Lebkuchen-Schmidt Geschichte und Informationen
Die Geschichte von Lebkuchen-Schmidt beginnt im Jahr 1926 mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee: Franz Schmidt aus Thüringen bietet seinem Bruder Emil Otto Schmidt in Nürnberg einen Eisenbahnwaggon voller Lebkuchen an. Dieses Konvolut stammte aus einer Inzahlungnahme, die Emil Otto Schmidt geschickt in vielseitige Sortimente zusammenstellen ließ und per Zeitungsinserat regional sowie überregional bewarb. Trotz des stolzen Preises von 5,90 Goldmark pro Karton wurden die Sortimente schnell verkauft, sodass sogar bei der Nürnberger Lebkuchen- und Zuckerwarenfabrik "Zucker-Bär" nachgekauft werden musste.
Beflügelt vom ersten Erfolg begann Emil Otto Schmidt bereits ein Jahr später mit der eigenen Lebkuchenproduktion. In der Voltastraße 91, auf einer Fläche von nur 50 Quadratmetern, arbeiteten zehn Beschäftigte an der Herstellung und Zusammenstellung der Lebkuchensortimente. Auch der Vorjahrespreis wurde beibehalten, wobei jeder Karton 5 Pfund der berühmten Nürnberger Spezialität enthielt. Der Vertrieb erfolgte weiterhin per Versand an Endverbraucher und den Einzelhandel.
In den darauf folgenden Jahren wurde die kleine Backstube schnell zu eng. Deshalb erwarb Emil Otto Schmidt ein Grundstück in der Gyulaer Straße 9 und errichtete dort ein kleines Fabrikgebäude, um die Produktion auszuweiten. Die Zeit unter den Nationalsozialisten brachte jedoch erhebliche Veränderungen mit sich: Emil Otto Schmidt musste aus dem Unternehmen ausscheiden und der Firmenname wurde in „Julmond“ geändert.
Während des Zweiten Weltkriegs kam die Lebkuchenproduktion fast vollständig zum Erliegen. Besonders schwer war der Jahre 1943, als das Firmengebäude durch Bombenangriffe schwer beschädigt wurde und die Fertigung eingestellt werden musste. Nach dem Krieg setzte die Besatzungsmacht zunächst einen Treuhänder ein, erst 1948 konnte Emil Otto Schmidt den Betrieb wieder übernehmen.
Die Wirtschaftswunder-Zeit ab den 1950er Jahren bedeutete eine Renaissance für das Unternehmen: Martin Burkhardt trat neu in die Firma ein und übernahm den Bereich Werbung und Gestaltung. Gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf Burkhardt, der 1955 den technischen Bereich leitete, trugen sie maßgeblich zum fortlaufenden Erfolg bei. Bereits 1956 wurde der Personalbedarf so groß, dass Mitarbeiter mit Bussen aus der Nürnberger Umgebung abgeholt werden mussten. 1959 zählte das Unternehmen etwa 600 Beschäftigte, die rund 500.000 Lebkuchenpakete produzierten.
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Um den Kapazitäten weiter gerecht zu werden, erwarb Lebkuchen-Schmidt 1959 ein Grundstück an der Zollhausstraße, wo bis 1963 ein neues Fabrikgebäude errichtet wurde, das bis heute den Firmensitz darstellt. Die Einweihung erlebte Emil Otto Schmidt nicht mehr, er verstarb 1961 im Alter von 69 Jahren. Seine Adoptivsöhne Rudolf und Martin Schmidt-Burkhardt sowie Auguste Schmidt führten das Unternehmen fort und sorgten für stetige Expansion.
Ein besonders beeindruckendes Ereignis der Firmengeschichte war die Herstellung des größten Lebkuchens der Welt im Jahr 1980: Mit einer Länge von 15 Metern und einem Gewicht von 12 Zentnern wurde er am Platz vor der Lorenzkirche vorgestellt. Für dieses gigantische Backwerk wurden unter anderem vier Zentner Honig, drei Zentner Mandeln sowie fünf Zentner Orangeat verwendet. Der Verein der Altstadtfreunde durfte diesen Riesenkuchen verkaufen.
Doch die Erfolgsgeschichte war auch von Rückschlägen geprägt. 1983 zerstörte ein Brand 250 Tonnen Verpackungsmaterial, was einen Schaden von über 5 Millionen DM verursachte. Nach dem Tod von Rudolf Schmidt-Burkhardt 1980 und dem Tod seines Bruders 1983 übernahm Henriette Schmidt-Burkhardt ab 1987 die Leitung des Unternehmens und setzte die Expansion fort. 1988 wurde die traditionsreiche Firma Wicklein, einer der ältesten Nürnberger Lebkuchenhersteller, übernommen und ebenfalls mit in das Sortiment integriert.
Der Firmenname Goess, laut einem Werbeplakat aus dem Jahr 1930 die „älteste Lebküchnerei Nürnbergs“ mit einer urkundlichen Existenz seit 1610, ist ebenfalls im Besitz von Lebkuchen-Schmidt. Somit vereint das Unternehmen mehrere traditionsreiche Marken und steht für höchste Qualität in der Lebkuchenherstellung.
