Lips Lebkuchen Gertwiller: Geschichte, Herstellung und Museumserlebnis im Elsass

Das Lebkuchenmuseum ist das Ergebnis der über 50-jährigen Sammlung von Michel Habsiger. Lips, ein handwerklicher Hersteller von Lebkuchen in Gertwiller, lädt ein zu einer Gaumenfreude und zu einem echten Haus wie aus dem Märchen. In Gertwiller, einem kleinen Dorf im Elsass, wird der Lebkuchen seit Jahrhunderten mit Leidenschaft hergestellt und erzählt zugleich eine Geschichte von Handwerkstradition, Terroir und regionaler Volkskunst.

Historischer Hintergrund: Lebkuchen im Elsass

Der Lebkuchen, oder auf Französisch le pain d’épices, ist seit langem im Elsass bekannt. Zur Blütezeit gab es in Gertwiller neun Lebkuchenbäckereien; heute existieren nur noch zwei, von denen eine noch mit historischen Maschinen aus dem vergangenen Jahrhundert arbeitet: die Bäckerei Lips. Die Firma Fortwenger eröffnete 2009 das Lebkuchenladen- und -museum Palais du pain d’épices, wodurch eine weitere Facette der elsässischen Lebkuchen-Tradition sichtbar wird. Im 18. Jahrhundert gründete Charles Fortwenger eine Fabrik, und Anfang des 20. Jahrhunderts waren acht Hersteller in Gertwiller vertreten. Die Lebkuchen aus Gertwiller fanden sich im 18. und 19. Jahrhundert auf Märkten und Kirmessen der Region wieder, und Verliebte schenktem sich Lebkuchen oft in Herzenform.

Das Lips-Museum und die Lebkuchenherstellung heute

Das Museum Musée du pain d’épices et de l’Art Populaire Alsacien, eröffnet 1998 von Lips, zeigt Backformen, Werbeobjekte und Dokumente über Lebkuchen, Kekse und Schokolade sowie Elsässer Volkskunst mit alltäglichen Utensilien. Michel Habsiger ist nicht allein Bäckermeister, sondern auch leidenschaftlicher Sammler: Er besitzt Obladenbilder, Lebkuchen-Ausstecher, eine große Sammlung von Schokoladenmodellen (ungefähr 1000 Tonmodelle) und eine umfangreiche Sammlung von Keramiken der Familie Hannong aus Straßburg, Bierflaschen elsässischer Brauereien und historisches Spielzeug. Im lebendigen Reich der Lips-Bäckerei stehen alte Maschinen im Mittelpunkt: eine 1880er Knetmaschine mit Wasserantrieb, eine Wallmaschine, eine uralte Teigmaschine, deren Kessel aus Eichenholz gefertigt ist, sowie eine Streich- und Glasiermaschine zum Zuckerguss. Der Betrieb arbeitet mit Mutterteig - Milch, Honig, Zucker und Mehl -, der sechs Monate vorgelagert wird, um biologische Reaktionen der Teigreifung zu ermöglichen.

„Wir arbeiten besonders mit Mutterteig“, erklärt Michel Habsiger, und betont: „Wir arbeiten immer noch im Patrimonium.“ Die Backzeiten für dünne Lebkuchen betragen sieben bis zehn Minuten bei 270 Grad; der Teig darf nicht verkleben, damit das Handwerk wie früher erhalten bleibt. Die Teige enthalten viele gute Sachen, wären aber in einer modernen, vollautomatischen Industrieanlage kaum zu verwenden. Deshalb reparieren sie Maschinen eigenständig und bewahren das traditionelle Rezept, das oft über 150 Jahre alt ist.“

Das Gelände und der Hof als Zeitzeuge

Das Gebäude der Lips-Bäckerei stammt aus dem Jahr 1756; der Dachstuhl ist original erhalten. Früher war es die Zehntel-Scheuer, der Hof gehörte zum Odilienberg, Mont Saint-Odile, und hier wurde der zehnte Teil der landwirtschaftlichen Produktion als Kirchensteuer abgeführt. Nach der Französischen Revolution wurde das Gebäude versteigert. Neben der Bäckerei zeigt das Museum auch eine Stube aus dem 18. Jahrhundert - eine Bauernstube, das Speisezimmer, Aufenthalts- und Schlafzimmer zugleich - und eine sorgfältig eingerichtete Stube mit einer Weihnachtsbaumdekoration, die ihren Ursprung im Elsass hat. Der Weihnachtsbaum mit Springerle und Nüssen verzückt Besucher und erinnert daran, wie festlich und reich an Bräuchen diese Region ist.

