Ursachen und Reparatur von Rissen in Keramikglasuren
Als Krakelee oder Craquelérisse bezeichnet man ein netzartiges Muster aus kleinen Rissen oder Haarrissen in der Glasur. Diese Risse können im Laufe der Zeit zu einem hygienischen Problem werden, da sie die Ansammlung von Fremdstoffen begünstigen und somit die hygienische Darreichung von Speisen oder Getränken beeinträchtigen können.
Ursachen von Glasurrissen
Die Hauptursache für die Entstehung von Craqueléglasuren liegt in unterschiedlichen Spannungen zwischen dem Scherben und der Glasur, die während des Gebrauchs entstehen.
- Thermische Belastung: Das Einfüllen von siedenden Getränken oder das Nachspülen bei hohen Temperaturen (über 80 °C) kann zu einer thermischen Belastung führen, der das Material nicht gewachsen ist.
- Unterschiedliche Ausdehnung: Der Scherben ist in der Regel poröser als die Glasur und erwärmt sich langsamer. Dies führt zu unterschiedlichen Ausdehnungen bei Wärme und unterschiedlichen Zusammenziehungen bei Kälte.
- Materialeigenschaften: Je geringer die Brenntemperatur, desto höher ist das Risiko von Craquelérissen. Hartporzellan, das bei mindestens 1.350 °C gebrannt wird, hat eine ähnliche physikalische Dichte wie die Glasur und ist daher weniger anfällig für Risse.
Mit zunehmendem Gebrauch vergrößern sich die Haarrisse und bilden Flächen und Furchen, in denen sich Fremdstoffe ansammeln können. Besonders Tee und Kaffee hinterlassen in Craqueléglasuren unschöne Verfärbungen. Der Artikel verliert seine Eigenschaft der hygienischen Darreichung von Speisen und Getränken und sollte außer Dienst gestellt werden.
Abrieb und Verschleiß
Neben Glasurrissen kann auch Abrieb (Abrasion oder Verschleiß) die Oberfläche von Keramik beschädigen. Abrieb entsteht durch mechanische Beanspruchung, beispielsweise durch Reibung. Bei keramischen Fliesen entsteht Abrieb durch kleine, harte Partikel wie Sandkörner, Metall- und Glassplitter, die auf der Oberfläche reiben. Je nach Oberflächenhärte werden Fliesen in fünf Abriebklassen eingeteilt (DIN EN 14411). In der Feuerfestindustrie spricht man eher von Verschleiß, der durch Kontakt und Relativbewegung eines festen, flüssigen oder gasförmigen Gegenkörpers entsteht.
Reparatur von Glasurrissen
Obwohl Craqueléglasuren in der Regel nicht repariert werden können, gibt es Möglichkeiten, kleinere Schäden wie Risse, Abplatzer oder Bruchstellen im Rohbrand-Scherben (Biskuit) auszubessern.
Lesen Sie auch: Die Welt der Eisbecher
- Reparaturmasse: Reparaturmasse wird verwendet, um Beschädigungen auszubessern. Meist handelt es sich bei den Beschädigungen um Risse, die im Zuge des Rohbrands entstanden sind. Die Reparaturmasse sollte zum Tonkörper passen (ähnliche Schrumpfung) und für die Brenntemperatur geeignet sein (häufig bis 1.300-1.350 °C).
- Zuerst wird der rohgebrannte Scherben von Staub befreit.
- Dann wird die Reparaturmasse so aufgetragen, dass die Risse ausgefüllt sind. Die Masse wird also nicht einfach nur auf die Töpferarbeit gestrichen, sondern in die Risse hineingedrückt. Soll ein abgebrochenes Teil angeklebt werden, wird eine kleine Menge der Masse auf beide Auflageflächen gegeben.
- Anschließend wird die Töpferarbeit mit einer Glasur überzogen und der Glasurbrand durchgeführt.
- Glasurleim: Glasurleim (typisch CMC = Carboxymethylcellulose) erhöht die Bindung und Viskosität der Glasur. Er wird in geringen Mengen (0,5-2 % für Glasuren/Dekor, bis 2,5 % für Massen/Schlicker) zugesetzt, um zu verhindern, dass sich die Glasur während des Brandes abrollt und die Grifffestigkeit der Glasur auf dem Scherben zu erhöhen.
- Dichtungsmittel: Dichtungsmittel wird verwendet, um Vasen und andere Gefäße wasserundurchlässig zu machen. Es dringt in die Poren und Risse ein und dichtet das Gefäß nach dem Aushärten ab. Vasen und Gefäße, die mit Dichtungsmittel behandelt wurden, dürfen nicht noch einmal gebrannt werden. Dichtungsmittel sind nicht lebensmitteltauglich.
Vorgehensweise bei der Reparatur
- Vorbereitung: Die beschädigte Stelle muss sauber und fettfrei sein. Reinigen Sie die Fläche gründlich mit einem milden Reiniger oder einem speziellen Anlauger, um Schmutz und Rückstände zu entfernen. Anschließend trocknen Sie die Stelle sorgfältig mit einem fusselfreien Tuch.
- Reparatur:
- Risse: Reparaturmasse wird in die Risse gedrückt, um sie auszufüllen.
