleunigen kann.
Die Forscher stellten fest, dass sich Milchzucker an Eiweiße anlagert und auf diese Weise die Isolierschicht von Zellen verändert, was zu einer schnelleren Abnutzung und Alterung von Gehirnzellen führt. Derartige Prozesse können einer Demenz wie der Alzheimer-Erkrankung den Weg bereiten.
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