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Interaktive Erlebnisse und Museumspfade

Im Lips-Reich geht es nicht nur ums Backen. Besucher folgen Hannele, dem märchenhaften Lebkuchenmann, auf einer interaktiven Reise, die alle Sinne anspricht. Auf rund 800 m2 warten Unterhaltung, Entdeckungen und Einblicke in Legenden, Traditionen und Inszenierungen. Zu sehen sind u. a. eine riesige Sammlung von 10.000 Objekten im Lips-Museum, darunter Formen, Ausstecher, Zunftwerkzeuge, alltägliche Gegenstände des 18. Jahrhunderts und Nostalgie-Images aus alten Zeiten.

In Gertwiller selbst verläuft das Erlebnispfad entlang der Fortwenger-Geschäfte, die im Elsass zahlreich vertreten sind - unter anderem in Roppenheim, Straßburg und Colmar. Neben Fortwenger gibt es weitere namhafte Hersteller im Elsass, und das Gebiet wird damit wirklich zum Land des Lebkuchens. Das Museum des LIPS in Gertwiller zeigt außerdem die Geschichte des Lebkuchens durch Artefakte, Backformen und Ausstecher sowie eine beeindruckende Sammlung chemisch-technischer Utensilien des alltäglichen Lebens aus dem 18. Jahrhundert. Die Ausstellung macht deutlich, wie eng Handwerk, Geschichte und Kultur miteinander verwoben sind.

Weihnachts- und Bräuche im Elsass

Weihnachtszauber im Elsass ist eine uralte Tradition: Die elfengeprägten Bräuche blicken auf eine 500-jährige Geschichte zurück. Sélestat wird als Geburtsort des Weihnachtsbaums bezeichnet, und die Humanistische Bibliothek dort besitzt die älteste bekannte schriftliche Erwähnung eines Weihnachtsbaumes aus dem Jahr 1521. Um Colmar herum sind die Bräuche in vollen Zügen sichtbar, und auch Orte wie Kayersberg, Riquewihr und Mittelbergheim tragen zur festlichen Scharbunker bei. Im Mittelbergheimer Saal der evangelischen Gemeinde führen Schulkinder Krippenspiele vor - nur eines von vielen Beispielen weihnachtlicher Traditionen im Elsass. Die Dörfer Mittelbergheim und Gertwiller liegen unterhalb des Klosterberges der Schutzpatronin Odilie, was die religiöse und kulturelle Verwurzelung der Region unterstreicht.

Im Zentrum des Erlebnisses steht Fortwengers märchenhafter Lebkuchen-Palast: Ein interaktives Erlebnis mit Duft- und Sinneseindrücken, Begleitpfaden entlang Legenden, Traditionen und Inszenierungen - auf 800 m2 Unterhaltung für Groß und Klein. Die Flecken der Elsässischen Lebkuchen-Identität erstrecken sich über das ganze Elsass, mit Läden und Museumsstandorten, die die Vielfalt des Lebkuchens erzählen. Ein besonderes Highlight ist das Hänsel & Gretel-Lebkuchenhaus, das Besucher in eine Märchenwelt entführt und zur Entdeckung der Fabrik führt. Die Sammlungen reichen von Keramiken der Hannong-Familie bis zu historischen Spielzeugen, Obst- und Getränkeverzierungen und historischen Schokoladenmodellen - eine reiche Dokumentation der elsässischen Lebensweise rund um das Lebkuchenhandwerk.

Zubehör, Rezepte und Traditionen

Auch Rezepte werden im Elsass weitergegeben: Mireille Oster betreibt Häuser in Straßburg nahe dem Münster sowie in La Petite France, wo viereckige oder in Riegeln geformte Lebkuchenvarianten mit Fachwissen, Kreativität, Raffinesse und Liebe gefertigt werden. Ein Rezeptbuch von Mireille Oster existiert ebenso. Die Tipps von Liesel: Das Honig-Gewürz-Brot, wie es heute bekannt ist, stammt vermutlich aus dem 10. Jahrhundert in China; im Elsass wird es seit dem Mittelalter gegessen. Das Rezept behandelt oft kandierte Früchte und Schnaps für die Glasur. Die Arbeitsfläche ist vorbereitet, alle Zutaten stehen bereit - und das Backen beginnt in einem ritualisierten Prozess.

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Bild von Lips-Lebkuchen-Maschinen und Tradition
Historische Stuben und der originalgetreue Dachstuhl
Interaktiver Pfad im Lips-Museum

Zusammenfassend verbindet Lips in Gertwiller handwerkliche Backkunst, historische Technik und kulturelles Erbe zu einem unverwechselbaren Erlebnis: eine Reise durch Bräuche, Maschinen, Märchen und die köstliche Welt des Lebkuchens im elsässischen Kontext.

Interaktive Rundreise durch Lips-Lebkuchenreich

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