Keramikglasur Reparaturanleitung: So reparieren Sie Ihre Keramik selbst

Es ist ärgerlich, wenn Keramik zu Bruch geht, besonders wenn es sich um geliebte Stücke handelt. Glücklicherweise lassen sich viele Keramikgegenstände reparieren, besonders wenn die Bruchkanten sauber sind. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung zur Reparatur von Keramikglasur mit dem sogenannten Kaltmaterialverfahren.

Vorbereitung ist alles

Bevor Sie beginnen, sollten Sie sich bewusst sein, dass die Reparatur von Keramik Vorsicht erfordert, da scharfe Bruchkanten ein Verletzungsrisiko darstellen. Für einfache, industriell gefertigte Teller, die günstig ersetzt werden können, lohnt sich der Aufwand möglicherweise nicht. Für wertvolle, handgefertigte oder hochwertige Keramik lohnt es sich jedoch, die Reparatur in Betracht zu ziehen.

Benötigte Materialien

Für eine erfolgreiche Reparatur benötigen Sie folgende Materialien:

  • Schnelltrocknender Zweikomponenten-Epoxid-Kleber
  • Klebstoffentferner (falls alte Klebereste vorhanden sind)
  • Rasierklinge oder scharfes Messer
  • Zahnbürste
  • Dünner Stab oder Büroklammer
  • Epoxid-Spachtelmasse (zum Ausbessern von Fugen)
  • Schleifpapier
  • Kaltglasur
  • Acrylfarbe (optional, zum Einfärben der Kaltglasur)
  • Flaches Geschirr zum Anmischen
  • Holzspatel
  • Pinsel
  • Malerkrepp

Alle diese Materialien sind im Baumarkt oder in Online-Shops erhältlich.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Keramikreparatur

1. Kleben der Bruchstücke

  1. Reinigung: Säubern Sie alle zu klebenden Kanten gründlich. Entfernen Sie alte Klebstoffreste mit einem Klebstoffentferner und einer Rasierklinge. Eine Zahnbürste kann ebenfalls hilfreich sein.
  2. Erwärmen (optional): Bei poröser Keramik wie Terrakotta oder Ton kann es hilfreich sein, die Keramik vor dem Kleben im Backofen auf 30-40 °C zu erwärmen. Dies verbessert die Haftung, verkürzt aber die Verarbeitungs- und Aushärtezeit.
  3. Kleber auftragen: Mischen Sie den Zweikomponenten-Epoxid-Kleber gemäß den Herstellerangaben. Verteilen Sie den Kleber mit einem dünnen Stab oder einer Büroklammer sorgfältig und gleichmäßig auf die Kanten. Achten Sie auf eine nicht zu dicke Schicht.
  4. Zusammenfügen: Drücken Sie das Bruchstück fest an die vorbereitete Kante.
  5. Kleber entfernen: Lassen Sie ausgetretenen Kleber antrocknen (ca. 20-30 Minuten) und entfernen Sie ihn dann. Vermeiden Sie es, den Kleber sofort abzuwischen, da er sich sonst verteilen kann.
  6. Wiederholen: Wiederholen Sie den Vorgang mit den restlichen Bruchstücken. Lassen Sie den Kleber nach jedem Schritt ausreichend antrocknen.

2. Ausbessern von Fugen und Fehlstellen

  1. Vorbereitung: Befreien Sie die Oberfläche in der Nähe der aufzufüllenden Kanten von Rückständen und Schmutz.
  2. Spachtelmasse auftragen: Tragen Sie die Epoxid-Spachtelmasse mit einem dünnen Stäbchen auf alle Stellen auf, die aufgefüllt werden müssen. Bei größeren Lücken die Masse sorgfältig in alle Zwischenräume einbringen.
  3. Trocknen: Lassen Sie die Spachtelmasse vollständig trocknen (bis zu 36 Stunden, je nach Hersteller). Eine Trocknung im Backofen bei 40 °C über Nacht kann den Prozess beschleunigen.
  4. Schleifen: Bearbeiten Sie die ausgehärtete Spachtelmasse vorsichtig mit Schleifpapier, um eine ebene Oberfläche zu erhalten.
  5. Wiederholen (optional): Füllen Sie bei Bedarf nochmals kleine Zwischenräume auf.