Das Geschäft mit Lebkuchen ist traditionell sehr saisonal, konzentriert sich vor allem auf die (Vor-)Weihnachtszeit. Die Produktion läuft ab August/September auf Hochtouren. Zu Spitzenzeiten werden bis zu drei Millionen Lebkuchen pro Tag hergestellt, rund 60 Tonnen Rohstoffe täglich verarbeitet. Die Belegschaft wächst in dieser Zeit stark an, um die Nachfrage erfüllen zu können.
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Der Versand der Lebkuchen erfolgt weltweit. Neben Endverbrauchern werden auch Industriekunden, der Lebensmitteleinzelhandel sowie Discounter beliefert - zumeist über die geerbte Marke Wicklein. Zusätzlich wird Lebkuchen-Bruch angeboten, preislich günstigere Ware, die optisch kleine Makel aufweisen kann, geschmacklich aber der A-Ware gleichkommt. Lebkuchen-Bruch wird vorwiegend im Fabrikverkauf und an Verkaufsständen vertrieben.
Neben den klassischen Lebkuchen bietet das Unternehmen auch ein Jahresgebäck, spezielle Gebäcksortimente für Diabetiker, Honigprodukte und außerhalb der Hauptsaison weitere Feinkostwaren wie Grillspezialitäten, Weine und Liköre an. Der Vertrieb erfolgt übrigens auch über den Online-Shop, sodass Kunden die Nürnberger Spezialitäten jederzeit direkt nach Hause bestellen können.
Nürnberg ist untrennbar mit dem Lebkuchen verbunden, und kein anderes Unternehmen hat den Ruf dieser berühmten Spezialität so stark geprägt wie Lebkuchen-Schmidt. Das bekannte „Hexenhaus“ von Lebkuchen-Schmidt auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt ist ein beliebtes Fotomotiv. Auch ganzjährig ist das Unternehmen mit eigenen Geschäften im Herzen der Altstadt präsent.
Heute gilt Lebkuchen-Schmidt als der weltweit größte Lebkuchen-Versender und der letzte konzernunabhängige industrielle Hersteller der Branche. Die Entwicklung von der kleinen Backstube über das Versandgeschäft zur international erfolgreichen Marke zeigt eindrucksvoll die Verbindung von Tradition und zeitgemäßer Massenproduktion im Nürnberger Lebkuchenhandwerk.
Historische und kulturelle Bedeutung der Nürnberger Lebkuchen
Der Nürnberger Lebküchner als handwerklicher Beruf ist urkundlich bereits im Jahr 1395 bezeugt. Ein besonders denkwürdiger Tag war 1487, als Kaiser Friedrich III. während eines Reichstags in Nürnberg fast 4000 Kinder mit individuell bedruckten Lebkuchen beschenkte - ein frühes Zeugnis der hohen Bedeutung des Lebkuchens für die Region.
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Im 17. Jahrhundert wird erstmals offiziell das Handwerk der Lebküchnerei erwähnt. Bereits seit 1441 kontrollierten vereidigte Gewürzprüfer die Qualität der Lieferungen. Der Dreißigjährige Krieg und die damit verbundenen Belagerungen Nürnbergs brachten der Lebküchnerzunft schwere Einbußen, da keine Gewürze mehr geliefert wurden.
Mit der Gewerbefreiheit im Jahr 1867 begann allmählich die Umstellung von der handwerklichen zur industriellen Herstellung, auch wenn dies ein langsamer Prozess war. Die beiden Weltkriege setzten der Lebkuchenindustrie in Nürnberg erneut zu, besonders während des Ersten Weltkriegs, als die Herstellung feiner Lebkuchensorten als Luxus verboten wurde.
Dennoch blieb der Fernhandel mit Nürnberger Lebkuchen stets ein wichtiger Absatzkanal. Der gute Ruf der Lebkuchen verbreitete sich auf den alten Handelsstraßen weit über die Stadtgrenzen hinaus - ein stolzes Erbe, das Firmen wie Lebkuchen-Schmidt heute weitertragen.
Lebkuchen-Schmidt - Daten und Meilensteine im Überblick
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1926 | Erste Lebkuchensendung von E. Otto Schmidt aus dem Waggon voller Lebkuchen |
| 1927 | Beginn der eigenen Lebkuchenproduktion in der Voltastraße 91 |
| 1938 | Emil Otto Schmidt scheidet aus, Firmenname wird in Julmond geändert |
| 1943 | Bombenschäden stoppen die Produktion |
| 1948 | Wiederübernahme der Firma durch Emil Otto Schmidt |
| 1950er | Aufbau in der Nachkriegszeit, Eintritt Martin und Rudolf Burkhardt |
| 1959 | Kauf Grundstück Zollhausstraße, Beginn Neubau Neue Fabrik |
| 1963 | Fertigstellung des neuen Fabrikgebäudes |
| 1980 | Weltgrößter Lebkuchen (15 m lang, 12 Zentner schwer) |
| 1983 | Großer Brand mit 5 Mio. DM Schaden |
| 1987 | Henriette Schmidt-Burkhardt übernimmt Unternehmensleitung |
| 1988 | Übernahme der Traditionsfirma Wicklein |
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