- Abgebrochene Teile: Kontaktflächen anrauen und mit Schlicker (Ton + Wasser) bestreichen. Reparaturmasse auf beide Auflageflächen geben und die Teile zusammenfügen.
- Trocknung: Die Reparaturmasse muss vollständig trocknen.
- Schliff: Kleine Unebenheiten können nach dem Trocknen abgeschliffen werden.
- Glasur: Nach der Reparatur wird das Werkstück glasiert und im Glasurbrand gebrannt. Es ist ratsam, ein Probestück zu glasieren und zu brennen, um den Glasur-Fit zu überprüfen.
Zusätzliche Tipps
- Bei größeren Schäden oder tiefen Rissen sollte ein Fachmann hinzugezogen werden.
- Achten Sie auf die richtige Mischung und Verarbeitung der Reparaturmasse.
- Verwenden Sie hochwertige Materialien für die Reparatur.
- Vermeiden Sie thermische Schocks und mechanische Belastungen, um die Lebensdauer der Keramik zu verlängern.
Vorbeugung von Glasurrissen
- Verwenden Sie Hartporzellan, das bei hohen Temperaturen gebrannt wurde.
- Vermeiden Sie extreme Temperaturunterschiede und thermische Schocks.
- Behandeln Sie Keramikgegenstände vorsichtig, um mechanische Beschädigungen zu vermeiden.
- Reinigen Sie Keramikgegenstände regelmäßig, um die Ansammlung von Fremdstoffen zu verhindern.
Weitere Aspekte
Verformungen beim Brennen
Bei der Herstellung von Keramik kann es zu unerwünschten Verformungen des Werkstücks kommen. Verformungen können sowohl in der Trocknungsphase als auch beim Brennen auftreten. Um Ton eine bessere Plastizität zu verleihen, mischt der Töpfer magere Tonerde mit bestimmten Tonmineralien wie Bentonit. Zwar lässt sich Tonerde durch hohe Wasseraufnahme leichter verarbeiten und formen, doch führt dies beim Trocknungsprozess zu einer starken Schwindung. Bei ungleichmäßiger Trocknung oder Gefäßen mit unterschiedlichen Wandstärken kann es durch den großen Volumenverlust zu einer Verformung des Werkstücks kommen. Um Verformungen zu vermeiden, muss die Töpferei ein profundes Wissen über Eigenschaften und Zusammensetzung des verarbeiteten Tons mitbringen. Auch gilt es beim Glasieren Vorsicht walten zu lassen.
Oberflächenschäden auf Glasuren
Eines der wohl umfangreichsten und komplexesten Reklamationen von Porzellan und keramischen Geschirren sind Oberflächenschäden auf den Glasuren. Die Ursachen und Verursacher von Glasurschäden sind sehr unterschiedlich. Der Verbraucher neigt schnell zu dem Schluss eines Produktionsfehlers oder einer mangelhaften Ware, doch ganz so eindeutig lässt sich das keineswegs feststellen. Die wahre Qualität des Porzellan besteht nicht aus ihrer Marke, Herkunft oder ihrem Preis, sondern in den einzigartigen Funktions- und Gebrauchseigenschaften, die sich nur aus der Kombination von Kaolin, Quarz und Feldspat ab einer Temperatur oberhalb von 1.320 °C ergeben.
Die Analyse einer Beschädigung der Glasur lässt sich relativ einfach in zwei Gruppen einteilen. Es gibt "scheinbare" Fehler, die sich auf die Glasur legen wie z.B. der Besteckabrieb oder Beschädigungen in der Glasur wie Schneidspuren oder Schleifspuren. Alle Arten von Schadensbildern, die man nicht "fühlen" kann, sind grundsätzlich immer auf eine Fremdverursachung zurückzuführen. Lassen sich die Schadensbilder erfühlen und ertasten, dann handelt es sich definitiv um eine Beschädigung der Glasur und voraussichtlich liegt eines der Schadensbilder von Schneidspuren oder Schleifspuren vor. Das bedeuted aber nicht, dass Schuld oder Ursache auf ein mangelhaftes Produkt zurückzuführen ist, da solche Beschädigungen immer durch den Gebrauch und im Zusammenwirken mit anderen Stoffen und Materialien entstanden sind.
Brennhilfsmittel
Brennhilfsmittel (BHM) sind feuerfeste Stäbe, Stützen, Platten, Kapseln oder ähnliche Formkörper. Sie dienen dazu, die Rohlinge in einem Brennofen so anzuordnen und zu stabilisieren, dass sie sich nicht verformen oder miteinander verkleben. Ihre häufigsten Werkstoffe sind Cordierit, Cordierit-Mullit und SiC.
Brennprozess
Im Brennprozess entsteht, durch gesteuerten Temperatureinfluss, aus einer getrockneten keramischen Masse ein keramischer Scherben. Dieser Brennprozess durchläuft mehrere Phasen und ist nicht reversibel. Er wird durch die Brennkurve (Temperatur/Zeit), die Ausbrandtemperatur und die Ofenatmosphäre beschrieben. Die keramischen Eigenschaften des gebrannten Scherbens werden maßgeblich durch den Brennprozess bestimmt.
Lesen Sie auch: Glasuren für Keramik: Ein Überblick
Lesen Sie auch: Kaltglasur selber machen
tags: #keramik #glasur #risse #ursachen #reparatur