3. Kaltglasur auftragen

  1. Vorbereitung: Stellen Sie sicher, dass die Oberfläche sauber und trocken ist.
  2. Kaltglasur anmischen: Mischen Sie die Kaltglasur gemäß den Herstellerangaben (in der Regel 1:1 Harz und Härter). Optional können Sie Acrylfarbe hinzufügen, um die Glasur farblich anzupassen.
  3. Auftragen: Tragen Sie die Kaltglasur dünn auf die geklebten und aufgefüllten Kanten und Bruchstellen auf. Arbeiten Sie mit leichtem Übergang, um ein natürliches Aussehen zu erzielen.
  4. Trocknen: Lassen Sie die Kaltglasur ca. 48 Stunden in einem staubfreien Raum trocknen.

Zusätzliche Tipps und Techniken für die Kaltglasur

  • Viskosität: Nutzen Sie die Veränderung der Viskosität von Kaltharzglasuren während der Aushärtung, um tiefere Beschädigungen aufzufüllen.
  • Schichtweise arbeiten: Tragen Sie das Harz lieber dünn auf und wiederholen Sie den Vorgang nach einer gewissen Trocknungszeit, falls erforderlich.
  • Blasenbildung vermeiden: Entfernen Sie Mikrofeine Lufteinschlüsse, indem Sie nach einer Vorreaktionszeit von ca. einer halben Stunde die Glasuroberfläche vorsichtig mit einem weichen Pinsel überstreichen.
  • Kreative Effekte: Experimentieren Sie mit verschiedenen Farbaufträgen und Techniken, um einzigartige Dekorationseffekte zu erzielen.
  • Verdünnen: Kaltglasur kann mit Kaltglasur-Verdünner verdünnt werden, um sie für bestimmte Anwendungen (z. B. Imprägnieren von Textilien) dünnflüssiger zu machen.
  • Sicherheit: Vermeiden Sie Hautkontakt mit Kaltglasur und tragen Sie beim Arbeiten mit Spritzpistolen eine Schutzbrille.

Reparatur von Waschbecken und Fliesen

Die oben beschriebenen Techniken können auch zur Reparatur von Keramik-Waschbecken und Fliesen verwendet werden.

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Waschbecken reparieren

  1. Reinigung: Säubern Sie die beschädigte Stelle gründlich.
  2. Spachtelmasse auftragen: Tragen Sie Epoxid-Spachtelmasse auf die angeschlagene Stelle auf und füllen Sie Risse oder Löcher aus.
  3. Trocknen: Lassen Sie die Masse vollständig trocknen.
  4. Schleifen: Schleifen Sie die Stelle vorsichtig ab, um eine glatte Oberfläche zu erhalten.

Fliesen reparieren

  1. Reinigung: Reinigen Sie die Fliese sorgfältig und lassen Sie sie trocknen.
  2. Beschädigte Stellen verschließen: Verschließen Sie Risse und Löcher mit Spachtelmasse. Bei abgesplitterten Bruchstücken verwenden Sie Zweikomponentenkleber.
  3. Trocknen: Lassen Sie die Spachtelmasse aushärten.
  4. Schleifen: Schleifen Sie überschüssige Masse ab.
  5. Überlackieren (optional): Überlackieren Sie die Fliese bei Bedarf mit einer passenden Farbe oder einem transparenten Lack.

Zusätzliche Informationen zu Töpferarbeiten und Glasuren

Reparaturmasse für Töpferarbeiten

Reparaturmasse wird verwendet, um Beschädigungen an Töpferarbeiten auszubessern, insbesondere Risse, die während des Rohbrands entstanden sind. Die Masse wird in die Risse gedrückt und gegebenenfalls zum Ankleben abgebrochener Teile verwendet, sofern die Passung exakt ist. Achten Sie darauf, dass die Reparaturmasse zum Tonkörper passt und das Brennfenster berücksichtigt wird.

Glasurleim

Glasurleim (typischerweise Carboxymethylcellulose, CMC) wird als Bindemittel für Glasuren, Engoben und Farben verwendet. Er verhindert das Abrollen der Glasur während des Glasurbrands und erhöht die Grifffestigkeit. Glasurleim wird in dünnflüssigem Tonschlicker als Verdickungs- und Schwebemittel eingesetzt, um das Absetzen schwererer Bestandteile zu verhindern.

Dichtungsmittel

Dichtungsmittel werden verwendet, um Vasen und andere Gefäße wasserundurchlässig zu machen. Das Dichtungsmittel dringt in die Poren und Risse ein und dichtet das Gefäß nach dem Aushärten ab. Wichtig: Mit Dichtungsmittel behandelte Gefäße dürfen nicht mehr gebrannt werden und sind nicht lebensmitteltauglich.

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